Seeforellen mit der Fliegenrute, vom Ufer aus zu fangen sind nichts alltägliches. Böse Zungen behaupten, man muss bis nach Österreich fahren und sich dort an den Seen ein Boot mieten um überhaupt an diese „Silberbrocken“ heranzukommen. Falsch! Die Talsperre Saidenbach in Sachsen macht es möglich. Diese TWT ist der größte Stausee im Mittleren Erzgebirge. Sie wurde von 1929-33 erbaut und fasst ein Wasservolumen von 22,38 Mio. Kubikmeter, was eine Fläche von 146,41 ha ergibt. Dazu wird der Saidenbach, der Lippersdorfer Bach, der Haselbach und Hölzelbergbach angestaut.
Es ist eine echte Herausforderung für jeden Fliegenfischer mit dem leichten Gerät auf Seeforellen im Stillwasser zu fischen. Natürlich sollte man die Beschaffenheit des Untergrundes kennen, besonders der Zuflüsse. Durch die Jahre sind hier richtige Vertiefungen entstanden, wo häufig der Fisch steht. Kanten sind vom Ufer aus mit der Fliegenrute fast nicht zu erreichen. Bootsbenutzung inklusive der Belly Boote ist wie das Watfischen generell verboten!
Geheime Botschaften
Während ich spät Abends im Bindezimmer sitze und Fliegen für die nächsten Fischtage binde höre ich ein dumpfes Vibrationsgeräusch aus dem Flur. Das Handy, um diese Zeit? Es ist ein Kamerad aus dem Erzgebirge und er meint: „Die Maifliegen sind da“! Ich gebe noch in den nächsten Minuten den anderen Kumpels Bescheid. Na dann werden wir morgen mal schauen, was der zeitige Tag uns an Fischen beschert.
Gegen 05.30 Uhr treffen wir uns zentral an der Flöha, von hier werden wir mit einem Auto weiterfahren. An der Talsperre ist das Parken in der näheren Umgebung streng untersagt und kostet bei Nichtbeachtung teure Euros. Einige Meter zu Fuß sind billiger und fördern den Kreislauf für mögliche Drills.
45 Minuten später stehen wir an der TWT Saidenbach. Der Wasserstand ist ziemlich weit gefallen- nach dem Hochwasser nun viel zu trockenes Wetter. Wir stehen 5 Minuten an der Waldgrenze und blicken auf das spiegelglatte Wasser. Hier ein Ring- da ein Schwall, alles in Wurfweite!
Meine Kollegen wandern links entlang bis zum Felsen, während ich den Einlauf einmal genauer anschauen möchte. Was jetzt folgt ist der blanke Wahnsinn!
Mein Kollege Udo fischt mit dem Blech, Andreas mit einem Wobbler und uns gegenüber sitzen 3 Kollegen, die es mit Wurm versuchen. Ich fische mit einer 4 er Fliegenrute, 5 er Schnur sowie einer Vorfachspitze von 0,18mm. Köder ist eine Maifliegenimitation in gelb. Ich schaue gezielt nach wiederholt an einer Stelle steigenden Ringen um die Kante zu finden. Unweit von hier nistet ein Haubentaucher und ich beobachte fasziniert wie er Ausbesserungsarbeiten auf seinem Wassergrundstück vornimmt. Es ist herrlich ruhig in dieser tollen Natur am frühen Morgen. Nur aus der Ferne hört man Hundegebell und ein lautes platschen links von mir. Udo drillt den ersten Fisch, eine kämpferische Seeforelle von 58 cm. Behutsam löst er den Fisch vom Einzelhaken seines Blinkers. Generelles Schonmaß 60 (!!) cm für alle Salmoniden! Ich kann mit der Trockenfliege keinen Fisch ansprechen und baue auf eine Nymphe um. Es passiert nichts. Nach einigen Versuchen greife ich zu einer kleinen 14 er Trockenfliege in Schwarz, mit silbernem Körper und kurzen Schwanz. Der erste Versuch bringt nichts, beim zweiten greife ich in die Trickkiste und strippe die Fliege ganz leicht an, damit sie unter die Oberfläche sinkt. (ich fische die Trockenfliege praktisch als Emerger) Ein Schwall in Richtung Köder und der erste Fisch klinkt sich ein. Seeforelle! Nach einigen Minuten habe ich den Dreh raus und die Kante vom Einlauf gefunden. Selbst meine Begleiter sind von den Seeforellen fasziniert. Wir machen eine Pause und legen uns an der Waldkante in die Sonne. Der Abendsprung wird sicherlich gut werden.
Gegen 17.30 Uhr bereits ist wieder ein Massenschlupf. Das Wasser kocht. Selbst im Uferbereich steigen die Fische. Der gesamte „Spuk“ dauert bis zum einsetzen der Dunkelheit. Keiner von uns konnte eine Forelle von 60+ fangen. Schade, das wäre die Krönung des Tages gewesen.
