Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Hier gehts rund um den Fisch. Besonderheiten, spezielle Techniken und Köderwahl auf unterschiedliche Fischarten, u.s.w.

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Gammarus roeseli
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Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Gammarus roeseli »

trutta1 hat geschrieben: Andere dokumentierte Werte wie Wassertemperatur, Lufttemperatur und allgemeine Wetterlage hatten nur bedingten Einfluss auf den Beginn der
Laichzeit.
Hallo Frank,

ich glaube nicht, dass das so richtig ist, zumindest mit der Wassertemperatur!
Wenn die Bachforelle mit der Fortpflanzung beginnt und wann noch nicht, wird durch die Temperatur im Wasser vorgegeben. Bachforellen beginnen erst zu laichen, wenn die Wassertemperatur unter ca. 10°C gefallen ist.

In den Urgesteinsregionen im Mittelgebirge von beispielsweise Sechsen und Bayern wo es viel weniger warmes einströmendes Grundwasser in die Bäche und Flüsse gibt als anderswo, sinkt die Wassertemperatur viel schneller unter 10°C als beispielsweise im Alpenraum, Alpenvorland oder im Norddeutschen Tiefland. Daher auch diese zum Teil großen unterschiede der Laichzeit bei der Bachforelle.

Interessant für Dich ist vielleicht, dass die Mortalitätsrate der Eier auch Wassertemperaturabhängig ist und soll (nach Jungwirth 1984) bei ca. 7 °C am geringsten sein, ca. 10 %. Bei nur ca. 4°C Wassertemperatur soll die Mortalitätsrate der Eier schon bei ca. 20% liegen, bei einer Wassertemperatur von ca. 10°C bei 40% und bei einer Wassertemperatur von 12°C bei fast schon 100% liegen.

Die Fischzucht manipuliert die Wassertemperatur so nach oben oder nach unten, das die Forellen zum gewünschten Zeitpunkt schlüpfen. (Bei 2°C Wassertemperatur ca. 154 Tage bei 8°C ca. 60 Tage.)

LG
Christian

PS:
trutta1 hat geschrieben: Die gefangene BF hatte definitiv noch nicht abgelaicht. Schuppen und Flossen waren makellos.
Könnte es sich bei deinem Fisch (sehr große BF) um einen nach dem abstreifen in die Freiheit entlassenen Laichfisch handeln?
Wie schon angedeutet, wenn die Forellen laichreif sein sollen, bestimmt der Fischzüchter halt auch durch die Temperatur im Wasser, so wie er es will (!) und nicht die Natur ….
Bernd Ziesche

Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

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Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 31.07.2013, 11:20, insgesamt 1-mal geändert.
Siegfried.
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Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Siegfried. »

Bernd Ziesche hat geschrieben:Hallo :smt039
Ich denke insgesamt wird nicht jede Bachforelle jedes Jahr am Laichprozeß teilnehmen. Interessant wäre hier zu wissen, inwieweit die Bachforellen die Nahrungsaufnahme in dieser Zeit einstellen. Das spielt sicherlich im Zusammenhang mit der Strecke der Wanderung eine deutiche Rolle dabei, ob es energetisch sinnvoll ist, grundsätzlich immer zu laichen. Dies ist ein weiterer Aspekt - neben der Absicherung des Bestandes - warum Meerforellen nicht immer ablaichen.
Wenn ich mir z.B. einige Elbenebenflüsse ansehe, so würde es energetisch betrachtet nicht viel Sinn ergeben, wenn die Meerforellen jedes Jahr zum Laichen aufsteigen würden. Denn während dieser LANGEN Periode fressen sie nichts und würden quasi mehr als ein halbes Jahr hungern.
Die Natur findet sicherlih immer den optimalen Weg der Anpassung an jeden Lebensraum mit allen unterschiedlichen Abhängigkeiten.
Beste Grüße
Bernd
Hallo Bernd,
wie ich schon sagte, ein weites Feld und du hast nur ein paar der Fragen mal eben in den wenigen Sätzen hingeworfen. Geht gleich los mit dem Begriff "jede Bachforelle", denn danach sprichst du von Länge der Wanderung, was vermutlich Lebensraumtypen wie Fluss- oder Mündungsforellen (slob-trout) meint und nicht Bachforellen im Sinne der + staionären Formen der Bäche und kleinen Mittelgebirgsflüsse, die nur kurze Wanderungen machen und tatsächlich alle (natürlich keine Regel ohne Ausnahme) jedes Jahr laichen. Und zwar nicht abhängig vom energetischen Sinn (notfalls wird eben klein geblieben), sondern von der physikalischen Bestimmtheit des Lebensraumes - sprich des Risikos bis zur nächsten Laichzeit vielleicht dick aber schon tot zu sein.

