Fliegenfischen nach englischen Regeln

Was macht FLIEGENFISCHEN aus? Hier darf nach Herzenslust gefachsimpelt werden! Auch Termin- und andere Ankündigungen passen hier herein. Erlebtes Fliegenfischen - hier kannst Du Deine Erlebnisse für alle schildern, wir lesen gerne Storys von früher und heute!
(Bitte prüfe zuerst, ob nicht eine der nachfolgenden Rubriken geeigneter für Deinen Beitrag ist).

Moderatoren: Forstie, Maggov, Olaf Kurth, Michael.

Benutzeravatar
Graz
Beiträge: 116
Registriert: 28.09.2006, 11:16
Wohnort: München
Hat sich bedankt: 1 Mal
Kontaktdaten:

Fliegenfischen nach englichen Regeln

Ungelesener Beitrag von Graz »

In der Gewässerbeschreibung eines englischen Kreideflusses habe ich folgende erlaubte Angelmethoden gelesen: "upstream dry fly and traditional nymph fishing only".

Britische Gentlemen, die sich "angler" und auf keinen Fall "fisherman" nennen, fischen ja nach der strengen Regel, auschliesslich mit der Trockenfliege und flussaufwärts, und nur auf steigende Fische. Ein Fischen auf Verdacht mit der Trockenfliege ist schon verpönnt, ebenso ein unnatürliches Anbieten, wie z.B. bewusstes Dreggen, wenn keine Sedges vorhanden sind.

So weit, so gut, aber was genau versteht man unter traditionellem Fliegenfischen mit der Nymphe. Nur mit klassischen Mustern, d.h. Goldkopf, es gibt ja in der Natur keine blitzenden Larven ? Sonstige Beschwerungen sind nicht erlaubt ? Nur flussaufwärts und auf gleicher Höhe wird die Leine wieder abgehoben ? Nur auf nachweislich nymphende Fische ?

Kennt jemand von Euch Literatur, auch englischsprachliche, in der darüber geschrieben wird,
oder weiss genau was darunter verstanden wird ?

Ich finde die Sache recht spannend, vor allem wenn man versucht nur möglichts naturgetreue Nachbildungen zu verwenden und diese auch "natürlich" anzubieten. Man verzichtet auf "Reizköder" (Goldkopf, glitzerndes Bindematerial) und Anbietetechniken, die z. B. bei der Forelle einen reflexartigen Biss auslösen, wie der berühmte Punkt, wenn nach dem Abtrieb und Strecken der Leine die Nymphe "unnatürlich" stoppt.

Was haltet Ihr davon ? Eines möchte ich noch klar stellen, ich halte das nicht für eine bessere Methode, Streamer und Co, sind schon in Ordnung. Für mich ist es nur eine Bereicherung, da ich die Zeit am Wasser im Hinblick auf die Natur viel bewusster erlebe. Natürlich sind meine Fliegen deutlich kürzer auf dem Wasser ;-).
Hardy

Ungelesener Beitrag von Hardy »

Ich bin ja nun bekanntermaßen ein Verfechter des „dry-upstream-only!“-Prinzips. :D Für mich ist es die schönste Art des Fliegenfischens.
Allerdings: Wer von uns hat schon oft die Chance, an englischen Kreideflüssen vergleichbaren Gewässern zu fischen? Wer kann permanent steigende Fische anwerfen? Oder wer sieht immer die nymphenden Fische? Ich leider nicht... :(

Aber da wo es geht, macht es großen Spaß, sich auf diese Arten des Fischens zu beschränken.

Was das Nymphen angeht, kenne ich zwar keine entsprechende Literatur, aber von Oliver Edwards gibt es ein paar sehr schöne Videos/DVDs (Essential Skills), in denen er u.a. die Technik des Nymphenfischens vorstellt und gleichzeitig die verwendeten Muster mit den Bindeschritten zeigt.

Da es sich bei den Flüssen, an denen er fischt, um bekannte englische Gewässer handelt, dürfte die Technik schon dem „traditional nymphing“ entsprechen.

Allerdings befischt er z.B. auch einen Wehrkolk, in dessen strudelndem Wasser er sicherlich keinen Fisch nymphen sieht. Also ein 100%-iger Purist scheint er auch nicht zu sein... ;)
Benutzeravatar
helmut herrmann
Beiträge: 140
Registriert: 29.09.2006, 21:33
Wohnort: Weimarer Land

Ungelesener Beitrag von helmut herrmann »

Hallo graz 67, guten Abend an die Runde,

einmal im Jahr war es für mich und eine Handvoll Leute Tradition, mit uralten Gespließten und traditionellen Fliegen unseren Fischen hinterherzujagen.
Selbstverständlich blieben an diesem Tag alle modernen Assessoirs wie Clips und Ausziehröllchen im Schrank. Es hat einfach Spaß gemacht, uns selbst
zu beweisen, daß man auch ohne moderne Hilfsmittel Fische fangen kann.

