Neuseeland: Im Land der Maoris
Die Geschichte und Erlebnisse eines Reisenden zwischen dem Uni-Leben und dem Fliegenfischen an den schönsten Flüssen im Land der Maoris, Kiwis und Hobbits - in 3 Teilen.
Teil 1 - Erste Eindrücke
Ein Reisebericht von Uwe Müller | Bilder: Tobias Brunk (TB), Casey Cravens (CC), Mike Kirkpatrick (MP), Uwe Müller (UM)

1  Einleitung
In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit. Nicht in einem feuchten, schmutzigen Loch, wo es nach Moder riecht und Wurmzipfel von den Wänden herabhängen, und auch nicht in einer trockenen, kahlen Sandgrube ohne Tische und Stühle, an die man sich zum Essen setzen kann: Nein, das Loch war eine Hobbithöhle, und das heißt, es war sehr komfortabel. Die Tür war kreisrund wie ein Bullauge, grün gestrichen, mit einem blanken gelben Messingknopf genau in der Mitte (1).
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So beginnt eines der meistgelesenen Bücher der Welt, aus der Fantasy-Reihe von J.R.R. Tolkien (2). Bevor Sie sich jetzt allerdings fragen, was hat das nun mit einem Angelbericht zu tun, muss ich erstmal etwas ausholen. Bereits 1937 veröffentlichte J.R.R Tolkien den Hobbit und in den Folgejahrzehnten auch die Herr der Ringe Trilogie.
Abbildung 1 - Drehort des Auenlands in der Nähe von Matamata, Nordinsel (UM)
Ehe der neuseeländische Regisseur Sir Peter Jackson um die Jahrtausendwende des 21. Jahrhunderts begann, die Geschichten um Mittelerde filmisch zu adaptieren. Für den neuseeländischen Regisseur gab es bei der Wahl nach geeigneten Filmorten nur eine Wahl, sein Heimatland. Wer das Land, also Neuseeland, bereits für sich entdeckt hat, wird mir hier vermutlich beipflichten, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Kaum ein anderes Land dieser Erde ist so abwechslungsreich und vielfältig. Binnen weniger Stunden fährt man von tropischen Stränden über steppenartige Hochplateaus zu Regenwäldern, an deren Ende eine Gletscherzunge einen glasklaren, wilden Gebirgsfluss speist.
Abbildung 2 - Blick auf den Rob Roy Glacier (UM)
Abbildung 3 - Der türkisblaue Rob Roy Stream (UM)
Abbildung 4 - Der Langbeinschnäpper oder Toutouwai ist eine in Neuseeland heimische Vogelart (Petroica australis) (UM)
Eben wandere ich noch durch den besagten Regenwald, ehe ich vor dem Rob Roy Gletscher stehe. Benannt nach dem bekannten schottischen Volkshelden, der im 18. Jahrhundert als schottischer Robin Hood in die Geschichte einging. Der Gletscherausfluss des Rob Roys‘ ist einer der Zubringer des Matukituki Rivers‘, der über den Lake Wanaka und den Clutha River im Südpazifik mündet. Es ist jedoch bereits Spätherbst/Winter in Neuseeland, weshalb sich die Forellen ihrem Liebesspiel hingeben und die Milchner sichtlich aufgeregt um die Gunst der Rogner buhlen. Daher bin ich nur mit Kamera ausgestattet unterwegs und lasse die Natur auf mich wirken. Es sind wahrlich atemberaubende Momente, die man einfangen kann, wenn man einmal innehält.
Abbildung 5 - Der Matukituki River mit Bachforelle (UM)
Blicken wir aber erstmal etwas in der Zeit zurück, an den Anfang meiner Reise, genauer gesagt ins Jahr 2016. Für die bevorstehenden Prüfungen meines Masterstudiums bereite ich mich akribisch vor und abends läuft der Film „Die Gefährten“, der erste Teil der Herr der Ringe Trilogie, in der Flimmerkiste und ich kann mich von der schönen Natur Neuseelands nicht abwenden.
Abbildung 6 - Der Fluss "Anduin" im Film "Der Herr der Ringe" (UM)
In Erinnerung kommen mir dabei die tollen Filme von Gin Clear Media über das Hinterland Neuseelands und nicht zu vergessen die Trout Bum Diaries Volume Two der Angling Exploration Group. Als reise- und unternehmungslustiger Fliegenfischer überlege ich mir, wie ich einmal nach Neuseeland komme, um auf der einen Seite das Land und die Leute kennen zu lernen und auf der anderen Seite den kapitalen Forellen nachzustellen. Der Entschluss liegt nun nicht mehr allzu fern, und meine Gedanken kreisen darum, wie ich dieses Reiseziel in mein Studium integrieren kann. Nachdem ich mit meiner Professorin Kontakt aufgenommen habe und ihr von meinem Vorhaben, ein halbes Jahr am anderen Ende der Welt zu studieren, erzählt habe, erhielt ich tatkräftige Unterstützung. Nach Ihrem Anraten soll ich nicht nur studieren, sondern auch Fischen gehen, wenn das Auslandssemester zustande kommt. Ihre Worte versuche ich mir zu Herzen zu nehmen.
Die Suche nach einem geeigneten Studienort war die weitaus schwierigere Aufgabe. Neuseeland ist in zwei Hauptinseln unterteilt. Beide besitzen ihren ganz besonderen Charme und sind fischereilich sehr ansprechend. Aufgrund der wieder in Erinnerung gebrachten Bilder der Backcountry Filme von Nick Reygeart, fällt meine Wahl auf die Südinsel. Zielort meines Studienaufenthalts war die zweitgrößte Stadt der Südinsel Neuseelands - Dunedin.
Abbildung 7 - Blick vom Octagon auf den Bahnhof von Dunedin (UM)
Wenn da nicht noch die bevorstehenden Prüfungen vor mir liegen würden. Die Bewerbungsphase erwies sich nicht als sonderlich schwierig und der Kontakt mit der University of Otago war recht schnell hergestellt, auch dank der äußerst freundlichen Mitarbeiter der Universität. Nicht zu unterschlagen sei an dieser Stelle der Hinweis auf das benötigte Visum, dass relativ frühzeitig zu beantragen ist, um nicht in zeitliche Engpässe zu kommen.

