Norwegen/Schweden
Die norwegische Umweltbehörde stellte ab Sonntag (23.06.24) den Lachsfang in Teilen des Landes ein
Die Maßnahme gilt ab Sonntag Mitternacht und auf unbestimmte Zeit. Neue Einschätzung im Juli. Auch Schweden betroffen ...

Gemäß gleichlautender Pressemeldungen aus Norwegen Ende Juni 2024 wurde mitgeteilt, dass Norwegen ab sofort zahlreiche Flüsse für die Lachsfischerei für 2024 sperrt. Die Verordnung zur Aussetzung der Fischerei sei aufgrund der Notwendigkeit eines schnellen Handelns ohne Konsultation erlassen worden. Sollte sich die Situation in den gesperrten Flüssen verbessern, als es bisher den Anschein hat, kann es möglich sein, den Fischfang wieder zu eröffnen.

Aktuell davon betroffene Flüsse (Quelle Norske Lakseelver und Miljødirektoratet):
· Østfold: Glomma m. Aagardselva.
· Agder: Tovdalselva, Otra, Mandalselva, Lygna
· Rogaland: Figgjo, Hjelmelandsåna, Nordelva (Åbøelva), Vikedalselva.
· Vestland: Uskedalselva, Steinsdalselva, Oselva, Nærøydalselva, Sogndalselva, Daleelva, Gaula i Sunnfjorden, Nausta, Åelva og Ommedalselva, Gloppenelva, Strynselva, Hjalma.
· Møre og Romsdal: Austefjordelva, Korsbrekkelva, Rauma, Eira, Surna.
· Trøndelag: Orkla, Gaula, Nidelva, Stjørdalselva, Verdalselva, Steinkjerelva og Byaelva, Namsen.

Weiterführende Informationen & Hintergrund:
(Pressemitteilung- Umweltministerium/ Wissenschaftlicher Rat für Lachsmangement)

"TRONDHEIM (TV 2): Die diesjährige Lachssaison ist eine der schlechtesten überhaupt. Die norwegische Umweltbehörde ist besorgt über Wildlachs und warnt vor Einschränkungen beim Lachsfang.

Der jüngste Bericht des Wissenschaftlichen Rates für Lachsmanagement (VRL 17.6.24) ist so besorgniserregend, dass der Direktor des Umweltministeriums, Helge Axel Dyrendal, sagt, dass nun Beschränkungen für die Fischerei in norwegischen Lachsflüssen erforderlich seien:

- Es ist die erste Juliwoche, in der wir entscheiden, ob wir den Lachsfang weiter einschränken wollen oder nicht. So wie es jetzt aussieht, wird es in weiten Teilen des Landes Einschränkungen beim Lachsfang geben, wenn in den kommenden Wochen nicht deutlich mehr Lachse in die Flüsse gelangen.

- Im aktuellen Bericht des Wissenschaftlichen Rates für Lachsmanagement (VRL) heißt es, dass es im Meer vermutlich großflächige Umweltveränderungen gibt, die dazu führen, dass die Lachse ihren Aufenthalt dort in geringerem Maße überleben.

- Darüber hinaus gibt es eine Reihe von vom Menschen verursachten Faktoren, die sich regional und überregional auf die Bestände auswirken. Zu den größten Bedrohungen für Wildlachs zählen Lachsläuse und andere Krankheiten, die durch die kommerzielle Lachszucht verursacht werden.
Genetische Störungen durch entkommenen Zuchtlachs stellen auch eine große Bedrohung für Wildlachs dar.

- Im schlimmsten Fall könnte es mancherorts zu einem Stopp des Fischfangs kommen, sagt Dyrendal.

- Wenn weniger als halb so viele Lachse in den Fluss gelangen, wie erforderlich sind, um sicherzustellen, dass der Fluss genügend junge Lachse erbringen kann, müssen die Flusseigentümer laut Gesetz die Lachsfischerei in dem betreffenden Fluss einstellen.

Sollten sich die Lachsbestände in den Flüssen in den kommenden Wochen nicht wesentlich verbessern, dürfte es vielerorts angebracht sein, den Lachsfang früher als üblich einzustellen."

Anmerkung der Redaktion:
Dieser "Stopp des Fischfangs" wurde nun am 23.06.2024 umgesetzt.

Weitere Pressemeldungen (dpa):
Wegen eines starken Rückgangs der Lachs-Bestände in Norwegen ist das Fangen der Fische in Dutzenden Flüssen und an Teilen der Küste auf unbestimmte Zeit verboten worden. Das berichtete der norwegische Rundfunksender NRK am Samstag unter Berufung auf die Umweltbehörde des Landes.

Demnach ist der Bestand so stark gefährdet, dass ein Fangstopp unausweichlich war. Das Verbot gelte für 33 Flüsse und die Küste von der schwedischen Grenze bis einschließlich zur Provinz Trøndelag, hieß es in dem Bericht. In den weiter nördlich gelegenen Provinzen Nordland, Troms und Finnmark dürfe hingegen weiter Lachs gefangen werden.

Als größte Gefahren für die Lachsbestände werden dem Bericht zufolge von Menschen gemachte Ursachen wie der Klimawandel und das Züchten von Lachsen vermutet.

