WURMANGLER bleibt WURMANGLER!
Gestern in unserem Stammlokal, Fritz, ein großer Fliegenfischer vor dem Herrn, referierte wieder einmal über Fliegen, neue Bindeweisen, Wurftechnik und so manches andere mehr, was eben zu unserer Passion gehört.
Dabei fiel mir urplötzlich unsere erste Begegnung ein, damals vor vielen Jahren am Inn bei Zirl. Eine, der zu dieser Zeit sehr begehrten Tageskarten, hatte ich geschenkt bekommen und den Fehler gemacht, mich nicht im Voraus über den Wasserstand zu informieren. So stand ich nun an diesem großen Fluss der hoch und trübe seine Wassermassen talabwärts wälzte.
Schwerste Nymphen, große Streamer, selbst gebundene Mäuse und Frösche zog ich durch die völlig undurchsichtigen Gumpen und Kehren aber trotz intensiver Bemühungen, kein Erfolg und nach mehreren Stunden stellte sich Mutlosigkeit ein. Naja, schöne Landschaft usw, dachte ich mir und wanderte flussabwärts der Reviergrenze zu. Da traf ich auf einen Angler, der an der Böschung saß und neben sich zwei prächtige Regenbogenforellen liegen hatte. Die Spinnangel hatte er zwischen die großen Steine gesteckt, eine Zigarette hing lässig im Mundwinkel, die Ellbogen hinten aufgestützt beobachtete er die mitten in den Kolk führende Schnur.
"Petri Heil!"
"'Dank!" kam es freundlich zurück.
"Tolle Fische, hier gefangen?"
"Ja, bin kein Freund des Wanderangelns!"
"Womit?"
"Würmer!"
"Mach keinen Scherz mit mir!"
Vorsichtig hob er die Angel an und der Köder kam zum Vorschein, ein großer Klumpen sich ringelnder Regenwürmer!
"Lass den Fisch zu Dir kommen, es ist ein Fehler ihm nach zu jagen!"
"Und fangen Sie Dich?"
"Die zwei haben es schon geschafft!"
Nach einem Schluck aus meinem Flachmann, wurde er gesprächiger:
"Erstens muss der Haken groß genug sein, zweitens braucht es ein ordentliches Bündel Regenwürmer und drittens darf kein Stück Haken herausschauen!"
Aus seiner Wurmdose kramte er einen Tauwurm heraus, der die Bezeichnung "Kampfwurm" durchaus verdient hätte. Nachdem er ihn kunstvoll auf den Haken gespießt hatte, warf er die Montage in die Strömung beim Kolkeinlauf, langsam bewegte sich die Schnur zur ruhigen Mitte.
"Forellen ziehen Würmer allem anderen vor"
"Immer?"
"Fast immer?"
"Was passiert jetzt?"
"Irgendeine hungrige Forelle hat dieses Gustopacket erspäht und wandert jetzt langsam herbei um diesen größten aller Glückfälle zu untersuchen"
Nach einigen Minuten schien es mir als bewegte sich die Leine:
"Was passiert jetzt?"
"Der Fisch untersucht diese Köstlichkeit!"
Plötzlich begann die Leine zu wandern, Fritz lies vorsichtig Schnur auslaufen.
"Er hängt!"
"Nichts hängt, die Forelle trägt ihr Mittagessen in den Unterstand!"
"Schlag an!"
"Quatsch, Geduld mein Freud ist eine der wichtigsten Tugenden!"
"Sie wird Dir entwischen!"
"Aber nein, sie muss die Würmer erst richtig im Maul haben!"
Plötzlich drehte sich die Schnur und ging stromaufwärts, Fritz ließ den Bügel einklappen und hieb kräftig an, die Rute bog sich zum Halbkreis und nach einigen Minuten lag ein Regenbogenforelle mit über 50 cm im Sande.
"So fängt man Forellen" meinte Fritz und stand das erste Mal auf.
Er kann mich nicht täuschen und wenn er mir auch detailliert die Deveaux-Bindeweise erklärt
WURMANGLER bleibt WURMANGLER!
Freundlichst
Euer Gebhard
Neulich am Stammtisch !!
Moderatoren: Forstie, Maggov, Olaf Kurth, Michael.
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