Die "Ethik" des Fliegenfischers

Was macht FLIEGENFISCHEN aus? Hier darf nach Herzenslust gefachsimpelt werden! Auch Termin- und andere Ankündigungen passen hier herein. Erlebtes Fliegenfischen - hier kannst Du Deine Erlebnisse für alle schildern, wir lesen gerne Storys von früher und heute!
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Werner48

Die "Ethik" des Fliegenfischers

Ungelesener Beitrag von Werner48 »

Hallo,
Ohne diesen etwas "hochtrabenden Begriff überstrapazieren zu wollen, treiben mich die Umstände dazu, hier die Frage zu stellen, was das eigentlich ist.
Die konkreten Anlässe sind folgende :

1.Ethik diskutiert man im Winter :wink:

2. die aktuelle Situation anläßlich der Fotos von St. D.

3. und vor allem der Umstand, dass bei einem Fliegenfischerkurs des Verbandes das Thema Ethik Inhalt der Grundausbildung ist und ich ( als Unterrichtender) nicht "meine" Ethik verkünden möchte, sondern viel lieber das, was unter Fliegenfischern Konsens ist.

Dummer-oder erfreulicherweise ist das nun gar nicht so einfach festzustellen, und ich möchte hier auch keine Geschmacksfragen ( Fangfoto mit oder ohne Zigarre) diskutieren, sondern die Grundsätze erfahren, die für euch im Umgang mit dem Fischen und den Fischen unverzichtbar sind, um daraus so etwas wie einen Minimalkonsens ableiten zu können.

( Wir sollten m.E. dabei Adjektive wie tierverachtend usw, vermeiden, weil diese "Totschlagsvokabeln" sich gegen uns selbst richten, z.B. aus der Sicht eines Nichtanglers, der sich fragt, wieso es nicht tierverachtend ist, Fische um des Fischens willen zu fangen und zu releasen andererseits aber tierverachtend sein soll, sich mit ihnen ( und Zigarre) zu fotografieren.)

Also ich würde gerne wissen, welche Grundsätze sind euer Muss- beim Fischen und im Umgang mit den Fischen ?
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Dirk Janßen
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Ungelesener Beitrag von Dirk Janßen »

Die Würde des Fisches zu beachten sollte analog GG reichen.

Liebe Grüße
Dirk
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webwood
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Ungelesener Beitrag von webwood »

Hallo Werner,

Du wirfst m.M nach eine gute Frage auf. Ich grüble selbst schon lang darüber nach. (Auch ich bin übrigens mit Kindern am Wasser).

Meine persönliches absolutes Gebot ist: Jeder Fisch der getötet wird muss gegessen werden.

Bei Catch and release ist meine hohe Moral aber schon beim Deubel.
Es gibt oft genug Tage an denen ich mehr Fische fange als ich mit Genuss essen kann. Also setze ich die Fische zurück ( Schonhaken finde ich selbstverständlich). Es ist ja auch ein tolles Gefühl einem Fisch seine Freiheit geschenkt zu haben. Mir mir macht es Freude einen Fisch zu überlisten und dabei möglichst auch noch einen tollen Drill zu erleben.
Der Fisch selbst hat da sicher ander Vorstellungen, was ihm Freude macht. Insofern benutzen wir die Kreatur gegen ihren Willen um uns ein schönes Erlebnis zu verschaffen. Andererseits, wenn die Fische beissen bin ich der Letzte der mit den Angeln aufhört. Klar gibt es auch Angler welche mir einem Drilling dem Fisch das Maul zunageln, wir Fliegenfischer verletzen den Fisch nur minimal. Gibt uns das aber das Recht mit der Kreatur zu spielen?
Damit kein Missverständnis entsteht, Ich angle mit Leidenschaft, ich töte Fische, ich setze Fische zurück, ich freue mich über möglicht viele Bisse, aber so ganz im Reinen mit mir bin dabei erlichgesagt nicht.

