Hecht mit der Fliege
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Maggov
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Hallo Gerhard,
wie ist ein höher organisiertes Tier definiert? Ist das ein Säugetier oder ein Wirbeltier? Gehören Wirbellose auch dazu? Wie und wo wurde diese Zahl ermittelt?
Ich denke, dass Blut etwas schwerer als Wasser ist. Woran ich das erkenne? Nun, lass einen Tropfen Blut ins Wasser - er wird sinken.
Und wie wieviele von Deinen gezählten Tropfen verliert der Fisch bereits, bis Du ihn herangeholt hast (man beachte einen erhöhten Stoffwechsel..).
Ich versuche es mal andersrum. Wenn Du einen Fisch entnimmst so sollte man nach bestehenden Bestimmungen einen Kehlschnitt durchführen und den Fisch ausbluten lassen. Kommt da bei Dir bei einem 1 Kilo hecht ein ganzes Glas raus?
Viele Grüsse
Markus
wie ist ein höher organisiertes Tier definiert? Ist das ein Säugetier oder ein Wirbeltier? Gehören Wirbellose auch dazu? Wie und wo wurde diese Zahl ermittelt?
Ich denke, dass Blut etwas schwerer als Wasser ist. Woran ich das erkenne? Nun, lass einen Tropfen Blut ins Wasser - er wird sinken.
Und wie wieviele von Deinen gezählten Tropfen verliert der Fisch bereits, bis Du ihn herangeholt hast (man beachte einen erhöhten Stoffwechsel..).
Ich versuche es mal andersrum. Wenn Du einen Fisch entnimmst so sollte man nach bestehenden Bestimmungen einen Kehlschnitt durchführen und den Fisch ausbluten lassen. Kommt da bei Dir bei einem 1 Kilo hecht ein ganzes Glas raus?
Viele Grüsse
Markus
- Wasserpatscher
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Biologen - ich bin keiner - unterscheiden zwischen urtümlichen und jüngeren, komplexeren ("höher organisierten") Fischarten. Jene haben tendenziell mehr Blut als diese. Also z.B. Neunaugen deutlich mehr als Forellen - relativ zum Körpergewicht!Maggov hat geschrieben:...wie ist ein höher organisiertes Tier definiert?
Ja, aber für unsere grobe Schätzung musst Du deshalb nicht unbedingt Blut wiegen, wollte ich sagen, weil ich vermute, dass der Unterschied nicht sooo dramatisch ist.Maggov hat geschrieben:Ich denke, dass Blut etwas schwerer als Wasser ist. Woran ich das erkenne? Nun, lass einen Tropfen Blut ins Wasser - er wird sinken.
Wenn ich ganz grob 50g=50ml setze, dann ist das gerade mal ein halbes Glas (Rot-)Wein, mehr nicht. Trotzdem wird nach dem Herzstich oder Kehlschnitt nie so viel Blut aus einem Fisch fliessen, wie wirklich drin war - unter anderem, weil Fischblut schnell gerinnt.Maggov hat geschrieben:Ich versuche es mal andersrum. Wenn Du einen Fisch entnimmst so sollte man nach bestehenden Bestimmungen einen Kehlschnitt durchführen und den Fisch ausbluten lassen. Kommt da bei Dir bei einem 1 Kilo Hecht ein ganzes Glas raus?
Allerdings hat die Farbe Rot so etwas wie eine - lebensrettende - Signalwirkung auf uns Menschen, weshalb wir austretende Blutmengen immer zu hoch schätzen. Ich könnte Dir da die Geschichte meiner ersten und der kurz darauf folgenden zweiten Ohnmacht erzählen - aus meiner Kindergartenzeit...
Übrigens respektiere ich Deine Einstellung voll und ganz, ich wollte nur helfen, offene Fragen zu beantworten. Ich glaube, dass Fische manchmal robuster und manchmal fragiler sind, als wir denken, und deshalb verdienen sie die schonendste Behandlung - wie alle Lebewesen einschließlich unser Mitmenschen!
