Ein interessanter Fall aus der Praxis der Gewässerbewirtscha
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Ein interessanter Fall aus der Praxis der Gewässerbewirtscha
Hallo Freunde!
Habe unlängst ein Gewässer im Bundesland Salzburg elektrisch befischt (Elektrofangboot, Streifenbefischungsmethode auf 1,5 km) und möchte euch das glaub ich recht interessante Ergebnis nicht vorenthalten!
Eckdaten: Mittelwasserführung knapp 10 m3/s
Gewässerbreite ca. 15 m
1100 m Seehöhe
Einzugsgebiet v.a. Urgestein
Gewässer pendelnd, naturnah, gut strukturiert (Kolk-Furt-Sequenzen)
Bewirtschaftung:
Privater Pächter, Strecke 1,5 km
Entnahme 50 Stk. Regenbogenforellen (RF) pro Jahr, also ca. 15 kg/Jahr
Besatz nur Bachforellen, seit 3 Jahren pro Jahr 120 kg zweisömmrige Bachforellen (BF) schlechter Qualität (Teichfische, dicht gehalten, vermutlich domestizierter Stamm)
So weit so gut! Jetzt kommts:
Der Fischbestand wurde wie folgt berechnet:
Koppe ca. 0,3 kg/ha (0,3%)
RF 67 kg/ha (74%), guter Populationsaufbau, Exemplare bis >40cm
BF 16 kg/ha (17%), kaum Jungfische, v.a. 20 - 30 cm, kaum große
Äsche 8 kg/ha (8%)
(Es wurden auch Strecken in Nachbarrevieren befischt, hier dominiert die Bachforelle !! deutlich mit ca. 80%)
Rechnet man das auf die gesamte Revierfläche hoch, so ergibt sich ein Fischbestand von
ca. 1 kg Koppen
151 kg RF
36 kg BF
17 kg Äschen
Kurz zusammengefasst:
Das Gewässer ist durchaus produktiv, der RF - Bestand kann sich trotz hoher Entnahme selbst erhalten.
Es werden jedes Jahr 120 kg BF hineingekübelt (der gesamte Fischbestand beträgt nur 200kg).
Von diesen 360 kg in drei Jahren haben sich nur 36 kg etablieren können, d.h. es ist trotz totaler Schonung nur 10% übrig geblieben (ohne einen Naturbestand, natürliche Produktivität & Mortalität etc. zu berücksichtigen).
Was schließe ich daraus?
1) Blinder Besatz ohne Erfolgskontrolle ist wirtschaftlicher und ökologischer nonsense
2) Die Besatzmenge von 120 kg pro Jahr ist viel zu hoch, sie führt nur zum Abwandern des Überschusses
Wie erklärt ich mir den geringen Erfolg des Bachforellenbesatzes?
Faktor 1) Das Gewässer ist irreversibel von der Bachforelle zur Regenbogenforelle gekippt, die selektive Entnahme reicht nicht um diesen Zustand zu ändern.
Faktor 2) Die besetzten 2-sömmrigen Teichforellen sind nicht in der Lage, sich an die Bedingungen im Gewässer zu adaptieren, gegen die RF zu konkurrieren und wandern ab.
Der Bewirtschafter hat großes Interesse, wieder einen guten BF - Bestand zu etablieren. Ich habe ihm geraten, einen Besatz mit kleineren, qualitativ hochwertigen Bachforellen (Eier, Brütlinge bis 1-sömmrige, an Strömung gewöhnt) zu versuchen und diesen auf einen kleinen Zubringer zu konzentrieren und die Schonung bzw. selektive Entnahme natürlich weiter zu betreiben. Wenn das nach 3-4 Jahren nicht fruchtet, ist ein weiterer Besatz grundsätzlich sinnlos und er müsse sich entweder mit einem Regenbogenforellengewässer (total selbsterhaltend, auch nicht schlecht!) abfinden oder drastische Methoden ergreifen (Totalabfischung, intensive Entnahme auch von untermassigen RF o. ä.). Ein nachhaltiges "Zurück zur Bachforelle" scheint in diesem Fall jedenfalls nicht mehr möglich!
Eure Meinung dazu würde mich interessieren!
Clemens
Habe unlängst ein Gewässer im Bundesland Salzburg elektrisch befischt (Elektrofangboot, Streifenbefischungsmethode auf 1,5 km) und möchte euch das glaub ich recht interessante Ergebnis nicht vorenthalten!
Eckdaten: Mittelwasserführung knapp 10 m3/s
Gewässerbreite ca. 15 m
1100 m Seehöhe
Einzugsgebiet v.a. Urgestein
Gewässer pendelnd, naturnah, gut strukturiert (Kolk-Furt-Sequenzen)
Bewirtschaftung:
Privater Pächter, Strecke 1,5 km
Entnahme 50 Stk. Regenbogenforellen (RF) pro Jahr, also ca. 15 kg/Jahr
Besatz nur Bachforellen, seit 3 Jahren pro Jahr 120 kg zweisömmrige Bachforellen (BF) schlechter Qualität (Teichfische, dicht gehalten, vermutlich domestizierter Stamm)
So weit so gut! Jetzt kommts:
Der Fischbestand wurde wie folgt berechnet:
Koppe ca. 0,3 kg/ha (0,3%)
RF 67 kg/ha (74%), guter Populationsaufbau, Exemplare bis >40cm
BF 16 kg/ha (17%), kaum Jungfische, v.a. 20 - 30 cm, kaum große
Äsche 8 kg/ha (8%)
(Es wurden auch Strecken in Nachbarrevieren befischt, hier dominiert die Bachforelle !! deutlich mit ca. 80%)
Rechnet man das auf die gesamte Revierfläche hoch, so ergibt sich ein Fischbestand von
ca. 1 kg Koppen
151 kg RF
36 kg BF
17 kg Äschen
Kurz zusammengefasst:
Das Gewässer ist durchaus produktiv, der RF - Bestand kann sich trotz hoher Entnahme selbst erhalten.
