Seychellen November 2025
Ein 3-Insel-Trip zum Urlauben & DIY Fliegenfischen
Ein Reisebericht von Jupp Carda
Wir suchen uns eine schöne Bucht, um den Tag ausklingen zu lassen und während meine Liebste schon mal zum Strand läuft und sich ins badewannenwarme Wasser begibt, stecke ich die Rute zusammen und werfe mich in Schale. Man kann ja nie wissen…

Kaum am Wasser angekommen, spritzt ein Schwarm Brutfische hektisch auseinander und hinterher ein kleiner Trupp ansehnlicher Queenfish. Wie vom Blitz getroffen renne ich in die seichten Wellen und versuche gleichzeitig so schnell wie möglich Schnur freizugeben. Im zweiten Wurf landet der Streamer tatsächlich kurz vor dem Getümmel und keinen Augenblick später geht ein so herrlicher Ruck durch meinen Körper, dass ich vor Freude nur noch schreien möchte. In Bruchteilen einer Sekunde fetzt es die restliche Schnur durch die Ringe und mein Backing kommt zum Vorschein. Das macht einfach nur süchtig.

Doch dann lässt der Druck nach und ich realisiere, dass der Fisch gedreht hat und auf mich zu schwimmt. Ich kurble so schnell es geht, doch mein Gegner ist schneller. Ich setze rückwärts zum Sprint an, um irgendwie die Spannung zu halten, denn sonst wäre der Spaß hier ganz schnell wieder vorbei. Und eine zweite Chance gibt es nur selten. Ich stürze, hoffe, stehe auf und habe letztendlich das Grinsen auf meiner Seite. Als Sahnehäubchen meine Frau mittendrin, die ich bei diesem Tanz ganz gut umschiffen und ihr live demonstrieren kann, wie viel Sport in unserer Leidenschaft stecken kann.

So oder so ähnlich läuft es natürlich nicht immer, aber es gibt sie noch auf den Hauptinseln: diese Tage, wo alles perfekt ist !

Vieles hat Michael in seinen Berichten der letzten Jahre ja schon erzählt und ich kann mich seinen Erfahrungen nur anschließen.
Wie überall auf der Welt wird es voller und mit günstigen Unterkünften kommen neben einer wachsenden Bevölkerung auch mehr Touristen. Als Teil von diesen sollte man allerdings den Finger nicht all zu hoch heben und wenn man ein wenig sucht, findet man nach wie vor ein ruhiges Plätzchen und auch den einen oder anderen schönen Fisch. 

Wir verbrachten die letzten 2 Wochen im November jeweils mehrere Tage auf Mahé, Praslin und La Digue, die als Granitinseln zu den inneren Inseln der Seychellen gehören. Jede der 3 Inseln hat seinen eigenen Charme, wobei unsere Wahl wohl auf Praslin fallen würde, müsste man sich nur für eine entscheiden.

Mahé hat zwar die mit Abstand meisten Einwohner und ist auch ansonsten am besten erschlossen. Das kann einen an der Ostküste und vor allem um Viktoria herum als ruhesuchender Winterflüchtling gerne mal zur Weißglut treiben. An der Westküste und im Süden wartet die Insel nach wie vor noch mit oft menschenleeren Stränden und farbenfroher Unterwasserwelt auf. Auch nicht zu vergessen: die höchsten Gipfel der Berge im Inselinneren reichen über 900m. Also wer doch mal genug vom Faulenzen und Baden hat, findet als Bergziege hier ebenso seine Erfüllung (die aber mit reichlich Schweiß bezahlt werden muss).

Kann es einem hier schlecht gehen?
...oder hier?
Doch lieber hier?
Mhhh... Es sind schon wirklich schwierige Entscheidungen…
Gefischt hab ich fast ausschließlich am Morgen, wenn die bessere Hälfte noch geschlafen hat und zum obligatorischen Sonnenuntergang war natürlich auch eine einsatzbereite Rute dabei.

Kleine bunte Fische fängt man reichlich, die größeren muss man schon etwas suchen bzw. Glück haben, dass man zur richtigen Zeit auch am richtigen Ort ist. Aber hin und wieder klappt es und fast täglich konnte ich zu sehen, wie das Rot meines Backings im indischen Ozean verschwand, während die Rolle ihr Lied trällerte, wie zum Beispiel bei diesem wunderschönen Bluefin Travelly...