Liebe Grüße, Gerhard
„Ach, du bist's, alter Wasserpatscher, sagte sie, ich weine
über meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen hinabgefallen ist.“
„Ach, du bist's, alter Wasserpatscher, sagte sie, ich weine
über meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen hinabgefallen ist.“
Hi zusammen,
untermaßige Fische mit Verletzungen setze ich in jedem Fall wieder schonend zurück. In den meisten Fällen gelingt es mir, den Haken zu lösen ohne den Fisch zu berühren, dadurch bleibt ihm eine verpilzte Haut erspart.
Nun, unser Fischzüchter, der uns mit Besatzforellen beliefert sagte mir einmal während eines Fischbesatzes, dass verletzte Fische durch den Wasserdruck weniger oder gar kein Blut verlieren, als wenn sie aus dem Wasser gehoben werden. Er hätte Forellen mit durchtrennten Kiemenbögen ohne Probleme am Leben erhalten können, wenn die Fische keine zusätzliche Verletzungen, z.B. der inneren Organe aufweisen.
Ausserdem kann ich mich an große, abgeheilte, Verletzungen bei einigen gefangenen Fischen erinnern, darunter eine Regenbogenforelle mit nur einem Kiemendeckel und vernarbten Kiemenbögen auf der ungeschützten Seite.
Grüße
Hartmut
untermaßige Fische mit Verletzungen setze ich in jedem Fall wieder schonend zurück. In den meisten Fällen gelingt es mir, den Haken zu lösen ohne den Fisch zu berühren, dadurch bleibt ihm eine verpilzte Haut erspart.
Nun, unser Fischzüchter, der uns mit Besatzforellen beliefert sagte mir einmal während eines Fischbesatzes, dass verletzte Fische durch den Wasserdruck weniger oder gar kein Blut verlieren, als wenn sie aus dem Wasser gehoben werden. Er hätte Forellen mit durchtrennten Kiemenbögen ohne Probleme am Leben erhalten können, wenn die Fische keine zusätzliche Verletzungen, z.B. der inneren Organe aufweisen.
Ausserdem kann ich mich an große, abgeheilte, Verletzungen bei einigen gefangenen Fischen erinnern, darunter eine Regenbogenforelle mit nur einem Kiemendeckel und vernarbten Kiemenbögen auf der ungeschützten Seite.
Grüße
Hartmut
- Wasserpatscher
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Hier mal ein Zitat aus einer wissenschaftlichen Arbeit, das ich gerade "ergoogelt" habe:
"Das Blutvolumen variert innerhalb der etwa 21700 Arten umfassenden zoologischen Reihe Pisces zwischen 2 und 17 %, bezogen auf das Körpergewicht. Je höher die Fische organisiert sind, desto geringer ist ihr relatives Blutvolumen. Knochenganoide (Holostei) besitzen ein Blutvolumen von 17 %, Neunaugen (Petromyzontia) von 8.5 % und Haie sowie Rochen (Elasmobranchii) zwischen 6 - 8 %. Das Blutvolumen der modernen Knochenfische (Teleostei) varriert zwischen 2 und 5 %. So schwankt das relative Blutvolumen bei Salmoniden (Regenbogenforellen; Oncorhynchus mykiss) zwischen 3 und 3.5 %."
Wenn man von 5-6 Liter Blut beim Menschen ausgeht und einem durchnittlichen Körpergewicht von 75 kg, dann wären wir etwa auf dem Niveu der Haie...
"Das Blutvolumen variert innerhalb der etwa 21700 Arten umfassenden zoologischen Reihe Pisces zwischen 2 und 17 %, bezogen auf das Körpergewicht. Je höher die Fische organisiert sind, desto geringer ist ihr relatives Blutvolumen. Knochenganoide (Holostei) besitzen ein Blutvolumen von 17 %, Neunaugen (Petromyzontia) von 8.5 % und Haie sowie Rochen (Elasmobranchii) zwischen 6 - 8 %. Das Blutvolumen der modernen Knochenfische (Teleostei) varriert zwischen 2 und 5 %. So schwankt das relative Blutvolumen bei Salmoniden (Regenbogenforellen; Oncorhynchus mykiss) zwischen 3 und 3.5 %."