Es werden jedes Jahr 120 kg BF hineingekübelt (der gesamte Fischbestand beträgt nur 200kg).
Von diesen 360 kg in drei Jahren haben sich nur 36 kg etablieren können, d.h. es ist trotz totaler Schonung nur 10% übrig geblieben (ohne einen Naturbestand, natürliche Produktivität & Mortalität etc. zu berücksichtigen).
Was schließe ich daraus?
1) Blinder Besatz ohne Erfolgskontrolle ist wirtschaftlicher und ökologischer nonsense
2) Die Besatzmenge von 120 kg pro Jahr ist viel zu hoch, sie führt nur zum Abwandern des Überschusses
Wie erklärt ich mir den geringen Erfolg des Bachforellenbesatzes?
Faktor 1) Das Gewässer ist irreversibel von der Bachforelle zur Regenbogenforelle gekippt, die selektive Entnahme reicht nicht um diesen Zustand zu ändern.
Faktor 2) Die besetzten 2-sömmrigen Teichforellen sind nicht in der Lage, sich an die Bedingungen im Gewässer zu adaptieren, gegen die RF zu konkurrieren und wandern ab.
Der Bewirtschafter hat großes Interesse, wieder einen guten BF - Bestand zu etablieren. Ich habe ihm geraten, einen Besatz mit kleineren, qualitativ hochwertigen Bachforellen (Eier, Brütlinge bis 1-sömmrige, an Strömung gewöhnt) zu versuchen und diesen auf einen kleinen Zubringer zu konzentrieren und die Schonung bzw. selektive Entnahme natürlich weiter zu betreiben. Wenn das nach 3-4 Jahren nicht fruchtet, ist ein weiterer Besatz grundsätzlich sinnlos und er müsse sich entweder mit einem Regenbogenforellengewässer (total selbsterhaltend, auch nicht schlecht!) abfinden oder drastische Methoden ergreifen (Totalabfischung, intensive Entnahme auch von untermassigen RF o. ä.). Ein nachhaltiges "Zurück zur Bachforelle" scheint in diesem Fall jedenfalls nicht mehr möglich!
Eure Meinung dazu würde mich interessieren!
Clemens
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sepp
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Servus Clemens
Du hast bestimmt recht mit deiner Empfehlung, besonders wenn es auch um Wirtschaftlichkeit für den Besitzer geht. Im Bach vor meiner Haustüre konnte ich über die Jahre die Bestandsentwicklung verfolgen. Der letzte Pächter hat nie besetzt und viel entnommen, bei bestem Bestand Dann kam ein neuer Pächter, der hat von Äsche bis RBF alles besetzt und hat jetzt trotz umfangreichen Besatz über die Jahre immer weniger Bestand. Es könnte also durchaus sein das kein BF Besatz Bessserung bringt.
Gruß Sepp
Gruß Sepp
Du hast bestimmt recht mit deiner Empfehlung, besonders wenn es auch um Wirtschaftlichkeit für den Besitzer geht. Im Bach vor meiner Haustüre konnte ich über die Jahre die Bestandsentwicklung verfolgen. Der letzte Pächter hat nie besetzt und viel entnommen, bei bestem Bestand Dann kam ein neuer Pächter, der hat von Äsche bis RBF alles besetzt und hat jetzt trotz umfangreichen Besatz über die Jahre immer weniger Bestand. Es könnte also durchaus sein das kein BF Besatz Bessserung bringt.
Gruß Sepp
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Royal Coachman
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Hallo Clemens !
Da kommen wir auf genau den Punkt, das Gewässer hat sich während 120 Jahren verändert, dem muß man beim Besatz Rechnung tragen.
Einfach zu sagen, man will nur mehr Bachforellen ist u.U genau so falsch, wie der Besatz mit großen Regenbogen.
freundlichst
Royal Coachman
Da kommen wir auf genau den Punkt, das Gewässer hat sich während 120 Jahren verändert, dem muß man beim Besatz Rechnung tragen.
Einfach zu sagen, man will nur mehr Bachforellen ist u.U genau so falsch, wie der Besatz mit großen Regenbogen.
freundlichst
Royal Coachman
Der immer auf Seiten der Fische steht!
-
allgaeufly
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hallo clemens,
beim lesen deines beitrags ist mir "unser" vereinsgewässer, die obere weißach, "durch den kopf gegangen". die wasserwirtschaftlichen eckdaten kann ich dir leider nicht präzise mitteilen, aber ich versuch es mal zu beschreiben: quellbäche zwischen ca 900-1600m ü. NN entspringen im nagelfluhgebiet. die weißach ist in unserem abschnitt ca. zwischen 4-12m breit. es variiert sehr stark von klammähnlichen teilen über rieselstrecken und tiefe züge und gumpen. grobkiesiges substrat. unser teil geht dann ca. 5km, bevor der bach aus dem tal kommt und sich die struktur stark verändert u.a. auch durch kraftwerke im vorarlberger teil(staubereiche, schlamm etc.). hauptfisch ist klar die bachforelle, regenbogen werden nur "versehentlich" mitbesetzt bzw. entweichen aus zuchtanlagen. saiblinge als einzelexemplare auch aus besatz(zufall).
jährlich werden von unserem verein "fangfähige" zuchtforellen zwischen 30cm-40cm, zum teil größer gesetzt (beckenhaltung, nicht stammnah, teilweise angefressene floßen etc.). dies geschieht sehr aufwendig mittels einer kleinen seilbahn an nur ein bis zwei stellen also sehr punktuell! die fische kommen m. e. überhaupt nicht mit den verhältnissen in diesem (wild-)wasser klar(wie auch)! sie schwimmen im schwarm los und werden erstmal mit der strömung einige (viele) meter verfrachtet! der beatz wird mit unimog, quad etc. sehr aufwendig gemacht. in einen nebenbach wird brut gesetzt. dort existiert auch ein sehr stabiler "wildbestand". besetzt wird nach der schmelze mitte juni. ca. 100-150kg. errechnet durch die fangergebnisse des vorjahres (was ja nicht wirklich repräsentativ ist!?)