Was für Farben, was für Kräfte!!
Auch den eingangs erwähnten Abend konnte ich noch einmal wiederholen, beim zweiten Mal war es ein vielleicht 60cm großer Barrakuda, der Gott sei Dank ganz spitz hing und sich auch ohne Stahl zu einem kurzen Landgang überreden ließ. Leider war er nicht allzu fotogen und so gibt es trotz Fotografin nur ein schlechtes Suchbild.
Dieser halbstarke Bursche hatte leider nicht so viel Glück und endete in unserer Küche
Aber verdammt lecker!!!
Die Wege sind nicht selten etwas abenteuerlich



Ein kleiner Fußmarsch, ein wenig klettern und schon hat man die schönsten Strände auch auf Mahé für sich allein. 
Hier im Baie Ternay Marine National Park.
Genug vom Strand? Kein Problem! Mahe hat für alle Geschmäcker etwas zu bieten ...


Meist sieht man die mehrere m2 großen Netze erst, wenn man fast dagegen läuft



Auch von oben sehr sehr schick
Den haben wir uns nun aber wirklich verdient. Und mal schauen wer heute noch so vorbeikommt ...
Nach 4 Nächten auf der Hauptinsel wartete am fünften Morgen die Fähre auf uns und wir setzten nach Praslin über. Die ca. einstündige Fahrt verlief bei ruhiger See ohne Probleme und nach einem kurzen Stopp im Supermarkt bezogen wir unser nächstes Domizil, diesmal direkt am Strand. 
Da unser Mietwagen noch einen Tag auf sich warten ließ, fischte ich mich ein wenig am neuen Hausstrand entlang, allerdings ohne nennenswerte Erfolge. Dafür schmeckte der Takamaka mal wieder vorzüglich und ein weiterer Tag konnte als gelungen beendet werden. 

Unsere Flüge hatten wir diesmal über Qatar gebucht und von vornherein ohne Aufpreis jeweils 2-mal Aufgabegepäck a. 23kg. Solange man nicht zum Heiraten dort ist oder zu den Infizierten gehört, ein wenig übertrieben. Streng genommen braucht man eigentlich nur ein paar Badeutensilien, ein wenig Unterwäsche und vielleicht noch was Schickes für den Abend, wenn man mal ausgehen will. 

Durch den Umstand viel zu viel Platz zu haben, kam ich auf die Idee, mein Belly Boot mitzunehmen. Kurzzeitig immer mal verflucht, z.B. wenn kein fahrbarer Untersatz vorhanden ist, war das im Nachhinein wirklich Gold wert. 

Backing am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen…
Tagsüber erkundeten wir mit dem Mietwagen die überschaubare Insel, suchten schöne Strände und schnorchelten viel. Abends gings mit einem leckeren Getränk einmal fix über die Straße zum Sonnenuntergang. Bis auf den ersten Abend war hier allerdings fischereilich nicht allzu viel los. 
Dafür waren die Morgenstunden sehr gut. Die Flut war am Auflaufen und mit dem Wasser kamen auch die Räuber. Es dauerte meist nicht lange, bis sie sich durch ängstlich umher springende Kleinfische verrieten und dann hieß es: Einsteigen bitte!! 
Diese Faden-Stachelmakrele packte am Ersten Morgen zu
Die Bluefin Travellys sind auch nicht weit und ziehen regelmäßig in einem Affenzahn davon
Da wir in unserer Unterkunft einen kleinen Garten hatten, hab ich das Belly meist nur abgespült und dann zum Trocknen in die Sonne gelegt. Zugegeben ... nicht meine allerschlauste Idee. Wenigstens ist nur die Naht gerissen und die Luftkammern blieben ganz. Provisorisch geflickt hielt es den restlichen Urlaub noch, aber beim nächsten Mal nehme ich die 5 Min aufpumpen doch lieber mehrmals in Kauf.

Für ein zweites Malheur konnte ich allerdings weniger was. Ein Bluefin hatte sich mal wieder den kleinen blauen Clouser einverleibt und wurde nach einem schönen Tanz langsam müde. Als ich gerade seine Schwanzflosse greifen wollte, mobilisierte die kleine Dampflock noch mal all ihre Kräfte und flüchtete mit einem lauten Knack unter meinen Allerwertesten. Die folgenden Worte kann sich wohl jeder denken. Wenigstens den Fisch konnte ich noch landen und so bezahlten wir an diesem Morgen beide einen hohen Preis.