2  Aufbruch in eine fremde Welt

Im Februar 2017 geht es nach langer Planerei nun endlich los und ich steige am Münchner Flughafen in die Maschine in Richtung Neuseeland. Nach über 24 Stunden Anreise und Umsteigestopp in Dubai und Sydney bin ich in Neuseeland, genauer in Christchurch gelandet. Noch vor der Einreiseerleichterung, die zum Jahreswechsel 2018 in Kraft getreten ist, stehe ich in der Schlange und warte, bis ich vom Zollbeamten meinen lang ersehnten Stempel in meinem Reisepass erhalte. Hat man erstmal die Zollabfertigung passiert, kommt gerade für Angler und Outdoorbegeisterte die nächste zu überwindende Hürde. Bei der Einreise ist explizit anzugeben, welche Gegenstände mit ins Land eingeführt werden. Gerade und in Hinblick auf die Verbreitung der Didymo Alge und weiterer Seuchen kontrollieren die Beamten streng, dass mitgebrachte Angelsachen und Watbekleidung sauber und rückstandsfrei eingeführt werden.

Abbildung 8 - Luftblick auf die Otago Halbinsel (UM)
Abbildung 9 - Endlich am Flughafen in Dunedin angekommen... (UM)
Nach einem weiteren Flug lande ich hundemüde am Dunedin Airport und sitze kurzdarauf im Shuttlebus zu meiner Unterkunft, einem Hostel in der High Street. Bei sommerlichen Temperaturen habe ich meinen Studien- und Ausgangsort erreicht und bin meinem Ziel, den wilden Forellen Neuseelands nachzustellen, einen Schritt nähergekommen. Total erledigt und erschöpft besorge ich mir in der 120.000-Seelenstadt noch eine Kleinigkeit zu Essen und zu trinken, ehe ich gegen 21:00 Uhr Ortszeit ins Bett falle.
Abbildung 10 - Unterwegs in Dunedin mit Blick aufs Rathaus, im Hintergrund die St.Pauls Cathedral (UM)
Während der nächsten Tage erkunde ich die Stadt, sowie die Flora und Fauna und begebe mich auf die Suche nach einer Unterkunft für das kommende halbe Jahr. Lustigerweise durchstreife ich dabei die ganze Stadt, um dann am Ende keine 20 Meter vom Hostel entfernt ein Zimmer in einer WG in der High Street anzumieten. Erwähnt sei an dieser Stelle, dass Dunedin eine Studentenstadt ist, wodurch am Abend oft Live Musik und andere Aktivitäten geboten sind. Nachdem ich mein Augenmerk auf das Studium der Lehre und Natur richten will, ist die High Street der richtige Ausgangsort und ein wenig abseits der feierwütigen Studenten gelegen. So kann es durchaus passieren, dass in den bekannten Uni-WG Straßen das ein oder andere Sofa am Straßenrand Feuer fängt und bis in die späte Nacht durchgezecht wird.
Abbildung 11 - Der Bahnhof von Dunedin (UM)
Auf Reisen wird Dunedin selbst häufig ausgelassen, ist aber einen Besuch mehr als Wert, dazu später mehr. Bevor ich nach Neuseeland flog, nahm ich Kontakt mit dem wohl bekanntesten Guide Neuseelands auf, um zum einen mit ihm Fischen zu gehen, und zum anderen zu erfragen, welchen Guide er für die Region um Dunedin empfiehlt. Der Süden bietet dabei einige gute Guides, die nicht nur vor Ort leben, sondern sich auch für den Erhalt der Natur einsetzen. Ich nehme Kontakt zum Wild Angler auf, der selbst in Dunedin wohnt und wir verabreden uns dazu, einen Tag an einem seiner Lieblingsgewässer fischen zu gehen. Noch bevor das Studium begonnen hat, stehe ich am frühen Morgen vor meiner Unterkunft in der High Street und warte auf meinen Guide.
Abbildung 12 - Der Bahnhof von Dunedin (UM)
Abbildung 13 - First Church of Dunedin (UM)
3  West Otago

Um kurz nach sieben hält ein Geländewagen vor mir. Casey Cravens öffnet die Fahrertür und steigt aus dem Wagen. Freudestrahlend stellen wir uns nach den mehrmaligen Telefonaten noch einmal in Persona einander vor. Nachdem wir die Angelsachen im Wagen verstaut haben, geht es los. Casey bringt dabei alles mit, was einen guten Guide ausmacht. Er hat den Trip gut vorbereitet und ist für alle Eventualitäten gerüstet.

