NPC - Garn und Zierwicklung

Hier treffen sich die wahren Handwerker unserer Zunft. Gibt es eine schönere Fischerei, als mit einer Selbstgebauten - ob nun Gespließte, Kohlefaserrute oder Eigenbaurolle? Geizt nicht mit Euren Ratschlägen.

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Gernot Iske

NPC - Garn und Zierwicklung

Ungelesener Beitrag von Gernot Iske »

Moin zusammen,
bei der Verwendung von Fixativ treten immer wieder Zweifel hinsichtlich der Haftung des Lacks (ich verwende 2K) auf. Ist das auch bei Gudebrod NPC, also vorfixiertem Garn so?

Ich baue im Moment mehrere Ruten für den Salzwassereinsatz. Unnötige Risiken will ich da natürlich vermeiden, aber zur Zeit nervt mich das Nachdunkeln ohne Fixativ etwas, bzw. schränkt mich bei der Gestaltung ein.

Zweite Frage: Weiß jemand, wo ich Beispielbilder für unaufdringliche Zierwicklungen bzw. Farbkombinationen finde? (kleine Kreativitätskrise) Amerikanische Seiten wie rodbuilding.org haben mir bisher nicht wirklich weiter geholfen, das meiste ist zwar handwerklich sehr beeindruckend, für meinen Geschmack aber viel zu üppiger 'Amibarock'.

Danke + tight lines,

Gernot
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dgspec
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Ungelesener Beitrag von dgspec »

Hi Gernot,
den Effekt hast du eigentlich auch bei ncp-garn. das garn nimmt den 2K lack nicht auf - ein durchdringen des lacks bis zum blank fällt auch hier aus, will heissen unfixierte bindungen halten besser. Persönlich nutze ich kein ncp mehr, da aus meiner erfahrung das ncp verstärkt zur bläschenbildung neigt (gerade bei dunklen farben schäumt es gerade zu) und oftmals bleiben nach der aushärtung bläschen im lack, die ich möglichst nicht haben will. allerdings wenn du das fixativ 2x sehr dünn aufbringst und danach der versuchung wiederstehen kannst den 2K lack in einem durchgang zu lackieren und auch dort lieber 2-3 dünn lackierst und links und rechts der bindung jeweils leicht auf den blank lackierst (funktioniert zb sehr gut mit einer metallstricknadel Gr.4) dürfte es wenig probleme geben mit der haltbarkeit. Ausserdem hat es den vorteil, dass du bei fixierten wicklungen später die ringe besser austauschen kannst sollte dies nötig sein. das problem mit dem 2K lack (wir reden hier wahrscheinlich zu 90% über flex coat) ist die tatssache, dass er nicht wirklich dünn ist. es gibt jedoch ein paar tricks, die ich gerne hier weiter gebe (achtung - wird länger der thread :-) )

1. die 2 komponenten sollten wenigsten zimmertemperatur haben
2. nicht zu lange , nicht zu kurz und nicht zu WENIG Lack anmischen

ein guter trick ist sich eine volle dose cola (o.ä. - kann auch bier sein :-) ) auf die heizung stellen und den boden der dose als "mischgefäss" (vorher mit aceton entfetten und den stempel entfernen) nutzen. die volle dose sthet recht sicher und das angewärmte cola gibt ausreichend wärme an den lack ab-dieser wird dadurch etwas dünnflüssiger. Nicht zu warm sonst zieht der lack schneller an. ich mische IMMER minimum 3ml pro komponente um sicher zu gehen keinen mischfehler zu haben (dann bindet der lack nicht richtig ab und bleibt tackig - sehr ärgerlich, da man erneut drüber lackieren muss. zum mischen benutze ich seit jahren die hölzernen kaffee-stirrer von McDonalds, es gibt für mich nix besseres. entweder den bestand durch häufige McD besuche aufstocken oder mit der legende "bin trucker und die dinger sind so praktisch im lkw" einfach mal am counter fragen ob man die auch dort kaufen könne. in der regel bekommt man dann eine ganze packung (reicht ewig) geschenkt - funktioniert zumindest bei mir immer.....:-). durch die breite form (spatelartig) mischt sich der lack am besten - bei runden rührstäbchen ist dies nicht der fall. langsam mischen um blasenbildung zu vermeiden. Ich mische exact 3 minuten, lasse den lack ca 1 min. stehen und giesse ihn dann ausdem dosenboden auf ein bierdeckelgrosses stück entfettete (wieder aceton) alufolie. durch die vergrösserte lackoberfläche gewinnt mann wieder etwas mehr verarbeitungszeit und die letzten luftbläschen verschwinden.