Dass wir weder die Lebensraumtypen noch die Regulationsmechanismen, die das Wechseln dazwischen in bestimmten, nicht allen Populationen auslössen, ausreichend kennen, ist traurig, rechtfertigt aber noch lange nicht jede Verallgemeinerung aus einem einzelnen Nachweis. Dass z.B. norwegische "Bach"forellen in einem Bach mit Binnesee, womöglich noch auf einer Insel, mal eben zwischen allen Formen incl. (dann allerdings wie die irischen kleinen) "Meer"forellen herumwechseln, heißt noch lange nicht, dass das auch für Odenwaldforellen gilt, auch wenn sie theoretisch freien Zugang zum Meer haben.

Während in Nordamerika sich diesbezüglich langsam eine klareres Bild für die einzelnen Arten und Lebensformen herausschält, nimmt bei uns die Konfusion noch eher zu, auch wenn sich die meisten Beobachter mit dir in deinem letzten Satz vollkommen einig sind.

Einem Kardinalirrtum bist du allerdings unterlegen. Forellen sind geradezu dadurch charakterisiert, dass sie während der Wanderungen (rauf und runter) im Gegsatz zu den Lachsen die Nahrungsaufnahme nicht einstellen, sondern nur während der tatsächlichen Laichzeit. Ansonsten hat das nur mit der Temperatur zu tun (< 3- 4 Grad C).

Glück Auf

Siegfried
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Bernd Ziesche

Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

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Gammarus roeseli
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Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Gammarus roeseli »

Bernd Ziesche hat geschrieben: Im Falle der Meerforellen kann ich konkret auf einige Hundert Meerforellen aus Flüssen zurückgreifen, die nichts im Magen hatten, obwohl der Fluß voller Nahrung war und die Laichzeit ebenfalls noch Monate entfernt war.
Hallo,
ist es nicht so, wenn die Forellen wandern wird der Stoffwechsel angeregt und die Verdauung beschleunigt sich sehr stark!?

Die optimale Futterausnützung, also die beste Verdauung soll ja schon bei ungefähr 9°C liegen. Bei höheren/ hohen Wassertemperaturen passiert das Futter den Verdauungstrakt schneller bis sehr schnell und die Futterverwertung soll auch deutlich abnehmen.

Ist möglicherweise eine mögliche Erklärung warum die Meerforellen nichts im Magen hatten. (Ist bei wärmeren Wasser bei den Bachforellen in der Oberpfalz jedenfalls so, ist dann oft überhaupt nichts im Magen.)

LG
Christian
Bernd Ziesche

Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

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Siegfried.
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Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Siegfried. »

Hallo Bernd,
dass Fische beim Wandern stromauf abnehmen, selbst wenn sie fressen, ist ja gar kein Wunder und dass die Erhaltung der Biomasse von mehreren kg über ein paar Monate selbst "im Stand" mehr erfordert als ein paar Eintags- oder Köcherfliegen hier und da, sollte wohl auch jedem klar sein, sonst wäre es ja auch kaum von Vorteil ins Meer zu wandern, wo man so was schon mal in ein, zwei Jahren auf die Gräten bekommt. Aber "every little bit helps", wie der Brite so schön sagt, um am Ende der Fitteste und Erfolgreichste beim Laichen zu sein oder ein paar Eier mehr ablegen zu können. Dass deine Erfahrung besagt, dass du nichts findest, kann mit vielen Dingen zu tun haben, auch damit dass die von dir befischten Populationen wirklich nicht fressen im Süßwasser, unterstreicht aber v.a. meine Aussage, dass wir immer noch viel zu wenig von unserer ureigensten Forellen"art" wissen. Die irischen Meerforellen haben jedenfalls Nahrung im Magen, abrer die bleiben ja z.B. auch Zwerge im Vegleich zu denen in der Ostsee.