Ziemlich nachdenkliche Grüße


Thomas
Angler sterben nie, die riechen nur so.
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Dirk Janßen
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Ungelesener Beitrag von Dirk Janßen »

Danke für den Beitrag, Thomas, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Ich stehe zwar grundsätzlich zu meinem Postging oben, habe aber offensichtlich etwas zu kurz gedacht. Ich hol das nach ;)

Liebe Grüße
Dirk
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webwood
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Ungelesener Beitrag von webwood »

Hallo Dirk,

warum hast Du zu kurz gedacht? Ich finde Deine Frage sehr gut.
Ich wollte nicht schulmeistern, da hast Du mich vieleicht falsch verstanden. Mich beschäftigt diese Frage schon lange, ich hab mich bisher nur nicht getraut diesen Gedanken ins Forum zu stellen. Ich selbst bin mit mir ja nicht, wie schon gesagt im Reinen. Du hast Dich getraut diesen Gedanken zur Diskussion zu stellen. Hoffentlich beteiligen sich noch viele an Deinem Thema.

Liebe Grüße

Thomas
Angler sterben nie, die riechen nur so.
Werner48

Ungelesener Beitrag von Werner48 »

Lieber Thomas,

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aber so ganz im Reinen mit mir bin dabei erlichgesagt nicht. 
Das ist der beste Satz, den ich seit langem hier in dem Forum gelesen habe, in dem viel zu viele alles ganz genau und unanzweifelbar wissen.
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Dirk Janßen
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Ungelesener Beitrag von Dirk Janßen »

webwood hat geschrieben:Hallo Dirk,
warum hast Du zu kurz gedacht? Ich finde Deine Frage sehr gut.
Ich wollte nicht schulmeistern, da hast Du mich vieleicht falsch verstanden. Mich beschäftigt diese Frage schon lange, ich hab mich bisher nur nicht getraut diesen Gedanken ins Forum zu stellen. Ich selbst bin mit mir ja nicht, wie schon gesagt im Reinen. Du hast Dich getraut diesen Gedanken zur Diskussion zu stellen. Hoffentlich beteiligen sich noch viele an Deinem Thema.

Liebe Grüße
Thomas
Hallo Thomas,
die Frage kommt von Werner, die erste (zu) kurze Antwort von mir. Ich fühle mich keineswegs geschulmeistert.
Wenn ich einfach die Würde des Fisches ins Feld führe, kann ich das Fliegenfischen gleich ganz einstellen. Das möchte ich aber nicht. Der Zahnarztvergleich ist schon nicht schlecht, hat aber gewisse andere Nachteile ;) (Der Autor wird in diesen Fred garantiert noch einsteigen)

Vielleicht klappt mein Vergleich ja, wenn man sich darauf einigt, dass die Würde des Fisches vielleicht doch nicht so hoch aufgehängt ist, wie die des Menschen. Menschen fischen oder jagen ist nicht so mein Ding.

Neuer Versuch:
Die durch die erlaubte Fischerei begrenzte Würde des Fisches ist unantastbar. Sie zu achten usw.

In diesem Sinne ;)
Dirk
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Frank.
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Ungelesener Beitrag von Frank. »

Liebe Freunde,

das ist wirklich ein interessantes Thema - und die bisherigen Beiträge sind es auch!
Ich finde, daß die Formel "Respekt vor der Kreatur haben" eine recht gute Richtlinie abgibt. Es ist vollkommen klar, daß wir den Fischen Leid zufügen. Weiterhin ist klar, daß wir dabei Vergnügen empfinden. Und schon hat der Hardcore-Ethiker ein Problem ...

