Seeforellen Laichfischfang wie vor 100 Jahren

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Kurt Zumbrunn
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Seeforellen Laichfischfang wie vor 100 Jahren

Ungelesener Beitrag von Kurt Zumbrunn »

Liebe Forumskollegen

Ich möchte Euch mal Einblick in unseren Seeforellen Laichfischfang geben, welcher noch heute genau wie vor 100 Jahren praktiziert wird.
Wir ziehen jeweils ab Anfang November, abends um 20.00 Uhr mit Neoprenhosen, grossen Rechtecknetzen, Jutesäcken, starken Lampen und einem langen Stock (ca. 5 Meter) los, um die aus dem Brienzersee in die Aare aufgestiegenen Seeforellen zu fangen.
Die Aufstiege aus dem Brienzersee beginnen in manchen Jahren bereits ende August. Der Seeforellen Laichfischfang ist einer der Höhepunkte unserer Vereinsarbeiten und es ist selten der Fall, dass Helfer gesucht werden müssen. Die nachfolgenden Bilder zeigen, warum das so ist:

Der Fisch ist gesichtet:
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Die Netzfänger sind in Position:
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Die Forelle ist im Netz:
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Kontrolle der Forelle auf Laichfähigkeit:
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Seilbahntransport im Jutesack aus der 30 m tiefen Schlucht:
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83 cm reinste Power:
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Ausbeute eines Abends:
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Ab in die Brutanstalt:
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Ich freue mich schon wieder auf den September!!!!!!
Herzliche Grüsse
Kurt
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Matthias M.
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Ungelesener Beitrag von Matthias M. »

Hallo Kurt,

sehr spektakuläre Bilder. Es ist schon beeindruckend solche Fische aus der kleinen Aare zu sehen.

Gruß Matthias

PS: Für solch einen Arbeitseinsatz wäre ich auch jeder Zeit zu haben. :wink:
Rast

Ungelesener Beitrag von Rast »

Hallo Kurt

Beeindruckend ! :shock:
Wie muss ich mir das vorstellen,wirklich so banal wie Du es beschrieben hast ? Mal eben runter an den Fluss und ein paar Laichfische keschern ??
Wohl kaum. Wie ist die Beschaffenheit der Aare (immerhin einer der wichtigsten Rheinzuflüsse) dort ? Breite,Tiefe etc. ??

Gruss Ralf


PS: Die Seeforellen werden von Dir regelmässig gefüttert so dass sie schon Handzahm sind - gib's zu Du Schlawiner !! :lol: :wink:
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Kurt Zumbrunn
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Ungelesener Beitrag von Kurt Zumbrunn »

Hallo und guten Morgen
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man keinen von uns speziell motiveren müsste, solche Vereinsarbeiten zu machen. Ist es doch effektiv eine sehr beeindruckende Tätigkeit - nicht nur der Fische wegen, denn es ist auch ein ganz besonderes Erlebnis, in stockdunkler Nacht, teils bis zu den Brustwarzen in der Strömung zu stehen. Wenn man dann im Scheinwerferlicht einen "Silberbarren" in einem Pool stehen sieht, dann klopft das Herz ganz schön.
Voraussetzung für einen erfolgreichen Fang ist das gute Zusammenspiel der ganzen Gruppe! Beim doch beachtlichen Gefahrenpotential ist es wichtig, dass sich jeder auf jeden verlassen kann. Man hilft sich wo man kann.
Wie in den Bildern kurz beschrieben, muss zuerst ein Fisch gesichtet werden, was bei der Grösse dieser Tiere eine relativ einfache Aufgabe ist.
Voraussetzung ist natürlich auch der Wasserstand der Aare, welcher nicht zu hoch sein darf. In diesem Teilbereich ist die Aare noch ein Gebirgsbach mittlerer Grösse, hat aber Pools welche bis zu 3 m tief sind und unterspülte Felsen.
Nachdem ein Fisch gesichtet wurde, riegeln die Netzträger den Pool im Auslauf ab. Nun kommt der Einsatz des "Sprengers". Dieser nähert sich dem durch Lampen geblendeten Fisch von vorne mit einem kleineren Kescher. Es ist möglich, dass der Sprenger den Fisch mit dem Kescher gleich erwischt - meistens jedoch entwischt die Forelle mit einem gewaltigen Antritt nach hinten und versucht aus dem Pool zu fliehen. Wenn es sich nun um eine wirklich Grosse handelt, stellt man sehr schnell fest, welchem Netzträger sie ins Netz brauste. Es ist beeindruckend wie leicht 100kg Gebirgsmensch durch den Aufprall den Stand verlieren kann - natürlich spielt die Strömung auch mit.
In gewissen Fällen, wo der Kescher beim Sprenger nicht ausreicht, wird die lange Holzstange gebraucht, um z.B. einen Fisch unter einem Felsen hervor zu jagen.
Da sich das beste Laichfanggebiet in einer rund 30 m tiefen Schlucht befindet, ist der Transport der grossen Fische ein Problem. Es gibt keinen Platz, wo man mit dem VW-Bus direkt ans Wasser fahren kann. Das Fahrzeug wartet auf einem Parkplatz an der Grimselpassstrasse, welcher sich eben 30 m oberhalb von uns Laichfischfängern befindet. Sämtliche Fische welche bis hierher gefangen wurden, befinden sich in den mitgebrachten Jutesäcken, gut verschnürt, und werden im Wasser hinter sich her gezogen. Nun kommt der Transport zum Bus auf dem Parkplatz oben. Dazu haben wir eine Seilbahn eingerichtet, welche die Distanz in 5 Sekunden überwinden kann. Da jedoch der Ankerplatz in der Schlucht etwas vom Wasser weg ist, muss auch unten in der Schlucht alles reibungslos funktionieren. Die Fische werden in den Jutesäcken im daneben liegenden Pool "zwischengelagert", währenddem wir eine Menschenkette vom Pool bis zum Ankerplatz der Seilbahn bilden. Sobald der erste Fisch aus dem Wasser gehoben wird, geht alles sehr schnell. Der Fisch wird mittels der Menschenkette weitergereicht, an der Seilbahn angehängt und schon rauscht er 30 Meter hoch zum Bus.
Wir als Laichfischfänger habens da etwas schwieriger, denn wir können nicht die Seilbahn benützen und machen uns anschliessend auf den Abstiegsweg durch die stockfinstere Schlucht, mit klettern, Bach queren usw.
Aber ......Ihr wisst ja ........eben Abenteuer pur!!!!