3. Ganz wichtig - nicht zuviele wicklungen aufeinmal lackieren (ich lackiere mit einer mischung lack (6ml) höchsten wicklungen von 5-6 ringen . restlack fliegt weg und ich mische neu an. du verbrauchst dadurch mehr lack aber die resultate werden besser.

4. für die erste lackierung nehme ich gerne verdünntens flex-coat. einfach 2-3 tropfen aceton (bei 3ml komponente) in eine der beiden komponenten (ist egal welche)einmischen (1-2 minuten), dann die zweite komponente ohne aceton dazu und wie gewohnt mischen. das flexcoat ist deutlich dünner und durch diese mischmethode auch gut durchmischt. haltbarkeit des lackes am ende wie gewohnt. Die endlackierung mache ich immer unverdünnt. zwischen den lackierintervallen möglichst nicht länger als 24h warten ansonsten muss die bereits lackierte schicht mit 000-stahlwolle oder zur not auch mit 1000er nass-schleifpapier wieder "gebrochen" werden um eine innige verbindungen der schichten zu gewährleisten.

uff -gibt langsam fingerkrampf (bin 2-finger hacker :-)

5. vorsicht wenn du "flämmen" willst um bläschen zu lösen - wirklich nur ganz KURZ pro wicklung -du provozierst nur wieder neue bläschen. Wenn's raucht - wars zu heiss - kannste gleich wieder neu lackieren :-(

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zum thema zierwicklungen etc.
ick lackiere zu 99% nur unfixierte garne - richtig die werden dunkel- orientiere mich aber an der blankfarbe und suche mir ein garn aus, welches nachgedunkelt in etwa der blankfarbe entspricht. zb bei den momentan so beliebten weinrotbraunen blanks das gudebrod 206. im sonnenlicht leuchtet die wicklung besonders schön in den blanktönen. dazu sehr dünn eventuelle zierwicklungen mit einem ton angepassten metallic garn (ich nehme die von fa. sulky - einfach geiles material und farben). was auch sehr schön kommt und sich besonders für kräftigere ruten eignet ist der sogenannte "Candy apple effect". Da werden die Ringe erst mit goldfarbigen sehr dünnem Metallicgarn angewickelt und dann mit dem farbgarn überwickelt und unfixiert lackiert. Toller effekt, da das metallic garn dann leicht durchschimmert und dem ganzen eine klasse tiefenwirkung gibt. leider können sich bei leichten fliegenruten eventuell zu dicke wicklungen ergeben- einfach mal testen. aber gerade bei wicklungen über dem griff oder der schutzwicklung im bereich der verzapfung ergibt das einen ganz coolen, dezenten look.

...so - ihr seid erlöst :-)

schönen abend noch.

dirk
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Gernot Iske

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Hi Dirk,
vielen Dank für Die viele Arbeit und die guten Tipps, das alles mit 2 Fingern zu hacken ist ja wirklich Heldenhaft!