Abbildung 14 - Schafsherde auf Neuseelands Straßen passiert häufiger als gedacht (UM)
Unsere Fahrt führt uns über den Manuka Gorge Highway zu einem der Zubringer des Lachsflusses, Clutha River. Wir befinden uns im Gebiet West Otago in den Umbrella Mountains an der Grenze zu Southland. Der Tag entwickelt sich prächtig und wir beginnen nach unserer Ankunft gegen 9:00 Uhr eine kurze Wanderung zum Fluss. Der Weg führt uns dabei über befriedetes Wiesen- und Ackerland eines ansässigen Landwirtes. Zum Betreten haben wir vorher die Erlaubnis beim Grundbesitzer eingeholt.
Abbildung 15 - Casey am Vorbereiten (UM)
Nach der Durchquerung einer Schlucht, eröffnet sich vor uns ein kleines Tal, mit karger Landschaft, ein paar Sträuchern und hohen Felswänden. 

Angemerkt sei an dieser Stelle, dass ich das Glück habe, in einem Zikadenjahr in Neuseeland zu sein, weshalb wir ausschweifend verschiedenste Zikadenmuster ans Vorfach anknoten, um Forellen auf Trockenfliegen zu überlisten. 

Gerade bei der ersten entdeckten Forelle scheint dies aber nicht richtig zu funktionieren und ich wechsle mehrmals das Muster, ehe eine kleine Hares Ear Nymph den Erfolg bringt. 

Der erste Fisch in einem fernen Land ist ein schöner Moment. Nach einem kurzen Drill liegt eine rund drei pfündige Forelle vor mir und darf nach einem schnellen Foto wieder in die Freiheit zurück.
 
 
 
 

Abbildung 16 - Die erste Bachforelle in Neuseeland (CC)

Abbildung 17 - Die erste Bachforelle darf unverzüglich wieder in die Freiheit zurück (CC)
Abbildung 18 - Glasklares Wasser bei strahlendem Sonnenschein (UM)
Gegen Mittag setzen wir uns an den Flussrand und gönnen uns ein Sandwich mit selbstgeräuchertem Hühnchen, welches Casey am Tag zuvor zubereitet hat. Wir tauschen uns den ganzen Tag über unsere Erlebnisse am Wasser aus und mein Guide gibt mir für die bevorstehende Zeit noch viele Tipps mit auf dem Weg.
Abbildung 19 - Die Forelle stieg, nur der Anhieb sitzt leider nicht (CC)
Abbildung 20 - Bei der Nächsten sitzt die Trockenfliege fest (CC)
Aus den reich bestückten Fliegenboxen meines Guides verwenden wir immer wieder zahlreiche Muster, um die ein oder andere scheue Forelle zu überlisten. Die Fischerei mit Zikaden-Imitationen bereitet mir aber die meiste Freude, so gelingt es mir auch, eine der ganz wenigen kapitalen Forellen in diesem Fluss zum Steigen zu bewegen, etwas überhastet schlage ich zu schnell an und der Koloss taucht wieder in die Tiefe ab. Diese Chance nehme ich sportlich und genieße es, diesen Tag an einem wunderschönen und glasklaren Gewässer verbringen zu dürfen. Weiter oben in den von uns befischten Streckenabschnitt bildet sich in den Umbrella Mountains eine Schlucht, vor der wir aufgrund der stark vorangeschrittenen Uhrzeit die Fischerei einstellen und uns auf den Rückweg zum Auto machen.
Abbildung 21 - Bachforelle im seichten Wasser (UM)
Abbildung 22 - Glasklares Wasser (CC)
Am Auto angekommen, entledigen wir uns der Watbekleidung und stoßen mit einem kühlen Bier auf den tollen Tag an. Die Heimfahrt gestaltet sich sehr angenehm und so unterhalten wir uns nebst Fischerei über eine weitere gemeinsame Leidenschaft - der Musik. Es darf wohl kurz erwähnt sein, dass ich einen Tag zuvor extra noch nach Christchurch gereist bin, um einen Konzert von Bruce Springsteen beizuwohnen. Stilecht nächtigte ich für eine Nacht in einem zum Hostel umfunktionierten ehemaligen Gefängnis, dazu aber später mehr. Etliche Bruce Springsteen und Tom Waits Songs später kommen wir in Dunedin an und verabreden uns zu einem Abendessen. Ein rundum schöner Tag geht zu Ende und ich muss mich nun leider erstmal dem Studium widmen.

4  University of Otago

Keine Sorge, ich werde jetzt nicht meinen erlernten Stoff wiedergeben, dazu wäre Steuerlehre und Jahresabschluss für viele jetzt ein wenig zu trocken, aber die studienfreie Eingewöhnungsphase geht zu Ende, und ich sitze in der ersten Vorlesung des neuen Semesters an der University of Otago. Es ist die älteste Universität Neuseelands und die südlichste Universität der Welt. 1869 wurde die Universität von schottischen Einwanderern gegründet und lange Zeit vom Neffen des berühmten schottischen Dichters Robert Burns geleitet.
 
