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Verfasst: 01.04.2008, 13:10
von Fyggi
Hai RC,

es muß ja auch keine Wurfstildiskussion geben (wobei auch "das Werfen" bei der Beantwortung der Eingangsfrage eine entscheidende Rolle spielen kann).

Aber trotzdem
Habt Ihr Euch eigentlich noch nie gefragt, woher bei den Kohlefaserruten die vielen Spitzenbrüche im Bereich der letzten 15 cm kommen
würde mich deine Antwort auf diese Frage interessieren oder wolltest du tatsächlich nur eine Antwort 8)

Zumindest die von dir in deiner Frage getroffene Feststellung, dass es eben "viele Spitzenbrüche" gegeben hat könntest du doch einmal erläutern, da ich z.B. persönlich in 16 Jahren Fliegenfischen erst 1 Spitze gekillt habe (aus Versehen mit dem Fuß darauf getreten...)
Davon ausgehend, daß Rute und Schnur zu einander passen, warum soll man dann eine Klasse höher gehen? Das macht doch keinen Sinn, da braucht Ihr mir nicht mit irgendwelchen Grammangaben kommen
Schnur und Rute passen aber nunmal nicht immer zueinander, auch wenn wir es gern so hätten. Und dieses nicht-zueinander-passen drückt sich nun einmal in Gramm aus (Zumindest bei der Zielrichtung der Eingangs gestellten Frage) und dieser Umstand sollte deshalb schon einmal erwähnt werden

"Ein Sinn" mal aus meiner Sicht: wie du sicher weißt, transportiert die Schnur die Fliege. Ergo kann es "Sinn" machen, bei z.B. Rollwürfen (unabhängig ob DT oder WF) eine Klasse höher zu gehen, da dann das höhere Gewicht der Schnur eher in der Lage ist, eine (falls erforderlich) schwerere Nymhe besser zu transportieren.

Genauso wie es Sinn macht, bei der Trockenfliegenfischerei die Schnur leichter zu wählen, wie auch ich es gern mache.

Will sagen: das Ausnutzen des Leistungsspektrums einer Rute durch gezielte Schnurwahl sowohl nach oben als auch nach unten kann dem versierten Fischer je nach fischereilichen Erfordernissen definitiv Vorteile bringen.

Diese Möglichkeiten in eine Richtung zu beschneiden, DAS macht keinen Sinn.

Freundlichst, Mark :smt039

Detail

Verfasst: 01.04.2008, 14:17
von Royal Coachman
Hallo Freunde !

Anscheinend muß man doch ins Detail gehen!

Dann wollen wir mal die Fakten aufzählen:

Kurt spricht von einer Wurfweite von 8m!

Was bedeute denn das?

Rute 8" incl Unterarm 2,50 2,50

Vorfach gekürzt da für Bachfischerei 2,50

ergibt 5,00 m

verbeibende Flugschnur 3,00


deswegen sollte man eine Schnurklasse höher fischen !







I AM AMUSED !


nur nicht vom dahinterstehenden Kommerz!

freundlichst

Royal Coachman

Verfasst: 01.04.2008, 14:22
von Heinz
Hallo,

nur so am Rande-ganz ohne besserwisserisch sein zu wollen:

Sinn "macht" wenig, Sinn gibt viel. Auch wenn da mancher darauf bemerken wird: " Da halte ich nichts von!"

Grüsse
Heinz

Verfasst: 01.04.2008, 16:05
von Fyggi
Ähm, RC,

der Fragesteller heißt, glaube ich Thomas, und hat die Frage so nicht gestellt :wink:

Aber eine ansonsten unerwartet konkrete Antwort....

Sinn "macht" wenig, Sinn gibt viel. Auch wenn da mancher darauf bemerken wird: " Da halte ich nichts von!"
Ich liebe dieses Forum, lernt man doch auch ne Menge für das Leben in allen Facetten :daumen

Mark

Noch ein Beispiel gefällig !

Verfasst: 01.04.2008, 16:13
von Royal Coachman
Hallo Freunde !

Noch ein Beispiel gefällig ?

TLT Technik (Pragiola!) extra für kleine (Wild)bäche, erklärte der Instruktor!

Rute 8 1/2 " oder noch besser 9"

Vorfach 4,5 m !