Wer nicht hören will, muss fühlen

Mein Streamer war nicht das erste Mahl an diesem Morgen. Der kleine unten misst vielleicht 2 cm ...
Neben schönen Stränden, dem Fischen und Schnorcheln gibt es auch auf Praslin einiges über der Wasseroberfläche zu entdecken, wie z.B. die nur hier vorkommende Coco de Mer, der größte Samen der Welt mit bis zu 30kg! Sie ist so schwer, dass sie es aus eigener Kraft nicht einmal auf die 50km entferne Hauptinsel Mahe schafft, dafür aber in jeden Reisepass, der die Seychellen besucht. Lediglich auf der Nachbarinsel Curieuse kommt sie noch natürlich vor. Auf dieser, früher als Leprakolonie genutzten Insel, kann man neben einer atemberaubenden Flora auch besonders gut die auf den Seychellen vorkommenden Riesenschildkröten beobachten. Heute stehen sie unter strengen Schutz, müssen keine Seefahrer mehr fürchten und nur hin und wieder mal respektlose Touristen über sich ergehen lassen.
Schöne Strände muss man auch auf Praslin nicht lange suchen
Es fällt glaub ich nicht schwer, hier auch an andere Sachen als die Coco de Mer zu denken…
Riesenschildkröten auf ...
... Curieuse
Diese kleinen Burschen kamen wohl aus Madagaskar hier her
Gut getarnt
Im Hintergrund die viert-„größte“ Insel La Digue. Unser nächstes Ziel.
Meine Spielwiese auf Praslin. Einmal über die Straße und da. So lässt es sich doch ganz gut leben.
Oder so, romantisch zu Zweit
Für die letzten Tage setzten wir noch einmal die Segel und bezogen unsere dritte Unterkunft auf der Fahrradinsel La Digue. Beim letzten Mal im März 23 als Tagestourist besucht, hofften wir diesmal ein wenig mehr Ruhe zu finden. Hat sich leider nicht ganz erfüllt, denn auch hier wird weiter fleißig gebaut und auch der Umstand, dass hier keine Autos verkehren, stimmt so nicht mehr ganz. Baufahrzeuge drängeln sich ohne Rücksicht auf Verluste durch die engen Gassen, Taxis und Golf-Cars kutschieren die besonders Faulen umher und die Einheimischen brettern mit motorrad-großen E-bikes durch die Gegend. Das kann schon ganz schön nervig sein. 

Aber genug gemeckert. So ist nun mal der Lauf der Dinge und nichtsdestotrotz wartet La Digue wohl mit den schönsten Stränden dieser Reise auf, auch wenn man sie nur selten für sich alleine hat.

Mietwagen sucht man hier vergebens, bei einer Größe von 3 mal 5 km sind sie allerdings auch völlig unnötig. Fahrräder gibt es an jeder Ecke für 10€/Tag und in 20 Min hat man sämtliche „Straßen“ erkundet, der Rest findet sowieso zu Fuß statt.

Wonne für die Seele mit Blick auf Praslin
Achhh… einfach nur herrlich

Meist geht es steil hinauf
Verdammt schnell und immer in Bewegung

Yummi
Das Angeln war die letzten Tage eher mau. Selbst die üblichen Verdächtigen ließen sich nur mit Ach und Krach überreden und nicht selten wünschte ich mich auf mein Belly zurück nach Praslin. Vielleicht lag es an der eher ungünstigen Tide für meine Morgenrunde, der falschen Strategie, falscher Windrichtung oder an zu viel Genuss der lokalen Spirituosen am Abend. Die Liste der Ausreden ist lang. Den einzigen guten Fisch habe ich am zweiten Abend nach einer kurzen Rauferrei an einem Durchbruch vom Riff an der Westküste verloren.

Der letzte volle Tag sollte ganz meiner Frau gehören und da sich auch das Schnorcheln etwas schwieriger gestaltete als sonst - starke Strömungen am Riff und Ebbe auf dem Flat – entschieden wir uns für den Anse Source d´Argent, bekannt aus diversen Werbespots alkoholischer Getränke oder mit Kokusraspeln beträufelter Süßigkeiten. Zu unserem Erstaunen hatten wir hier tasächlich die meiste Ruhe seit Tagen. Relativ weitläufig verlieren sich die Massen und gegen Nachmittag pilgern viele zurück zum Hafen um die letzte Fähre zu erwischen.

Ist schon wirklich sehr sehr schön, vor allem ab 15uhr
Darf natürlich auch nicht fehlen. Eine wahrlich gelungene Imagekampane
Nett anzusehen, aber Achtung: der Stachel könnte weh tun
Auf den letzten Drücker irgendwas erzwingen zu wollen, geht ja meistens ordentlich nach hinten los. Aber manchmal…

Als es gegen Abend ging, haben wir uns noch einmal kurz getrennt.
Viel Zeit war nicht mehr, wollte ich mein Versprechen halten, pünktlich zum Sonnenuntergang zurück zu sein. Dennoch wählte ich den Spot, wo ich es das erste mal versucht hatte.