so jetzt zum kern: die satzfische magern regelrecht ab. ich fange sehr oft satzfische mit großem kopf und dünnem körper(aus den vorjahren)! bei hochwässern (nicht gerade selten dort!) werden m.e. viele satzfische flußab gespült. "wildforellen", sofern man nach der jahrelangen vermischung noch davon sprechen kann, sind vorhanden in allen altersklassen. dominieren tun allerdings die satzfische! die fangergebnisse lassen aber zu wünschen übrig! außer kurz nach besatz werden selten schwere exemplare gefangen. GIBT ES ÄHNLICHE ERFAHRUNGEN BEZÜGLICH ABMAGERN VON SATZFISCHEN IN SOLCHEN GEWÄSSERN???
ich meine auch unser verein müßte in der gesamten bewirtschaftung umdenken! es wird reingeschmissen, ohne bestandskontrolle u. ohne sich um "stammesgeschichten" etc. zu kümmern. nur weil halt viele nicht mit einer 30cm, wunderschön gefärbten wildforelle, gefangen in grandioser landschaft zufrieden sein wollen! man könnte vielleicht nach einer eingehenden untersuchung mit hilfe von fischereibiologen und einer besseren, evtl. anfangs aufwendigeren besatzarbeit, viel geld sparen o. woanderst sinnvoller einsetzen!
warum wird noch so wenig in diese richtung gedacht und werden solche horrend teuren und personalintensiven besatzpraktiken aufrechterhalten???
auf alle fälle fand ich deine ausführungen sehr interessant! evtl. kannst du mir mal nen tip geben wie man gewässerwart und vorstandschaft auf andere pfade leiten kann!?
gruß
aus dem allgäu
beim lesen deines beitrags ist mir "unser" vereinsgewässer, die obere weißach, "durch den kopf gegangen". die wasserwirtschaftlichen eckdaten kann ich dir leider nicht präzise mitteilen, aber ich versuch es mal zu beschreiben: quellbäche zwischen ca 900-1600m ü. NN entspringen im nagelfluhgebiet. die weißach ist in unserem abschnitt ca. zwischen 4-12m breit. es variiert sehr stark von klammähnlichen teilen über rieselstrecken und tiefe züge und gumpen. grobkiesiges substrat. unser teil geht dann ca. 5km, bevor der bach aus dem tal kommt und sich die struktur stark verändert u.a. auch durch kraftwerke im vorarlberger teil(staubereiche, schlamm etc.). hauptfisch ist klar die bachforelle, regenbogen werden nur "versehentlich" mitbesetzt bzw. entweichen aus zuchtanlagen. saiblinge als einzelexemplare auch aus besatz(zufall).
jährlich werden von unserem verein "fangfähige" zuchtforellen zwischen 30cm-40cm, zum teil größer gesetzt (beckenhaltung, nicht stammnah, teilweise angefressene floßen etc.). dies geschieht sehr aufwendig mittels einer kleinen seilbahn an nur ein bis zwei stellen also sehr punktuell! die fische kommen m. e. überhaupt nicht mit den verhältnissen in diesem (wild-)wasser klar(wie auch)! sie schwimmen im schwarm los und werden erstmal mit der strömung einige (viele) meter verfrachtet! der beatz wird mit unimog, quad etc. sehr aufwendig gemacht. in einen nebenbach wird brut gesetzt. dort existiert auch ein sehr stabiler "wildbestand". besetzt wird nach der schmelze mitte juni. ca. 100-150kg. errechnet durch die fangergebnisse des vorjahres (was ja nicht wirklich repräsentativ ist!?)
so jetzt zum kern: die satzfische magern regelrecht ab. ich fange sehr oft satzfische mit großem kopf und dünnem körper(aus den vorjahren)! bei hochwässern (nicht gerade selten dort!) werden m.e. viele satzfische flußab gespült. "wildforellen", sofern man nach der jahrelangen vermischung noch davon sprechen kann, sind vorhanden in allen altersklassen. dominieren tun allerdings die satzfische! die fangergebnisse lassen aber zu wünschen übrig! außer kurz nach besatz werden selten schwere exemplare gefangen. GIBT ES ÄHNLICHE ERFAHRUNGEN BEZÜGLICH ABMAGERN VON SATZFISCHEN IN SOLCHEN GEWÄSSERN???
ich meine auch unser verein müßte in der gesamten bewirtschaftung umdenken! es wird reingeschmissen, ohne bestandskontrolle u. ohne sich um "stammesgeschichten" etc. zu kümmern. nur weil halt viele nicht mit einer 30cm, wunderschön gefärbten wildforelle, gefangen in grandioser landschaft zufrieden sein wollen! man könnte vielleicht nach einer eingehenden untersuchung mit hilfe von fischereibiologen und einer besseren, evtl. anfangs aufwendigeren besatzarbeit, viel geld sparen o. woanderst sinnvoller einsetzen!
warum wird noch so wenig in diese richtung gedacht und werden solche horrend teuren und personalintensiven besatzpraktiken aufrechterhalten???
auf alle fälle fand ich deine ausführungen sehr interessant! evtl. kannst du mir mal nen tip geben wie man gewässerwart und vorstandschaft auf andere pfade leiten kann!?
gruß
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„Jetzt weiß ich endlich was ich dir bieten kann Marge! Völlige und nie-endende Abhängigkeit!”
Homer Simpson
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Hallo RC!
Da sind wir doch unterschiedlicher Meinung! Der geschilderte Bach hat sich in den letzten 120 Jahren wenig verändert. Was sich geändert hat ist die Anwesenheit der RF. Ich bin davon überzeugt, dass - wären die RF nicht angesiedelt worden - die Salmonidenbiomasse auch etwa bei 200kg/ha läge, aber nur BF und Ä.
Die Frage ist, wie geht man damit um. Wie oben geschildert massenhaft BF schlechter Qualität reinkübeln ist sicher keine Lösung. Also entweder man tut gar nix (und besetzt nichts) und freut sich über einen selbstreproduzierenden RF - Bestand,
oder man ergreift drastische Methoden um die RF wieder los zuwerden.
