Gewässerbewirtschaftung
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- henkiboy
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Gewässerbewirtschaftung
Hallo!
Heute melde ich mich mal zu Wort mit einem Beitrag über die Gewässerbewirtschaftung! Leider ist mir in den letzten Jahren aufgefallen das ich fast nur noch Forellenrogner an meinen Hausgewässern fange. Spätestens beim Ausnehmen der Tiere wird dieses klar. Fast immer sind weibliche Geschlechtsorgane vorhanden. Einerseits verstehe ich die Fischzuchtbetriebe, die auf schnellwachsende und damit ertragreichere Rogner setzen wollen, andererseits steht das im Gegensatz zum dem oft erwünschten Ziel "selbstreproduzierende" Stammfischbestände besitzen zu wollen. Viele Pächter und Bewirtschafter legen äußerst großen Wert auf den "Bachforellenstamm". Je standorttreuer, je lieber.....je heimischer, desto besser. Wie aber sollen sich unsere geliebten Bafos fortpflanzen, wenn mehr als 90% der eingesetzten Tiere Weiblein sind? Irgendwo stimmt dann das Verhältnis nicht mehr! Ich erziele zwar einen besseren Ertrag für das Gewässer, verhinder aber entsprechend das dieser langfristig gesichert ist. Die Folge ist das unsere Bäche und Flüße vom Besatz her eher einem "Forellenpuff" gleichen und keine natürliche Reproduktion mehr gewährleistet ist. Davon abgesehen ist mir ein schöner Milchner von gut 40 Zentimeter mit Laichhaken lieber wie ein Rogner der vielleicht 5 Zentimeter länger ist und etwas mehr wiegt. Da ich kaum Fisch esse und überwiegend Catch & Release betreibe sind betriebswirtschaftliche Hintergründe für mich eh uninteressant! Wie denkt ihr darüber bzw. würdet ihr das Problem angehen?
Heute melde ich mich mal zu Wort mit einem Beitrag über die Gewässerbewirtschaftung! Leider ist mir in den letzten Jahren aufgefallen das ich fast nur noch Forellenrogner an meinen Hausgewässern fange. Spätestens beim Ausnehmen der Tiere wird dieses klar. Fast immer sind weibliche Geschlechtsorgane vorhanden. Einerseits verstehe ich die Fischzuchtbetriebe, die auf schnellwachsende und damit ertragreichere Rogner setzen wollen, andererseits steht das im Gegensatz zum dem oft erwünschten Ziel "selbstreproduzierende" Stammfischbestände besitzen zu wollen. Viele Pächter und Bewirtschafter legen äußerst großen Wert auf den "Bachforellenstamm". Je standorttreuer, je lieber.....je heimischer, desto besser. Wie aber sollen sich unsere geliebten Bafos fortpflanzen, wenn mehr als 90% der eingesetzten Tiere Weiblein sind? Irgendwo stimmt dann das Verhältnis nicht mehr! Ich erziele zwar einen besseren Ertrag für das Gewässer, verhinder aber entsprechend das dieser langfristig gesichert ist. Die Folge ist das unsere Bäche und Flüße vom Besatz her eher einem "Forellenpuff" gleichen und keine natürliche Reproduktion mehr gewährleistet ist. Davon abgesehen ist mir ein schöner Milchner von gut 40 Zentimeter mit Laichhaken lieber wie ein Rogner der vielleicht 5 Zentimeter länger ist und etwas mehr wiegt. Da ich kaum Fisch esse und überwiegend Catch & Release betreibe sind betriebswirtschaftliche Hintergründe für mich eh uninteressant! Wie denkt ihr darüber bzw. würdet ihr das Problem angehen?
Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat sich selbst zu beherrschen !
Albert Schweitzer
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- Wolfgang Hinderjock
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@ henkiboy,
handelt es sich bei Deiner Beobachtung ausschließlich um Bachforellen?
Ist das mit dem hauptsächlichen Fang von Rognern die gesamte Saison über gegeben oder konzentriert sich das auf das Frühjahr zu Anfang der Saison?
Gibt es im Herbst kurz vor dem Ende der Saison mehr Fänge von Milchnern?
Kommt es im Gewässer zu einer Selbstverlaichung?
Die Zeit ist günstig, sich darüber mal ein Bild zu machen, mal ne längere Gewässerwanderung machen und an den geeigneten Stellen nach Laichgruben suchen, die sind auch nach längerer Zeit noch gut erkennbar.