 

Abbildung 23 Statue des berühmten Dichters Robert Burns (UM)

Der Pastor Thomas Burns war unter anderem Mitbegründer der Stadt und verantwortlich für das Seelenheil der jungen Gemeinde. Der schottische Einfluss spiegelt sich dabei in der ganzen Stadt wieder, unter anderem im Namen selbst. Denn der Name Dunedin stammt vom schottisch-gällischen Wort Dùn Èideann ab und steht gleichbedeutend für die Stadt Edinburgh in Schottland, so trägt die Stadt auch den Beinamen „Edinburgh of the South“. Was hat dieser Geschichtsunterricht nun wieder mit einem Angelbericht zu tun, werdet Ihr Euch fragen?! Nun die meisten Straßen in Dunedin, dessen maorischer Name Otepoti lautet, sind nach den Straßen Edinburghs benannt, so auch der durch die Stadt fließende Bach.
Abbildung 24 - Ein Stein aus dem Edinburgh Castle am Signal Hill in Dunedin (UM)
Im Water of Leith wurden im Jahre 1869 eine Lieferung von befruchteten Bachforelleneiern aus Tasmanien eingebracht und aufgezogen. So begann der Siegeszug der Bachforellen in Neuseeland, die bis heute unzählige Angler, so auch mich in den Bann zieht. Hätte es diese ersten Einbürgerungsversuche nicht gegeben, könnte ich Ihnen diese Geschichte nicht erzählen. Bereits im Mai 1868 erreichten erste befruchtete Lachs- und Forelleneier Port Chalmers, einem Hafenort im Stadtgebiet Dunedins, allerdings sollte die erfolgreiche Ansiedlung erst später von Erfolg gekrönt sein (3). Problematisch erscheinen bei der Einführung von Forellen in Neuseeland, die oft widersprüchlichen Geschichten, weshalb auch heute noch darüber diskutiert wird, wo der Siegeszug der Forellen nun ihren tatsächlichen Ursprung genommen hat.
Abbildung 25 - Inschrift einer Platte im Botanischen Garten Dunedins' (UM)
Abbildung 26 - Bachforellenabbildung (UM)
Abbildung 27 - Blauer Enzian im Botanischen Garten (UM)
Abbildung 28 - Der botanische Garten in Dunedin (UM)
Der Siegeszug brachte allerdings nicht nur positive Aspekte mit sich. So verdrängten die ausgebrachten Salmonidenarten viele der heimischen Fischarten. Zu den heimischen Süßwasserfischen gehören dabei unter anderem der neuseeländische Langflossenaal, sowie verschiedene Arten der Familie der Galaxien. Die Galaxien sind vom Aussehen unserer Forellen oder Elritzen ähnlich und werden auch als Hechtlinge bezeichnet. Aufgrund der Verbreitung der Forellen sind diese Arten stark gefährdet.
Abbildung 29 - Der Giant Kòkopu (Galaxias argentus) ist eine gefährdete Fischart, die nur in Neuseeland heimisch ist (UM)
5  Back on the road

In meiner Zeit in Neuseeland nutze ich innerorts meist die öffentlichen Verkehrsnetze, die wirklich gut ausgebaut sind.  Gerade in Dunedin selbst, bin ich viel zu Fuß unterwegs. Um in Neuseeland selbst die Hand am Lenkrad zu haben und das Land mit einem Automobil zu erkunden, benötigt man einen internationalen Führerschein oder eine beglaubigte Übersetzung. Meinen Führerschein habe ich dann vor Ort übersetzen lassen und innerhalb kurzer Zeit war ich fahrtbereit.

