Hi,
bei mir sind einige Anfragen eingegangen. Ich werde das mal zusammenfassen und ein paar Tipps geben.
Vorweg: Meine obigen Kritiken sind teilweise etwas missverständlich aufgenommen worden. Beispielsweise liebe ich das Video Fault and Fixes von Mel ausserordentlich weil es originell ist und mit pfiffigen Stilmitteln arbeitet. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass man mit einigen kleinen Kniffen mehr hätte machen können ohne gleich eine Kostenexplosion auszulösen. Mein Lieblingsvideo gibt's bei Sexyloops, wo im Wohnzimmer der Doppelzug pantomimisch demonstriert wird. Witzig und genial.
Eine gute Wurfaufnahme hinzukriegen ist aus vielerlei Gründen keine leichte Aufgabe.
Die unterschiedlichen Dynamiken im Bewegungsablauf können zwangsläufig nicht gleichzeitig filmisch erfasst werden:
wird der ganze Wurfraum gezeigt wird der Werfer zu klein, wird der Werfer gezeigt ist keine Schnur zu sehen usw.
Ich stelle ein Beispiel für eine, meiner Meinung nach, gute szenische Auflösung zu Diskussion:
Zutaten

: zwei Personen (Werfer, Filmer), Camcorder mit manuellem Shutter, Leiter, Zentimeterband.
Immer wichtig: Autofokus ausschalten!
1. Bild
<Ist Euch schon mal aufgefallen, bei wie vielen Videos die Wurfhand vom Körper verdeckt wird, auch in diesem Thread? Das ist, wie Softporno: viel Bewegung, wenig zu sehen. Also, Rechtshänder zeigen der Kamera ihre rechte Seite, Linkshänder die linke.>
Torso (halb), Wurfarm (frontal, leicht auf 7 Uhr), mit 1/4000 (Shutter) Wurfbewegung nach hinten. Kein Text im Off
2. Bild
<Der Bewegung nachspüren. Man muss (erstmal) nicht alles zeigen. Sehen ist überwiegend ein mentaler Prozess. Was fehlt "dichtet" das Gehirn dazu.>
Der Schnur beim Auslegen nach hinten folgen (statisch, 1/4000). Also rauf auf die Leiter, Werfer auf die Knie. Der ist ja nicht zu sehen. Bitte immer auf Wurfarmseite filmen, kein Seitenwechsel sonst Achsenbruch/Kontinuitäsbruch. Kein Text im Off.
3. Bild
<Das ständige reinquaseln ins Bild transportiert nichts und nervt.>
Bild bei maximaler Streckung stoppen. Jetzt ggf. Text (sprechen).
4. Bild
Wie 1) nur in der Vorwärtsbewegung aber frontal hinter Werfer, leicht auf 5 Uhr.
5. Bild
Wie 2) nur Streckung nach vorne. Ggf. Stopp und Text.
6. Bild
Wieder Wurfarmbewegung nach hinten, diesmal seitlich/Profil Torso (halb)
7. Bild
Nur Spitzenbiegung nach hinten zeigen (Shutter), also rauf auf die Leiter ...
8. Bild
Wie 6) nur Vorwärtsbewegung
9. Bild
Wie

nur nach vorne ...
Jetzt kann der ganze Prozess in der Totale gezeigt werden (ohne Shutter). Das Hirn rechnet das bereits gesehene dazu und
versteht das Bild.
Achtung! Die Bewegungsabläufe zw. Filmer und Werfer, wie in einer Choreographie, vorher einüben.
Bitte obiges nicht in dieser Chronologie drehen, hier ist schon der Schnitt eingebettet.
Und noch was! Mal Hand aufs Herz! Wer schreibt für seine Wurfszenen ein Drehbuch? Schwer zu glauben aber das ist die Seele des Geschäfts. Hier werden Mängel schon im Vorfeld offenbar und man beugt den, in den meisten Videos anzusehenden, Zufälligkeiten vor.
Tom