Ein Tag geguidetes Wolfsbarschfischen in der Lagune von Grado

Ihr sucht ein Plätzchen, wo es sich gut Fliegenfischen läßt? Oder habt Ihr im Urlaub besonders gute oder schlechte Erfahrungen gemacht und möchtet diese weitergeben? Inklusive Salzwasser- (Süden-) Fliegenfischen.

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chrissie1971
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Ein Tag geguidetes Wolfsbarschfischen in der Lagune von Grado

Ungelesener Beitrag von chrissie1971 »

Hallo zusammen,

Obwohl wir an der oberen Adria seit vielen Jahren den Großteil unsere Familienurlaube verbringen, war mir nicht bekannt, dass es sich dort hervorragend auf Wolfsbarsche fischen lässt. Das änderte sich erst bei der EWF 2025 als ich bei der großen Tombola einen Tag geguidetes Wolfsbarschfischen für zwei Personen in der Lagune von Grado (inklusive einer Übernachtung für zwei Personen) gewann. Der Preis wurde von der Fa. Otregan gespendet und ich nahm im Oktober letzten Jahres Kontakt mit dem Inhaber Alessandro Galletti auf.
Wir vereinbarten unseren Angeltag im Anschluss an unseren Familienurlaub in Jesolo und beschlossen mit der ganzen Familie noch zwei Übernachtungen im „Alloggio Agrituristico Sant‘Egidio anzuhängen. Die Unterkunft ist ein toll restauriertes Hospital aus dem 12. Jahrhundert.
Auch wenn unser Erfolg überschaubar war und für einen ausführlichen Bericht nicht genug „Stoff“ ergab, möchte ich euch unseren Tag kurz schildern:
Wir verabredeten uns um 6 Uhr morgens mit Alessandro, der uns von unserer Unterkunft abholte. Er lud uns dann in einem kleinen Café noch zu einem kurzen Frühstück ein, bevor wir zu seinem Boot im Hafen von Grado fuhren. Das Boot war größer und stabiler als befürchtet und man konnte von dort aus relativ problemlos werfen und fischen. Die Fischerei fand ausschließlich vom Boot aus statt, da der Untergrund der Lagune wohl ziemlich schlammig ist und man dort ziemlich schnell einsinken würde.
Ich hatte zum Fischen nur meine Orvis Helios 3 D in Klasse 8 und die Hardy Ultralite X in klasse 7 mitgebracht, die restliche Ausrüstung (Rollen, Schnüre, Vorfächer, Fliegen etc.) wurde von Allessandro gestellt. Während er das Boot klarmachte, montierte ich seine Rollen (von Vision und Lamson) an meine Ruten. Er fischt in der Lagune fast ausschließlich mit Schwimmschnüren, da das Wasser größtenteils nur etwa einen Meter tief ist. Es gibt in der Lagune zwar auch tiefere „Channels“ in denen teilweise auch Fähren oder Ausflugsboote fahren, aber die Fischerei findet hauptsächlich über den flachen Seegraswiesen statt. Als Köder werden Baitfish-Muster mit etwa zehn Zentimetern Länge benutzt.
Nach etwa zehn Minuten Fahrt hatten wir den ersten Spot erreicht. Ich startete mit der 8er Helios 3D, mein Sohn Fabian begann mit der Hardy. Ich hatte Fabian im Vorfeld gesagt, dass er auch mit der Fliege fischen „muss“, wenn er mitkommen will, obwohl er bisher sehr wenig Erfahrung mit dem Fliegenfischen hatte.
Der erste Spot hatte eine ordentliche Strömung und sah sehr „fischig“ aus, obwohl das Wasser recht trüb war. Ich startete im Heck des Bootes und hatte schon nach drei oder vier Würfen den ersten Anfasser. Zwei Würfe später war es dann soweit, der erste Wolfsbarsch war gehakt. Der Widerstand war sehr überschaubar und der Fisch war schnell am Boot und wurde von Alessandro releast. In der nächsten Viertelstunde hatte ich dann bei etwa jedem zweiten oder dritten Wurf einen Biss oder einen Nachläufer und konnte noch zwei weitere Wolfsbarsche haken und landen, deren Größe allerdings auch nicht erwähnenswert war.