Dafür gibt's wenig Beispiele, und es wann dann sicher nur einzugsgebietsübergreifend Erfolg versprechend.
Das oben genannte Beispiel finde ich aus mehrerlei Gesichtspunkten interessant:
1) Es zeigt dass Besatz Null Effekt haben kann
2) Es zeigt, dass ein BF - Bach zu einem RF - Bach kippen kann, keiner weiss wann und warum
3) Es zeigt, dass Salmonidenbestände bei guten Voraussetzungen auch ohne Besatz (oder gerade deswegen?) nachhaltig und intensiv genutzt werden können (siehe RF - kein Besatz, hohe Entnahme, trotzdem guter Bestand).
@Sepp
Dein Beispiel ist recht interessant. Ich glaube man weiss noch viel zu wenig darüber, was man durch Besatz alles ruinieren kann. Der verbreitete Schluss viel reinkübeln - viel Bestand ist völliger Unsinn der die regulierenden Mechanismen im Gewässer außer Acht lässt.
@allgaeufly
Du hast eh selbst alle Antworten gegeben. Wie man Vorstandsmitglieder in die richtige Richtung bringt, da hast du sicher selbst mehr Erfahrung. Vielleicht habt ihr langfristige Besatz - Fang Aufzeichnungen, die belegen dass nur ein bruchteil der Fische wiedergefangen wird und es vor allem zu keinem Grössenzuwachs kommt. Ich würde meinen dass solche wirtschaftlichen Ansätze gerade bei dieser älteren Generation am ehesten "ziehen".
Clemens
Da sind wir doch unterschiedlicher Meinung! Der geschilderte Bach hat sich in den letzten 120 Jahren wenig verändert. Was sich geändert hat ist die Anwesenheit der RF. Ich bin davon überzeugt, dass - wären die RF nicht angesiedelt worden - die Salmonidenbiomasse auch etwa bei 200kg/ha läge, aber nur BF und Ä.
Die Frage ist, wie geht man damit um. Wie oben geschildert massenhaft BF schlechter Qualität reinkübeln ist sicher keine Lösung. Also entweder man tut gar nix (und besetzt nichts) und freut sich über einen selbstreproduzierenden RF - Bestand,
oder man ergreift drastische Methoden um die RF wieder los zuwerden.
Dafür gibt's wenig Beispiele, und es wann dann sicher nur einzugsgebietsübergreifend Erfolg versprechend.
Das oben genannte Beispiel finde ich aus mehrerlei Gesichtspunkten interessant:
1) Es zeigt dass Besatz Null Effekt haben kann
2) Es zeigt, dass ein BF - Bach zu einem RF - Bach kippen kann, keiner weiss wann und warum
3) Es zeigt, dass Salmonidenbestände bei guten Voraussetzungen auch ohne Besatz (oder gerade deswegen?) nachhaltig und intensiv genutzt werden können (siehe RF - kein Besatz, hohe Entnahme, trotzdem guter Bestand).
@Sepp
Dein Beispiel ist recht interessant. Ich glaube man weiss noch viel zu wenig darüber, was man durch Besatz alles ruinieren kann. Der verbreitete Schluss viel reinkübeln - viel Bestand ist völliger Unsinn der die regulierenden Mechanismen im Gewässer außer Acht lässt.
@allgaeufly
Du hast eh selbst alle Antworten gegeben. Wie man Vorstandsmitglieder in die richtige Richtung bringt, da hast du sicher selbst mehr Erfahrung. Vielleicht habt ihr langfristige Besatz - Fang Aufzeichnungen, die belegen dass nur ein bruchteil der Fische wiedergefangen wird und es vor allem zu keinem Grössenzuwachs kommt. Ich würde meinen dass solche wirtschaftlichen Ansätze gerade bei dieser älteren Generation am ehesten "ziehen".
Clemens
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Royal Coachman
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Hallo Clemens !
Meiner Meinung nach läßt die Wissenschaft einiges außer Acht, die Gewässer müssen sich nicht unbedingt von ihrem Äußeren (also Verbau usw) verändert haben, es genügt doch wenn sich die Wassereigenschaften geändert haben.
Dies würden die Beobachtungenvon Alex und meiner Wenigkeit bestätigen, indem durch die Einleitungen sowie die allgegenwärtigen Klärwerke die Eigenschaften (Leitfähigkeit usw.) verändert wurden.
In wie weit sich die Umstellung der Waschmittel vor ca 20 Jahren von Phosphate auf Tenside bemerkbar macht, kann niemand genau sagen, die Durchmischung des Grundwassers ist jedenfalls nach ca 15 Jahren eine Tatsache.
freundlichst
Royal Coachman
Meiner Meinung nach läßt die Wissenschaft einiges außer Acht, die Gewässer müssen sich nicht unbedingt von ihrem Äußeren (also Verbau usw) verändert haben, es genügt doch wenn sich die Wassereigenschaften geändert haben.
Dies würden die Beobachtungenvon Alex und meiner Wenigkeit bestätigen, indem durch die Einleitungen sowie die allgegenwärtigen Klärwerke die Eigenschaften (Leitfähigkeit usw.) verändert wurden.
In wie weit sich die Umstellung der Waschmittel vor ca 20 Jahren von Phosphate auf Tenside bemerkbar macht, kann niemand genau sagen, die Durchmischung des Grundwassers ist jedenfalls nach ca 15 Jahren eine Tatsache.
freundlichst
Royal Coachman
Der immer auf Seiten der Fische steht!
Moin moin,Original geschrieben von allgaeufly
evtl. kannst du mir mal nen tip geben wie man gewässerwart und vorstandschaft auf andere pfade leiten kann!?
gruß
aus dem allgäu
wie wäre es hiermit:
http://www.kfv-tuebingen.de/natur/umdenken.html
http://www.kfv-tuebingen.de/natur/umdenken2.html
Ich finde, da wird es sehr gut auf den Punkt gebracht.