Wenn man von 5-6 Liter Blut beim Menschen ausgeht und einem durchnittlichen Körpergewicht von 75 kg, dann wären wir etwa auf dem Niveu der Haie...
Liebe Grüße, Gerhard
„Ach, du bist's, alter Wasserpatscher, sagte sie, ich weine
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Forstie
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Hallo zusammen,
jetzt will ich auch noch etwas dazu sagen.
Da man bei einem (durchschnittlichen) Menschen von 6 Litern Blut ausgehen kann und ein Mensch bei einem Blutverlust von 2 Litern eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, zu sterben, habe ich das Ganze mal umgerechnet.
So käme ich bei einer Forelle von 500 Gramm, die eine Blutmenge von 3,5% ihres Körpergewichts hat auf eine Blutmenge (gehen wir mal von Milliliter=Gramm aus) von 17,5 Gramm. Sollte es vom Verhältnis zum Menschen her gleich sein, wann eine Forelle am Blutverlust stirbt (ich glaube eher, im Verhältnis reichen da geringere Mengen), dann kann die Forelle bereits ab einem Verlust von 5,8 ml Blut sterben.
Ein Hecht von 5 kg an einer Menge von 58 ml, falls die relative Blutmenge von 3,5% auch hier zutrifft. Aber genug der Spekulationen.
Tatsache ist, daß ich erst vor zwei Tagen eine wunderschöne 45er Bachforelle in einem privat gepachteten Bach fing. Sie hatte die Fliege gierig genommen, sodaß der Haken recht weit im Rachen mittig auf der Zunge faßte. Ich weiß nicht, wie ich es hätte anders anstellen sollen, auf jeden Fall mußte ich zum Lösen des Hakens zumindest den Kopf der Forelle leicht seitlich aus dem Wasser heben. Dabei verlor der Fisch durch die Verletzung eine etwa Bleistift dicke Blutspur, die nicht mal 10 cm auf ihre Flanke lief.
Ich dachte natürlich sofort an diesen Threat und da ich den Fisch nur ungern entnehmen wollte, sagte ich mir: "Ok, versuchen wir es einmal, ich hoffe, sie überlebt es."
Gesagt, getan. Fisch wieder in seinen Gumpen gesetzt, gewartet und beobachtet, wie sich die Forelle unter einen größeren Stein setzte, um eine Minute später die Flanke zu zeigen und sich auf den Kopf zu stellen.
Das war's dann auch, der Fisch machte nicht mal mehr Kiemenbewegungen, er war tot.
Natürlich, bei einem größeren Hecht mögen derartige Blutmengen im Vergleich zu der Gesamtmasse verschwindend gering sein.
Ich habe jedoch einfach ein schlechtes Gefühl dabei, wenn ich einen Fisch, der in meinen Augen zum Verhältnis seiner Masse recht viel Blut verloren hat, bedenkenlos wieder in das Gewässer zurücksetze, wo er dann möglicherweise langsam und elendig stirbt.
Da bereite ich ihm lieber einen schnellen Tod und entnehme ihn sofort. Weshalb wir ja grundsätzlich auch Fischen gehen, ohne das Lebewesen nur als Spielpartner oder Spielzeug zu sehen. Um Fische zu fangen und auch Fische zu entnehmen.
Grüße,
Martin
jetzt will ich auch noch etwas dazu sagen.
Da man bei einem (durchschnittlichen) Menschen von 6 Litern Blut ausgehen kann und ein Mensch bei einem Blutverlust von 2 Litern eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, zu sterben, habe ich das Ganze mal umgerechnet.
So käme ich bei einer Forelle von 500 Gramm, die eine Blutmenge von 3,5% ihres Körpergewichts hat auf eine Blutmenge (gehen wir mal von Milliliter=Gramm aus) von 17,5 Gramm. Sollte es vom Verhältnis zum Menschen her gleich sein, wann eine Forelle am Blutverlust stirbt (ich glaube eher, im Verhältnis reichen da geringere Mengen), dann kann die Forelle bereits ab einem Verlust von 5,8 ml Blut sterben.
Ein Hecht von 5 kg an einer Menge von 58 ml, falls die relative Blutmenge von 3,5% auch hier zutrifft. Aber genug der Spekulationen.