Mein Sohn mühte sich währenddessen vergeblich mit der Fliegenrute ab. Wir beschlossen deshalb, dass er besser auf die von Alessandro bereitgestellten Spinnruten umsteigt. Köder war überwiegend ein etwa zehn Zentimeter langer Gummifisch mit „verstecktem“ Haken. Fabian fand dann ziemlich schnell einen Wolfsbarschschwarm auf seiner Seite des Bootes und hatte bei sieben oder acht aufeinanderfolgenden Würfen jeweils einen Biss oder einen Nachläufer, von denen er drei verwerten konnte. Auch seine Wolfsbarsche waren aber jeweils nur etwa 25 – 35 Zentimeter lang.
Leider war er danach etwas unaufmerksam und verpatzte den Biss eines größeren Wolfsbarsches, der seinen Gummifisch unmittelbar nach dem Auftreffen aufs Wasser attackierte. Wir sahen den Fisch zwar nicht, aber dem Schwall nach zu urteilen wäre das ein sehr ordentlicher Fisch gewesen…
Ich fing währenddessen auch noch meinen vierten Fisch, bevor wir uns zu einem anderen Platz aufmachten. Im Nachhinein betrachtet vermutlich zu früh, da wir an der ersten Stelle wahrscheinlich noch weitere Fische gefangen hätten.
An den nächsten beiden Plätzen die wir anfuhren hatten wir leider keinerlei Action und fuhren deshalb danach zu einem Platz nahe an der Straße, die vom Festland nach Grado führt. Im Gegensatz zu den bisherigen Stellen verankerte Alessandro das Boot dort nicht mehr, sondern ließ es über die Seegraswiesen treiben. Fabian hatte relativ bald zwei Bisse und konnte danach seinen vierten Fisch landen. Ich hatte zuerst einen Fehlbiss und konnte um kurz vor 11 Uhr meinen größten Fisch des Tages fangen, der allerdings auch maximal 40 Zentimeter hatte.
Danach wurde die Fischerei wegen der zunehmenden Hitze immer anstrengender und auch immer zäher. Ich hatte nach meinem fünften Fisch nur noch ein oder zwei Anfasser oder Nachläufer an der Oberfläche. Fabian hatte noch ein paar Möglichkeiten mehr, aber auch bei ihm blieb kein Fisch mehr hängen. Aber zumindest hatte er noch ein aufregendes Erlebnis: Nachdem wir einen größeren Fisch an der Oberfläche rauben sahen, gab Alessandro Fabian eine stärkere Spinnrute mit einem hakenstarrenden, pilkerähnlichem, glitzernden Spinnköder, den er mit ausladenden Bewegungen ganz schnell an der Oberfläche führen sollte. Unser Guide vermutete einen „Leerfish“ der mit der Fliege kaum zu fangen sei. Schon nach wenigen Würfen attackierte ein wirklich großer Wolfsbarsch seinen Köder, verfehlte ihn aber. Ich sah die Attacke des Fisches leider nicht direkt, sondern nur den Schwall an der Oberfläche, aber Alessandro schätzte den Fisch auf vier bis fünf Kilo!
Danach tat sich trotz der Bemühungen unseres Guides und einiger Platzwechsel leider überhaupt nichts mehr und wir beendeten diesen Tag so gegen 16:30 Uhr mit krebsroten Beinen (trotz Sonnencreme), einem blauen Fleck am Unterarm meiner Wurfhand und auch ansonsten ziemlich bedient.
Fazit:
Das Ganze war ein körperlich sehr fordernder Tag in einer für mich komplett neuen Form der Fliegenfischerei. Mit den gefangenen neun Wolfsbarschen wären wir im Vorfeld sehr zufrieden gewesen, leider war die Größe der Fische doch etwas enttäuschend. Allerdings haben wir bei den beiden Attacken der größeren Fische auf Fabians Köder gesehen, was dort möglich ist. Und auch die Bilder in der Broschüre von Otregan und deren Internetauftritt zeigen, was man dort für Fische fangen kann!
Werde ich das nochmal machen? Eher nicht, aber das liegt vor allem auch daran, dass ich mit der Hitze auf Dauer nicht so gut klarkomme und der Nachmittag deshalb körperlich sehr herausfordernd für mich war. Wenn jemand allerdings in der Gegend Urlaub macht und eine Herausforderung fliegenfischereilicher Art sucht, kann ich die Fischerei und auch unseren Guide Alessandro durchaus empfehlen. Er kommt übrigens im nächsten Jahr wieder zur EWF, falls jemand persönlich mit ihm sprechen möchte.
chrissie1971
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Anbei ein paar Bilder
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chrissie1971
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Und noch ein paar Bilder.
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