Abbildung 30 - Entlang des Weges (UM)
Natürlich sollte an dieser Stelle erwähnt sein, dass die Straßen in Neuseeland nicht immer im besten Zustand sind und es daher sehr ratsam ist, mehr Zeit für die zurückzulegende Strecke einzuplanen. Außerhalb geschlossener Ortschaften herrscht ein Tempolimit von 100 km/h, das allerdings oft herabgesetzt ist. Innerhalb geschlossener Ortschaften ist, wie bei uns, der Verkehr auf 50 km/h reduziert. Aufpassen sollte man auf die zahlreichen Blitzer, da die Strafen empfindlich hoch ausfallen.
Abbildung 31 - Bachforellenstatue in Gore - Der Welthauptstadt der Bachforellenfischerei (UM)
Jeder, der sich mit dem Straßenverkehr in Neuseeland vertraut macht, weiß, dass in Neuseeland Linksverkehr herrscht. Die Umstellung auf Linksverkehr ist nicht weiter problematisch und stellt auch mich nicht vor größere Probleme. Allerdings schaffe ich es doch tatsächlich bei meiner Ankunft in Dunedin, im Shuttlebus statt auf der Beifahrerseite, auf der rechten Fahrerseite einzusteigen, was zu einem Lacher beim Fahrer führte. Nach über 24 Stunden auf den Beinen sei auch mir dieser Faux Pas verziehen. Leihwagenfirmen gibt es in jeder größeren Stadt und es muss dabei nicht unbedingt eine der bekannten Firmen sein. Während meiner Zeit miete ich mir immer wieder einen Geländewagen, um zu den zahlreichen Gewässern zu kommen. Nachdem ich unter der Woche mein Studium sehr ernst nehme, hält mich am Wochenende nicht viel in meiner Wohnung und so fahre ich zum Fischen in den Süden. Mein Weg führt mich am ersten motorisierten Wochenende an den Mataura River.
Abbildung 32 - Der Mighty Mataura (UM)
Abbildung 33 - Der Mataura River in der Nähe von Gore (UM)
Der Mataura River, sowie viele andere Flüsse fließt über weite Strecken über Farmland. Denn nicht jeder Fluss sucht sich seinen Weg durch das Backcountry und unberührte Natur. Der Zugang zum Fluss führt daher vielerorts über Privatland und die Grundbesitzer sind bei unbefugtem Betreten verständlicherweise nicht besonders erfreut. Die Frage nach einem erlaubten Betreten von Land ist daher oberste Prämisse. Weiterhin ist zu beachten, dass man Gatter so hinterlässt, wie man sie vorfindet.
Abbildung 34 - Einzigartige Schönheiten lassen sich mit Trockenfliegen überlisten (UM)
Allgemein gibt es in Neuseeland noch weitere Grundregeln, die das Fischen und das Zusammenleben am Wasser vereinfachen, um Problemen von vornherein aus dem Weg zu gehen. Eine dieser Regeln kann man mit der Aussage „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ beschreiben. Der Angler, der als Erstes am Wasser ist, hat auch das Vorrecht die vor ihm liegende Strecke zu befischen. Es gibt etliche weitere Zugänge zum Gewässer, daher ist es ratsam einen anderen Abschnitt zu befischen. Gibt es keinen weiteren Zugangspunkt, sollte man sich mit dem Angler austauschen, um zu wissen, was er vorhat. Eventuell hat der andere Angler auch nichts dagegen den Tag am Wasser zusammen zu verbringen. Niemals sollte man sich vor diesen Angler begeben und das Fischen flussaufwärts beginnen, oder das Gewässer zu kreuzen.
Abbildung 35 - Traumhaft schöne Bachforelle (UM)
Nachdem die Zugangspunkte zum Wasser bekannt sind, ist es ratsam am parkenden Auto einen Hinweis zu hinterlassen, ob man flussabwärts oder flussaufwärts fischt. Da kommen wir schon zu einem nächsten Punkt, die Fischerei flussabwärts ist an vielen Flüssen im Süden nicht gerne gesehen, da sie dem flussauf gehenden Fischer jegliche Chance nimmt, das vor ihm liegende Wasser erfolgreich zu befischen. Grundsätzlich gibt es aber Gewässer, beispielsweise den Tongariro River auf der Nordinsel, bei dem die Pools von oben nach unten befischt werden. Im Gegensatz zu anderen Gewässern, ist es dort durchaus üblich, dass mehrere Fischer einen Pool nacheinander befischen. Grundsätzlich kann man mit Kommunikation vielen Problemen aus dem Weg gehen (4). Die Zugangspunkte (engl. Fishing Access Points) sind häufig am Wegrand gekennzeichnet. Es empfiehlt sich aber von vornherein einschlägige Literatur zu lesen, auf den die Fishing Access Points eingezeichnet und beschrieben sind.

Zurück zum Mataura River. Von Dunedin auskommend, gelangt man über Balclutha nach Gore, an der man als Angler nicht umhin kommt, einen kurzen Stopp einzulegen. Gore ist die Welthauptstadt des Bachforellenfischens. Zumindest deutet eine Statue auf diesen Status hin. Von Gore aus geht es für mich an den mittleren bis unteren Abschnitt des Mataura, da hier Forellen bis zu zehn Pfund keine Seltenheit sind. Allerdings muss man dazu sagen, dass man nicht unbedingt mit der Erwartung nach Neuseeland reisen sollte, auf jeden Fall eine zweistellige Forelle zu landen. Gemeinhin kann ich aber bestätigen, dass man die Chance auf durchschnittlich größere Fische als in heimischen Gewässern hat. An der von mir befischten Stelle hat der Mataura schon eine beachtliche Größe und ist rund 60 bis 70 m breit. Der Morgen bringt mir einige schöne Forellen bis zu 4 Pfund.

