Geschweißte Loops

Forum für Fragen und Erfahrungen zu Gerät - Zubehör - Bekleidung - etc. Gibt es besonders empfehlenswertes Tackle? Was benötigt der Fliegenfischer wirklich? Du hast allgemeine oder spezielle Fragen, oder gute oder schlechte Erfahrungen mitzuteilen? Hier ist Platz dafür und Du bekommst die Antworten, die Du suchst...

Moderatoren: Forstie, Maggov, Olaf Kurth, Michael.

troutcontrol
Beiträge: 976
Registriert: 07.10.2006, 12:31
Wohnort: Berlin
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 172 Mal
Kontaktdaten:

Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von troutcontrol »

Mit dem richtigen Gerät lassen sich Schussköpfe aus Polyurethan relativ problemlos mit schönen geschweißten Schlaufen versehen. Bei Schnüren aus PVC läßt sich das hingegen schlecht vorhersagen, ich würd da eher spleißen!


Das Gerät

Meine ersten Versuche habe ich mit Kerzen und schwarzem Schrumpfschlauch unternommen - schlechter geht es nicht, weil Kerzen rußen, man sich die Finger verbrennt und durch den schwarzen Schrumpfschlauch eh nix zu sehen ist. Also transparenter Schrumpfschlauch und eine andere Wärmequelle - so bin ich zu einem Löteisen gekommen, weil ich es schlichtweg da hatte. Mittlerweile benutze ich ausschließlich einen Haarglätter, ein Billigteil, was ca. 160° C erreicht.



Bild



Der große Vorteil besteht neben der niedrigeren Temperatur darin, dass sich durch das Zusammendrücken /-quetschen des zwischen den "Zangen" befindlichen Werkstücks Druck erzeugen lässt, was den Verschmelzungsprozess beschleunigt.



Wichtig ist natürlich auch der transparente Schrumpfschlauch. Ich hab ganz normalen, mittelwandigen in Stärken von 1,6 mm / 2,4 mm / 3,2 mm, der eine Schrumpfrate von 1:2 hat, nix besonderes. 2,4 mm und 3,2 reichen vollkommen aus.





Die Technik

Man kann eigentlich nichts falsch machen, weil sich mit der Temperatur von 160 ° C kaum Unsinn anstellen läßt:
Der Schusskopf ist vor dem Haarglätter durch den Schrumpfschlauch geschützt, man sieht den Schusskopf durch den Schlauch, dieser schrumpft, legt sich eng an, der Schusskopf wird heißer, man rutscht her und hin, sieht ja alles, noch ein bischen mehr, kurz auf einer Unterlage ausrollen, reicht noch nicht? Also weiter, quetschen, rollen, drücken im steten Wechsel - irgendwann ist dann gut. Schrumpfschlauch mit einem Stanley-Messer oder Skalpell aufschneiden, abziehen.
Reicht nicht? Neuen Schrumpfschlauch rüber - und weiter...





Der Front Loop

Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, läuft ein Schusskopf vorne dünn aus. Ich mach es mir daher einfach und doppele die Schnur (hier ein klarer) vor dem Verschweißen einfach:


Bild
Die Spitze des Fronttapers - hier ein ersichtlich klarer Kopf mit Mono-Seele.



Bild
Eingestöpselt, auf 8 cm gedoppelt, Loop gebildet.




Bild
Verschweißt.




Bild
Das Messer - keine Sorge, der Kopf nimmt keinen Schaden!




Bild
Fertig!





Backend Loop

Der hintere Loop sollte hinsichtlich der Materialstärke möglichst dünn sein, es kommt schließlich noch die Runningline mit einer gewissen Dicke dazu - und das addiert sich dann, womit doppeln definitv ausscheidet. Nun gibt es - wie immer im Leben - mehrere Möglichkeiten. Die "dünnste" Lösung erreicht man, wenn die Seele den Loop bildet:




Backend Loop bei Schusskopf mit Mono Core




Bild
Ein Fläschchen mit Aceton.




Bild
Ein Stück Dacron.



Bild
Schlaufe hat sich zugezogen.




Bild
Freigelegte Seele.




Bild
Eingestöpselt.


Bild
Verschweißt.




Bild
Schrumpfschlauch entfernt.




Bild
Fertig - wer will, kann noch zur Sicherheit abbinden, hält aber auch so.











Backend Loop bei Schusskopf mit Power Core Seele



(Front Loop siehe weiter oben)




Bild
Freigelegt.




Bild
Eingestöpselt.




Bild
Durchgeschoben.




Bild
Loop gezupft.






Bild
Verschweißt




Bild
Freigelegt.








Runningline mit Power Core



Bild



Bild



Bild




Bild




Bild




Bild












Bild
Versiegelt mit Aquasure.




Bild
Fertig!





Feinschliff (und auch gut für die Nerven...)


Bild
Wenn man schlampig gearbeitet hat ...




Bild
läßt sich die Angelegenheit mit einem Stückchen Steinschlagschutzfolie nicht nur verschönern, es erhöht mit Sicherheit auch die Haltbarkeit, insbesondere bei den Runninglines und den klaren Köpfen. Ein Stückchen ausschneiden, Trägerfolie (Kleber!) abziehen, aufkleben, Schrumpfschlauch drüber, verschweißen, Schrumpfschlauch ab - fertig.



