entwickeln eigener Taper

Hier treffen sich die wahren Handwerker unserer Zunft. Gibt es eine schönere Fischerei, als mit einer Selbstgebauten - ob nun Gespließte, Kohlefaserrute oder Eigenbaurolle? Geizt nicht mit Euren Ratschlägen.

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OWK
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entwickeln eigener Taper

Ungelesener Beitrag von OWK »

Ich denke die meisten von uns Anfängern bauen Ihre gespliessten nach vorhandenen Tapern. Was ist wenn man aber jetzt einen schritt weitergehen will und eine eigenen Taper entwerfen will. Als Werkzeug hat man die schon in diesem Forum angesprochenen Programme Hexrod und rodcalc. Aber wie setzt man diese Programme ein, wo fängt man an, und was dann weiter? Es geht wohl viel über Stress Kurven. Aber was ist das und wie liehst man sie und setzt sie ein? Viele fragen. Da die meisten von uns keine Ingenieure sind wie Garrison, kann vielleicht einer der erfahrenen Rutenbauer uns mit einfachen Erklärungen erleuchten.
Olaf
zuma

Ungelesener Beitrag von zuma »

Hallo Olaf
Ich weiss es tönt jetzt abgedroschen aber stimmen tuts trotzdem:
Erfahrung, Erfahrung und nochmals ...
Verschiedene Ruten zu bauen, viel zu bauen, experimentieren usw., das ist der Weg, welchen ich beschritten habe. Der Weg ist mühsam, denn auch ich habe oft am PC gedacht, wenn das Rütchen fertig gestaltet war, dass man dieses nun probewerfen sollte - aber eben zuerst musste man es bauen, um dann fest zu stellen, dass dieses noch nicht perfekt ist. Den besten Rat, welchen ich Dir aus der Praxis geben kann ist, eine bestehende Rute, welche Dir gefällt zu vermessen und diese nach zu bauen. Wie aber Stefan richtigerweise betont hat, ist Bambus etwas lebendiges und Tonkin ist nicht gleich Tonkin. Die gleiche Rute, dem Taper nach, kann sehr unterschiedlich herauskommen. Ich habe das Glück, Tonkin aus sechs verschiedenen Quellen zu besitzen. Die Unterschiede sind frappant. Durch Zufall konnte ich Rutenbauertonkin aus den 1930er Jahren auftreiben. Dieser war 70 Jahre lang in einer Scheune am vor sich hin schlummern. Wenn ich mal eine Rute daraus baue, hat diese Eigenschaften (Schnelligkeit und Rückstellvermögen), wie ich sie bisher noch nicht bei anderem Bambus festgestellt habe. Auch das Gewicht der Rute ist geringer als bei jüngerem Bambus. Es gibt optisch wunderschönen Bambus (z.B. die Spitzenqualität von Demarest USA), in Bezug auf die übrigen Qualitäten ist er aber nur Durchschnitt.
Beachte beim entwickeln einer Rute, dass nicht nur das Taper von Bedeutung ist, sondern auch die Anzahl Kraftfibern. Ich bin halt der Auffassung, dass der Bambus nicht genug Kraftfibern aufweisen kann und habe ja deshalb damit begonnen, die Ruten nicht mehr aus 6 Spleissen zu bauen sondern aus 13! Nur so gelingt es, das Beste aus dem Material heraus zu holen. Wenn ich mit den erwähnten Programmen experimentiere, achte ich bei der Stress und Energieverteilung auf gleichmässigkeit. Ich weiss nicht ob dies wirklich von Bedeutung ist, aber ich leite meine Ueberlegungen aus dem Pfeilbogenbau ab, wo man streng darauf achtet, dass ein Bogen nicht nur an einer Stelle arbeitet, sondern der Zug über den Bogenarm verteilt wird. Wenn ich mir die Kurven gewisser Ruten anschaue, habe ich bedenken, was die Belastbarkeit angeht. Noch ein Hinweis: Wenn eine Stresskurve bereits im oberen Bereich ausgelastet ist, verträgt diese Rute keinen Werfer, welcher gekonnt mit dem Doppelzug arbeitet! Wenn Du also eine Rute für Doppelzug bauen möchtest, dann achte auf genügend Reserve im oberen Belastungsbereich.
Ich selbst bin ja nur ein durchschnittlicher Werfer, habe aber über meinen Kundenstamm Kontakt zu Werfern, welche mich auch im Rutenbau weiter gebracht haben. (Das ist übrigens auch der Grund weshalb ich gerne Ruten verkaufe!) Aus diesen Erfahrungen hat sich gezeigt, dass eine Rute erst ab Pos. 10 bis 15 von der Spitze her reagieren sollte. Ein weiterer Erfahrungswert ist, dass die meiste Energie aus dem Handteil, kurz nach der Hülse kommen sollte. Begründung: Die Spitze darf beim Spitzenring wohl fein sein, sollte sich aber dann sofort verstärken, da sonst bei einer zu feinen Spitze die Tendenz besteht, dass die Schnur "überworfen" wird. Wenn die Energie vorwiegend aus dem Handteil, kurz nach der Hülse kommt, lassen sich immer noch enge Schlaufen werfen, und zwar sehr energievoll. Es gibt Ruten welche auf den Belastungsdiagrammen zwei Spitzenwerte aufweisen. Diese Ruten neigen dazu, Wellen in der Schnur zu fabrizieren. Eine gute Rute wirft die Schnur glatt nach vorne.
Ich hoffe ich konnte Dir aufzeigen, dass viele Faktoren eine Rolle spielen und kann mich dem geschriebenen von Stefan nur anschliessen.
Herzliche Grüsse
Kurt
Juergen.Flyfish

Ungelesener Beitrag von Juergen.Flyfish »

Hallo ,
dem kann ich nur zustimmen, Erfahrung zählt, ist aber nur ein schwacher Trost für den, der experimentieren möchte.

Basis aller Programme, mit denen die Taper gerechnet werden sind empirisch erstellte Kurven über den Verlauf der Belastungen der Rute. Da dies ein dynamisches Problem ist (kein statisches ist das nicht so einfach in mathematische Formeln zu fassen). Also gibts die berühmten Stresskurven nach Garrison mit diversen Fummelfaktoren (wie z. B. Tip-Impact) und keine Programme, die wirklich auf Physik beruhen. Damit müssen wir wohl leben.

Wenn man diese Stresskurven modifiziert und damit neue Taper berechnet, sollte man unbedingt darauf achten, keine abrupten Stressänderungen einzubauen. Solche abrupten Änderungen im Stress führen zu starken Änderungen im Schwingungsverhalten der Ruten (da gibts dann Schwingungsknoten/bäuche, die beim Werfen zu Wellen in der Schnur führen oder bei hohen Beschleunigungen zu Resonanz mit unerfreulichen Nebenerscheinungen).

Hier hilft auch experimentieren mit den Programmen, da kann man leicht sehen, wie sich geänderte Stresse auf den Rutendurchmesser auswirken. Stresskurven berühmter Taper zu vergleichen ist ebenfalls spannend.

Gruss, Juergen
zuma

Ungelesener Beitrag von zuma »

Hallo Jürgen
Hast absolut Recht!
Gruss, Kurt
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