Hier eine große Grube, die allerdings von vielen Fischen aufgeschlagen wurde, Ausmaße ca. 5x 8m.

Hier noch 2 weitere Gruben, die etwas unzugänglicher und weniger sichtig in einem größeren Feld vieler Gruben lagen.


Hier noch ein paar Einzelgruben, die besser sichtbar sind, an der ersten ist neben der Grube das ausgeschlagene Feinsediment, daß sich hier neben der Grube abgesetzt hat, zu sehen

Zwei Aufschläge dicht nebeneinander, der untere liegt in etwas tieferem Wasser

Schemenhaft ist hier mittig des Aufschlages noch ein Fisch erahnbar

Das ist der hintere Abschnitt einer Grube unter einer Straßenbrücke, die etwa 5m lang ist und sich unter gesamten Brücke entlang zieht, hier ist das sehr grobe Sediment recht gut erkennbar.
Es ist immer wieder erstaunlich, was an sich ja recht "weiche" Fischkörper für Geröll bewegen können und das in erheblichen Mengen.

handelt es sich bei Deiner Beobachtung ausschließlich um Bachforellen?
Ist das mit dem hauptsächlichen Fang von Rognern die gesamte Saison über gegeben oder konzentriert sich das auf das Frühjahr zu Anfang der Saison?
Gibt es im Herbst kurz vor dem Ende der Saison mehr Fänge von Milchnern?
Kommt es im Gewässer zu einer Selbstverlaichung?
Die Zeit ist günstig, sich darüber mal ein Bild zu machen, mal ne längere Gewässerwanderung machen und an den geeigneten Stellen nach Laichgruben suchen, die sind auch nach längerer Zeit noch gut erkennbar.

Hier eine große Grube, die allerdings von vielen Fischen aufgeschlagen wurde, Ausmaße ca. 5x 8m.

Hier noch 2 weitere Gruben, die etwas unzugänglicher und weniger sichtig in einem größeren Feld vieler Gruben lagen.


Hier noch ein paar Einzelgruben, die besser sichtbar sind, an der ersten ist neben der Grube das ausgeschlagene Feinsediment, daß sich hier neben der Grube abgesetzt hat, zu sehen

Zwei Aufschläge dicht nebeneinander, der untere liegt in etwas tieferem Wasser

Schemenhaft ist hier mittig des Aufschlages noch ein Fisch erahnbar

Das ist der hintere Abschnitt einer Grube unter einer Straßenbrücke, die etwa 5m lang ist und sich unter gesamten Brücke entlang zieht, hier ist das sehr grobe Sediment recht gut erkennbar.
Es ist immer wieder erstaunlich, was an sich ja recht "weiche" Fischkörper für Geröll bewegen können und das in erheblichen Mengen.

Zuletzt geändert von Wolfgang Hinderjock am 30.11.2007, 00:54, insgesamt 1-mal geändert.