Grüsse
Martin 8)
Martin
Sixgunner
Beiträge: 613
Registriert: 04.02.2009, 21:39
Wohnort: Eric aus Altrier, Lucilinburhuc
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 64 Mal

Re: Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von Sixgunner »

Hallo Martin,

Das war ausführlich!!!!!!!!! :D :D :D :D =D> =D> =D> =D>

Hut ab,

Gruss,

Eric
mefohunter
Beiträge: 62
Registriert: 11.10.2006, 21:20
Wohnort: Köln
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 6 Mal

Re: Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von mefohunter »

Martin, super!
Vielen Dank.
Daniel
Ralph Hertling
Beiträge: 750
Registriert: 30.10.2006, 11:22
Wohnort: Dickes B
Hat sich bedankt: 144 Mal
Danksagung erhalten: 54 Mal
Kontaktdaten:

Re: Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von Ralph Hertling »

Moin!!

Gewohnt saubere Arbeit, Martin ... das kannst Du in Foren rund um den Globus posten und wirst überall Fliegenfischer damit glücklich machen!!
;-)

TL und bis später
Ralph
Ossadnik

Re: Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von Ossadnik »

Guten Morgen,

Klasse Beitrag. =D>

Ausfuehrlich - hervorrangend bebildert. Besser kann man das gar nicht machen. =D>

Vielen Dank. =D>

Gruss

Franz
Benutzeravatar
Bäschwatz
Beiträge: 874
Registriert: 23.08.2009, 19:52
Wohnort: Dieburg
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 59 Mal

Re: Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von Bäschwatz »

Hut ab vor`m Handwerk.
Für daheim im Bastelkeller sicher ok.
Für am Wasser mal schnell was tüddeln wohl eher nicht.
Gruß Thilo
troutcontrol
Beiträge: 976
Registriert: 07.10.2006, 12:31
Wohnort: Berlin
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 172 Mal
Kontaktdaten:

Re: Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von troutcontrol »

Moin,
manch einer kann sich aufgrund schlechter Erfahrungen mit dem Schweissen nicht so recht anfreunden, allerdings lassen sich bestimmte Fehler auch vermeiden.

Beim Frontloop bietet sich ja das Doppeln an ..
Bild

was aber bei entsprechender Unaufmerksamkeit auch in einem "Desaster" enden kann...
Bild

"Idiotensicher" ist demgegenüber diese Variante:
Bild

Erklärt sich von selbst, oder?
Bild

Hier jedenfalls ein schnieker Frontloop.
Bild



Das "lose" Ende sieht dann übrigens zunächst so ...
Bild

und nach dem Entfernen des Schrumpschlauch so aus:
Bild


Glatter geht der Übergang wohl kaum.
Bild


Grüsse
Martin
Martin
Benutzeravatar
Svartdyrk
Beiträge: 1538
Registriert: 27.04.2009, 09:29
Hat sich bedankt: 835 Mal
Danksagung erhalten: 894 Mal

Re: Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von Svartdyrk »

Hey Martin,

das hat mal wieder Hand & Fuß was du da treibst! :daumen

Saubere Arbeit, verständlich erklärt und bebildert.

vielen Dank!
Beste Grüße Svart =D>
Wishin' I wuz fishin', g <*))))><
troutcontrol
Beiträge: 976
Registriert: 07.10.2006, 12:31
Wohnort: Berlin
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 172 Mal
Kontaktdaten:

Re: Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von troutcontrol »

Moin,
wer beim hinteren Loop (zur Runningline) auf "Nummer Sicher" gehen will, mag sich für diese Variante interessieren. Neben 100% Tragkraft-Erhalt besteht der Vorteil darin, dass der Kopf beim "Loopen" praktisch nichts an Gewicht verliert.


Hier der hintere Loop an einem #10/11 GUIDELINE DDD im Vergleich zum Frontloop an einem Einhand-Schusskopf.
Bild

Das Coating des Guideline hat einen Durchmesser von über 2 mm, definitiv nichts zum Doppeln.
Bild

Unten.
Bild

unten nach dem Verschweißen - das sind Makro-Aufnahmen !!
Bild

Oben hab ich das Coating mit dem Glätteisen einfach abgeschmolzen, man muss sich nur trauen, der Seele passiert nix.
Bild

Richtig schön sieht es nach dem Entfernen des Schrumpfschlauchs nicht aus...
Bild

... und nach dem Entfernen der Reste mit Aceton "blüht" das Coating auch noch auf !!
Bild

Keine Panik, alles unter Kontrolle! Einfach in ein neues Stück Schrumpfschlauch...
Bild

... und schön "ausmassieren".
Bild

Voila!
Bild

Jetzt kommt das Finish mit einer dünnen Versiegelung, Bilder spar ich mir (fast).

Man nehme ein Mini-Mischgefäß ...
Bild

entferne vorher natürlich das Plastik-Inlay, nehme ein Tröpfchen PU-Kleber (Pattex Extreme Repair oder Aquasure), ein Tröpschen Aceton, vermische beides mit einem Zahnstocher, tunke den "nackten" Loop ein, massiere es ein, trocknen lassen - fertig!


Viel Spaß!


Grüsse
Martin
Martin
Bernd Ziesche

Re: Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

.
Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 31.07.2013, 10:07, insgesamt 1-mal geändert.
troutcontrol
Beiträge: 976
Registriert: 07.10.2006, 12:31
Wohnort: Berlin
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 172 Mal
Kontaktdaten:

Re: Geschweißte Loops

Ungelesener Beitrag von troutcontrol »

Bernd Ziesche hat geschrieben:... und lege damit eine Schlaufe parallel zum Kopfende. Diese wickel ich nun mit Bindegarn fest und überziehe das Ganze mit Polyurethankleber
Moin Bernd,
das hört sich doch nach einem wunderbaren neuen Einsatzbereich für die Zauberfolie an ! :mrgreen:

Die Schlaufe nur 1x parallel legen (und abbinden) oder 1x parallel anlegen (loses Ende mittig abbinden) und Rest des losen Endes Richtung Loop zurücklegen und dort erneut abbinden?

Grüsse
Martin
Martin
Antworten