Herzliche Grüsse
Kurt

Ach ja @Ralf: Füttern ist schon gut - aber schade um die 30er Bachis :wink:
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Trockenfliegen- und Bambuspurist
Rast

Ungelesener Beitrag von Rast »

Hi Kurt

Das liest sich ja höchst spannend ! So ein Spektakel würd' ich mir auch mal gern anschauen.
Eine Frage hätte ich noch: Diese Methode,welche Ihr anwendet - hat die
ausser der Tradition noch andere Gründe ?
Ich meine ,was das fangen zum Laichabstreif betrifft,hört man allerorts nur von E-Befischung. Lehnt Ihr diese Methode grundsätzlich ab ??

Gruss
Ralf
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Kurt Zumbrunn
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Ungelesener Beitrag von Kurt Zumbrunn »

Hallo Ralf
Wir lehnen das E-Fischen nicht grundsätzlich ab und praktizieren dieses bei den Bachforellen immer. Nur bei den wesentlich grösseren Seeforellen glaubt man bei uns, dass der Strom mehr Schaden anrichte als "von Hand". Es soll mit der Körpermasse zusammenhängen, welche Seeforellen von bis zu einem Meter haben.
Da erinnere ich mich gerade an unsere Grösste, welche im Jahr 1974 (war damals 11 Jahre alt) gefangen wurde. Die Zahl war sehr einfach zu merken: 123 cm!

Herzliche Grüsse
Kurt
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Harald aus LEV
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Ungelesener Beitrag von Harald aus LEV »

Hallo Kurt,
beeindruckende Fotos und guter Bericht!!

Gruß
Harald
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Kevin NRW
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Ungelesener Beitrag von Kevin NRW »

Hallo Kurt,
ich kann mich da Matthias und den anderen nur anschließen,wirklich beeindruckende Bilder mit faszinierenden Fischen.
Allein die Vorstellung einen solchen Fisch in einem kleinen Gumpen nur zu sehen stelle ich mir schon fantastisch vor!!!
Da wäre ich,genau wie Matthias,auch mal gerne und sofort dabei :wink:


Herzlichen Gruß
Kevin
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Kurt Zumbrunn
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Ungelesener Beitrag von Kurt Zumbrunn »

Hallo Kevin
Wär für Euch ja kein Problem - Bescheid geben kann ich auch, sobald sie da sind.
Herzliche Grüsse
Kurt
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Matthias M.
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Ungelesener Beitrag von Matthias M. »

Hallo Kurt,

der Laichfischfang wird doch auch als Arbeitseinsatz gewertet oder?

Gruß Matthias
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Kurt Zumbrunn
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Ungelesener Beitrag von Kurt Zumbrunn »

Hallo Matthias
Das ist eben das gute daran - ja!

Herzliche Grüsse
Kurt
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Kevin NRW
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Ungelesener Beitrag von Kevin NRW »

Hallo Kurt,
ja prima!
Dann komm ich(Matthias und Marc bestimmt auch) sehr gerne hoch,den Laichfischfang würde ich wirklich gerne mitmachen!Und das nennt man dann noch Arbeitseinsatz 8)

In allergrößter Vorfreude!!!!!!!
Auf bald!
Herzlichen Gruß
Kevin
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