Zugkraft bei Ringwicklung

Hier treffen sich die wahren Handwerker unserer Zunft. Gibt es eine schönere Fischerei, als mit einer Selbstgebauten - ob nun Gespließte, Kohlefaserrute oder Eigenbaurolle? Geizt nicht mit Euren Ratschlägen.

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Gäddsax

Zugkraft bei Ringwicklung

Ungelesener Beitrag von Gäddsax »

Hallo ihr Rutenbauer,

ich habe mal eine Frage:
Wie haltet ihr es mit der Fadenspannung beim Anwickeln der Ringe (z.B. gemessen an 500-seitigen Telefonbüchern, die auf dem Faden aufliegen).

Mir ist halt schon öfter zu Ohren gekommen, dass Ruten durch das zu feste Wickeln beim späteren Fischen einfach brechen können.
Generell halte ich es so, dass man den Ring nach der Wicklung noch bewegen können muß.
Die Frage ist halt wie er sich noch bewegen können sollte. Ich muß schon sehr viel Druck ausüben, um die Ringe vor dem Lackieren in einer Flucht auszurichten.

Wie haltet ihr es damit? Habt ihr schon schlechte Erfahrungen bei zu harter Ringwicklung oder auch zu loser Wicklung gemacht?

Wie unterscheidet ihr bei einer Wicklung zwischen Ein- und Zweistegringen?
Zweistegringe müssen sich ja theoretisch auf der Rute bewegen können.

Danke euch!

TL,
Max
Zuletzt geändert von Gäddsax am 31.07.2004, 03:15, insgesamt 1-mal geändert.
Gäddsax

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Hallo nochmal,

hier gibt es doch viele Rutenbauer (auch professionelle), oder?
Ist das ein großes Geheimnis?

TL.,
Max
Holger a. Neuss
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Ungelesener Beitrag von Holger a. Neuss »

Hallo Max,

ich gehöre wahrhaftig nicht zu den professionellen Rutenbauern. Aber ich habe schon ein paar aufgebaut und fische mit ihnen auch häufig. Mir ist vollkommen neu, das die Wicklung so locker sein soll, wie Du beschrieben hast. Ich wickel die Ringe immer mit der Zugkraft meiner Hände, will heissen: ich lasse die Bindeseide zwischen Zeigefinge und Daumen laufen und halte sie somit stramm. Die Ringe sind dabei so fest angewunden, das man sie auf dem Blank ( mit normaler Krafteinwirkung ) nicht mehr bewegen kann. Das fluchten der Ringe erledige ich vor dem wickeln. Meine älteste selbstaufgebaute ist mittlerweile 8 Jahre alt und immer noch wohlauf.

Gruß Holger.
Gäddsax

Ungelesener Beitrag von Gäddsax »

Hallo Holger,

danke für die Antwort!
Mir geht es um Erfahrungen von Rutenbauern, die schon recht viele Ruten gebaut haben.
Rutenbrüche durch zu feste Wicklungen sind bekannt.
Wenn du die Ringe mit solcher Gewalt anbindest, müssen die Ringe wohl absolut perfekt geschliffen gewesen sein. Sonst wäre dir bestimmt schon eine Rute gebrochen.

Wäschst du dir vor dem Ringwickeln immer die Hände?
Ich frage nur, da du den Faden zwischen deinen Fingern durchlaufen läßt.
Fett auf dem Faden ist für die nachfolgende Lackierung ja nicht optimal.

TL.,
Max
Holger a. Neuss
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Ungelesener Beitrag von Holger a. Neuss »

Hallo Max,

du hast recht, die Finger müssen natürlich sauber sein, damit die spätere Lackierung gut in die Bindung eindringen kann. Da ich aber mit Lack auf Lösungsmittelbasis arbeite, spielt das keine so "grosse" Rolle.......normale Körperpflege mal vorausgesetzt.............will ja nicht operieren.........

Wenn du die Ringe mit solcher Gewalt anbindest, müssen die Ringe wohl absolut perfekt geschliffen gewesen sein. Sonst wäre dir bestimmt schon eine Rute gebrochen.

Na, von Gewalt würde ich da nicht sprechen. Man muss den Blank während dem wickeln auch mal ablegen. Dabei hält ein 5 bis 10 gr Blei den Faden straff. Die Wicklung lockert sich auch ein wenig bevor sie lackiert wird. Durch das unterziehen des Endes unter die letzten Windungen ensteht schliesslich kein kraftschlüssiger Knoten.
Die Ringe sind natürlich gut geschliffen, wenn ich Kanten am Fuß entdecke werden diese mit 400er Schmirgel beseitigt. Dadurch liegen die Ringe sehr plan auf dem Blank.