Aber wir haben die Möglichkeit, dieses Leid jedenfalls so gering wie möglich zu halten: Schonhaken verwenden, den Fisch möglichst vorsichtig anlanden, abködern und ggf. zurücksetzen, rasches Töten - das sind Dinge, auf die wir uns doch als Minimalkonsens wahrscheinlich einigen können, oder?
Aber es gibt einen Haufen Bereiche, in denen wir nie und nimmer Einigkeit erzielen werden. Es gibt Angler, die es grundsätzlich für verwerflich halten, einen gefangenen, maßigen Fisch zurückzusetzen. Andere sagen, daß man da Augenmaß haben und, z. B., den Bestand im Auge behalten muß (ich setze in unseren Hausgewässern seit Jahren alle maßigen, nicht ernsthaft verletzten Äschen zurück, weil wir hier dringend fortpflanzungsfähige Fische brauchen).
Je länger ich nachdenken würde, desto mehr Detailprobleme würden mir einfallen. Schon an der Frage, ob es vertretbar ist, mit Springer und Nymphe zugleich zu fischen, könnten wahrscheinlich Freundschaften zerbrechen ... Deshalb glaube ich, daß mehr als der erwähnte Minimalkonsens nicht zustande kommen kann und wird.
Aber: Wer mit Kreaturen (seien es Fische, Schweine, Lämmer oder Hühner) respekt- und gedankenlos umgeht, als handele es sich dabei um empfindungslose Sachen, der sollte, denke ich, das Wort "Ethik" besser nicht im Munde führen.
Mag sein, daß auch dieser Thread zu einem Klassiker wird, bei dem bald jemand postet, daß er sich jetzt ganz schnell Chips und Bier besorgen muß.

Herzlich, Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
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Wasserpatscher
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Ungelesener Beitrag von Wasserpatscher »

Werner48 hat geschrieben:Lieber Thomas,

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aber so ganz im Reinen mit mir bin dabei erlichgesagt nicht. 
Das ist der beste Satz, den ich seit langem hier in dem Forum gelesen habe, in dem viel zu viele alles ganz genau und unanzweifelbar wissen.
Ja. Die Wahrheit macht es uns nie leicht. Wahrheit? Welche Wahrheit? Meine oder die der Fische?

Das mit dem Respekt und der Vermeidung von Leid trifft es. Deshalb könnte ich auch nie zu 100% "releasen". Von wegen lebendiges "Sportgerät".

Ich denke, das ist eine der Fragen, die man sich nie endgültig und für alle Zeiten beantworten kann und darf.
Liebe Grüße, Gerhard

„Ach, du bist's, alter Wasserpatscher, sagte sie, ich weine
über meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen hinabgefallen ist.“
Spessart Räuber
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Ungelesener Beitrag von Spessart Räuber »

Hallo,

ein klasse Thema, wenn auch mit einigem "Sprengpotential" versehen.

Meine Betrachtungsweise:

Ich habe keinerlei Problem damit, einen Fisch zu fangen, schnell und möglichst schmerzlos zu töten und mit Genuss zu essen. Catch and Release finde ich grundsätzlich auch in Ordnung, solange - wie von meinen Vorpostern bereits klar gesagt - der Respekt vor der Kreatur gewahrt bleibt. Ähnlich wie Frank entnehme ich seit Jahren keine Äschen mehr, um den Bestand zu schonen/erhalten. Dennoch, oder gerade deswegen, freue ich mich über eine Äsche ganz besonders, nach der Sichtweise: Klasse, sie sind noch immer da.

Ich bin der Meinung, Fischen ist durchaus vertretbar, solange die Kreatur nicht unnötig gequält/mißhandelt oder was auch immer wird. Ich mache so gut wie nie Fangfotos, weil ich fast immer allein unterwegs bin. Wenn ich welche mache, dann eigentlich immer von bereits waidgerecht getöteten Fischen.

Vernunft und Augenmaß (auf neudeutsch: Common Sense) sind für mich die entscheidenden Träger meiner eigenen Betrachtungsweise. Ich schreite ohne wenn und aber ein, wenn ich sehe, das Tiere schlecht behandelt werden, egal ob Fisch oder Hund, auch wenn ich dabei ab und an meine eigenen Kompetenzen überschreite. Das hat mir schon einigen Ärger eingebracht, jedoch auch die eine oder andere dauerhafte Freundschaft.