Das Geiche gilt natürlich für das jährliche Laichen der "echten" Bachforellen. Das wird allgemein so in der Literatur gesagt (z.B. schon Elliott 1958) und ich habe selbst auch Untersuchungen dazu an mehreren Gewässern, allerdings alle im deutschen Mittelgebirge, durchgeführt, bei denen jeweils die ganze Population laichte und dieselben (markierten) Fische bis zu maximal 4 Jahre hintereinander, meist sogar dieselbe Laichbank aufgesucht haben. Natürlich schließt das bei dem Verbreitungsgebiet vom Nordkap bis zum marokkanischen Atlas überhaupt nicht aus, dass es ganz andere Verhaltensweisen gibt. Die Laichreife tritt jedenfalls in einem bestimmten Rahmen ganz verschieden sowohl nach Alter und Größe ein, warum also nicht auch bei der Frequenz Unterschiede? Wie gesagt, will ich gar nicht andere Beobachtungen ausschließen, sondern v.a., dass uns, vielleicht schon wegen ganz anderer zu bearbeitender Probleme in der Vergangenheit, bisher ein abgerundetes Bild unserer heimischen Forelle(N??) noch fehlt.

Glück Auf

Siegfried
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Bernd Ziesche

Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

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Bernd Ziesche

Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

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Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 31.07.2013, 11:21, insgesamt 1-mal geändert.
Siegfried.
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Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Siegfried. »

Hallo Bernd,
meinte ich doch auch, da wir ja prinzipiell die plastische Reaktion der Salmoniden auf divergierende Umweltbedingungen ja nur bestätigen können. Das dabei eben die life history strategy eine der wichtigsten Antworten darstellt geht ja auch aus der Antwort von "Malcolm" in deinem zitierten post hervor, wobei ja interessanterweise die von ihm genannten ferox-trouts zum Einen völlig anders aussehen als unsere Seeforellen und andere meristische Merkmale aufweisen (u.a. Korpulenz, Maulspalte) und zum Anderen immer mit "normalen" Bachforellen zusammen vorkommen, was bei unseren Seeforellen nicht der (Regel)Fall ist. Ich nehme daher an, dass es sich um konvergente Entwicklungsformen handelt und nicht um identische. Aber wie gesagt untersucht oder gar gesichert ist da m.E. nix.

Zu den Laichmarken noch eins, die gibt es nur wenn, der Laichakt auch ausreichend anstregend war, so dass Körpersubstanz abgebaut werden musste, was bei Wanderfischen natürlich regelmäßig der Fall ist, bei unseren stationären Arten (Formen) aber nicht unbedingt, so dass dort, wenn überhaupt oft nur unregelmäßig welche vorkommen.

Glück Auf

Siegfried
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Gammarus roeseli
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Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Gammarus roeseli »

Bernd Ziesche hat geschrieben:Hallo Christian,
gerade große Meerforellen verputzen nicht ganz selten Futterfische, die eine Mittelgräte von durchaus 20-30cm Länge beinhalten. Eine solche Gräte löst sich nicht innerhalb kurzer Zeit auf. Bei der Küstenangelei konnte ich hier oft Rückschlüsse darauf ziehen, wo die Meerforelle gefressen hatte und wie lange das her sein dürfte.
Wie schnell das nun ganz genau geht, vermag ichnicht zu sagen. Von den Hechten aus meinem Aquarium her weiß ich, dass man einen größeren Futterfisch tagelang am Bauchumfang deutlich erkennen kann.
Ich glaube einfach nicht, dass Meerforellen grundsätzlich im Fluss fressen, sofern sie auf der Laichwanderung sind. Meine Erfahrung zeigte wie geschildert konstant das Gegenteil.
Hallo Bernd,