I WAS VERY AMUSED !



freundlichst
RC

PS: bedeutet bei 4 m Flugschnur eine Wurfweite von beinnahe 12 m !

Re: Detail

Verfasst: 02.04.2008, 14:20
von Achim Stahl
Moin,

Royal Coachman hat geschrieben:Hallo Freunde !

Anscheinend muß man doch ins Detail gehen!

Dann wollen wir mal die Fakten aufzählen:

Kurt spricht von einer Wurfweite von 8m!

Was bedeute denn das?

Rute 8" incl Unterarm 2,50 2,50

Vorfach gekürzt da für Bachfischerei 2,50

ergibt 5,00 m

verbeibende Flugschnur 3,00


deswegen sollte man eine Schnurklasse höher fischen !







I AM AMUSED !


nur nicht vom dahinterstehenden Kommerz!

freundlichst

Royal Coachman
@R. C.:
Manche verstehen unter 8 Meter Wurfweite auch, dass 8 Meter Fliegenschnur durch die Ringe gehen.

Was mich nach deinem Statement allerdings richtig amüsiert, ist dass dabei wegen der Überlastung durch eine schwerere Schnur bereits eine Rutenspitze brechen soll! :lol: :lol: :lol:


Viele Grüße!


Achim

Verfasst: 02.04.2008, 15:38
von gespliesste
Hallo,

ich denke man sollte es so fischen wie es einem gefällt und es gibt durchaus Gründe in der Praxis eine Schnurklasse höher oder auch tiefer zu wählen. Die Rute wird ja (wie von euch schon erwähnt) auch nur nach individueller Einschätzung des jeweiligen Herstellers klassifiziert.

So heisst 5#'er Rute ja nichts anderes, als das diese Rute potentiell mit einer 5'er Schnur am besten arbeitet. 5'er Schnur bedeutet 9,1g auf den ersten 30 Fuss.

Fische ich vorwiegend weniger als 30 Fuss Fliegenschnur vor dem Spitzenring kann es durchaus sinnvoll sein eine Klasse schwerer zu wählen, oder eine 5'er Schnur etwas einzukürzen, was die Schnur nach AFTMA in ihrem Verhalten in Richtung einer höheren Klasse verschiebt. Ich kürze ja die sehr leichte Tip Sektion und damit werden die ersten 30 Fuss (bei allen DT und den meisten WF) vor dem Spitzenring "schwerer".

Fische ich meistens deutlich mehr als 30 Fuss Fliegenschnur vor dem Spitzenring arbeitet eine 5'er Rute vielleicht mit einer 4#er DT Schnur besser.

Wenn man das Prinzip verinnerlicht kann man gut experimentieren und seine persönliche Zusammenstellung entwicklen. Wobei ich auch denke das man dabei die Arbeit an der individuellen Wurftechnik nicht in Vergessenheit geraten sollte. Meine Erfahrung ist, das gute Werfer auch noch mit zu leichten Schnüren an einer jeweiligen Rute arbeiten können und Anfänger tendenziell zu schweren kurzen Keulen tendieren. Moderne Kohlerfaserruten im Zusammenspiel kurzen schweren Keulen "verzeihen" eine ganze Menge Fehler in der Wurfdynamik.

Angst zu haben, dass die Rute bricht braucht man nach meiner Meinung bestimmt nicht. Das an Ruten vermehrt die Spitzenteile brechen hat nach Angaben der Hersteller und auch aus der Erfahrung meines Umfeldes mit der heutzutage hohen Modulation des Graphits zu tun. Und dessen Anfälligkeit gegen Stoss- / Schlageinwirkung. Wenn die Rute beim Wurf im Spitzenteil bricht (was mir zweimal nach langer Lagerung hochmodulierter Graphit Ruten bei den ersten leichten Schwüngen passiert ist) ist das nicht unbedingt auf den Wurf zurückführen, sondern das eine Schlageinwirkung einige Zeit vorher den Verbund der Kraftfasern beeinträchtigt hat und irgendwann die Spitze halt bricht. Ist der Verbund der Kraftfasern beschädigt bricht sie früher oder später ob beim Wurf, beim lösen von Hängern oder beim Drill.