Gruß Holger.
Gäddsax

Ungelesener Beitrag von Gäddsax »

Hallo Holger,

vielen Dank noch mal für die Tipps!
Ich denke, dass die gute Vorbereitung deiner Ringe einen großen Teil zu Haltbarkeit deiner Ruten beiträgt.

Hast du evtl. Bilder von den Ringen (vor und nach dem Schliff / oben und unten)?

Grüße,
Max
Matthias

Ungelesener Beitrag von Matthias »

Hallo Max,

wie kann es sein, daß eine Rute allein durch zu hohe Fadenspannung bei der Ringwicklung bricht? Ich kann mir das nur vorstellen, wenn der Ringfuß nicht plan aufliegt oder scharfe Kanten an der Unterseite hat. Ich wickle eigentlich immer recht straff (Fadenspanner an CMW-Wickelbank fast komplett angezogen, im Spitzenbereich der Rute natürlich weniger). Anfang diesen Jahres habe ich einen recht dünnwandigen Blank aufgebaut und bei der Korrektur der Position des Leitrings hat es ziemlich geknackt, so daß ich schon dachte, ich habe die Rute versaut. Ich fische die Rute nun schon das ganze Jahr über (auch ordentlich belastet und voll durchgebogen) und sie hält und hält ... ;)

Ich schleife die Ringfüße immer recht stark an, so daß ein schön gleichmäßiger Übergang zum Blank entsteht. Auf dem Bild ist das nicht so gut zu sehen, aber die angeschliffenen Ringfüße schimmern etwas durch.

Viele Grüße, Matthias
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fluefiske
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Ungelesener Beitrag von fluefiske »

Hallo !
Der Bindefaden hat eine Dehnbarkeit von ca. 10%.Wenn die Fadenspannung zu hoch ist,nimmst Du dem Faden die Elastizität ,und er kann sich unter Belastung nicht mehr dehnen,natürlich im minimalsten Bereich.Die Fadenspannung sollte so stark sein,daß sich die Ringe noch mit leichtem Druck ausrichten lassen.Bei 2-Stegringen geht das ziemlich einfach.Bei 1-Stegringen sollte man vor dem Wickeln schon auf eine exakte Ausrichtung achten,da diese bedingt durch den einen Fuß sich nicht so gut bewegen lassen.Voraussetzung für dieses Bewegen ist,wie von Matthias schon geschrieben hat,das saubere Anschleifen.Diese Arbeit erledige ich mit der Bohrmaschine und einem Schleifteller mit 240 er Körnung.Dabei entsteht auf der Unterseite ein leichter Grat,der auch beseitigt werden muß.Dann setze ich den Ring auf eine ebene Fläche und biege ihn so,daß er plan aufsitzt.Tip an Matthias:Wenn Du die angeschliffene Stelle mit einem schwarzen Filzstift anmalst,schimmert nach der Lackierung kein blankes Metall mehr durch.
Ehlich gesagt,kann ich mir auch nicht vorstellen,daß bei zu starkem Anwickeln der Ringe die Rute brechen kann.Da müßte schon der Supergau stattfinden:Knallhartes Anwickeln,Grat an der Unterseite,der sich dann in den Blank drückt und vielleicht noch eine Schwachstelle im Blank.
AAAABBBBEEEERRRR : Bei einem,der seine Rute liebevoll selbst aufbaut,gehe ich davon aus,daß er sich um solche Details wie die Ringmontage kümmert.Bei einer Rute von der Stange bin ich mir da nicht sicher.

Gruß Erich
Matthias

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Hallo Erich,

danke für den Tip mit dem schwarzen Edding für den angeschliffenen Ringfuß, da hätte ich eigentlich auch selbst drauf kommen können ;)

Viele Grüße, Matthias
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fluefiske
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Hallo Matthias !
Hatte vorhin vergessen zu sagen : Deine Lackierung sieht gut aus.
Gruß Erich
Matthias

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Hallo Erich,

danke für das Kompliment, aber so 100%ig zufrieden bin ich noch nicht (soviel zum streben nach Perfektion ;)). Mir ist immer noch zu viel Lack am Ringfuß, der zieht sich da hoch ... irgendwie bekomme ich das nicht hin. Hast Du vielleicht einen Tip diesbezüglich?