Ich decke mich übrigens bei demselben Rührstablieferanten ein. Die sind auch sehr gut, um einen weglaufenden Faden beim Wickeln wieder zurück zu schieben. Eindeutig das beste Produkt, was diese Firma herstellt *g*
Der Bierdosentrick ist super. Bisher nutze ich immer die kleinen Medikamentenbecher, die's im Krankenhaus gibt. Kann man mehrmals verwenden: Am Ende des Lackiervorganges stelle ich einfach das Rührstäbchen in den Restlack und rupfe später den Lackrest damit raus. Die gleiche Quelle ist auch für Einmalhandschuhe gut. (Man muß sich nichtmal unbedingt vorher einliefern lassen - Krankenbesuch tut's auch. )

Die Sache mit der Metallic-Unterwicklung klingt gut. Aber wo kriegst Du das Garn von Sulky? Äh, by the way: habe ich dann in punkto Lackdurchdringung / Blankhaftung nicht das selbe Problem wie bei fixiertem Garn oder Fixativ.

Nochmals: danke für die vielen Anregungen!

Gruß,

Gernot
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dgspec
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Ungelesener Beitrag von dgspec »

Hi gernot,
habe früher auch die medi-caps genutzt. nachteil = sind aus kunststoff und deshalb können silicone anhaften (vom herstellungsprozess) und damit hat flex coat ein echtes problem (fischaugen , löcher, tacking etc). Der gewölbte
dosenboden hat auch die optimale form um alles gleichmässig zu vermischen- bei den plastic pöttchen leider nicht der fall. Die dose kann man natürlich auch wieder verwenden. einfach mit kosmetiktuch und aceton oder isopropyalcohol abwischen.

wegen dem sulky garn schau mal mein thread binden und rutenbau von heute.

lackdurchdringung funktioniert auch bei der unterwicklung.
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dgspec
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Ungelesener Beitrag von dgspec »

ach so- habs in der ersten antwort vergessen zu erwähnen. um festzustellen wie ein unfixiertes garn nach dem lackieren nachgedunkelt aussieht. ich wickel das garn meiner vorauswahl als kurze bindung auf den entsprchenden blank und streich die wicklung mit 100% isopropylalcohol ein. ich weiss dann ziemlich genau wie das garn nach der lackierung aussieht. übrigends streiche ich alle meine bindungen vor dem lackieren satt mit 100% isoprop ein und lasse sie dann trocknen. das verhindert, dass eventuelle fettspuren etc von meine händen beim wickeln aufs garn gekommen sind (ja.. ich wickel per hand und hasse motorisierte wickelmaschinen). fett und silicone sind der übelste feind (nach staub und garnhäärchen) einer guten lackierung.