Gruß, Andreas.
Angeln wird nur von solchen Menschen als langweilig empfunden, die damit nichts anderes verbinden als Fische zu fangen...
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allgaeufly
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Äschenjäger
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Hallo Zusammen,
bewi uns gibt es einen Fluss, der wird jedes Jahr mit Bachforellen besetzt.
Die Bachforellen mach auf mich einen Guten eindruck ( sind glaub aus einem Nebenfluss oder so ).
Und ich denke die würden sich natürlich vermehren.
ABER:
jeder der da fischt zieht einen nach der anderen raus, egal ob mit Wobbler oder Spinner. Egal ob mehr als fier oder nihct.
Egal ob man die Fische vereltzt oder nicht.
Sch... Egal ob der kommische fischen der da gebissen hat und ich keine Ahnung habe unter schutzt steht oder nicht, alles was gefangen wird kommt raus!!
Das sieht dann so aus, das kurz vor der Forellenschonzeit kein oder nur sehr sehr wenige Fishce drinen sind. Und die sind so verstümelt das sie an die Weitervermehrung gar nicht denken können.
Natürlich gibt es ein paaaaar kleine oder auch große Forellen die wild sind und aus den Nebenflüssen kommen, aber so weit um an die guten stellen zum laufen ist zu anstrengend ( zum Glück!! )
Das nächste Jahr die gleiche produktion, ein oder zwei mal Forellen eingesetzt und gleich wieder alles raus...
Gruß
Marius
bewi uns gibt es einen Fluss, der wird jedes Jahr mit Bachforellen besetzt.
Die Bachforellen mach auf mich einen Guten eindruck ( sind glaub aus einem Nebenfluss oder so ).
Und ich denke die würden sich natürlich vermehren.
ABER:
jeder der da fischt zieht einen nach der anderen raus, egal ob mit Wobbler oder Spinner. Egal ob mehr als fier oder nihct.
Egal ob man die Fische vereltzt oder nicht.
Sch... Egal ob der kommische fischen der da gebissen hat und ich keine Ahnung habe unter schutzt steht oder nicht, alles was gefangen wird kommt raus!!
Das sieht dann so aus, das kurz vor der Forellenschonzeit kein oder nur sehr sehr wenige Fishce drinen sind. Und die sind so verstümelt das sie an die Weitervermehrung gar nicht denken können.
Natürlich gibt es ein paaaaar kleine oder auch große Forellen die wild sind und aus den Nebenflüssen kommen, aber so weit um an die guten stellen zum laufen ist zu anstrengend ( zum Glück!! )
Das nächste Jahr die gleiche produktion, ein oder zwei mal Forellen eingesetzt und gleich wieder alles raus...
Gruß
Marius
- Rattensack
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Hallo RC!
Kann das sein dass du einfach nicht akzeptieren willst dass es Wechselwirkungen (Konkurrenzphänomene) zwischen Fischarten geben kann?
Konkret zum oben geschilderten Fall:
2 Kilometer stromauf vom RF - lastigen Bestand haben wir einen guten, selbstreproduzierenden BF - Bestand dokumentiert. Stromab der RF - Strecke: das selbe Bild, 80 % Bachforellen. Daraus schließe ich dass das Gewässer aktuell unter den vorherrschenden Bedingungen (darunter fallen auch etwaige chemische Beeinträchtigungen) ein hohes Potential als Bachforellengewässer hat (und laut Auskunft der Fischereiberechtigten früher auch hatte!). Ausserdem ist für mich nicht nachzuvollziehen, dass die Bachforelle unter den von dir postulieren Belastungen (Wassergüte) so überproportional stärker leiden würde als die RF.
In dem kontreten Fall: Ich kann mir das ganze nur durch Konkurrenz erklären!
Die Regenforelle verdrängt in diesem ganz speziellen Abschnitt die Bachforelle. Das Gewässer ist sozusagen in einen anderen Gleichgewichtszustand "gekippt". Aus Amerika gibt es Beispiele für genau das Gegenteil, also die Bachforelle verdrängt die Regenbogenforelle. Das ganze hat in diesen Fällen nur indirekt was mit Veränderungen der Wasserqualität, Struktur etc. zu tun.
Natürlich: Es gibt auch Beispiele, wo menschliche Eingriffe die Regenbgen begünstigen (Alex hat ja sowas beschrieben, wo in dem verbauten Abschnitt die RF dominiert). Da hast du schon recht!
Lg,
Clemens
Kann das sein dass du einfach nicht akzeptieren willst dass es Wechselwirkungen (Konkurrenzphänomene) zwischen Fischarten geben kann?
Konkret zum oben geschilderten Fall:
2 Kilometer stromauf vom RF - lastigen Bestand haben wir einen guten, selbstreproduzierenden BF - Bestand dokumentiert. Stromab der RF - Strecke: das selbe Bild, 80 % Bachforellen. Daraus schließe ich dass das Gewässer aktuell unter den vorherrschenden Bedingungen (darunter fallen auch etwaige chemische Beeinträchtigungen) ein hohes Potential als Bachforellengewässer hat (und laut Auskunft der Fischereiberechtigten früher auch hatte!). Ausserdem ist für mich nicht nachzuvollziehen, dass die Bachforelle unter den von dir postulieren Belastungen (Wassergüte) so überproportional stärker leiden würde als die RF.
In dem kontreten Fall: Ich kann mir das ganze nur durch Konkurrenz erklären!
Die Regenforelle verdrängt in diesem ganz speziellen Abschnitt die Bachforelle. Das Gewässer ist sozusagen in einen anderen Gleichgewichtszustand "gekippt". Aus Amerika gibt es Beispiele für genau das Gegenteil, also die Bachforelle verdrängt die Regenbogenforelle. Das ganze hat in diesen Fällen nur indirekt was mit Veränderungen der Wasserqualität, Struktur etc. zu tun.
Natürlich: Es gibt auch Beispiele, wo menschliche Eingriffe die Regenbgen begünstigen (Alex hat ja sowas beschrieben, wo in dem verbauten Abschnitt die RF dominiert). Da hast du schon recht!
