Kapitale Brückenforellen

Hier gehts rund um den Fisch. Besonderheiten, spezielle Techniken und Köderwahl auf unterschiedliche Fischarten, u.s.w.

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trutta1
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Kapitale Brückenforellen

Ungelesener Beitrag von trutta1 »

Hallo Fliegenfischer,

reine Trockenfliegenpuristen sollten spätestens an dieser Stelle ausblenden, da es ausschließlich um den Fang großer bzw. kapitaler Standforellen geht.

Meine Erfahrungen mit kapitalen Brückenforellen beziehen sich fast ausschließlich auf Niederungsbäche im Flachland. Bis auf die Maifliegenzeit konnte ich kaum starke Bachforellen beim Steigen unterhalb von Brücken beobachten. Deshalb kommen bei mir zu 90% Streamer ab Hakengröße (Schonhaken) 10 zum Einsatz. Wer ab und an einen dieser Fische für die Küche mitnimmt, ist sicher auch neugierig, was deren Mageninhalt so hergibt.
Koppen,Elritzen,Bachneunaugen,Stichlinge,Gründlinge,Schmerlen,Frösche,Kröten und Mäuse konnte ich in den meisten Mägen kapitaler Forellen feststellen.
Kurios war sicher ein auf Mausstreamer gefangener Bachforellenmilchner, der schon eine Schmerle, einen großen Grasfrosch und eine Wasserspitzmaus verspeist hatte.
Auch die oftmals verbreitete Meinung kapitale Forellen sind scheu und schwer zu fangen, trifft auf Brückenforellen nur bedingt zu. Einige Vorraussetzungen müssen dennoch gegeben sein. Wichtigste Vorraussetzung ist sicherlich die Breite und Zugänglichkeit der Brücke. Der Abstand zwischen Wasseroberfläche und Brücke, sollte so gering wie möglich sein. Kapitale Bachforellen lieben das ständige Dämmerungslicht unterhalb solcher Brücken. So lassen sie sich mit ein bisschen Glück sogar bei Sonnenschein überlisten. Bevor fast alle Autobahnbrücken verbreitert und angehoben worden sind, waren sie das Eldorado kapitaler Bachforellen. Aber selbst kleinste Brücken können für uns Überraschungen bereithalten.
Meine Streamer fische ich sehr aktiv. Mäuse- und Froschstreamer erzeugen dabei richtige kleine Bugwellen. Die Angriffe auf schwimmende Streamer sind absolut spektakulär. Anschlagen sollte man nicht, da dies meist einen Fehlbiss verursacht. Kräftiges Gegenhalten reicht meistens völlig aus um den Haken sicher zu setzen.
Noch einige Details meiner Ausrüstung:
Rute : Thomas&Thomas PA 906 Klasse 6 / 9"
Rolle : Henschel B&S 1 A/R
Flyline : Teeny Fly Line WF 6 Farbe Hellgrün
Vorfach : Selbstbau aus 2 Schlaufen 0,25 Stroft GTM verzwirnt
Vorfachspitze : Minimum : 0,22 / Länge : 2- 4 Meter (je nach Sichtigkeit des Baches)
Nochmals eine Anmerkung zu meinen verwendeten Streamern. Die größten sind gute 10cm lang (Schmerlenstreamer) und nicht bzw. leicht beschwert. Als Bindematerial verwende ich fast ausschließlich Marabou in verschiedenen Farben. Einige eingebundene Flashaboustränge vervollständigen die Streamer. In Schlaufentechnik gebunden sind sie robust und äußerst fängig.
Wie gierig manche Brückenforellen sind zeigte mir der Fang einer 31cm Bachforelle auf einen Mausstreamer. Sie verfolgte den Streamer über einige Meter, attakierte ihn mehrmals bevor der Haken im Maul fasste.
Die Fischerei auf Brückenforellen hat noch einen sehr guten Nebeneffekt. Die Reviere sind begehrt und werden meist nach Entnahme eines kapitalen Fisches kurze Zeit später wieder besetzt.

Vielleicht haben einige von euch ähnliche Erfahrungen mit Brückenforellen gemacht. Wie oben schon angemerkt, beziehen sich meine Erfahrungen auf Niederungsbäche. In klaren, schnellfließenden Gebirgsbächen würde ich sicher keinen 12cm Streamer fischen. Allerdings fing ich auch dort meine größten Forellen und Äschen auf fettere Happen (Steinfliegen).

Wünsche allen Fliegenfischern ein erfolgreiches Jahr!

