Hallo Michael,
ich habe mittlerweile diverse alte Ruten und viele davon Glasfaser. In der Regel habe ich immer eine Klasse tiefer angefangen weil die heutigen Schnüre meist schwerer als die AFTMA Vorgabe sind. Oft bin ich dann bei diesen niedrigeren Schnurklassen geblieben weil ich einfach damit sehr gut klar kam. Ein weiterer (subjektiver) Vorteil war dass ich bei den leichteren Klassen eine etwas "schnellere" Aktion bei den Ruten hatte / eine engere Schlaufe werfen konnte.
Die Aktion von den älteren Fieberglasruten (auch bei Fenwickruten) ist meiner Erfahrung nach sehr unterschiedllich. Ich habe eine 5-teilige Fenwick (geschätzt aus den 80-ern) die sich mit der angegebenen Schnurklasse sehr gut Werfen und Fischen lässt und eine ältere Fenwick (muss mir mal den Typ merken!) den ich eben lieber eine Klasse tiefer fische. Ich habe eine alte DAM die von der Aktion eher ein absoluter Stock ist, eine japanische Glasrute die ich fast 2 Klassen niedriger fischen würde als angegeben bzw. mit der Angabe auf der Rute wirklich kaum zu beherrschen ist und Ruten die 2 Klassen angeben (z.B. 4/5) wo ich die DT bei in der niedrigeren Klasse für grössere Distanzen fische und die WF bei kurzen in der höheren Klasse). Wenn man sehr kurze Distanzen fischt ist die angegeben Schnurklasse auch bei der Kombi alte Rute/neue Schnur sehr gut vorstellbar - zumindest lädt die Rute dann sehr früh und gut, wenn man ab und zu aber auch mal die 15 Meter Flugschnur werfen will muss man bei sehr durchgängigen Aktionen schon sehr konzentriert und ruhig werfen um nicht zu viele Tailing Loops zu produzieren.
Die Rute von Olaf ist eine wirklich alte Glasrute mit einer sehr modernen Aktion, wir haben diese zusammen eine Klasse tiefer geworfen und waren beide sehr zufrieden mit der Kombi. Ich bin mir aber recht sicher dass diese auch eine Klasse höher gut vertragen hätte.
Vielleicht kommt auch noch dazu dass ich gerne auch mal etwas Schmackes in den letzten Vorwurf gebe. Wenn man in ein kleines Löchlein, unter Büsche oder den Possee Wurf machen will sehr vorteilhaft. Da wäre die schwere Schnur auch denkbar aber erleichtert diese Würfe nicht unbedingt und haben m.M. nach auch eine höhere Scheuchwirkung...
Ich würde auf alle Fälle die Schnüre die Du hast und kennst erstmal ausprobieren, ist ja Geschmackssache, und mich nicht im Vorfeld auf DT oder WF festlegen. Sehr wahrscheinlich kommst Du mit diesen auch erstmal klar. Wenn Du viel mit anderen zusammen fischst ist "probewerfen" sicherlich der beste Weg Deine persönliche Wunschkombi zu finden.
btw: Es gibt auch Schüre die sich noch nach AFTMA orientieren. Vision hat z.B. für die Cult Ruten eine Schnur rausgebracht die noch die klassische AFTMA Klasse hat. Ich denke sowas ist für die älteren Ruten sehr interessant - nur nicht wenn man im Vornherein auf eine andere Marke eingeschworen ist
LG
Markus
Nachtrag: Gerade bei Einsteigern ist es mittlerweile eine gängige Geschichte diesen eine Klasse höher als auf den neuen Ruten angegeben zu montieren damit diese ein besseres Feedback bekommen. Der Unterschied bei modernen Ruten (auch bei Glasfaser wie z.B. der Orvis Superfine Glass) ist dass diese von der Aktion her deutlich mehr Fehler verzeihen. Die alten "schwabbeligen" Fieberglasruten sind da sehr viel empfindlicher und man muss sich darauf einstellen. Ausserdem musst man m.M.nach bei diesen den Haken anders setzen als bei langen schnellen Ruten. Also nicht wundern wenn die ersten Bisse verhauen sind...