Lg,
Clemens
Zuletzt geändert von Rattensack am 20.11.2005, 17:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Maggov
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Hallo Clemens,
Vielen Dank für diesen Thread, Dein Beispiel und Deine Erläuterungen. Für mich als Laien ist das sehr interessant.
ich interpretiere vorsichtig:
Vielleicht wollte RC damit zum Ausdruck bringen, dass ein sich reproduzierender Refo-Stamm der offensichtlich das Potential mitbringt sich zu behaupten und historisch bedingt sich da etabliert hat, eine gleichwertige Daseinsberechtigung hat wie eine Bachforelle. Was hat es für einen Mehrwert, die Regenbogenforellen mit "Gewalt" aus dem Fluss zu entfernen nur um (in diesem Abschnitt) die BaFo wieder zu etalblieren? Offensichtlich sind die anderen Abschnitte durch Verbauungen etc. vor einer zu starken Beeinflussung durch die ReFos abgeschottet.
Ich kenne RC auch aus anderen Thread, wo er sich sehr kritisch über den Besatz von ReFos geäussert hat und möchte hier nichts falsches über seinen Kopf hinweg behaupten. deshalb:
@RC: kannst Du hier nochmal was dazu posten?
Meiner Meinung nach ist die Regenbogenforelle ein einheimischer Fisch geworden. Die Einführung ist so lange her, dass man m.M. nach sich mit dieser Tatsache abfinden muss. Als Fischer finde ich diesen Fisch ebenfalls interressant und absolut gleichwertig zu einer Bachforelle.
Im Hinblick auf den Artenschutz und die Motivation die Ursprünglichkeit von Gewässern zu erhalten oder wiederherzustellen verstehe ich die Argumente gegen ReFos schon. Dagagen muss man aber auch die Frage der Nachhaltigkeit stellen und auch die Geschichte eines Gewässers berücksichtigen. Einen Cut zu machen und zu sagen ich forme mein Gewässer radikal (was ich bei einer derartigen Umschichtung der Verteilung von ReFo zu BaFo sehe) zu einem vermeintlichen "Urzustand" um halte ich für riskant. Vernachlässigt man irgendeinen Faktor kann das Ganze sehr teuer werden und Null Ergebnis haben. Weiterhin vernachlässigt dies auch die "Evolution" einen Gewässers. Wenn ich nochmals RCs Worte aufgreifen/missbrauchen darf:
Eine Struktur, die in zig Jahrzehnten gewachsen ist kann durchaus eine Weiterentwicklung bedeuten, die nicht zwingend negativ ist. Eine Umkehr dieser Entwicklung innerhalb von 5 Jahren mag realistisch sein, jedoch widerspricht dies der vorherigen Entwicklung und ist somit auch "unnatürlich".
Wir haben wahrscheinlich kein einziges Gewässer in Europa, in dem der Mensch noch nicht rumgepfuscht hat. Wenn ich von heute an auf Nachhaltigkeit und sinnvollen Umgang mit der Natur setze, dann muss die Bestandsaufnahme ("was ist noch Natur?" und "wie schütze ich das (heutige) Ökosystem Fluss?") auch heute ansetzen.
Viele Grüsse
markus
Vielen Dank für diesen Thread, Dein Beispiel und Deine Erläuterungen. Für mich als Laien ist das sehr interessant.
ich interpretiere vorsichtig:
Vielleicht wollte RC damit zum Ausdruck bringen, dass ein sich reproduzierender Refo-Stamm der offensichtlich das Potential mitbringt sich zu behaupten und historisch bedingt sich da etabliert hat, eine gleichwertige Daseinsberechtigung hat wie eine Bachforelle. Was hat es für einen Mehrwert, die Regenbogenforellen mit "Gewalt" aus dem Fluss zu entfernen nur um (in diesem Abschnitt) die BaFo wieder zu etalblieren? Offensichtlich sind die anderen Abschnitte durch Verbauungen etc. vor einer zu starken Beeinflussung durch die ReFos abgeschottet.
Ich kenne RC auch aus anderen Thread, wo er sich sehr kritisch über den Besatz von ReFos geäussert hat und möchte hier nichts falsches über seinen Kopf hinweg behaupten. deshalb:
@RC: kannst Du hier nochmal was dazu posten?
Meiner Meinung nach ist die Regenbogenforelle ein einheimischer Fisch geworden. Die Einführung ist so lange her, dass man m.M. nach sich mit dieser Tatsache abfinden muss. Als Fischer finde ich diesen Fisch ebenfalls interressant und absolut gleichwertig zu einer Bachforelle.
Im Hinblick auf den Artenschutz und die Motivation die Ursprünglichkeit von Gewässern zu erhalten oder wiederherzustellen verstehe ich die Argumente gegen ReFos schon. Dagagen muss man aber auch die Frage der Nachhaltigkeit stellen und auch die Geschichte eines Gewässers berücksichtigen. Einen Cut zu machen und zu sagen ich forme mein Gewässer radikal (was ich bei einer derartigen Umschichtung der Verteilung von ReFo zu BaFo sehe) zu einem vermeintlichen "Urzustand" um halte ich für riskant. Vernachlässigt man irgendeinen Faktor kann das Ganze sehr teuer werden und Null Ergebnis haben. Weiterhin vernachlässigt dies auch die "Evolution" einen Gewässers. Wenn ich nochmals RCs Worte aufgreifen/missbrauchen darf:
Eine Struktur, die in zig Jahrzehnten gewachsen ist kann durchaus eine Weiterentwicklung bedeuten, die nicht zwingend negativ ist. Eine Umkehr dieser Entwicklung innerhalb von 5 Jahren mag realistisch sein, jedoch widerspricht dies der vorherigen Entwicklung und ist somit auch "unnatürlich".
Wir haben wahrscheinlich kein einziges Gewässer in Europa, in dem der Mensch noch nicht rumgepfuscht hat. Wenn ich von heute an auf Nachhaltigkeit und sinnvollen Umgang mit der Natur setze, dann muss die Bestandsaufnahme ("was ist noch Natur?" und "wie schütze ich das (heutige) Ökosystem Fluss?") auch heute ansetzen.
