Hallo beinand,
@Hans!
Die Alternativen sind:
1) Nicht elektrofischen und die Natur walten lassen (Alternative zu gängigen fragwürdigen Bewirtschaftungsmethoden mit Elektrobefischungen)
2) Elektrofischen ja, aber gscheit
3) Als einzige echte Alternative für quantitative Bestandserhebungen fällt mir in Rhithralgewässern die Betauchung ein, welche aber nur Aussagen über den Bestand an Großfischen erlaubt (z.B. Huchen). Zur Dokumentation des Aufkommens von Jungäschen ist die Anwendung von Uferzugnetzen möglich, sofern großflächige Schotterbänke bestehen. Reusen / Fischwehre für Dokumentation von Fischwanderungen (siehe
http://www.fischwehr.com). Für Reproduktion optisches Zählen von Laichgruben.
Allerdings selbstverständlich: Die Methode richtet sich nach der Fragestellung, nicht umgekehrt.
@RC!
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass alles sehr kompliziert ist:-)
Es gibt Arten, die verhältnismäßig sensibel sind, wie Zander und kleine Äschen. Die Auswirkungen können stark vom verwendeten Gerät abhängen (z.B. hohe Leitfähigkeit + schwaches Aggregat führt zu hoher Restwelligkeit). Generell wirkt der Strom aber stärker bei großen Individuen (weil ein größeres elektrisches Feld abgegriffen wird), diese sind aber robuster ggü. mechanischen Einwirkungen.
Allerdings bin ich der Meinung, dass generell weniger der Strom selbst schädlich ist als vielmehr das Handling, sprich die Prozedur des kescherns, hälterns und manipulierens. Und das ist für Klein- und Jungfische besonders problematisch. Die Ausfälle hängen gerade bei Salmoniden stark von den äußeren Bedingungen ab (Wassertemperatur, Hitze, Sonne). Ein getrenntes Hältern von Klein-/Jungfischen und Großen kann sehr empfehlenswert sein, sonst werden die Kleinen mechanisch geschädigt.
Ich habe z.B. im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit tausende Fische individuell markiert (Bachforellen und Aitel). Es wurden dabei in monatlichen Abständen (über 14 Monate) einige Abschnitte eines Baches elektrisch befischt. Daher weiss ich, dass ich viele Individuen bis zu 12 (!!) mal elektrisch gefangen habe, und keine Schäden erkennbar waren. Darunter auch Individuen < 20 cm.
Besonders problematisch ist die Wirkung des elektrischen Feldes auf Krebse: Diese werfen nämlich zu einem Großen Teil ihre Scheren ab!
Allerdings bin ich der Meinung, dass gute Daten über das Gewässer, welche i.d.R. nur durch Elektrofischerei gewonnen werden können (siehe auch "Zur Selektivität der Fliegenfischerei" unter Natur & Umwelt), sehr wertvoll sein können. Zum Beispiel für Festlegung von Bewirtschaftungsstrategien, im Schadensfall (Fischsterben, Fischfresser) und zur Abwehr von Projekten mit negativer Wirkung (Kraftwerke, Einleitungen etc.). Den Eingriff würde ich dann - nicht zuletzt aufgrund des i.d.R. auf die Fläche gesehen geringen Anteils der befischten Strecken am gesamten Gewässer - als nicht verhältismäßig gegenüber dem potentiellen Nutzen sehen.
Daher: Elektrofischerei nur soweit wirklich notwendig und nur mit erfahrenem Personal! In Gewässern mit heimischen Krebsbeständen Hände weg! Rücksicht auf äußere Bedingungen! Wenn Elektrofischerei, dann methodisch gut geplant und dann das Ergebnis gut auswerten und dokumentieren (auch Kleinfischarten und Jungfische!). Unkontrolliertes Ausfangen, Umsetzen und Kurz Halten von Arten birgt viele Gefahren (Verschleppen von Krankheiten, Verfälschen von angepassten Populationen, nicht absehbare Veränderungen der ökologischen Verhältnisse etc.) und sollte unbedingt unterbleiben.
Clemens
P.S. Besatz halte ich ohne Erfolgskontrolle generell für fahrlässig - hier können u.U. aber auch Rückfangmeldungen (in Kombination mit Markierung) ausreichen.