Tatsache ist, daß ich erst vor zwei Tagen eine wunderschöne 45er Bachforelle in einem privat gepachteten Bach fing. Sie hatte die Fliege gierig genommen, sodaß der Haken recht weit im Rachen mittig auf der Zunge faßte. Ich weiß nicht, wie ich es hätte anders anstellen sollen, auf jeden Fall mußte ich zum Lösen des Hakens zumindest den Kopf der Forelle leicht seitlich aus dem Wasser heben. Dabei verlor der Fisch durch die Verletzung eine etwa Bleistift dicke Blutspur, die nicht mal 10 cm auf ihre Flanke lief.
Ich dachte natürlich sofort an diesen Threat und da ich den Fisch nur ungern entnehmen wollte, sagte ich mir: "Ok, versuchen wir es einmal, ich hoffe, sie überlebt es."
Gesagt, getan. Fisch wieder in seinen Gumpen gesetzt, gewartet und beobachtet, wie sich die Forelle unter einen größeren Stein setzte, um eine Minute später die Flanke zu zeigen und sich auf den Kopf zu stellen.
Das war's dann auch, der Fisch machte nicht mal mehr Kiemenbewegungen, er war tot.
Natürlich, bei einem größeren Hecht mögen derartige Blutmengen im Vergleich zu der Gesamtmasse verschwindend gering sein.
Ich habe jedoch einfach ein schlechtes Gefühl dabei, wenn ich einen Fisch, der in meinen Augen zum Verhältnis seiner Masse recht viel Blut verloren hat, bedenkenlos wieder in das Gewässer zurücksetze, wo er dann möglicherweise langsam und elendig stirbt.
Da bereite ich ihm lieber einen schnellen Tod und entnehme ihn sofort. Weshalb wir ja grundsätzlich auch Fischen gehen, ohne das Lebewesen nur als Spielpartner oder Spielzeug zu sehen. Um Fische zu fangen und auch Fische zu entnehmen.
Grüße,
Martin
catch'em like you see'em
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Marco Reisen
Hallo Martin,
Der schlimme Bereich des Blutverlußtes fängt ab 2 Litern an, das stimmt muß aber nicht immer Tötlich sein, da der Mensch noch Intravasale und interstizielle Flüßigkeiten hat, und diese in einer gewissen Menge noch verwenden kann. Schlimmer ist der durch den Blutverlußt verursachte Schock (Hämorrhagischer Schock) der dagegen schon bei 30-50% des Volumens beginnen kann.
Wenn wir nun davon ausgehen das ein Fisch wie in deinem Bsp. ein Blutverlußt von 20-35% erleidet, erliegt er meines erachtens daran das er
1. Erschöpftungszustand ist (Durch den Drill) und
2. Sich in einem Schock befindet
Desweitern sollte man auch noch die Kondition mit ein berechenen, und die Temperatur des Gewässers.
Diese ganze Faktoren tragen meines erachtens mit dazu bei, ob ein Fisch überlebt oder nicht.
TL Marco
Gehen wir mal von 50% des Blutvolumens aus das ist realistischer.Da man bei einem (durchschnittlichen) Menschen von 6 Litern Blut ausgehen kann und ein Mensch bei einem Blutverlust von 2 Litern eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, zu sterben, habe ich das Ganze mal umgerechnet.
Der schlimme Bereich des Blutverlußtes fängt ab 2 Litern an, das stimmt muß aber nicht immer Tötlich sein, da der Mensch noch Intravasale und interstizielle Flüßigkeiten hat, und diese in einer gewissen Menge noch verwenden kann. Schlimmer ist der durch den Blutverlußt verursachte Schock (Hämorrhagischer Schock) der dagegen schon bei 30-50% des Volumens beginnen kann.
Wenn wir nun davon ausgehen das ein Fisch wie in deinem Bsp. ein Blutverlußt von 20-35% erleidet, erliegt er meines erachtens daran das er
1. Erschöpftungszustand ist (Durch den Drill) und
2. Sich in einem Schock befindet
Desweitern sollte man auch noch die Kondition mit ein berechenen, und die Temperatur des Gewässers.