Viele Grüße, Matthias
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fluefiske
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Ungelesener Beitrag von fluefiske »

Hallo Matthias !
Der linke Fuß auf dem Bild ist ok.Am rechten ist etwas zu viel Lack unter den Fuß gelaufen.Die Ursache könnte sein:
1.Du hast nicht lange genug gedreht .
2. Die Endposition der Rute war : Ringe nach unten,sodaß der noch geschmeidige Lack unter den Fuß laufen konnte.
Daß sich dies nur am rechten Fuß auswirkt hat den Grund,daß der Übergang vom Fuß zum Steg sehr flach ist.Da genügt nur ein etwas mehr an Lack,um diesen unter den Fuß laufen zu lassen.
Kommt das in etwa hin ?????
Gruß Erich
Matthias

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Hallo Erich,

ich denke auch, daß es am relativ spitzen Winkel zwischen dem rechten Ringfuß und Blank liegt. Ich verwende Flex Coat und drehe den Blank 1/2 Stunde alle 30 Sekunden und dann 1,5h lang jede Minute um 180°. Mit der Endposition der Rute hast Du Recht, aber denkst Du, der Lack verläuft noch nach 2h? Ich habe früher bei Zweistegringen auch nur die Wicklung und nicht den Zwischenraum lackiert, da habe ich das am Ringfuß sauberer hinbekommen, allerdings hat man dann bei Belastung der Rute manchmal so ein Knacken, das eindeutig vom Ring bzw. der Lackierung kommt. Wenn man den Zwischenraum mitlackiert, tritt das Knacken nicht auf. Bei Fliegenruten mit Schlangenringen hat das meiner Meinung nach noch den Vorteil, daß die Schnur beim Vorschwung nicht direkt auf dem Blank schleift, aber auch da zieht sich der Lack hoch :(

Viele Grüße, Matthias
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fluefiske
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Ungelesener Beitrag von fluefiske »

Hallo Matthias !
Auch ich verwende Flex Coat und drehe exakt wie Du.NUR:Nach diesem 2-stündigen,kontrolliertem Drehen,drehe ich nun in lockeren Abständen von ca.5-10-15 min um 180° noch eine Stunde weiter.Danach bleibt die Rute in der Endposition:Ringe nach oben,damit nichts mehr nachlaufen kann.Diese Verlängerung der Drehphase kommt nicht von ungefähr.Irgendwann hatte ich beim Lackieren an 2 Ringen etwas zu viel Lack aufgetragen.Anschliessend drehte ich 2 Stunden wie immer und ließ die Rute mit den Ringen nach unten liegen.Das Ergebnis war das gleiche wie bei Dir.Wenn Du zu viel Lack aufträgst,hast Du auch mehr Masse,die nach unten zieht.Wenn der Lack die Möglichkeit hat,an einer Verlängerung (hier der Steg)entlang zu laufen,dann tut er es.Meine Erfahrung:Wenn etwas zu viel Lack benutzt wird,reichen auch 2 Stunden nicht aus.Aber ich denke,diese zusätzliche Stunde wirst Du gerne opfern,um ein besseres Ergebnis zu erreichen,und Du bist der "Perfektion "wieder ein Stück näher gekommen.
Was wichtiges: In wieviel Arbeitsgängen lackierst Du?Ich könnte mir Dein kleines "Problemchen" leichter erklären,wenn Du die Rute in einem Arbeitsgang lackierst.
So,nun rate mal,was ich als nächstes tun werde.Richtig,eine Rute lackieren.

Gruß Erich
Matthias

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Hallo Erich,

danke für den Tip, ich werde es das nächste Mal ausprobieren und noch ein Stündchen weiterdrehen. Aber nur einmal lackieren, nein, also wirklich nicht, bin doch kein Anfänger mehr ;)

Ich lackiere meistens in drei Durchgängen wie von Christian Weckesser (CMW) empfohlen. Wenn die Bindung den Lack der ersten Lackierung aufgesaugt hat, lackiere ich gleich nochmal hinterher und dann nach ca. 24h das dritte Mal. Bei sehr großen Ringen und dementsprechend hohen Ringfüßen und Unterwicklungen oder doppelten Wicklungen an Meeresruten ist evtl. noch ein vierter Durchgang nötig, damit die Oberfläche richtig glatt wird und die Struktur des Garns nicht mehr zu sehen ist.

Viele Grüße, Matthias

P.S.: Was für eine Rute wird denn heute lackiert?
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