Die Technik hat uns Fliegenfischern so vieles erleichtert. Die hochmodulierten
Ruten entwickeln enorme Kraftpotentiale, von denen Generationen vor uns nur geträumt hätten, die Rollen sind zu Präzisionsinstrumenten geworden und bei den Schnüren bleiben im Hinblick auf ihre vielfältigen Einsatzmöglich- keiten kaum noch Wünsche offen. Mit solchem Gepäck an ein Fischwasser zu gehen, macht schon mächtig Spaß.

Trotzdem habe ich mich immer auf diesen einen verrückten Tag gefreut. Es war schon eine Gaudi, mit einer durchhängenden dreiteiligen Gespließten und einer nach altem Rezept gebundenen englischen Alexandra irgendeinen Fisch zu fangen.

In meinem Hobbyraum hängt ein altes Bild von einem Fliegenfischer, der hemdsärmelig, mit Schlapphut und umgehängtem Weidenkorb, seinen Wurf
ausfischt. Der Kerl steckt nicht mal in einer Weste, geschweige denn in Neo-
prenstiefeln. Aber in seinem Gesicht siehst du die gleiche Vorfreude....

Ich will damit ausdrücken, daß alles das, was mit Tradition zu tun hat, seinen Sinn hat. Übertriebene Eitelkeiten, only dry-fly-fishing etc. erinnert mich an
Trends, die uns irgendwelche "Modeschöpfer" vorgeben wollen. Und die
können mir gestohlen bleiben.

Helmut Herrmann
Benutzeravatar
Rolf Renell
Beiträge: 1605
Registriert: 29.09.2006, 13:32
Wohnort: Köln,Leverkusen/Berg.Land/Eifel/Irland
Hat sich bedankt: 31 Mal
Danksagung erhalten: 69 Mal
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Rolf Renell »

Hallo ?,

interessantes weitläufiges Thema ,zu gross um hier mal "eben" drauf zu antworten.
Ich verfechte es z.Teil sehr gerne ,puristisch im Sinne von minimalistisch mit allem was dazu gehört.
Die ältere engl. Ffliegenfischerliteratur bietet hier einiges ,wenn es dich interessiert versuche Bücher von folgenden Autoren zu lesen,oder dich im Netz schlau zu machen.Es gab versch. Ansätze sich mit neuen Entwicklungen und Theorien auseinanderzusetzen ,deswegen exestieren bis huete auch versch.Schulen darüber.

Halford -Skues

F.Sawyer -Oliver Kite

Versuche dich über diese Autoren zu informieren und dich einzulesen,teilweise häufig im engl. Ebay gut zu finden ,ansonsten Antiquariat z.B.coch- y -bondhu books in Wales bei Paul Morgan.
Wenn du genaueres brauchst ,mail mich bitte an,
beste Grüsse ,Rolf
-----------------------------------------------------
...a fisherman`s dream , is a trout in the stream ...
Benutzeravatar
Graz
Beiträge: 116
Registriert: 28.09.2006, 11:16
Wohnort: München
Hat sich bedankt: 1 Mal
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Graz »

Hallo !

Vielen Dank für Eure hilfreichen Antworten. Die DVDs von Oliver Edwards habe ich mir gleich bestellt.
Bevor ich mir noch englische Literatur besorge muss ich mich noch ausgiebiger kundig machen. Ist nicht gerade billig, was englische Antiquariate anbieten.
Mit Hilfe der Namen habe ich im Netz und Literatur recherchiert.

Wenn's interessiert, hier das Ergebnis:
Der Brite G.E.M. Skues ist wohl die Urheber des Fliegenfischens mit der Nymphe. Die Technik ist um 1900 entstanden. Dabei wurde natürlich auch streng upstream und auf ausgemachte Salmoniden gefischt. So etwas lese ich natürlich gerne :-).
Frank Sawyer hat die Technik von Skues noch erweitert, indem er kurz bevor die Nymphe den Fisch erreicht die Rute anhebt und so ein Aufsteigen der Nymphe bewirkt. Ausserdem hat dieser auch mit Kupferdraht beschwerte Muster, wie z.B. die Pheasant Tail, verwendet, und so vermutlich diese auch tiefer geführt als Skues.
Fliegenfischen mit der Nymphe war zu dieser Zeit an den Kreideflüssen aber noch ziemlich verpönnt. Wann diese Technik schliesslich akzeptiert wurde konnte ich noch nicht rauskriegen. Aber vermutlich würden sich auch diese Pioniere im Grab umdrehen wenn sie eine Goldkopfnymphe sehen würden ;-).