dirk
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sts
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Hallo zusammen,
ich verwende manchmal Farbfixativ. Ich achte allerdings peinlichst genau darauf, dass das Farbfixativ nur auf die Wicklung kommt und lackiere immer ein kleines Stück auf den Blank. Somit ist die Bindung "dicht" gegen eindringendes Wasser. Ich denke, Wasser ist das einzige wirkliche Problem mit nicht perfekter Haftung auf dem Blank. Geschmackssache, aber grundsätzlich mag ich die leicht transparenten Wicklungen ohne Farbfixativ. Wenn man jedoch dezente Zierwicklungen, insbesondere mit hellem Garn auf dunklem Blank, anbringen möchte, wird’s ohne Farbfixativ schwierig. Ich habe mal probiert, nur den (hellen) "Zierfaden" zu fixieren und nach dem Trocknen einzubinden. Das funktioniert teilweise, allerdings war beispielsweise weiß auf einem schwarzen Blank nicht wirklich rein weiß, aber mit anderen "richtigen "Farben funktioniert das teilweise ganz brauchbar. Sollte man vorher aber ausprobieren. Einen vorfixierten Faden zu verwenden dürfte wohl den gleichen Effekt bringen. Und ich bin mir absolut sicher, dass es völlig unproblematisch ist, wenn ein paar Windungen mit einem Zierfaden nicht perfekt haften.
Dirk … den Trick mit der Coladose finde ich klasse.
Ich mische (bisher) in einem auf der Heizung vorgewärmten Keramik-Eierbecher. Der runde Boden ist zum Mischen perfekt. Das Rühren mache ich mit einer groben Stricknadel. Bei vorsichtigem aber sehr gründlichem Rühren habe ich wenig Probleme mit Bläschen. Ich habe auch schon spachtelartige Rührwerkzeuge probiert (kenne allerdings nicht die von McD). Die mögen besser mischen, aber produzieren sicher auch wieder mehr der lästigen Bläschen. Auch habe ich mal gelesen, dass Holzrührwerkzeuge problematisch sein können, kann das allerdings nicht aus Erfahrung bestätigen.
Ich stelle mein Flexcoat vor dem Mischen in einen warmen Raum und "puste" nach dem Mischen vorsichtig mit einem Fön in meinen Eierbecher. Das tötet zumindest die gröberen Bläschen. Ich trage dann den Lack zunächst relativ dick auf maximal 5 Wicklungen auf. Dann erwärme ich Bindung für Bindung mit dem Fön (das tötet wieder Bläschen und macht den Lack etwas flüssiger) und nehme mit einem nicht haarenden Haarpinsel soviel Lack wieder ab, dass die Bindung satt lackiert ist. Ich komme so mit einer Lackierung aus! Da das Lackieren meines Erachtens die Phase beim Rutenbau ist, wo die meisten "Unfälle" passieren können, versuche ich so wenig wie möglich zu lackieren.
Ich kann nur bestätigen, dass Flexcoat sehr empfindlich gegen nicht absolut perfektes Dosieren und Mischen ist. Meine Erfahrung ist jedoch, dass der Trocknungsprozess dann einfach sehr viel länger dauert. Ich hatte noch keinen Fall, wo der Lack klebrig geblieben ist. Auch soll es helfen, die Rute UV-Strahlung auszusetzen, also in die Sonne zu legen.
Dirk, wo kann man Aceton kaufen … in der Apotheke? Und reicht es nicht aus, den Coladosenboden mit Alkohol (Spiritus) zu reinigen?
Gruß aus Wuppertal
Stefan
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dgspec
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Hi Stefan,
yeep - aceton bekommst du in der apotheke - billiger jedoch im baummarkt. spiritus mag ich nicht wegen dem geruch (da "törnt" aceton besser >:-) ) es geht aber auch mit isoprop-alc.

gruss dirk
ich mag ananas
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dgspec
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Hi Stefan,
yeep - aceton bekommst du in der apotheke - billiger jedoch im baummarkt. spiritus mag ich nicht wegen dem geruch (da "törnt" aceton besser >:-) ) es geht aber auch mit isoprop-alc.

gruss dirk
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Gernot Iske

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Hi Dirk,
das mit den Silkonen in den medi-caps (so heißen die also) ist interessant. Ich hatte tatsächlich mal ein Problem mit tackigem Lack. Die Vorbehandlung mache ich auch, allerdings mit Isopropanol (wahrscheinlich sehr nahe an isopropyalcohol oder sogar dasselbe?), meistens aber mit Aceton.
Und nochmal danke für die Tipps!

Stefan:
Du hast ganz sicher Recht: wenn nur die Zierwicklung fixiert ist, dann ist das mit der Durchdringung bzw. Blankhaftung völlig Bockwurst. Paar interessante Techniken hast Du übrigens. Danke!

Sicher, das mit dem bis auf den Blank überlappenden Lackierung hilft viel (mache ich sowieso immer, so ca. 2 mm) AAAAaaaber: früher oder später treten doch auch bei noch so sorgfältiger Behandlung (spülen, wachsen) die fiesen Haarrisse im Lack auf Höhe des Ringfußes auf - tjä, und da sickt dann die Ostsee rein. Salz und Frost machen den Rest.
Oder kann man das dauerhaft vermeinden, außer durch nicht-werfen und vor allem durch nicht-fangen?

Ich frag' nochmal in die Runde: Weiß irgendjemand wo man Beispielbilder für schlichte (optisch, nicht hanwerklich) Zierwicklungen findet? Meine Kreativitätskrise dauert an und die Meerforellen mit meinem Namen drauf stehen schon Schlange....

gode ruh,

Gernot
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