Moin Florian,
Ich benutze seit Jahren einen selbst gebauten Schnurkorb, der ca. 25-30cm seitlich vor mir im Wasser schwimmt. Gehalten und geführt wird er durch zwei Verbindungsstangen aus Alu, die jeweils am Schnurkorb und am Watgürtel frei gelagert sind.
Ich treffe immer wieder Leute an der Küste, die die "normalen" käuflichen Schnurkörbe auch als zu dicht und vor allem zu hoch am Körper sitzend empfinden, daher versuche ich mal, hier eine Bauanleitung meines Korbes wieder zu geben.
Material:
1. Eine Curverbox 8 Liter, es geht auch jede andere Box mit abgerundeten Ecken und aus splitter- und bruchfestem Kunststoff. Sie sollte auf jeden Fall keine zu hohe Kante haben, als ideal hat sich eine Höhe zwischen 12 und 15cm erwiesen. Ich habe für mich die Curverbox gewählt, weil ich den Schnurkorb auf Reisen in eine normale Staubox mit wasserdichtem Deckel umwandeln kann. Eine etwas größere Box von 11-12 Litern ist sicher noch besser, da sich in ihr längere Schnurklänge ablegen lassen, nur hab ich die ideale Box in dieser Größe nocht nicht gefunden.
2. Eine dieser in den Baumärkten gängigen einen Meter langen Voll-Alustangen, die 15mm breit und 2mm stark sind.
3. Eine Fussmatte für`s Auto, am besten eine mit kleinen Vertiefungen, in denen sich das Wasser sammeln kann.
4. 8-10 mittelgroße Kabelbinder.
5. Einen ca. 20mm breiten Gurt (z.B. aus dem Outdoorladen), der als Watgurt dienen soll.
So, nun geht`s los mit dem Bau.
Die Alustange wird in zwei 50cm lange Teile gesägt, die Enden zum Schutz der Fliegenschnur entgratet und mit Feile oder Sandpapier abgerundet. Auf den letzten 9-10cm beider Seiten werden die Alustangen rund gebogen zu einem fast geschlossenen Kreis mit ca. 30mm Durchmesser. Das geht am besten im Schraubstock Stück für Stück mit einem Eisenrohr als Negativform, um das man die Stange sauber herum biegen kann. Die beiden Kreise dabei jeweils zur gleichen Seite biegen!
Die Curverbox hat die ungefähren Maße 35 x 25cm, an der langen Seite werden zwei Schlitze je 10mm vom Rand entfernt eingeschmolzen. Der außen liegende Wulst ist noch besser geeignet, dadurch bleibt die Box zusammen mit dem Deckel wasserdicht für andere Einsätze. Dann sitzen die Schlitze zwar gezwungener Maßen dichter am Rand, das macht aber nichts, das Material der Box ist extrem widerstandsfähig. Die Schlitze werden im Abstand von 100mm mittig gesetzt, sie sind je 17mm lang und 4 mm breit, d.h. um 2mm länger als die Alustange breit und um 2mm breiter als die Alustange stark ist. Das sollte so sein, damit die Geschichte nachher etwas Spiel hat und sich bei Wellengang oder unterschiedlichen Wattiefen nicht so leicht verkantet.
Die Kabelbinder werden mit einem scharfen Messer so zugeschnitten, dass vom "Führungsende" (keine Ahnung, wie das heißt) ca. 1mm übrig bliebt, sodass man diese dann eigentlich hinstellen könnte. Die Kabelbinder sollten etwa 30-40mm kürzer als die Boxhöhe sein, bei Bedarf einfach einkürzen und abrunden.
Die Fussmatte wird auf die Größe der Box zugeschnitten, für die 8-10 Kabelbinder werden entsprechende Schlitze geschnitten. Die Kabelbinder gleichmäßig verteilt von unten durch die Matte ziehen.
Dann kommt die Matte in die Box, die Alustangen werden auf der einen Seite von oben durch die Schlitze an der Box geführt, auf der anderen Seite von oben um den Watgürtel herum. Dann noch die Alustangen etwas durchbiegen, damit sie beim Führen der Schnurhand nicht im Wege sind.