Gefahr durch steigende Wassertemperaturen

Erst kürzlich hatte eine Studie des Instituts für Photogrammetrie und Fernerkundung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) auf die Gefahren durch steigende Temperaturen des Grundwassers aufmerksam gemacht. In Folge steigender Temperaturen könnten der Prognose zufolge bis zum Jahr 2100 Hunderte Millionen Menschen in Gebieten leben, in denen die Qualität des Grundwassers beeinträchtigt und ihre Gesundheit gefährdet ist.

Darüber hinaus wirken sich steigende Wassertemperaturen demnach auch auf die Biodiversität aus. Fischarten wie der Lachs nutzten Laichplätze in Flüssen, die von Grundwasser gespeist werden. Seien diese zu warm, gefährde das die Fortpflanzung.

Bisher war der Mitteilung zufolge wenig darüber bekannt, wie sich die Erwärmung der Erdoberfläche infolge des Klimawandels auf das Grundwasser auswirkt. Die Forscher prognostizierten nun Veränderungen der Grundwassertemperatur bis zum Jahr 2100 weltweit. Die Ergebnisse wurden jüngst im Fachmagazin "Nature Geoscience" veröffentlicht.

Original-Link zum Thema beim NRK (norwegisch):
https://www.nrk.no/emne/laks-1.12749089
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Auch Schweden ist davon betroffen:

(Quelle: "Svenska Dagbladet"): Experten und Fischer berichten von einer weiterhin schwierigen Situation für den Wildlachs in Schweden. Jetzt wird der Fischfang in weiteren Flüssen eingestellt. „Leider deuten alle Anzeichen auf ein weiteres katastrophal schlechtes Jahr für die Flüsse hin“, sagt Thomas Johansson von Baltic Sea Salmon Rivers ... Letzte Woche wurde der Lachsfang im Råneälven in Norrbotten, also der nördlichsten schwedischen Region, eingestellt.

Bereits letztes Jahr war von Mørrum bis Byske (Grenze S/Fi) von wenigen und toten Fischen berichtet worden. Da es aber keine Lachszucht gibt wie an der schottischen oder norwegischen Küste, muss es auch andere Ursachen geben.
Wissenschaftler der Uni Stockholm, der DTU und aus Norwegen (NINA) haben die Fische untersucht, die z.B. am Grenzfluss N/S - Skagerrak gefunden wurden und weiteren.
Diese Fische mit rötlichen Entzündungen sind an "Vitaminbrist" erkrankt, also eine Vitaminmangelerkrankung, was natürlich auch mit der einseitigen Ernährung im Ostseeraum erklärbar ist.
Auch in S/Fi (Norbotten) fehlt es an entsprechender Nahrung, der Hering ist überfischt, die Meeräsche fast verschwunden, Stichlinge, Grundeln, Strand- und Tanggarnele ebenfalls rückläufig.

Aus "Aftonbladet" (größte schwedische Zeitung), Ende Juni 2024:

Letzte Woche wurde der Lachsfang im Råneälven in Norrbotten eingestellt. Der zuständige Gemeindeverband weist darauf hin, dass es in diesem Jahr bisher erschreckend wenige Wanderlachse gebe. Am Sonntag wurde bekannt gegeben, dass auch die Sportfischerei auf Lachs im Dalälven eingestellt wird. Insgesamt gilt nun in sechs der 16 schwedischen Ostsee-Lachsflüsse ein Verbot, Lachse zu entnehmen. Im vergangenen Jahr war ein starker Rückgang der Zahl der aus der Ostsee die Flüsse hinaufwandernden Lachse zu beobachten. 

Ein Beispiel ist der Byskeälven, der als einer der besten Flüsse zum Lachsfischen gilt, wo bis zum Hochsommer dieses Jahres etwa 1.000 vorbeiziehende Lachse registriert wurden, so Thomas Johansson, Vorsitzender der Organisation Baltic Sea Salmon Rivers in Zusammenarbeit. Das ist etwa ein Drittel der normalen Zahl!

Ökosystem aus dem Gleichgewicht 

Lange Zeit verbesserten sich die Lachsbestände in den Flüssen Nordschwedens, unter anderem dank der reduzierten Quoten für die kommerzielle Fischerei in der Ostsee. Es ist schwierig, direkte ursächliche Zusammenhänge mit der Verschlechterung der Situation in den letzten Jahren zu finden, die sich bestenfalls als vorübergehend erweisen könnte. 

Es ist jedoch bekannt, dass die Umwelt in der Ostsee unter anderem durch Eutrophierung, Fischerei und Klimawandel stark belastet ist. 

Wir haben ein Ökosystem, das nicht ganz im Gleichgewicht ist, sagt Johan Höjesjö, Professor für ökologische Zoologie an der Universität Göteborg. 

Als Problem wurde die Schleppnetzfischerei in der Ostsee auf Hering hervorgehoben, die als Nahrung für Lachse dienen. - Leider werden die Beutefische gefangen und stattdessen in Pelletfabriken verarbeitet...

In sechs der insgesamt 16 schwedischen Ostsee-Lachsflüsse mit Wildbeständen gilt derzeit ein vollständiges Verbot:

Råneälven
Kågeälven
Sävarån
Ljungan
Testeboån
Emån

Quelle: Östersjölaxälvar (Verband der Ostseelachsflüsse)

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