- Mario Mende / Sachsen
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Hi henkiboy,
Was die Geschlechterverteilung angeht, so scheint es schon auffällig, dass Du überwiegend Rogner fängst.
Ist das auf bestimmte Jahreszeiten beschränkt oder über die ganze Saison so? Habe selbst die Beobachtung gemacht, dass zum Saisonende, wenn sich die Fische zur Laichwanderung rüsten, auch in unserem Gewässer tatsächlich vorwiegend Rogner gefangen werden. Hängt vielleicht mit dem Wanderverhalten der Fische zusammen (habe noch keinen entsprechenden Hinweis in der Literatur gefunden). Das gleiche Phänomen habe ich an den großen irischen Forellenseen über Jahre hinweg beobachten können.
Dass Du vorwiegend Rogner fängst, muss also nicht zwingend mit einem verschobenen Geschlechter-Verhältnis unter den BaFos zu tun haben.
Natürlich hat die "Besatzpolitik" an einem Gewässer großen Einfluss auf den Fischbestand. Wenn, wie ich es leider häufig - vor allem an Vereinsgewässern - beobachten muss, der Besatz aus möglichst großen, überalterten Laichfischen besteht, nur um den Mitgliedern einen "guten Sport" zu garantieren, dann muss man sich nicht wundern, wenn der Fischbestand verkommt. Gegenmittel ist imho nur ein Besatz mit BaFo-Setzlingen in verschiedenen Stadien (dann stimmt nämlich das Geschlechter-Verhältnis). Allerdings erfordert das ein wenig längeren Atem, aber, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, die Geduld wird letztendlich mit einem gesunden BaFo-Bestand belohnt. Nicht zu vergessen ist dabei auch, dass die Pflege der Laichregionen einer der besten Beiträge zur Erhaltung der Population darstellt.
Weiterhin ist zu bedenken, dass, wie in verschiedenen Publikationen festgestellt wurde, Schadstoffe in Abwässern (Waschmittel, Tenside, Östrogen aus der Pille) das Geschlecht von Fischen beeinflussen können (Verweiblichung der Fische).
Beste Grüße
Klaus
Entschuldige, wenn ich Dir da widerspreche. Biologisch gesehen ist Deine Aussage nicht ganz haltbar, denn BaFo-Milchner sind in der Lage den Rogen mehrerer Weibchen zu befruchten (BaFos haben keinen Moralkodex, der sie zur Monogamie zwingt), so dass selbst eine kleine Anzahl von Milchnern theoretisch ausreicht, den Bestand zu erhalten.Wie aber sollen sich unsere geliebten Bafos fortpflanzen, wenn mehr als 90% der eingesetzten Tiere Weiblein sind? Irgendwo stimmt dann das Verhältnis nicht mehr!
Was die Geschlechterverteilung angeht, so scheint es schon auffällig, dass Du überwiegend Rogner fängst.
Ist das auf bestimmte Jahreszeiten beschränkt oder über die ganze Saison so? Habe selbst die Beobachtung gemacht, dass zum Saisonende, wenn sich die Fische zur Laichwanderung rüsten, auch in unserem Gewässer tatsächlich vorwiegend Rogner gefangen werden. Hängt vielleicht mit dem Wanderverhalten der Fische zusammen (habe noch keinen entsprechenden Hinweis in der Literatur gefunden). Das gleiche Phänomen habe ich an den großen irischen Forellenseen über Jahre hinweg beobachten können.
Dass Du vorwiegend Rogner fängst, muss also nicht zwingend mit einem verschobenen Geschlechter-Verhältnis unter den BaFos zu tun haben.
Natürlich hat die "Besatzpolitik" an einem Gewässer großen Einfluss auf den Fischbestand. Wenn, wie ich es leider häufig - vor allem an Vereinsgewässern - beobachten muss, der Besatz aus möglichst großen, überalterten Laichfischen besteht, nur um den Mitgliedern einen "guten Sport" zu garantieren, dann muss man sich nicht wundern, wenn der Fischbestand verkommt. Gegenmittel ist imho nur ein Besatz mit BaFo-Setzlingen in verschiedenen Stadien (dann stimmt nämlich das Geschlechter-Verhältnis). Allerdings erfordert das ein wenig längeren Atem, aber, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, die Geduld wird letztendlich mit einem gesunden BaFo-Bestand belohnt. Nicht zu vergessen ist dabei auch, dass die Pflege der Laichregionen einer der besten Beiträge zur Erhaltung der Population darstellt.
Weiterhin ist zu bedenken, dass, wie in verschiedenen Publikationen festgestellt wurde, Schadstoffe in Abwässern (Waschmittel, Tenside, Östrogen aus der Pille) das Geschlecht von Fischen beeinflussen können (Verweiblichung der Fische).
Beste Grüße
Klaus
Gruß
Klaus
"Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen"
Platon (panta rhei)
Klaus
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- Wolfgang Hinderjock
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Meine Erfahrungen sind, zumindest auf unsere heimischen Gewässer bezogen völlig gegenteilig !greypanther hat geschrieben: Habe selbst die Beobachtung gemacht, dass zum Saisonende, wenn sich die Fische zur Laichwanderung rüsten, auch in unserem Gewässer tatsächlich vorwiegend Rogner gefangen werden.
Zum Saisonende verschiebt sich das Geschlechterverhältnis der gefangenen Fische immer mehr in Richtung Milchner, bis nahezu 100%.
Grund kann hier die Volumenzunahme der dann schon recht reifen Ovarien sein, die dann schon viel Raum in der Bauchhöhle einnehmen.
Also zumindest in den Gewässern hier nimmt die Nahrungsaufnahme der Rogner kurz vor der Laichzeit deutlich ab, geht fast gegen Null.
mfg
Wolfgang

- greypanther
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Hi Wolfgang,
Beste Grüße
Klaus
Ist ja interessant! Könnte es daran liegen, dass wir unterschiedliche Gewässerabschnitte befischen? (Unter-, Mittel-, Oberlauf)Meine Erfahrungen sind, zumindest auf unsere heimischen Gewässer bezogen völlig gegenteilig !
Beste Grüße
Klaus
Gruß
Klaus
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Klaus
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