Cheers

Klemens
It is ironical that the "holier than thou" attitude adopted by some fly-fishermen, which has its origins in the trout fishing dry-fly cult of Edwardian days, is based on a curios fallacy.
robert h
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Ungelesener Beitrag von robert h »

Hallo Werner,

wenn ich Dein Eingangsposting richtig verstanden habe, handelt es sich bei der Zielgruppe des Kurses um "normale Angler", die sich jetzt die Dimension des Fliegenfischens eröffnen wollen. Demnach müssten Deine Zuhörer ja eine Grundvorstellung von der "Ethik des Angelns" haben und Du sollst jetzt im Unterschied dazu die "besondere Ethik des Fliegenfischens" herausarbeiten. Ganz schön happig. Leichter wäre es, wenn die Zielgruppe völlig unbeleckt wäre. Dann könnte man mit den allgemeinen Werten arbeiten (Schöpfung bewahren ... ).

Ich vermute mal, dass es keinen grundlegenden Unterschied zwischen der "normalen Angelethik" und der "Ethik des Fliegenfischens" gibt. Beide sind den selben Grundwerten verpflichtet (ideell betrachtet). Die Fliegenfischer setzen diese Grundsätze aber weit besser in die Praxis um (u.a. weil das schonende Zurücksetzen der Fische leichter möglich ist). Es handelt sich hierbei aber nicht um eine Dimension der Ethik sondern der Wahrhaftigkeit.

Die bewusste Beschränkung auf künstliche Fliegen (und nicht auf den immer optimal fängigen Köder) weist mehr in Richtung Sportsgeist als in Richtung Ethik.

Fazit: Vielleicht ist es wirklich am klügsten auf die gemeinsamen ethischen Grundlagen aller Angler zu verweisen, um dann festzustellen, dass Fliegenfischen die besten Chancen bietet, diese Grundsätze auch zu praktizieren.

Viel Grüße
Robert
Forstie
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Ungelesener Beitrag von Forstie »

Hallo zusammen,

ein wirklich sehr schönes Thema!!

Ich halte es mit der "Ethik" so:
Wenn ich fischen gehe, dann versuche ich die Fische die ich fange immer so schonend wie möglich zu behandeln, egal, ob ich sie nun mitnehme oder auch release.
Ich selbst esse nicht sehr oft Fisch, bringe aber z.B. auch mal ab und an meinen Großeltern oder meinen Eltern zwei Forellen mit.
Damit komme ich ganz gut klar, da ich somit trotzdem das Gefühl habe, daß die Fische einer sinnvollen Verwertung zukommen. Und zeitgleich kann sich meine Verwandschaft auch ab und zu mal über einen frisch gefangenen fisch freuen.
Ich nehme nur die Regenbogenforellen mit, da diese bei uns in fangfertiger Größe besetzt werden, und das in meinen Augen der Vorgehensweise eines Put&Take-Teichs entspricht, nur daß man an einem Bach steht....
Ein Grauß in meinen Augen.
Wenn ich dann auch einmal eine Bachforelle fange und sie release, dann habe ich dabei ein gutes Gefühl. Ich denke mir, daß sie ein Stück mehr an Erfahrung dazugewonnen hat und so vielleicht ein bisschen eher dem nächsten, wie es sie bei uns zu Hauf gibt "MeinGeldfürdieAngelkartewillichinFischwiederreinbekommen" - Angler entkommen kann.
Daß wir Angler an sich die Möglichkeit haben, einen Fisch "zum Vergnügen" zu fangen, um ihn dann wieder zurückzusetzen ist sicherlich ein schwieriges Thema. Bei der Jagd (ansitzen) ist das ganze im Vergleich etwas anders: Finger bleibt gerade -> Wild kommt ohne Veletzungen und Streß davon. Finger wird krumm -> Wild stirbt... (falls der Schuß sitzt :wink: ) Deswegen habe ich aber kein schlechtes Gewissen. Ich denke, da wir uns im Gegenzug auch um das Wohl unserer Gewässer kümmern und uns liebevoll für die Natur einsetzen, kann uns der ein oder andere Fang mit anschließendem Release auch von der ein oder anderen Forelle/Äsche verziehen werden....
Ansonsten wollte ich noch anfügen, daß ich die Einstellungen meiner Vorredner ganz toll finde.
In diesem Sinne,