Frank
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Dr.Do

Ungelesener Beitrag von Dr.Do »

Hallo Truta,
danke für deinen informativen Bericht. Schon spannend, was du für Erfahrungen gemacht hast. Auch ich habe seit einigen Jahren ein "Faible" für die Unfangbaren Brückenforellen entwickelt. Anfangs war ich manchmal so frustriert, weil sie jedes angebotene Muster abgelehnt haben und hab sie schlussendlich nicht selten mit der berüchtigten Brotfliege geleimt. Das hat mich aber auf Dauer wenig befriedigt und da ich das Streamern eigentlich nicht als eine Disziplin des Fliegenfischens betrachte, hab ich mehr und mehr die Erfahrung gemacht, dass man sie sehr elegant mit extrem kleinen speziell gebundenen Nymphchen an langem Vorfach überlisten kann. Am besten auf Sicht. Siehst du das weisse im Maul des Giganten ist es Zeit die Rutenspitze hochzunehmen und das Tänzchen beginnt. Ich würde allerdings nie auf die Idee kommen solch einen Fisch abzuschlagen, da sie außer mir noch jeder Menge anderer Leute Freude bereiten und nicht selten von den Menschen, die an der Brücke wohnen oder dieselbe regelmäßig überqueren als eine Art "Haustier" betrachtet und gefüttert werden.
An den meisten Gewässern ist das Angeln von Brücken so weit ich weiß, nicht erlaubt. In der Schweiz ist das Angeln zB am Doubs in der gesamten Ortslage ST.Ursanne einschließlich der vielen Brücken streng verboten. Dort stehen oft Schaulustige und sehen sich neugierig die kapitalen Fische im Wasser an. Obwohl es den ambitionierten Fischer in den Fingern juckt, sollte mann nicht automatisch jeder schönen Forelle nachstellen sondern sich mitunter damit begnügen sich an ihrem Anblick im klaren Flusswasser zu erfreuen.
Wenns so weiter geht, werden unsere Enkel diesen Anblick nicht mehr genießen können.......................

Liebe Grüße
Kläuschen
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trutta1
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Brückenforellen

Ungelesener Beitrag von trutta1 »

Hallo Kläuschen,

in den Niederungsbächen des Flachland sieht man sehr selten eine wirklich große Forelle. Das Wasser ist meist etwas angetrübt (Sedimenteintrag durch Torf oder Hangmoore). Dort wirst Du mit einer kleinen Nymphe kaum einen guten Fisch erwischen, da man in den meisten Fällen"blind" fischt. Die Maifliegenzeit bietet hier eine Ausnahme. Meist erkennt man erst dann wie gut der Salmonidenbestand des Baches ist.
Natürlich entnehme ich nicht jede kapitale Forelle. Seit 1980 führe ich Buch über gefangende und entnommende Salmoniden. Dabei konnte ich feststellen, daß am Anfang der Saison vermehrt Rogner und gegen Ende wesentlich mehr Milchner von mir und einem guten Freund gefangen wurden. Ab einer gewissen Größe kann man den Unterschied recht gut erkennen. Wenn ich also einen entnehme, ist dies ein Milchner.
Ein schlechtes Gewissen habe ich dabei nicht. 1-3 Forellen im Jahr verteilt auf ca. 15 Bäche die ich regelmäßig befische, sind meiner Meinung nach sicher vertretbar.
Beobachtungen beim Ablaichen haben mir gezeigt, daß oftmals kleinere Milchner das befruchten der Eier vornehmen, obwohl ein kapitaler Milchner anwesend war. Somit wähle ich wohl das etwas kleinere Übel.
Wohl dem, der wie Du große Forellen auf Sicht anwerfen kann. Wie heikel diese Forellen sind konnte ich schon öfter in Bayern oder Österreich feststellen. Die besten Erfolge hatte ich dort bei Regen und angetrübten Wasser. Bei Sonnenschein und klarem Wasser waren sie mit nichts zu verführen. Da ich es nicht fair finde diese Fische mit sehr dünnen Vorfächern zu befischen, hatte ich bei gutem Wetter meist die schlechteren Karten.

Gruß Frank
Zuletzt geändert von trutta1 am 09.01.2010, 20:07, insgesamt 2-mal geändert.
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flatfischer
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Ungelesener Beitrag von flatfischer »

Hallo Frank,

ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich habe da selbst so eine richtig schöne breite Brücke im Revier, wo eine dicke Forelle da rumschwimmt, wo man mit der Fliege normalerweise nicht hinkommt. Da aufgrund der örtlichen Gegebenheiten die Fliege unter die Brücke driften muss und Trockenfliegen ignoriert wurden, habe ich dem Fisch eine richtig fette Chernobly Ant der Größe 6 als schwimmenden Streamer angeboten. Als die Fliege weit genug unter die Brücke getrieben war, begann ich sie langsam gegen die Strömung einzustrippen. Nach zwei Zupfern kam aus einigen Metern eine Bugwelle auf die Fliege zugeschossen, die eines Karpfen würdig gewesen wäre. Der Biss erinnerte mich dann eher an Trevallies, die einen Popper attackieren. Ich will gar nicht genau wissen, wie groß die Forelle wirklich war, ich habe nämlich versehentlich angeschlagen...... (5 Pfund dürften da kaum gereicht haben). Beim nächsten Wurf ist die Forelle dann noch einmal auf die Fliege zugeschossen, hat aber kurz vorher gelangweilt abgedreht. Eine weitere Chance hat sie mir seitdem leider nicht mehr gegeben.