Wenn eine unbeschädigte Rute mit normaler Wurftechnik überhaupt bricht, dann eher am Handteil und nicht in der Spitze, das habe ich in der Praxis auch schon erlebt, aber wie gesagt das war Extremvergewaltigung. Eine Gespliesste habe ich persönlich durch reine Wurfbelastung noch nie brechen sehen. :kotz

Pauschal würde ich sagen, das Ruten in den Händen eines geübten Werfers viel mehr können als man denkt. So war es ja in Amerika in den 60'er Jahren modern mit Gespliessten "Midge" Ruten auf Lachse zu fischen. Die Ruten haben es laut Überlieferung mitgemacht, die Fische nach einem überlangen Drill bestimmt nicht alle.

LG, Olaf

Verfasst: 02.04.2008, 15:50
von Fyggi
Hai Achim,

ich glaube, du lachst zu früh! :smt018

Auch ich kann mir im Moment diesen sich auch für mich so darstellenden Widerspruch, möglicherweise aufgrund meiner mangelnden fischereilichen Erfahrung , nicht erklären.

Ich bin aber der festen Überzeugung, dass Gebhard diesen Widerspruch nicht nur irgendwie, sondern präzise mit physikalischen Grundsätzen erklären kann und wird. Auch eine Hintergrund zu den "vielen", im Spitzenbereich gebrochenen Rutenteilen und der Ursache wird er uns sicher noch geben.

Sonst würde es ja so aussehen, als ob er da irgendwelche unüberlegten Äußerung macht und eigentlich zumindest diesbezüglich keine Ahnung hat.


Mark

Ruinieren !

Verfasst: 02.04.2008, 17:19
von Royal Coachman
Hallo Olaf!

"Meine Erfahrung ist, das gute Werfer auch noch mit zu leichten Schnüren an einer jeweiligen Rute arbeiten können und Anfänger tendenziell zu schweren kurzen Keulen tendieren. Moderne Kohlerfaserruten im Zusammenspiel mit kurzern schweren Keulen "verzeihen" eine ganze Menge Fehler in der Wurfdynamik."

Du sprichst mir aus der Seele, hier steckt nämlich der "Hund" und auch genau hier setzt der Kommerz an, man gibt dem schwächeren Werfer eine schwerere Schnur und schon sind alle Probleme gelöst.

Was die Brüche im Bereich der letzten 15 cm vor der Spitze betrifft, so habe ich Verbindung zu einigen Händlern und weiß, auch aus eigener Erfahrung, daß diese vermehrt auftreten und zwar nicht beim Werfen, sondern man hat beim Aufbau der Rute plötzlich die abgebrochene Spitze in der Hand. Auch hier im Forum wurde vor einiger Zeit schon deswegen nachgefragt. Im übrigen sprach ich immer von "Ruinieren" und da gehört für mich "Überlasten" dazu. Da ich auch einige Male im Jahr mit wirklich alten Ruten (bis zu 100 Jahre!) ans Wasser gehe, weiß ich, daß man mit moderner Wurftechnik eine alte Gespließte "zu Bruch" machen kann. Wir haben durch die modernen Ruten Wurftechniken erlernt, die Gift für die alten Ruten sind, ob die neuen Gespließten diese aushalten werden, ist noch nicht ganz geklärt.

freundlichst
Royal Coachman

PS: es ist doch vernünftiger seine Wurftechnik zu verbessern als eine höhere Schnurklasse zu verwenden!

Verfasst: 02.04.2008, 19:04
von Fyggi
Hai

@RC
Was die Brüche im Bereich der letzten 15 cm vor der Spitze betrifft, so habe ich Verbindung zu einigen Händlern und weiß, auch aus eigener Erfahrung, daß diese vermehrt auftreten und zwar nicht beim Werfen, sondern man hat beim Aufbau der Rute plötzlich die abgebrochene Spitze in der Hand
Na ja, RC, immerhin...

Ansonsten hat es Olaf (wieder einmal) gut beschrieben: hat man das Prinzip verstanden, stehen einem einfach mehr Möglichkeiten der Gerätezusammenstellung mit dem Ziel einer effektiveren Fliegenpräsentation zur Verfügung (-wenn man denn Wert darauf legt-). Gepaart mit dem sich weiterentwickelnden Wurfvermögen (auch oder gerade durch moderne Würfe -so man sich denn überhaupt weiterentwickeln will-) vergrößert sich das Spektrum dann noch einmal (-kann, muss es aber auch nicht unbedingt, wenn man nicht möchte-)


Mark :smt039