mal ganz abgesehen davon das die Meerforelle sich ja extra für und vor der Laichwanderung genügend Reserven angefuttert haben sollten und daher nicht so auf größere Nahrungsmengen, also größere Beutefische angewiesen sind. Meine Vermutung zu deiner Beobachtung, dass die Meerforellen keinen Mageninhalt zeigten, (neben der schnellen Verdauung) ist da auch noch, dass ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass es für eine MF Sinn macht, sich während der Laichwanderung mit großen und schwerverdaulichen Beutefischen den Magen vollzuschlagen!
(Ich frage mich, wie soll es für eine Forelle Sinn machen, vollgefressen möglicherweise sogar noch die Schwanzflosse aus dem Maul schauend, über eine steile Stromschnelle oder Wehr zu springen.)
Mir würde jedenfalls speiübel werden, wenn ich unterm Joggen mal schnell nen schwerverdaulichen Schweinsbraten mit Knödeln usw. verputzen würde und anschließend Vollgas weiter Jogge!
Allerdings spricht nichts dagegen ein leichtes und schnellverdauliches kleines Häppchen zu sich zu nehmen, um Körperreserven wie Fett nicht zu schnell und übermäßig abzubauen.
Bei der Meerforelle vielleicht der ein oder andere Stichling, oder der Streamer von einem unserer Fliegenfischern. :smt003

LG
Christian
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Gammarus roeseli
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Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Gammarus roeseli »

So schauen die Gonaden der Bachforelle ca. 6 Wochen vor der Laichzeit aus.

Bild
(Fangfähig gesetzt Fische aus der Teichwirtschaft.)


trutta1 hat geschrieben: Bei dieser sah der Laichansatz wie kurz nach der Schonzeit aus.
Wie schaut denn der Laichansatz oder wie auch immer, kurz nach der Laichzeit aus?

LG
Christian

PS:
trutta1 hat geschrieben: Die meisten weiblichen BF müssten zu dieser Zeit schon starken Laichansatz zeigen.
Stimmt es, dass sterile Fische erzeugt werden, indem frisch befruchtete Fischeier Hitze- und Druckstöße ausgesetzt werden und wird so etwas bei z.B. Bachforellen auch durchgeführt?
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gespliesste
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Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von gespliesste »

Hallo,
Gammarus roeseli hat geschrieben: (Ich frage mich, wie soll es für eine Forelle Sinn machen, vollgefressen möglicherweise sogar noch die Schwanzflosse aus dem Maul schauend, über eine steile Stromschnelle oder Wehr zu springen.)
Mir würde jedenfalls speiübel werden, wenn ich unterm Joggen mal schnell nen schwerverdaulichen Schweinsbraten mit Knödeln usw. verputzen würde und anschließend Vollgas weiter Jogge!
Allerdings spricht nichts dagegen ein leichtes und schnellverdauliches kleines Häppchen zu sich zu nehmen, um Körperreserven wie Fett nicht zu schnell und übermäßig abzubauen.
vieleicht vertue ich mich ja, aber ich denke die vergleichende Schlussfolgerung von der der aufsteigenden Forelle und dem Futterfisch, zu dir beim Joggen und dem Schweinsbraten mit Knödeln hält wissenschaftlichen Kriterien bei der Erforschung von Verhaltensweisen der samlo trutta fario / trutta / lacustris unter Umständen nicht Stand. Ich glaube der Mensch und der Fisch haben sich im Zuge der Evolution über die Jahrtausende schon ein Stück weit entfernt ... :wink:

Wir haben vom Verein für das Besatzprogramm letzte Woche Laichfische der Seeforelle in unserem kleinen Zufluss zum Bodensee abgefischt.
Extrem beeindruckende Geschöpfe, quasi zum niederknien - wo sonst bekommt man in Deutschland noch wilde Bachforellen >5kg zu Gesicht. Die waren extrem proper, aber ich weiss natürlich nicht was sie im Magen hatten.

