Fliegenbinden-Special Nr. 4/2021 | Fliegen-Swap Nr. 4/2021 (No.65)
Thema:

Fliegen, die die Welt verändert haben*) (12) / *) die Fliegenfischer-Welt natürlich 
Organisation & Fotos: Christian (The Sharpshooter) | Text & Fotos: Teilnehmer (12)

So ein Thema …!? Von Klaus - flapsig als einer von 10 Vorschlägen ins Rennen geschickt – haben dann umgehend einige Binderkollegen die Idee verfolgt und für gut befunden. Letztlich spannte sich die Bandbreite der Muster von einen sehr persönlichen Erleben bis zu großen „Klassikern“ oder Innovationen der jeweiligen Zeit … 12 Bindefreunde machten mit und lassen Euch teilhaben an ihrer Interpretation der „Fliegen, die die Welt verändert“ haben.
Neben den oft recht ausführlichen Bindeanleitungen (als Anregung zum Nachbinden) - stand diesmal natürlich die persönliche Geschichte dazu im Vordergrund...

(Hinweis: Bitte nicht über die Namen der Teilnehmer wundern: hier wurden wie immer die User-Namen aus dem FF-Board verwendet).

Übersicht über die Muster:



Klinkhammer Adams von Lorenz
Bei der Frage, welche Fliege unsere Fliegenfischerwelt verändert hat, ist mir erstmal die Tschernobyl Ant eingefallen. Die Fängigkeit dieser Kunstfliege, die von vielen Kollegen auch als Wunderfliege bezeichnet wurde, hat mich schon beeindruckt. Wegen der verwendeten Materialien, die mich aber nicht so besonders ansprechen, hatte die Tschernobyl Ant nach der dritten Saison bei mir ausgefischt.
Richtig beeindruckt war ich vor sehr vielen Jahren von einem neuen Muster, das auf speziell angefertigte Haken gebunden, die Welt der Emerger weitgehend verändert hatte. Die Klinkhammer weicht meiner Meinung nach von allem bisher bekannten ab und hat viele Variationen hervorgerufen. Die Klinkhammer- Bindeweise mit der guten alten Adams kombiniert, war deshalb meine Wahl für diesen Bindeswap.
Material:
Haken: Daiichi 1160 / 14
Bindefaden: Uni 6/0
Sichtflügel: Antron Body- Wool
Körper: Bisamdubbing
Hechel: Grizzly und Braun
 
 
 

Bindeanleitung:

1. Grundwicklung anbringen und lackieren.
2. Sichtflügelstamm anfertigen und lackieren.
3. Körperdubbing anbringen.
4. Beide Hecheln am Stamm fixieren.
5. Brustdubbing 
anbringen.
.
6. Hecheln mit jeweils 3 Wicklungen um den Sichtflügelstamm wickeln, mit einem Abschlussknoten befestigen und vorsichtig lackieren.
Viel Spaß beim Binden!


Wooly Bugger von Emmo
Meine Welt wurde ganz klar von einer Fliege verändert, die im Kanon unserer Zunft nicht ohne Bedeutung ist. Der Wooly Bugger in all seinen Schreibweisen*) war mein Einstieg ins Fliegenfischen. Auf der Suche nach innovativen Ködern für stark befischte Gewässer bin ich auf Streamer gestoßen und plante, diese zunächst mit beweglichem Tungstenkopf an der Spinnrute zu fischen. Ein preiswertes Modell vom großen Onlineauktionshaus war schnell geordert.

Was dann per Post ankam, sah jedoch recht schmucklos aus. Ein recht starr wirkender Haufen Feder und Plastik mit güldenem Kopf und einem Hauch Glitzer am Körper. Der fischereiliche Erfolg war jedoch bahnbrechend und das Spiel im Wasser selbst bei diesem recht kruden und stark beschwerten Exemplar schöner als jeder mir bekannte Gummiköder. Dieses Erlebnis brachte mich als Initialzündung neben einigen anderen Aspekten erst auf den Weg, tatsächlich mal mit meinem Jugendtraum des Fliegenfischens anzufangen. Eine der besten Entscheidungen in diesem Leben.

