Heute war ich wieder mal bei meiner „geliebten Nagold“. Als ich so am Wasser saß und in die Wellen sah, fing ich an zu träumen.
Ich hörte plötzlich eine Stimme. „Na, lässt du dich auch mal wieder sehen?“ „Wieso“, antwortete ich, „ ich komme doch auch im Winter mindestens einmal die Woche um dich zu besuchen“! „Und die letzten 4 Wochen?“ „Da war ich auf einer Bildungsreise in Indien“! „Ha, Du und Bildung“! Na, dachte ich, da hat meine geliebte Nagold ja heute schlechte Laune. Ob es am Hochwasser liegt?
Ich habe sie direkt gefragt: „Was ist los mit dir, warum so grantig?“ „Mir ist sooo langweilig ohne Euch Fliegenfischer“! „Warum, du hast doch genug Gesellschaft. Die Fische, die Wasseramsel, der Eisvogel, die Enten, die Schwäne, die Graureiher, die Kormorane.“ Die Kormorane hätte ich nicht erwähnen sollen. „Geh mir bloß los, mit diesem Kormoran-Gesindel“ „He, Nagold was hast du gegen die Kormorane“, fragte ich. „Na, würde es Dir gefallen, wenn eine Horde schwarzer Gesellen bei dir zu Hause einfallen und einen großen Teil deiner Untermieter einfach ausrotten würde?“ „Ich habe gerade genug damit zu tun, dass ich die letzten Äschen hege und pflege und sie aufmuntere wieder Nachwuchs in die Welt zu setzen, damit es wieder eine richtig schöne Äschenpopulation bei mir in Untermiete gibt.“ Ja, da musste ich ihr natürlich recht geben. Ich habe ihr auch hoch und heilig versprochen, dass wir jede gefangene Äsche in diesem Jahr zurücksetzen werden.
„Aber die Anderen alle, die ich aufgezählt habe.“ „ Na die Fische sind eh stumm, und Wasseramsel, Eisvogel, die Enten und Schwäne sind im Winter auch nicht gerade zum schwätzen aufgelegt.“
„Übrigens, hast Du gesehen, wie viel Unrat an meinen Ufern liegt? Wann wollt ihr faules Pack eigentlich zur jährlichen Flusßputzete antreten?“ Da konnte ich sie beruhigen. Ich versprach ihr, dass alle Fliegenfischer am nächsten Samstag vollzählig kommen werden, um sie von allem Unrat zu befreien. Da hat sie dann etwas milder gestimmt. Wobei sie sich bitter beklagte, dass immer mehr Umweltferkel an ihren Ufern alle Arten von Müll abladen würden.
Um sie etwas auf zu muntern, erzählte ich ihr, wie toll ich sie finde. Wo doch schon die ersten Schneeglöckchen, Anemonen, und Weidenkätzchen, sowie das erste zarte Grün ihre Ufer schmücken würden. Und wie toll sie in diesem ersten Vorfrühlingskleid aussieht. „Du brauchst mir gar keinen Honig um's Ufer zu schmieren“ war ihre etwas bissige Antwort. Trotzdem hatte ich das Gefühl, das ihr meine Worte gut getan haben. „Und ab 1. April sind wir dann alle wieder regelmäßig bei Dir zu Besuch.“ Versuchte ich sie auf zu heitern. „Ja, dann wird es wieder sehr lustig werden!“ Ihre Laune besserte sich.
Ich erzählte ihr, dass ich sie wahrscheinlich von Anfang Mai bis Ende Juli nicht sehen könnte, weil ich in der Zeit in den USA sein möchte. „Na, wenn die Anderen alle kommen, kann ich das gut verschmerzen“, war ihr einziger Kommentar. „Gehst wohl wieder fremd fischen, bin dir wohl nicht gut genug?“ Oh, war wohl nicht so gut ihr das zu erzählen.
Ich versicherte ihr, dass sie für mich immer die einzigartigste und beste Nagold bleibt und ist. Und das ich nicht wegen dem Fischen so oft verreise, sondern um Land und Leute kennen zu lernen. Und dazu gehört doch auch, das man in anderen Ländern die Gelegenheit zum Fischen nutzt. Ob sie mir das geglaubt hat? Ich hoffe es, denn meine geliebte Nagold kann ganz schön nachtragend sein. Wenn man sie verärgert hat, dann kann es passieren, dass sie einen an jedem Angeltag mit Hochwasser und dunkel braun gefärbt empfängt. Oder einen ärgert, in dem sie Nymphen und Streamer sich an Steinen und Ästen verfangen lässt und nicht mehr her gibt.
Ich überlegte gerade, wie ich sie noch etwas besänftigen könnte, als mich ein schepperndes Geräusch aus meinem Traum aufschrecken lies. Der Wind hatte mein Fahrrad umgeworfen. Oh, es war Zeit Heim zu fahren. Also geliebte Nagold bis demnächst wieder. Auf alle Fälle am Samstag zur Flußputzete.
Noch einige Bilder von meiner geliebten Nagold von heute.
Wasserfall mit Fischaufstiegshilfe in Dillweissenstein
Schneeglöckchen am Ufer
Mit Weidenkätzchen geschmückt
Die ersten Anemonen am Ufer
Ein geschleiftes Wehr
Eine der besten Stellen - das weiss auch der Fischreiher im Hintergrund
Das erste Grün am Ufer
Gruss Werner