LG,

Olaf
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Maggov
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Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Maggov »

Hallo zusammen,

ich möchte auf ein paar Postings oben mit den folgenden Anmerkungen eingehen (nicht zwingend chronologisch nach dem Thread):

Zum Thema Appetit und Nahrungsaufnahme:
- ein Fisch kann sich auch Reserven anlegen indem er sich eine Fettschicht anfrisst. Lachse und Aale machen uns das ja vor.
- die Ausbildung der Laichorgane und der limitiere Platz in der Bauchhöhle sind sicherlich ein Grund warum bestimmte Arten kaum noch Nahrung aufnehmen, andere gezügelten Appetit verspüren
- neben der Nahrungsaufnahme scheint ja auch ein gewisser Jagdinstinkt eine Rolle zu spielen
- m.M. nach kann man auch Fische während dem Laichgeschäft fangen da die Forellen hier ein Revierverhalten an den Tag legen und kleinere Kollegen verjagen. Warum sollten diese dann nicht auch auf einen Streamer gehen der zu nahe am eigenen Revier "vorbeischaut"

Von daher kann ich nachvollziehen dass Meerforellen und auch Lachse beim Aufstieg gefangen werden können. Da in Bayern diese beiden Fischarten rar sind kann ich nur für Seeforellen, RF und BF meine Beobachtungen einbringen und ich habe nicht das Gefühl dass diese Fische während der Schonzeit die Nahrungsaufnahme einstellen. Im Gegenteil meine Beobachtung ist eher dass kurz vor der Laichzeit der Appetit nochmal steigt und deshalb finde ich den Ansatz ca. einen Monat vor der eigentlichen Laichzeit die Fische zu schonen ganz sinnvoll.

Zum Thema allgemein:

was mir noch eingfallen ist zu dem Ausgangsposting:

Wenn die Fische sehr schnell abwachsen dann kann es ja auch sein dass der Rückschluß von der Grösse zur Laichbereitschaft nicht stimmt. Mir fällt dazu ein Bericht über die Rhein-RF ein die aufgrund eines dort vorherrschenden Bachflohkrebses von ausserordentlicher Grösse so schnell abwächst dass man das Schonmaß hochgesetzt hatte um den Fischen ein Ablaichen zu ermöglichen.

Was für mich irgendwie auch noch zu dem Thema dazugehört ist die Tatsache dass selbst wenn die Fische jedes Jahr laichen es bei Flüssen die ein extremes Geschiebe haben es zu Komplettausfällen kommen kann weil Laichbetten zugeschüttet werden oder trocken fallen. Ich denke das ist grundsätzlich auch nicht schlimm nur muss man das halt auch bei der Ermittlung Produktivität eines Wassers mit einbeziehen.

LG

Markus
Reflection is a broad deep and quiet pool into which the stream of an angler's thought opens out from time to time.
A. A. Lucas in Fishing and Thinking, 1959
Olaf Kurth
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Re: Laichen Bachforellen jedes Jahr?

Ungelesener Beitrag von Olaf Kurth »

Gammarus roeseli hat geschrieben: Stimmt es, dass sterile Fische erzeugt werden, indem frisch befruchtete Fischeier Hitze- und Druckstöße ausgesetzt werden und wird so etwas bei z.B. Bachforellen auch durchgeführt?

Ja und nein, lieber Christian,

triploide und somit sterile Rf erhält man, indem die Fische in einem bestimmten Stadium (da sind die Eier schon längst befruchtet) die Wassertemperatur für eine bestimmte Zeit zu einem bestimmten Wert angehoben wird. Druckstöße sind mir nicht bekannt, es sei denn, der Züchter leidet unter Blähungen.

In der Folge wird die Entwicklung der Gonaden deutlich reduziert, so dass die Fische sämtliche Energien in ihr Wachstum stecken. Rainis zwischen 15-18kg als Trophäenfische der Fischzucht sind die Folge. Mit Bf. solle das auch möglich sein, wenn es denn gewollt ist.

Aber hier sprichst Du die Betriebsgeheimnisse der Fischzucht an und die werden (zu Recht!) ungern öffentlich diskutiert. :roll: 8)

Liebe Grüße,

Olaf
Und Gott sprach zu den Steinen im Fluss: "Wollt ihr Mitglieder der UNERSCHROCKENEN werden?" Und die Steine antworteten: "Nein Herr, dafür sind wir nicht hart genug."
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