Abbildung 36 - Bachforellenparadies in der Nähe von Gore (UM)
Dabei fische ich mit einer Zwei-Fliegen-Methode, bei der eine Trockenfliege eine kleine Nymphe in rund 50 cm folgt. Die Trockenfliege bildet dabei eine Art Bissanzeiger. Nichtsdestotrotz überliste ich einige tief braun gefärbte Bachforellen auf meine Trockenfliegenmuster. Gegen Mittag setze ich mich an den Wegesrand und nehme aufs Wasser blickend meine vorbereitete Brotzeit zu mir. Landschaftlich ansprechend ist der Mataura im unteren Abschnitt nicht unbedingt, aber bietet mit der Chance auf große Forellen seinen eigenen Reiz. Mit einer Speyrute hätte man hier bestimmt noch bessere Möglichkeiten das Gewässer zu befischen, denke ich mir. Mich zieht es allerdings etwas weiter flussaufwärts und so verstaue ich meine Fliegenrute im Auto und fahre in den Norden. Besonders ansprechend für Fliegenfischer ist die Fischerei im obersten Abschnitt des Gewässers. An einer Brücke parke ich mein Auto, ehe ein anderer Fischer sein Auto stoppt. Wir unterhalten uns kurz und teilen die vor uns liegende Strecke auf. Während er die Strecke flussabwärts befischt, versuche ich oberhalb der Brücke mein Glück. Bei herrlichem Sonnenschein kann ich auch hier einige fantastisch gezeichnete Forellen überlisten.
Abbildung 37 - Mataura Bachforelle (UM)
Abbildung 38 - Bachforelle in Ihrem Element (UM)
Ein „riesen“ Erfolg bleibt aus, kann aber meine Laune über diese schöne Natur und den schönen Tag am Wasser nicht trüben. Am Abend fahre ich zu einer Kiesbank an einem der zahlreichen Zuflüsse des Mataura Rivers und stelle mein Auto für die Nacht ab.
Abbildung 39 - Butter Chicken auf der Kiesbank (UM)
Abbildung 40 - Bei diesem Blick lässt es sich aushalten (UM)
Mit Gaskocher gewappnet, bereite ich mir mein Abendessen zu, ehe ich die Rücksitze im Auto umklappe und meinen Schlafsack aufschlage. Nachts wurde es dabei durchaus eisig und so verkroch ich mich in meinen Schlafsack und verbrachte die Nacht am Wasser. Am nächsten Morgen kochte ich mir einen Tee, um meinen etwas ausgekühlten Gliedmaßen frisches Leben einzuhauchen. Nach einem kurzen Happen geht es sogleich ans Wasser und es dauert keine fünf Minuten, ehe die erste Bachforelle am Haken zappelt. Das Gewässer entspringt östlich der Garvie Mountains am Fuße der Old Woman Range und fließt auf seinen ersten Kilometern über unwegsames Gelände und einem dichten Wald, bevor es sich in einer Ebene seinen Weg über Wiesen in den Mataura sucht. Dieses klare Gewässer hält mich dabei stets in seinem Bann gefangen und fordert vollste Konzentration von mir. Mir gelingt es hier einige schöne Forellen zu fangen. Spät am Abend fahre ich wieder zurück in die High Street.
Abbildung 41 - Zubringer des Mataura (UM)
Abbildung 41 - Beruhigter Abschnitt mit langsam herumschwimmenden Bachforellen (UM)
Abbildung 42 - Auf Trockenfliege gefangene Bachforelle ohne rote Punkte (UM)
6  Alltagsleben in Dunedin

Für heute habe ich mich mit einem guten Freund verabredet, den ich gleich zu Beginn auf der Einführungsveranstaltung der Universität kennen gelernt, und mich sofort super verstanden habe. Tobias wartet bereits auf mich, ehe ich gegen 13:00 Uhr nach meiner Vorlesung in der Mensa auftauche. Wir wollen heute Nachmittag einen kleinen Ausflug in das Umland Dunedins starten. Unser Weg führt uns in den Norden Otagos, zum Koekohe Beach. Der Strand selbst ist bekannt für große kugelförmige Kongregationen. Die sogenannten Moeraki Boulders wurden vom Meer freigewaschen und bilden einen Anziehungspunkt für viele touristische Ausflüge.

Abbildung 43 - Die Moeraki Boulders nördlich von Dunedin (UM)
Der Legende nach stellen die Moeraki Boulders die Überreste von Allkörben, Flaschenkürbissen und der Kumara (besser bekannt als Süßkartoffel) dar, die vom Wrack des legendären Kanus Arai-Te-uru an die Küste Neuseelands gespült wurde. Das Kanu brachte die Vorfahren der Ngai Tahu, die Menschen des Südens, aus der Heimat Hawaiki auf die Insel. Auf der Suche nach dem wertvollen Greenstone havarierte das Kanu vor der Küste und aus der Hülle des versteinerten Kanus wurde mit der Zeit das Riff nahe des Ortes Matekaea (engl. Shag Point).
Abbildung 44 - Seelöwen beim Spielen (UM)
Den Felsblöcken wird aufgrund ihrer Herkunft eine gewisse Fruchtbarkeit zugesprochen. Wonach es Frauen durch die Berührung der Steine möglich sein soll, ihre Empfänglichkeit zu erhöhen oder gar überhaupt erst zu ermöglichen. Südlich vom Koekohe Beach liegt die Ortschaft Moeraki und der Leuchtturm Katiki Point, an dessen Landzunge ein Schutzhabitat für Seelöwen und Pinguinen besteht. Mit etwas Glück kann man hier die seltenen Gelbaugenpinguine beobachten und fast auf Tuchfühlung mit Seehunde gehen.
Abbildung 45 - Gelbaugenpinguin auf dem Weg in sein Nest (UM)
Abbildung 46 - Gelbaugenpinguin auf dem Weg (UM)
An dieser Stelle sei aber gesagt, dass die Annäherung an wildlebende Lebewesen vermieden werden sollte, unter anderem auch, weil Seelöwen und Seehunde ein starkes Gebiss haben und auch wenn sie nur spielen möchten, Menschen lebensgefährliche Verletzungen zufügen können.
Abbildung 47 - Ein Königsalbatross im Anflug (UM)
Abbildung 48 - Ein seltener Anblick von Königsalbatrossen an Land, einzigartig und nur auf der Otago Peninsula zu finden (UM)
Von Moeraki aus, führt uns unser Weg wieder südlich nach Dunedin. Den Abend verbringen wir noch bei einem kühlen Bier am Octagon, dem Zentrum der Stadt und Treffpunkt der Bewohner Dunedins. Hier sind neben dem Rathaus mehrere Pubs, Theater, Museen und Kinos.
 