Funktion und Vorteile eines solchen Schnurkorbes:
- Der Korb schwimmt zunächst nah am Körper, so z.B. beginnt er ab etwas über knietiefem Wasser zu schwimmen, er ist dabei dann noch weit von den Händen entfernt, man kann nicht dagegen schlagen.
- Geht man auf Oberschenkeltiefe, so schwimmt der Korb auch auf dieser Höhe 10-15cm vom Körper entfernt.
- geht man auf etwas tiefere Wattiefe (z.B. knapp Gürteltiefe) entfernt sich der Korb durch die Alustangen auf gute 30cm vom Angler. Legt man den Korb nun im 45 Grad- oder auch 90 Gradwinkel an seine Seite, kann man gemütlich die gewünschten langen Züge machen, bei mir sind sie meist zwischen 50cm und 70cm lang.
- Durch die schmalen Schlitze am Korb in Kombination mit dem halbwegs stramm sitzenden Watgürtel hält sich der Korb auch bei Strömung und Wellenschlag in der gewünschten Position. Beispiel für Rechtshänder: Starker Wind oder Strömung von links, den Korb auf 90 Grad nach links schieben. Wind oder Strömung drücken durch das Spiel der Schlitze am Korb sowie die Flexibilität am Watgürtel den Korb auf ca. 45 Grad links vom Werfer, also in eine ideale Position zum Ablegen der Schnur.
- Durch die an den Enden gebogenen Alustangen ist die Sache frei gelagert, dadurch macht der Korb die meisten Wellenbewegungen oder Veränderungen der Wattiefe problemlos mit.
- bei Wellengang entfällt das (für mich zumindest) nervige klatschen der Wellen gegen den herkömmlichen Korb am Körper.
- Die Gummifussmatte mit den Vertiefungen verhindert mit den Kabelbindern sehr gut das Verrutschen der Schnur. Und die Schnur liegt nicht im Wasser im Korb, beim Schießenlassen ist sie relativ trocken. Die Kabelbinder stehen gerade, sind aber sehr flexibel, die Schnur bleibt beim Schießen nicht hängen.
Ein paar Hinweise:
Eine etwas größere Box von vielleicht 45 x 35cm ermöglicht leichter das Ablegen in der Box, bei der 8-Liter-Version liegen manche Klänge durchaus mal auf dem Rand, bei Windstille kein Problem, aber bei Wellengang und Strömung können die Klänge dann unter die Box gezogen werden und den nächsten Wurf behindern.
Je nach Körpergröße und Armlänge

sollte man die Führungsstangen in der Länge anpassen.
Sollten die Schlitze beim ersten Versuch misslingen (zu groß oder zum Rand durch gebrochen) hat man ja noch mehr Seiten der Box.
Findet man keine Alustangen, kann man auch Messingrohre von 10mm Durchmesser nehmen, man muss diese dann eben nur an den Enden abflachen und die Größe der Schlitze am Korb anpassen.
Ich hab mir noch einen zweiten Korb aus einer anderen Box gebaut, bei dem hab ich für die Ablage der Rute auf der einen kurzen Seiten eine Vertiefung mit 10mm Durchmesser für den Blank und auf der anderen eine Vertiefung mit 30mm Durchmesser für den Rutengriff eingeschmolzen. Darin liegt die Rute auch bei starkem Wellengang sehr sicher. Wer die Box nicht wie ich meine Curverbox bei Reisen auch für andere Zwecke nutzt, kann diese Anpassungen ja vornehmen. Beim Versorgen eines Fisches muss man die Rute dann nicht unter den Arm klemmen.
Beim Gehen am Ufer den Korb einfach durch Verschieben der Führungen am Gürtel auf die Seite drehen.
Zusammenfassung:
Der wirklich große Vorteil des Korbes besteht für mich darin, dass er etwas tiefer vom Körper entfernt schwimmend das Ablegen der Schnur ohne Verrenkungen aus dem Handgelenk und Ellenbogen heraus ermöglicht.
Ich hoffe, die Bauanleitung ist einigermaßen verständlich und verhilft einigen von Euch zu einem entspannteren Fischen. Ich kann mir die Verwendung eines anderen Schnurkorbes jedenfalls nicht mehr vorstellen.
Grüße
Ralf
Angeln ist weit mehr als ein Hobby, es ist eine Lebensart.