Diese ganze Faktoren tragen meines erachtens mit dazu bei, ob ein Fisch überlebt oder nicht.
TL Marco
Hallo Zusammen,
schwieriges Thema, scheint uns ständig zu begleiten. Die Frage nach dem Zurücksetzen, seinem Wie und seinem Warum treibt auch mich immer um. Insbesondere, wenn der Fisch nicht mehr ganz so fit scheint, stellt sich die Frage nach den Überlebenschancen. Inwieweit er schon geblutet hat oder noch blutet, weiss ich auch nicht immer. Ich entscheide mich daher bei einem untermasigen Fisch in der Regel für das Zurüksetzen, es sei denn, er ist schon völlig apathisch und will und kann nicht mehr wegschwimmen.
Die Frage, ob man dem Fisch einen Gefallen tut, wenn man ihn bei einer Verletzung abschlägt, kann ich nicht beantworten. Allerdings stelle ich mal ganz ketzerisch und provokativ die Frage, ob der Fisch leidet, wenn er verblutet. Verletzt ist er durch den Haken, egal wo dieser sitzt, doch eh.
Sorry, aber ist es nicht zumindest bei Menschen so, dass es sich gerade bei der Wahl des Verblutens um eine angeblich schmerzfreie Art des Ablebens handelt?
Wir wissen es nicht und das macht uns (mich) unsicher. Da bleibt mal wieder nur das eigene Gewissen abzuwägen, was für die Kreatur das Beste ist. Ich tendiere in solchen Fällen dazu eher zum Zurücksetzen. Klar soll dem Tierschutz genüge getan werden, aber was ist denn eine "schwere Verletzung"? Soweit ich weiss gibt es da keine klare Definition.
Ich denke, wenn sich jeder Gedanken darüber macht, das Für und Wider abwägt und sicher ist, im Sinne des Toers zu handeln, ist viel gewonnen.
Mit nachdenklichen Grüßen
Daniel
schwieriges Thema, scheint uns ständig zu begleiten. Die Frage nach dem Zurücksetzen, seinem Wie und seinem Warum treibt auch mich immer um. Insbesondere, wenn der Fisch nicht mehr ganz so fit scheint, stellt sich die Frage nach den Überlebenschancen. Inwieweit er schon geblutet hat oder noch blutet, weiss ich auch nicht immer. Ich entscheide mich daher bei einem untermasigen Fisch in der Regel für das Zurüksetzen, es sei denn, er ist schon völlig apathisch und will und kann nicht mehr wegschwimmen.
Die Frage, ob man dem Fisch einen Gefallen tut, wenn man ihn bei einer Verletzung abschlägt, kann ich nicht beantworten. Allerdings stelle ich mal ganz ketzerisch und provokativ die Frage, ob der Fisch leidet, wenn er verblutet. Verletzt ist er durch den Haken, egal wo dieser sitzt, doch eh.
Sorry, aber ist es nicht zumindest bei Menschen so, dass es sich gerade bei der Wahl des Verblutens um eine angeblich schmerzfreie Art des Ablebens handelt?
Wir wissen es nicht und das macht uns (mich) unsicher. Da bleibt mal wieder nur das eigene Gewissen abzuwägen, was für die Kreatur das Beste ist. Ich tendiere in solchen Fällen dazu eher zum Zurücksetzen. Klar soll dem Tierschutz genüge getan werden, aber was ist denn eine "schwere Verletzung"? Soweit ich weiss gibt es da keine klare Definition.
Ich denke, wenn sich jeder Gedanken darüber macht, das Für und Wider abwägt und sicher ist, im Sinne des Toers zu handeln, ist viel gewonnen.
Mit nachdenklichen Grüßen
Daniel
morgen zusammen,Daniel hat geschrieben:....aber was ist denn eine "schwere Verletzung"? Soweit ich weiss gibt es da keine klare Definition....
stimmt die gibt es nicht, wäre auch nicht realisierbar....
ich setze auch lieber einen fisch mehr zurück als einen zu wenig. schließlich sind die überlebenschancen im wasser um einiges besser als in meiner hand wenn sich in der anderen der priest befindet!
deswegen hätte ich auch kein schlechtes gewissen falls er eingeht, ich freu mich natürlich nicht darüber, aber ich habe ihm wenigstens eine chance gelassen.
klar, auch ich habe fische wo ich mir denk, "der machts nicht mehr....", diese werden natürlich fachgerecht versorgt.
gruss alex
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Maggov
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Hallo zusammen,
zunächst vielen Dank an alle für die sehr sachliche Diskussion - schön dass man so ein sensibles Thema so ruhig diskutieren kann.