 
 
 
 
 
 
 

Abbildung 49 - Glockenturm des Rathauses (UM)
 

Abbildung 50 - Das Regent Theatre am Octagon, umgeben von etlichen Bars und Pubs (UM)
7  Westbound and Down

Nach einigen Hausarbeiten steht wieder ein freies Wochenende an und es zieht mich ans Wasser in das Herz der Southlands‘. Über Gore gelange ich dann wieder nördlich an einen der mittleren Abschnitte des Mataura Rivers. Bei herrlichstem Sonnenschein kämpfe ich mich durchs Dickicht ans Wasser und befische den Mataura. Nachdem Forellen vereinzelt am Steigen sind, aber kaum Fliegen zu sehen sind, verwende ich kleine Trockenfliegenmuster und einen Aufsteiger als Dropper. Nach einigen schönen Bachforellen ziehen allerdings einige Wolken auf. Circa 100m über mir sichte ich einen Spinnfischer, der flussabwärts fischt und meine Erfolgschancen schmälert. Ohne Möglichkeit der Konversation verschwindet der Angler, nachdem er mich auf offener Bank gesehen hat und ich kann nicht in Erfahrung bringen, wo er eingestiegen ist.

Abbildung 51 - Der Mataura in der Nähe von Riversdale (UM)
Abbildung 52 - Eine typische Mataura Bachforelle (UM)
Ich habe jetzt zwei Möglichkeiten, entweder ich fische eine Strecke, die bereits mit Spinnköder befischt worden ist, oder ich versuche es an einem anderen Einstiegspunkt. Aufgrund der etwas fortgeschrittenen Zeit entschließe ich mich noch einen weiteren Einstiegspunkt etwas flussabwärts aufzusuchen. So verbringe ich zwei Stunden am Wasser, ehe ich gegen Abend wieder an einen Zufluss des Mataura Rivers fahre. Freedom Camping ist wegen der rücksichtlosen Umweltverschmutzung mancher Touristen vielerorts verboten, daher stelle ich mich wieder auf die gleiche Kiesbank vom letzten Ausflug. Auf der Kiesbank angekommen richte ich meine kleine Campingküche auf und mache mir einen Tee und Hühnchen mit Reis. Aus meinen Bluetooth-Lautsprechern klingt einfacher, schnörkelloser Heartland Rock, den ich bei einem Speight's 5 Malt Old Dark genieße. Das lodernde Lagerfeuer vor mir erzeugt im Einklang zur Musik eine schöne Atmosphäre. Nachdem der Wind, der abends aufgezogen ist, stärker wird und die Temperatur merklich nach unten zieht, entschließe ich mich gegen 21:30 Uhr ins Auto zu begeben und schlafe bis in die frühen Morgenstunden.
Aufgrund der inzwischen kälteren Nächte ist es am Morgen recht frisch im Auto und ich drehe mich noch ein paarmal um, ehe ich um 7.30 Uhr meine Wathose anziehe. Der vor mir liegende Tag vergeht allerdings wie im Flug und die schöne Zeit am Kuia River vergeht gefühlt wie immer zu schnell. Über den ganzen Tag bin ich alleine am Wasser und genieße die Ruhe. Gezielt werfe ich unter den erschwerten Seitenwindbedingungen Bachforellen bis 50 cm an. Richtig große Exemplare konnte ich nicht ausmachen.
Abbildung 53 - Es riecht nur so nach Bachforellen ;) (UM)
Abbildung 54 - Der erste Fisch des Tages (UM)
Gegen Nachmittag ziehen weitere Wolken auf und es beginnt leicht zu regnen. Die Nacht verbringe ich wieder am Kiesstrand des Kuia Rivers. Aufgrund des aufziehenden inzwischen stärker werdenden Regens verbringe ich den Abend im Wagen und werte die Bilder aus, die ich den Tag über geknipst habe. Ich befürchte aufgrund des schlechten Wetters schon, dass die Fischerei am nächsten Tag komplett ins Wasser fällt. Der Abend wird aufgrund des anhaltenden Schauers sehr lang und der Regen trommelt unaufhörlich auf das Autodach. In der Retrospektive hat es allerdings auch etwas negatives allein unterwegs zu sein, man kann die erlebten Dinge nicht mit einem Freund teilen. Mir hat es aber auch sehr gut getan, nicht jederzeit erreichbar zu sein und auch nicht jederzeit am Handy zu hängen, um die neuesten Nachrichten, Tweets, Posts, oder Insta-Stories zu verfolgen. Ein kleiner Tipp sei mir an dieser Stelle gestattet. Wer die Nächte im Auto verbringen möchte, sollte unbedingt darauf achten, einen guten Schlafsack, sowie eine gute Matratze dabei zu haben. Für mich war es selbstverständlich, keinen Müll in der Natur zu hinterlassen, gerade bei Lebensmittel und Plastikabfall sollte man daher darauf achten, Behältnisse mit sich zu führen, um Reste zu verstauen und evtl. Geruchsbelastung bis zur sachgemäßen Entsorgung zu verhindern. Große Vorsicht ist geboten, da das Wildcampen, wie bereits erwähnt, vielerorts nicht gestattet ist. Camping auf Privatgrundstücken ist grundsätzlich nur nach Rückspräche mit den Grundstückseignern zu machen.
Abbildung 55 - Der Whitecoomb Burn (UM)
Nach einer lauten und langen Nacht rolle ich gegen halb sieben meine abgelassene Luftmatratze zusammen und fahre nach einer kurzen Stärkung zu einem Zufluss des Kuia Rivers. Eine starke Bremsung später sehen mich auf dem Schotterweg zwei Hirsche entgeistert an, ehe sie gemächlich von Dannen ziehen. Eine wirklich bizarre Situation, die zeigt, dass es sinnvoll ist, immer mehr Zeit einzuplanen und sich stets an die Straßengegebenheiten anzupassen. Durch einen dichten Wald gelange ich an den einzigen Einstiegspunkt und stelle mein Auto ab und begebe mich durch dichte Sträucher zum Gewässer. Casey gab mir diesen Tipp und ich bin nun also an einem rund 2-5 m breiten Bach. Nachdem der Regen nicht nachgelassen hat, wird mir vermutlich nur der halbe Tag bleiben, ehe die Wasserstände weiter steigen und ich beginne nach Forellen Ausschau zu halten. Wie sollte es anders sein, überlaufe ich gleich auf dem ersten Meter eine schöne Forelle, die schnell flüchtet. Die harte Nacht hängt mir doch ein bisschen in den Knochen und der stetige Regen tut sein Übriges.
Abbildung 56 - Wunderschöner Pool mit einer großen Bachforelle (UM)
Das Gewässer ist einfach nur fantastisch und die zurückliegende Anstrengung wert. Der Whitecoomb Burn befindet sich in einem engen Tal umgeben von hohen Wänden und vielen Schlucht-Passagen. Körperlich herausfordernd kann man hier sein Können in Gleichgewicht und Koordination auf die Probe stellen.
Abbildung 57 - Es gab nicht viele Bachforellen, aber dafür waren die gefangenen Fische wunderschön (UM)
Abbildung 58 - Typischer Holding Pool am Whitecoomb Burn (UM)
In den Mittagsstunden höre ich laute Motorengeräusche, es sind die eines Helikopters, den ich nach einer Weile in der Ferne erblicke. Immer wieder fliegt der Helikopter auf und ab, als ob er etwas oder jemanden suchen würde. Ehe ich begreife, dass sich auf der einen Hangseite ein großes Gehege für Damwild befindet. Mit dem Helikopter treibt der Landwirt das Wild zusammen, um es einzufangen. Ich widme mich weiter dem Whitecoomb Burn und befische das Wasser bei anhaltenden Regen.
Abbildung 59 - Ein sehr produktiver Bach mit Bachforellen von über 4 Pfund
Abbildung 60 - Kein Titel nötig - Teil 1 ;) (UM)
Abbildung 61 - Kein Titel nötig - Teil 2 (UM)
Nachdem das Gewässer immer weiter eintrübt und ansteigt, entschließe ich mich aus Sicherheitsgründen aus dem Gewässer auszusteigen und den Rückweg zum Auto anzutreten. Die Zeit scheint wirklich wie im Flug vergangen zu sein und aufgrund der geringeren Fischdichte bin ich wohl einige Kilometer über Stock und Stein gewandert, so dass ich erst nach über einer Stunde auf dem Landwirtschaftsweg wieder zurück am Auto ankomme. Etwas durchnässt und erschöpft fahre ich wieder zurück nach Dunedin, das mich bei klarem Sternenhimmel willkommen heißt. Am nächsten Abend treffe ich mich mit Casey auf ein Feierabendbier und wir gehen noch einmal einige Details für unser nächstes Ziel an der West Coast durch.
(Fortsetzung folgt ...)