Grüße,

Martin
catch'em like you see'em
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markus
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Ungelesener Beitrag von markus »

Hallo,

der Ethos beschreibt die Gewohnheit des Verhaltens über einen längeren Zeitraum hinweg, so dass sich daraus Grundsätze ableiten lassen können. Das ist Ethik.

Was ist das Grundsätzlichste bei uns allen, das uns Fliegenfischer am meisten verbindet? Es ist die Widersprüchlichkeit in uns selbst. Jene, die wir bemühen müssen, um unser Handeln als besonders und gereift empfinden und auch rechtfertigen zu können, obwohl es die Instinkte sind, die uns immer wieder zum Wasser führen. Es ist ein enormer Spannungsbogen, dem wir alle unterliegen, der bei dem ein oder anderen leider vorzeitig abbricht und ein einseitiges Verhalten an den Tag bringt, über das ein Aussenstehender nur noch heftig den Kopf schütteln kann. Es ist der schon im Ansatz zum Scheitern verurteilte Versuch, Wissen und Selbstwissen in Einklang zu bringen. Das Verhalten des Fliegenfischers ist episodisch geprägt von den wiederkehrenden Irrtümern, dabei scheinbar gefundene Erkenntnisse zu Wahrheiten erheben zu wollen. Dieses zu wissen, es nicht zu können und trotzdem nicht daran zu verzweifeln, das lässt den Fliegenfischer in seinem Verhalten im Laufe der Jahre für seine Mitmenschen so absonderlich erscheinen.

Die Ethik des Fliegenfischens liegt in der Pflege der Widersprüche begründet, die wir alle in uns tragen.

TL Markus
"Mit der Fluggerte ist man imstande, die seit grauer Vorzeit in uns schlummernden Jagdinstinkte auf unblutigste Weise zu stillen." (Steinfort, Voljc)
Werner48

Ungelesener Beitrag von Werner48 »

Hallo Robert,

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Demnach müssten Deine Zuhörer ja eine Grundvorstellung von der "Ethik des Angelns" haben und Du sollst jetzt im Unterschied dazu die "besondere Ethik des Fliegenfischens" herausarbeiten.
So hoch möchte ich das nicht hängen. "Fliegenfischerethik" ist ein Thema neben der Wurfschulung, der Gerätekunde, der Entomologie usw.

Fliegenfischer haben aber zumindest teilweise andere Vorstellungen von "ethischem Verhalten" als ( Negativbeispiel) reine "Kochtopfangler", die z.B. hundert Makrelen aus dem Wasser zerren. Erstere gilt es den Aspiranten nahezubringen und dabei möchte ich mich auf einen breiten Konsens stützen können, denn ich spreche/argumentiere als Fliegenfischer und im Namen dieser.

@Markus

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Die Ethik des Fliegenfischens liegt in der Pflege der Widersprüche begründet, die wir alle in uns tragen. 
Da gebe ich dir Recht, aber das kann ich als Quintessenz der "Fliegenfischerethik" bei einer Anfängerschulung nur anbringen, wenn das der letzte Lehrgang ist, den ich machen möchte. :wink:
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markus
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Registriert: 28.09.2006, 11:33

Ungelesener Beitrag von markus »

Werner48 hat geschrieben: .... aber das kann ich als Quintessenz der "Fliegenfischerethik" bei einer Anfängerschulung nur anbringen, wenn das der letzte Lehrgang ist, den ich machen möchte. :wink:
Hallo Werner,

das stimmt. Lass uns diesen Lehrgang in einigen Jahren dann gemeinsam gestalten.

TL Markus
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