@wasserpatscher: danke, dass Du intensiv recherchierst und meine Meinung akzeptierst. So machen Diskussionen Spaß. Ich sehe das (nach wie vor) eher unter dem Aspekt der Hege und Popolationszusammensetzung etwas anders. Ein Fisch der blutet hat meiner Ansicht nach deutlich geringere Überlebenschancen als einer, der nicht blutet. Von daher sehe ich es als meine Pflicht im Sinne eines tiergerechten Umgangs an dieses Tier zu "erlösen". Gerade wenn es ein Jungfisch ist so hat hier die Natur mein Verhalten dahingehend "eingeplant" als dass es immer mehr Jungtiere als Erwachsene gibt und dieser Verlust somit durch das Überleben anderer Jungtiere (da nun mehr Raum und Nahrung auf diese fällt) kompensiert wird. Dies setzt natürlich einen gewissen Einzelfallcharakter und adequate Mittel (also nicht jeder gefangene Fisch ist gleich schwer verletzt) voraus.
Ich kann die gegenteilige Einstellung ebenfalls nachvollziehen, sehe aber das eben unter dem Aspekt "was Du verursacht hast, das führe auch zu Ende" anders. Wenn ich einen Vogel mit einem gebrochenem Flügel sehe und nebenan die Katze wartet, dann weiß ich, dass ich den Vögel schneller erlösen werde als die Katze und das tu' ich dann auch... selbst wenn es mir dabei um das Tier leid tut... warum soll ich das bei einem Fisch, den auch noch ich selbst verletzt habe anders machen.
Ich war im Mai an einer reinen Catch&Release Strecke. Dort habe ich auf eine Trockenfliege eine 48-er Raini gefangen. Diese hatte die Trockenfliege im Kiemenbogen - dieser zog sich während des Drills schon aus dem Mund raus. Ich habe den Fisch abgeschlagen, die Fliege im Maul gelassen und erstmal das Fischen eingestellt, weil es mir um die Forelle Leid tat - ich hätte sie wirklich gerne zurückgesetzt und noch für ein paar Nachfolger sorgen lassen... dann bin ich zur Unterkunft und habe dem Bewirtschafter den Fisch samt Fliege gezeigt. Er hatte vollstes Verständnis und meine Entscheidung befürwortet. Was ich damit zeigen will, ist dass C&R sicherlich seine Daseinsbereichtigung in Hinsicht auf Bestandserhalt und Hege hat. Aber C&R im Falle von Fischen die nur noch eingeschränkte Lebenschancen haben empfinde ich als nicht waidgerecht. Das gilt für mich für zu hohe Erschöpfung, Entstellung, Vergiftung und eben auch starkes Bluten.
Ich wünsche Euch viel Spaß am Wasser und einfach möglichst wenig blutende Fische - das wäre ja im Sinne aller.
LG
MArkus
zunächst vielen Dank an alle für die sehr sachliche Diskussion - schön dass man so ein sensibles Thema so ruhig diskutieren kann.
@wasserpatscher: danke, dass Du intensiv recherchierst und meine Meinung akzeptierst. So machen Diskussionen Spaß. Ich sehe das (nach wie vor) eher unter dem Aspekt der Hege und Popolationszusammensetzung etwas anders. Ein Fisch der blutet hat meiner Ansicht nach deutlich geringere Überlebenschancen als einer, der nicht blutet. Von daher sehe ich es als meine Pflicht im Sinne eines tiergerechten Umgangs an dieses Tier zu "erlösen". Gerade wenn es ein Jungfisch ist so hat hier die Natur mein Verhalten dahingehend "eingeplant" als dass es immer mehr Jungtiere als Erwachsene gibt und dieser Verlust somit durch das Überleben anderer Jungtiere (da nun mehr Raum und Nahrung auf diese fällt) kompensiert wird. Dies setzt natürlich einen gewissen Einzelfallcharakter und adequate Mittel (also nicht jeder gefangene Fisch ist gleich schwer verletzt) voraus.