Gruß Helge
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trutta1
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Brückenforellen

Ungelesener Beitrag von trutta1 »

Hallo flatfischer,

keine Scheu vor stärkeren Vorfächern. Nur entfettet müssen sie sein!
Noch ein Tipp zum Drill: Rutenspitze ins Wasser!!
Hatte mal eine richtig kapitale Bachforelle unter einer flachen Brücke am Haken. Die sprang wie verrückt an die Brückendecke. Dachte schon sie will sich selbst betäuben. Das dies durchaus Sinn machte, wurde mir leider erst später klar. Sie konnte sich durch die stärker wirkende Hebelkraft dem Streamer entledigen. Wie ein begossener Pudel :shock: stand ich noch längere Zeit an der Stelle und versuche seit 3 Jahren eine 2. Chance zu bekommen.
Wünsche Dir mehr Glück!

Gruß Frank
Zuletzt geändert von trutta1 am 09.01.2010, 17:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Brückenforellen

Ungelesener Beitrag von flatfischer »

trutta1 hat geschrieben:Hallo flatfischer,

keine Scheu vor stärkeren Vorfächern.
Hallo Frank,

beim Anhieb ist nicht das Vorfach gerissen (da hatte ich vorsorglich schon ein 23er-Tippet drauf), sondern ich habe der Forelle die Fliege aus dem Maul gezogen. Da konnte man ganz neue Flüche lernen...

Gruß Helge
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Ungelesener Beitrag von Da Beppe »

Servus Frank,

danke für Deinen sehr interessanten und vor allem für mich als Newbie sehr lehrreichen Bericht.

Schöne Grüsse

Sepp
. . . so vui schee, unser boarisch Hoamadl . . .
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Andreas F.
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Re: Brückenforellen

Ungelesener Beitrag von Andreas F. »

trutta1 hat geschrieben:
keine Scheu vor stärkeren Vorfächern. Nur entfettet müssen sie sein!
Noch ein Tipp zum Drill: Rutenspitze ins Wasser!!

Gruß Frank
Hallo Frank.
Welchen Sinn soll es haben die Vorfachspitze ins Wasser zu nehmen?
Damit verhinderst du, dass die Rute federn kann und die Kraft liegt direkt oder fast direkt von der Rolle zum Fisch an. Das ist so ziemlich das schlimmste was man machen kann.

Ein Senken bzw ablegen der Rutenspitze ins Wasser ist lediglich bei Sprüngen sinnvoll um zu verhindern, dass das Tippet reißt. Und auch hier sollte man mit Bedacht die Spitze senken, denn wenn gar keine Spannung mehr aufder Schnur ist, ist der Fisch auch oftmals weg.
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trutta1
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Brückenforellen

Ungelesener Beitrag von trutta1 »

Hallo Bungo,

ich glaube wir beide meinen das gleiche. Nur wenn der Fisch springt, versuche ich durch Senken der Rutenspitze den Fisch daran zu hindern.
Beim Absenken ins Wasser arbeitet die Rute ohne Probleme. Vielleicht wird die Aktion der Rute durch den Wasserwiederstand etwas träger. Ich konnte jedoch keinen Nachteil feststellen. Viel wichtiger ist den Fisch ständig auf Spannung zu halten. Und solange ich die Rute nicht auf 180° zum Fisch halte, arbeitet sie auch. Und nur dann wird der max. Druck auf der Rolle anliegen. Aber wer drillt schon so seine Fische?

Gruß Frank
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Andreas F.
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Ungelesener Beitrag von Andreas F. »

Hallo Frank.

Also generell sollte man versuchen den Winkel bei 45 bis 90° zum Fisch zu halten.

Natürlich gibt es auch Ausnahmesituationen, wie das von dir angesprochene Springen. In solch einem Fall zählt einfach nur, dass die Schnur in der Luft niemals auf Spannung kommt, dann wird sie nämlich bei einem kapitalen Fisch mit 100% Wahrscheinlichkeit reißen. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, wer bei einem 30cm Sprung seine Rute soweit absenkt, dass ein 2m großer Schnurhaufen zusammen fällt, riskiert auch das Ausslitzen aufgrund gänzlich fehlender Schnurspannung..
Dennoch sollte man danach die Rute wieder in die "Optimalstellung" zurückbringen.

Wirklich Down and Dirty wendet man in der Regel nur an um den Winkel zum Fisch zu verringern. Z.B. beim Bootsangeln der Fall wenn der Fisch unter das Boot zieht.
Ich persönlich musste einmal eine Zeit lang unter Wasser drillen weil ein Karpfen unter Bäume geflüchtet ist, zum Glück ging alles gut.
Der Nachteil liegt wie du auch schon bemerktest auf der Hand, nämlich die Rute wird träger, verliert also an Federwirkung.
Es liegt also mehr Kraft am Haken an, besonders bei Fischen die mit dem Kopf schlagen steigt das Risiko den Fisch durch ausschlitzen zu verlieren.

Und das mit dem 180° Winkel durfte ich auch schon beobachten, das ganze endete nach wenigen Sekunden mit einem Abriss, also ein Musterbeispiel für einen fehlgeschlagenen Drill :wink:

Gruß Andreas
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