Der nächste Morgen
Natürlich sind wir am nächsten Morgen wieder gegen 06.00 Uhr am Wasser. Heute muss es einfach klappen mit einer 60+. Bleche werden fast gänzlich verwehrt, der erste Fressrausch ist vorbei. Der Fisch wird schon sichtbar selektiver und möchte nur die „Sahnestücke“. Während meine Kameraden mit Sbirulino und kleinen schwarzen Fliegen fischen, bleibe ich bei meiner Fliegenrute und der guten Stelle vom Vortag.
Der erste Wurf an der Kante vom Einlauf bringt mir sofort Kontakt und ich bin für einen kurzen Moment erstaunt. Konstant und ruhig zieht er mir etwa 60 m von der kreischenden Rolle. Dann steht er. Habe ich hier etwas fehlgehakt? Einen Karpfen vielleicht? Abwarten und Adrenalin fördern. Ich erhöhe den Druck. Langsam kommt wieder Bewegung in die Schnur. Ich kann fast das gesamte Backing auf die Rolle bringen. Dann folgen der Schwall und ein Sprung. Mein Herz schlägt in der Schädeldecke und der Fisch will es wissen. Ein erneuter Sprung etwa 40 m von mir entfernt und im Hintergrund die Morgensonne über den Baumgipfeln. Leider habe ich zum knipsen keine Hand frei- schade eigentlich! Wassertropfen funkeln wie Diamanten, die vom Himmel fallen. Sofort wird mir klar, dieser Fisch ist besser als seine Vorgänger. Ruhig bleiben, auf keinen Fall leichtsinnig werden und zu stark drillen. Auf Höhe des Haubentauchernestes schraubt sich die hartnäckige "Silberdistel" erneut weit aus dem Wasser und klatscht laut zurück in das sichere Nass. Natürlich wird jeder Sprung vom Geschrei der anwesenden Angelfreunde kommentiert. „Ooohhh“ steht an der Spitze der häufigsten Wiederholungen. Nach etwa 10 Minuten Gesamtdrillzeit habe ich den „Kämpfer“ halb im Kescher. Ganz passt er leider nicht hinein. 62 cm und schön rund! Der Angeltag ist für heute beendet, morgens halb sieben (in Deutschland) ist das Fanglimit ausgeschöpft. Genüsslich rauche ich ein paar Beruhigungszigaretten, sitze ich im Gras und schaue meinen Freunden beim Fischen zu. Völlig glücklich über die Maifliegen und die herrliche sächsische Natur lasse ich den Drill noch mehrfach an mir vorüberziehen. Die folgende Woche bringt noch gute Drills und eine zweite Seeforelle über 60 cm. Wenige Tage später am Fluss habe ich den Bauch voller Sehnsucht nach den herrlichen Maifliegentagen und den kampfstarken Seeforellen. Und ganz tief in mir schlummert der Hunger nach einer zweistelligen an der Fliegenrute.
Ausrüstung:
Fliegenruten # 5-8 in 9-10 ft. Unbedingt viel Backing (100m) aufspulen. Die Talsperre ist sehr groß und die Fische ziehen sofort in das „rettende“ tiefe Wasser. Fliegen je nach Witterung und Sonneneinstrahlung. Am ersten Tag gehen fast alle gängigen Maifliegenmuster. Danach werden die Fische sehr wählerisch. Fischen mit Schonhaken ist anzuraten.
Wissenswertes rund um die Fischerei an der TWT Saidenbach
Status: Allgemeines Angelgewässer des AV Südsachsen/Mulde/Elster e.V. Gewässerkennnummer: C 02-102 (Mittlerer Erzgebirgskreis)
Auflagen beim Fischen:
Nachweis über TWT- Belehrung, Nacht- und Eisangeln verboten! Vom 01.05.-31.08. ist die Entnahme von 1 Salmoniden/Angeltag möglich. Alle Salmonidenarten haben ein Schonmaß von 60 cm! Parken nur auf ausgewiesenen Flächen. Parkverbote unbedingt beachten! (Trinkwasserschutzgebiet)
Gastkarten: nur Wochenkarten . Preis für DAV-Mitglieder 14,00 €. Gäste mit gültigem Fischereischein ohne DAV-Mitgliedschaft 28,00 €
Gastkartenausgabe: Angelspezi Udo Kunz, Obere Hauptstraße 65, 09235 Burkhardtsdorf, Tel./Fax: 03721/32303, e-mail:
angelspezi@gmx.com
Unterkunft: Ferienwohnungen und Pensionen sowie Hotels sind reichlich in der näheren Umgebung zu buchen.
Anfahrt zur Talsperre:
Von Chemnitz die B 174 über Zschopau, dann Richtung Pockau auf die B 101.
Nach der Ortschaft Forchheim links abbiegen und dem Straßenverlauf folgen. In der Senke befindet sich die Talsperre.