Grüße aus München, Klaus

P.S.: Schön, dass es hier Gleichgesinnte gibt ! Wie wäre es mit einem verschworenen Club ? Natürlich mit Eid, niemals eine Fliege downstream zu werfen und ..... :-)).
Royal Coachman
Beiträge: 2885
Registriert: 28.09.2006, 20:06
Wohnort: Oberhausen in Obb.
Hat sich bedankt: 268 Mal
Danksagung erhalten: 479 Mal

Ungelesener Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Klaus !

Schau mal in Deine PN !


tight lines

Royal Coachman
Der immer auf Seiten der Fische steht!
Maggov
Moderator
Beiträge: 5549
Registriert: 28.09.2006, 14:21
Wohnort: München
Hat sich bedankt: 308 Mal
Danksagung erhalten: 401 Mal

Ungelesener Beitrag von Maggov »

Hallo Klaus,

in Deinem Beitrag zu Sawyer steckt für mich ein entschedendes Argument. Als Sawyer seine (beschwerten) Nymphen verwendete haben die anderen "angler" dies als nicht sportlich angesehen. Heutzutage gilt eine Pheasant Tail als Klassiker und niemand stellt die Verwendung von diesen Nymphen mehr als "unsportlich" dar. Dies kann man auf viele Weiterentwicklungen in diesem Sport übertragen... eine Goldkopfnymphe ist historisch gesehen einfach eine Weiterentwicklung und stellt für mich kein "Verbrechen" dar. Letztendlich ist es doch jedem freigestellt, ob man "old fashioned" fischt oder den letzten Schrei in der Flyfi-Szene anwendet...

Mein Prinzip: Leben und leben lassen! Jeder muss für sich selbst entscheiden ob er neue Entwicklungen übernehmen will oder nicht. Diese Entscheidung als unsportlich oder ehrenwert zu bewerten ist dabei m.M. nach etwas übertrieben.

Ich persönlich denke mir, dass Bewährtes funktioniert und man nicht jeden neuen Trend mitmachen muss. Wenn das Wasser besondere Kniffe erfordert ist es jedoch m.M. nach nicht verboten diese anzuwenden. Das Fliegenfischen auf Nicht-Salmoniden oder im See erfordert nun mal andere Techniken und Mittel. Wer weiß was Puristen über ein Bellyboot gesagt hätten :D ....

Da ich hauptsächlich auf Salmoniden fische und das Glück habe schöne Flüsse und Bäche in der Nähe zu haben, brauche ich weder Sinkleinen noch shooting Taper noch anderes equipement in der Richtung. Eine DT und ein gutes Fliegensortiment (u.a. mit Goldkopfnymphen ;) ) haben bisher (fast) immer gereicht... den einen oder anderen Schneidertag nehme ich dafür in Kauf...

Was das upstream-Fischen betrifft- ich habe eigentlich nur positive Erfahrungen mit dieser Methode gemacht. Gerade bei vorsichtigen Fischen finde ich funktioniert das z.T. sogar besser (Subjektive Sicht!!!!)

Viele Grüsse und T.L.

Maggov
Reflection is a broad deep and quiet pool into which the stream of an angler's thought opens out from time to time.
A. A. Lucas in Fishing and Thinking, 1959
thomas t.

Ungelesener Beitrag von thomas t. »

Benutzeravatar
Rolf Renell
Beiträge: 1605
Registriert: 29.09.2006, 13:32
Wohnort: Köln,Leverkusen/Berg.Land/Eifel/Irland
Hat sich bedankt: 31 Mal
Danksagung erhalten: 69 Mal
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Rolf Renell »

...stromab hat aber glaub ich DT Vorrang vor Levellines und WF,machen wir jedenfalls bei uns so ...;-)

beste Grüsse ,Rolf
-----------------------------------------------------
...a fisherman`s dream , is a trout in the stream ...
Lefty

Ungelesener Beitrag von Lefty »

Original geschrieben von Rolf Renell
Levellines
wo gibst die?
fishingedd

Re: Fliegenfischen nach englichen Regeln

Ungelesener Beitrag von fishingedd »

Original geschrieben von graz67
So weit, so gut, aber was genau versteht man unter traditionellem Fliegenfischen mit der Nymphe. Nur mit klassischen Mustern, d.h. Goldkopf, es gibt ja in der Natur keine blitzenden Larven ?

wahrscheinlich ist die kleine luftblase an den gerade sich strecken wollenden flügeln bei emergern gemeint. unterwasser spiegelt sich darin das licht.

war kurz.........:verlegen:

tight lines
Antworten