Viele Grüsse
markus
Reflection is a broad deep and quiet pool into which the stream of an angler's thought opens out from time to time.
A. A. Lucas in Fishing and Thinking, 1959
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stefan grau
in Bern fand letztes Weekend ein Seminar mit internantionaler Beteiligung zur Gewässerbewirttschaftung statt - das Interesse daran war so gross, dass einige Interessenten mangels Platz sogar wieder ausgeladen wurden
http://www.fischnetz.ch/content_d/news/ ... inar05.pdf
Langes Seminar kurzer Sinn;
- Die Besatzpraxis ist allgemein zu hinterfragen, viel Besatz bringt wenig Fische . (z.B. Gewässerrevitalisierungen (Renaturierungen) bringen mehr Fische als Besatz).
- Ein genetisches Durcheinander wird nach wie vor gefördert statt vermieden
(z.B. Besatz von genetisch unangepassten Fischarten aus anderen Einzugsgebieten als dem heimischen fördert Krankheitsanfälligkeiten für alle, zudem Besatz mit fremde Rassen (z.B. RBF) birgt nach wie vor grosse Risiken)
- Immense Summen werden in meist sinnlosen Besatz investiert (tausende von Euros und Fränklis), nur amti die Fischer etwas fangen (Ertragsdenken)
Eigentlich alles nichts neues, nur das Umlernen wird laut Seminar wohl noch Jahrzente dauern.
Gruss
Stefan
http://www.fischnetz.ch/content_d/news/ ... inar05.pdf
Langes Seminar kurzer Sinn;
- Die Besatzpraxis ist allgemein zu hinterfragen, viel Besatz bringt wenig Fische . (z.B. Gewässerrevitalisierungen (Renaturierungen) bringen mehr Fische als Besatz).
- Ein genetisches Durcheinander wird nach wie vor gefördert statt vermieden
(z.B. Besatz von genetisch unangepassten Fischarten aus anderen Einzugsgebieten als dem heimischen fördert Krankheitsanfälligkeiten für alle, zudem Besatz mit fremde Rassen (z.B. RBF) birgt nach wie vor grosse Risiken)
- Immense Summen werden in meist sinnlosen Besatz investiert (tausende von Euros und Fränklis), nur amti die Fischer etwas fangen (Ertragsdenken)
Eigentlich alles nichts neues, nur das Umlernen wird laut Seminar wohl noch Jahrzente dauern.
Gruss
Stefan
- Wolfgang Hinderjock
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Was mich mal näher interessieren würde ist, ob es sich bei dem Gewässerabschnitt um ein durch Verbauung isoliertes Stück des Flußes handelt, da ich ja herauslese, daß sowohl oberhalb und unterhalb die Bachforellenpopulation "funktioniert", nur eben in diesem Stück nicht.
Oder weicht der Abschnitt in irgendwelchen Parametern von den anderen Flußabschnitten mit den Bafo´s ab?
Wenn nun der Fluß völlig für Fische durchlässig wäre und von den Bedingungen mit den anderen Abschnitten identisch wäre, dann würden die Fische insbesondere die Regenbogner gewisse Wanderbewegungen ausüben und es somit zu einer dementsprechenden Verteilung kommen.
Es muß also Gründe für die Dominanz der Regenbogner in diesem Abschnitt geben, der simpelste Grund wäre der, daß dieser Abschnitt eben den Ansprüchen der Regenbogner besser entspricht, den Bafos aber nicht so zusagt, aus welchem Grund auch immer,Struktur, Zahl der Einstände, PH-Wert(Regenbogner vertragen viel aber auf keinen Fall auch nur leicht saueres Wasser, insbesondere wichtig für natürliches Aufkommen).
Ich stehe zwar der Regenbogenforelle als Besatzfisch auch kritisch gegenüber, aber sollte sich da ein autochoner Stamm etabliert haben, ist der doch nicht weniger wertig.
Oder weicht der Abschnitt in irgendwelchen Parametern von den anderen Flußabschnitten mit den Bafo´s ab?
Wenn nun der Fluß völlig für Fische durchlässig wäre und von den Bedingungen mit den anderen Abschnitten identisch wäre, dann würden die Fische insbesondere die Regenbogner gewisse Wanderbewegungen ausüben und es somit zu einer dementsprechenden Verteilung kommen.
Es muß also Gründe für die Dominanz der Regenbogner in diesem Abschnitt geben, der simpelste Grund wäre der, daß dieser Abschnitt eben den Ansprüchen der Regenbogner besser entspricht, den Bafos aber nicht so zusagt, aus welchem Grund auch immer,Struktur, Zahl der Einstände, PH-Wert(Regenbogner vertragen viel aber auf keinen Fall auch nur leicht saueres Wasser, insbesondere wichtig für natürliches Aufkommen).
Ich stehe zwar der Regenbogenforelle als Besatzfisch auch kritisch gegenüber, aber sollte sich da ein autochoner Stamm etabliert haben, ist der doch nicht weniger wertig.

- Rattensack
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Hallo Wolfgang!
Stromab ist der Abschnitt durch ein Kraftwerk + Restwasserstrecke vom Unterlauf abgetrennt. Stromauf bestehen einige kaum passierbare Schwellen. Daher halte ich die Vereinfachung, die Bestände als eigenständige Populationen zu bertrachten, als zulässig.
Der besagte Abschnitt hat durch Zubringer eine deutlich höhere Wassermenge und eine bessere Gewässerstruktur (Kolk - Furt - Sequenzen) als der Oberlauf (hart reguliert). Den viel höheren Anteil der RF und das Auftreten der Ä interpretiere ich als Entwicklung im Längsverlauf hin zum Übergang Untere Forellenregion - Äschenregion.