Mit Aufbauen, Hinlaufen und  rechtzeitig wieder zurück sein, waren es eigentlich maximal 20 Min Angelzeit und schon beim Fertigmachen dachte ich mir unentwegt, wie dämlich das alles ist. Sicherlich geht eh nix, ich komm zu spät heim und mach bestenfalls (mal wieder) irgendwas kaputt.

Nach vielleicht 10 Min gab es dann tatsächlich doch einen schönen Biss und etwas langes Schlankes sprang in hohem Bogen davon. Mist. Sah nach einem ordentlichen Needlefisch aus. Gleich danach noch ein Fehlbiss. Maaaannnnn!!! Doch viel Zeit zum Ärgern blieb nicht. Kurze Zeit später ging erneut ein schöner Ruck durch meine Rute und diesmal saß der Haken. Wahrscheinlich hat der Gute sich kurz gewundert was los ist, denn die Rakete hatte Startschwierigkeiten. Aber wenige Augenblicke später sauste das Backing durch die Ringe und schoss erschreckend weit Richtung des offenen Ozeans. 

Langsam verspürte ich den Wunsch, dass er endlich stoppt und prompt wurde der Wiederstand schwächer. Also Beine in die Hand, so schnell wie möglich rückwärts Richtung Strand und kurbeln was das Zeug hält. Endlich baut sich wieder Druck auf und die Rolle fängt erneut an zu singen. Ich kann kurz Aufatmen, aber erblicke schon das nächste Problem. Zwischen uns beiden ragt eine verrostete Metalstange aus dem Wasser, die er zielstrebig ansteuert. Aber auch die kann ich parieren und nach einer gefühlten Ewigkeit und unzähligen Fluchten der Rolle und 7ner (!!) Ersatzrute ordentlich was abverlangen - während mein Wecker mich unentwegt daran erinnert, meine Sachen zu packen -  kann ich endlich seine Schwanzflosse greifen. Auch hier kann sich wohl jeder die folgenden Laute denken.

Manchmal, ganz manchmal, klappt es eben doch.

Tolles Finale
Mit zittrigen Händen mach ich fix ein paar schlechte Fotos und lass dieses wunderschöne Silber weiter seine Runden drehen. Ich sprinte zurück zu meinem Fahrard, überhole ein e-Bike nach dem anderen und bin tatsächlich auf die Minute genau zurück. Was für ein Krimi!!
Der letzte Sonnenuntergang
Auch nie fehl am Platz. Egal wie viele Fliegen man mitbringt, das Lieblingsmuster ist immer irgendwann alle. Und auch zum Reparieren jener sehr nützlich.
Am nächsten Morgen ging es ziemlich zeitig zurück nach Mahe. Vielleicht wären am Ende noch 2-3 Stunden auf dem Flat hinterm Flughafen drin gewesen, aber irgendwann ist dann auch mal gut und alles zusammen genommen war es ein wirklich sehr schöner Urlaub, in dem mal wieder beide auf ihre Kosten gekommen sind und mit Sicherheit auch nicht der letzte hier.

Welche der 3 Inseln die „beste“ ist, kann man so nicht wirklich beantworten. Das hängt ja auch stark davon ab, was erwartet wird. Wir mögen die Abwechslung und suchen eher Ruhe, was uns einen Besuch auf Praslin am lohnenswertesten erscheinen lässt. Wer lieber die Spuren der Kultur erkundet, wird auf Mahe am ehesten fündig und wer auf der Jagd nach hippen Strandbars für Social Media ist, wird zu den Klängen von Bob Marley auf La Digue wohl die meisten Klicks generieren.

Was einen letztendlich glücklich macht, muss jeder selber wissen. Grundvoraussetzungen gibt es jedenfalls viele und für alle Gemüter, Wintersportler vielleicht mal ausgenommen ;-)

Bis zum nächsten mal !
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Flüge auf die Seychellen gehen z.B. als 10 Stunden Nonstop Nachtflug mit Condor ab Frankfurt, alternativ mit Emirates, Ethiad und einigen weiteren Linien (generell mit Zwischenstopp). Die Flugpreise variieren sehr (und steigen ständig), die Zeiten wo man einen Hin- und Rückflug noch für 800€ pP bekommen konnte, sind leider längst vorbei.
Viel Wissenswertes über die Seychellen findest Du hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Seychellen
Berichte, Reports & Informationen zum Angeln auf den Seychellen. Trolling, Poppern, Jiggen, Fliegenfischen, Gezeiten, Boote ... https://www.seychelles-fishing.com
Allgemeine Seychellen-Infos: www.seychelles.travel
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Seychellen Infos - Seychellen Info Seiten: http://www.seychellen-infos.de
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