Abbildung 62 - Unscheinbar von Oben, im Dickicht lauern die Bachforellen (UM)
Abbildung 63 - Nach rund einer Stunde ist der Rückweg zum Auto fast geschafft (UM)
In der Fortsetzung (Teil 2 + 3) dieses umfangreichen Neuseeland Reiseberichtes lesen Sie über insektenreiche Gewässer der Westküste Neuseelands, sowie Ausflüge in die atemberaubende Natur dieses Landes. Erfahren Sie außerdem, was der Autor bei seiner Reise zum Mittelpunkt Neuseelands, auf der Nordinsel erlebt hat und wie Magnetströme einem den Atem stocken lassen...
 

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- weiter zu Teil 3: Neuseeland: Im Land der Maoris - Vom geografischen Mittelpunkt Neuseelands bis zu den Alpen


(1)  Auszug aus Der Hobbit von J.R.R. Tolkien aus dem Jahr 1937
(2)  http://www.literaturtipps.de/topthema/thema/best-of-bestseller-die-meistgelesenen-buecher.html
(3)  https://nzhistory.govt.nz/page/first-successful-shipment-salmon-and-trout-ova
(4)  S.a. https://www.doc.govt.nz/parks-and-recreation/places-to-go/central-north-island/places/taupo-trout-fishery/how-to-fish/fishing-etiquette/;
s.a. https://www.nzfishing.com/aboutfishinginnz/etiquette.htm


Ein Bericht von Uwe Müller für www.fliegenfischer-forum.de - Juli 2020. Fotos/Copyright: Uwe Müller und weitere, siehe oben und ("). Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist verboten.
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