Du hast völlig recht, der besagte Abschnitt sagt den RF aufgrund der Lebensraumbedingungen sicher mehr zu als der BF. Das ist auch der Grund, warum sie hier konkurrenzstärker ist und die BF verdrängen kann! Der Punkt ist, dass ich annehme, dass ohne RF die BF (und vermutlich auch die Ä) einen viel höheren Bestand bilden würden, weil Konkurrenzphänomene auftreten. Von der angesprochenen Strecke weiss ich, dass sie vor einigen Jahren als gute Bachforellenstrecke bekannt war. Jetzt ist sie es nicht mehr.
Das Zurückdrängen der BF durch die RF ist meines Wissens recht typisch für den Übergang Forellen - Äschenregion und tritt auch in sehr naturnahen Gewässern auf (bekannte Beispiele in Ö Mur Bereich Stadl - Murau; steirische Salza Unterlauf).
Um es vorwegzunehmen: Ich rede nicht davon, dass eine Fischart eine andere ausrottet. Ich finde aus verschiedenen Überlegungen nur nicht wünschenswert, dass aus einem BF ein RF - dominiertes Gewässer wird. In einem wirklich schönen, relativ intakten Bach. Der Bewirtschafter fängt heute de facto gar keine BF mehr.
@Maggov
Es ist halt schwierig, wenn unterschiedliche Paradigmen aufeinander treffen. Als Fliegenfischer schätze auch ich die RF überaus (und hab sie in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Alaska und Kamchatka mit größtem Vergnügen befischt). Als Naturschützer finde ich es widerlich, wenn in unserern Gewässern Arten schwimmen, die von Natur aus nur im Pazifischen Raum vorkommen. Darüber lässt sich schwer diskutieren, wenn man mit unterschiedlichen Werten an die Sache herangeht.
Fakt ist, dass ein starkes Aufkommen der RF oft mit einem Niedergang der BF korreliert, und eine derartig massive Verschiebung der Artzusammensetzung weitreichende, unter Umständen irreversible, ökologische Konsequenzen haben kann. Je stärker degradiert ein Gewässer ist, umso eher passiert das (kann aber auch genau umgekehrt sein, siehe oben).
Provokanter Vergleich. Goldfische gibt es auch schon seit hunderten von Jahren in Europa, trotzdem hielte ich es für in hohem Maße negativ, wenn Goldfische in weiten Gewässerstrecken Rotaugen und Karauschen zurückdrängen würden.
Clemens
P.S. Eigentlich wollte ich mit dem Beispiel primär keine Regenbogenforellen - Diskussion "anzünden", sondern ein plakatives Beispiel bringen, wie unsinnig (auch wirtschaftlich) Besatz sein kann! (360 kg Bachforellen in den Sand gesetzt).
Stromab ist der Abschnitt durch ein Kraftwerk + Restwasserstrecke vom Unterlauf abgetrennt. Stromauf bestehen einige kaum passierbare Schwellen. Daher halte ich die Vereinfachung, die Bestände als eigenständige Populationen zu bertrachten, als zulässig.
Der besagte Abschnitt hat durch Zubringer eine deutlich höhere Wassermenge und eine bessere Gewässerstruktur (Kolk - Furt - Sequenzen) als der Oberlauf (hart reguliert). Den viel höheren Anteil der RF und das Auftreten der Ä interpretiere ich als Entwicklung im Längsverlauf hin zum Übergang Untere Forellenregion - Äschenregion.
Du hast völlig recht, der besagte Abschnitt sagt den RF aufgrund der Lebensraumbedingungen sicher mehr zu als der BF. Das ist auch der Grund, warum sie hier konkurrenzstärker ist und die BF verdrängen kann! Der Punkt ist, dass ich annehme, dass ohne RF die BF (und vermutlich auch die Ä) einen viel höheren Bestand bilden würden, weil Konkurrenzphänomene auftreten. Von der angesprochenen Strecke weiss ich, dass sie vor einigen Jahren als gute Bachforellenstrecke bekannt war. Jetzt ist sie es nicht mehr.
Das Zurückdrängen der BF durch die RF ist meines Wissens recht typisch für den Übergang Forellen - Äschenregion und tritt auch in sehr naturnahen Gewässern auf (bekannte Beispiele in Ö Mur Bereich Stadl - Murau; steirische Salza Unterlauf).
Um es vorwegzunehmen: Ich rede nicht davon, dass eine Fischart eine andere ausrottet. Ich finde aus verschiedenen Überlegungen nur nicht wünschenswert, dass aus einem BF ein RF - dominiertes Gewässer wird. In einem wirklich schönen, relativ intakten Bach. Der Bewirtschafter fängt heute de facto gar keine BF mehr.
@Maggov
Es ist halt schwierig, wenn unterschiedliche Paradigmen aufeinander treffen. Als Fliegenfischer schätze auch ich die RF überaus (und hab sie in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Alaska und Kamchatka mit größtem Vergnügen befischt). Als Naturschützer finde ich es widerlich, wenn in unserern Gewässern Arten schwimmen, die von Natur aus nur im Pazifischen Raum vorkommen. Darüber lässt sich schwer diskutieren, wenn man mit unterschiedlichen Werten an die Sache herangeht.
Fakt ist, dass ein starkes Aufkommen der RF oft mit einem Niedergang der BF korreliert, und eine derartig massive Verschiebung der Artzusammensetzung weitreichende, unter Umständen irreversible, ökologische Konsequenzen haben kann. Je stärker degradiert ein Gewässer ist, umso eher passiert das (kann aber auch genau umgekehrt sein, siehe oben).
Provokanter Vergleich. Goldfische gibt es auch schon seit hunderten von Jahren in Europa, trotzdem hielte ich es für in hohem Maße negativ, wenn Goldfische in weiten Gewässerstrecken Rotaugen und Karauschen zurückdrängen würden.
Clemens
P.S. Eigentlich wollte ich mit dem Beispiel primär keine Regenbogenforellen - Diskussion "anzünden", sondern ein plakatives Beispiel bringen, wie unsinnig (auch wirtschaftlich) Besatz sein kann! (360 kg Bachforellen in den Sand gesetzt).
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