Ich kann die gegenteilige Einstellung ebenfalls nachvollziehen, sehe aber das eben unter dem Aspekt "was Du verursacht hast, das führe auch zu Ende" anders. Wenn ich einen Vogel mit einem gebrochenem Flügel sehe und nebenan die Katze wartet, dann weiß ich, dass ich den Vögel schneller erlösen werde als die Katze und das tu' ich dann auch... selbst wenn es mir dabei um das Tier leid tut... warum soll ich das bei einem Fisch, den auch noch ich selbst verletzt habe anders machen.
Ich war im Mai an einer reinen Catch&Release Strecke. Dort habe ich auf eine Trockenfliege eine 48-er Raini gefangen. Diese hatte die Trockenfliege im Kiemenbogen - dieser zog sich während des Drills schon aus dem Mund raus. Ich habe den Fisch abgeschlagen, die Fliege im Maul gelassen und erstmal das Fischen eingestellt, weil es mir um die Forelle Leid tat - ich hätte sie wirklich gerne zurückgesetzt und noch für ein paar Nachfolger sorgen lassen... dann bin ich zur Unterkunft und habe dem Bewirtschafter den Fisch samt Fliege gezeigt. Er hatte vollstes Verständnis und meine Entscheidung befürwortet. Was ich damit zeigen will, ist dass C&R sicherlich seine Daseinsbereichtigung in Hinsicht auf Bestandserhalt und Hege hat. Aber C&R im Falle von Fischen die nur noch eingeschränkte Lebenschancen haben empfinde ich als nicht waidgerecht. Das gilt für mich für zu hohe Erschöpfung, Entstellung, Vergiftung und eben auch starkes Bluten.
Ich wünsche Euch viel Spaß am Wasser und einfach möglichst wenig blutende Fische - das wäre ja im Sinne aller.
LG
MArkus
- Mario Mende / Sachsen
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Hier könnte man gleich die ketzerische Frage:
Empfinden Fische Schmerzen? stellen.
Sollen wir uns als Angler rechtfertigen, ob wir einen (Bsp: blutenden und nach unserer Einschätzung wenig überlebensfähigen) Fisch dem Gewässer entziehen, oder nicht? Wieso? Wir in Sachsen haben eine Fischereischeinprüfung incl. Vorbereitungslehrgang abgelegt und sind somit als "kundige Person" rechtlich anerkannt.
Stark Verpilzte, verkrüppelte, kranke etc. würde ich persönlich, ohne Rücksicht auf Mindestmaß entnehmen und abschlagen. (Man kann die Fische von Fischgesundheitsdienst untersuchen lassen.)
Ich denke wir haben ein Recht und eine Pflicht zur Hege und gerade in solchen Situationen muß (soll, kann, darf) man handeln. Auch wenn es manchmal schwerfällt!
Es könnte sich ja auch um eine Seuche handeln.
Empfinden Fische Schmerzen? stellen.
Sollen wir uns als Angler rechtfertigen, ob wir einen (Bsp: blutenden und nach unserer Einschätzung wenig überlebensfähigen) Fisch dem Gewässer entziehen, oder nicht? Wieso? Wir in Sachsen haben eine Fischereischeinprüfung incl. Vorbereitungslehrgang abgelegt und sind somit als "kundige Person" rechtlich anerkannt.
Stark Verpilzte, verkrüppelte, kranke etc. würde ich persönlich, ohne Rücksicht auf Mindestmaß entnehmen und abschlagen. (Man kann die Fische von Fischgesundheitsdienst untersuchen lassen.)
Ich denke wir haben ein Recht und eine Pflicht zur Hege und gerade in solchen Situationen muß (soll, kann, darf) man handeln. Auch wenn es manchmal schwerfällt!
Es könnte sich ja auch um eine Seuche handeln.
Vergräme den Kormoran, nicht den Fisch!
Mario
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