Nach etlichen Wochen des Scheiterns und Lernens stand ich nun eines Abends im herrlichsten Spätsommersonnenschein am Wehr. Ich beschloss frustriert, nach unzähligen Versuchen mit Nymphen und Trockenfliegen, für die letzten fünf Minuten einen Bugger ins Wasser zu befördern. Als es mit schließlich gelang, diesen an die gewünschte Stelle zu werfen, kam plötzlich der ersehnte Biss. Eine schöne Forelle schnappte sich den Bugger in der Drift. Was für ein Erlebnis!

Genau diesen Wooly Bugger, der meine Welt so verändert hat, möchte ich für euch nachbinden. Genau so, wie er aussah, als er mit die erste Forelle an der Flugangel fing. Leicht lädiert, etwas zu schwer, aber fängig. Das habe ich tatsächlich überprüft und mit dieser Bindeweise gute Erfolge erzielt. Ich hoffe, dass er euch gefällt. Bis heute ist er mein letzter Köder des Tages, wenn viele andere Muster gescheitert sind und konnte mir oft noch den Tag versüßen.

Material:

Streamerhaken in #10
Tungsten Disco Beads
Schwarzes Marabou
Schwarzes Bindegarn
Schwarzes Chenille mit Glitter
Schwarze Hahnenhechel

Bindeanleitung:

Wir ziehen eine Perle mit dem Schlitz nach hinten 
gerichtet auf und beginnen die Grundwicklung bis kurz 
vor Beginn der Hakenbiegung.
Ein gutes Stück schwarzes Marabou, in etwa in Länge des Gesamthakens, wird eingebunden. Ich unterwickle das Marabou, damit es sich schön hebt.


Wir binden zunächst das Chenille und danach die 
einseitig gestrippte schwarze Hahnenhechel ein.
Das Chenille ziehen wir in engen Wicklungen an der Hechel vorbei nach vorne. Die letzte Windung legen wir so an die Perle, dass diese schön stramm nach oben zeigt.


Zum Schluss behecheln wir den Körper mit entgegengesetzten Windungen nach vorne und
schließen mit einem Kopfknoten und Lack ab. Disco!



MP-Fliegen von Dr.Do
Eine der Fliegen, die mich am meisten beeindruckt haben, sind die Eintagsfliegenmuster von Marc Petitjean. In den 90er und frühen 2000er Jahren staunte die ganze Fliegenbinderwelt über die magischen und in ihrer Bindeweise Geheimnis umwitterten Muster des großen Meisters aus Fribourg (CH).

Marc brachte die Fliegenbinderei mit CDC-Federn auf ein weit höheres Nivau als die althergebrachten mitunter wild und zauselig daherkommenden Muster aus dem Jura darstellten. Das wirklich neue daran war die Verwendung einer verdrallten CDC-Feder als Körper, was eine deutlich verbesserte Schwimmfähigkeit erzeugte. Der bisherige Flügel, der wie eine Hahnenhechel aus einer um den Hakenschenkel gewundenen CDC Feder bestand ersetzte er durch vom Stamm abgetrennten Fiebern, die er als Stoß (Toupet) einband um die Sichtbarkeit der Fliege zu verbessern. MP12 ist ein vergleichsweise einfaches Muster, aber trotzdem nicht ganz leicht zu binden.

Seine Fliegen sind von einer großen Ausdruckskraft, farblicher Eleganz und, ganz nebenbei außerordentlich fängig.
Sein Werk umfasst zwischenzeitlich alle erdenklichen Süß- und Salzwassermuster in sämtlichen relevanten Entwicklungsstadien. Bis weit in die 2000er Jahre hat er die meisten seiner Fliegen selbst gebunden, nach eigenen Angaben über 25.000 Fliegen pro Jahr.


Die Grey Wulff von Sigi
Als Lee Wulff seine 'Graue' in den 1930er Jahren erband, ahnte er vermutlich nicht, wie dieses Muster die Welt verändern sollte, zumindest 'meine Welt'. Diese Fliege binde und fische ich seit gut 20 Jahren. Enttäuscht hat sie, natürlich zur Maifliegenzeit, noch nie.

Ein im gleichen Stil und Material gebundenes Muster, allerdings in Gelb, ist seit letztem Jahr im Einsatz. Gefangen hat sie auch, kam bisher jedoch nicht an die Graue ran. Vielleicht war es auch dem mageren Danica Schlupf zuzuschreiben. Kommt nächstes Jahr wieder ans Band. 

Ursprünglich bestanden Schwanz und Flügel aus Elchhaar. Auch Kalbsschwanz oder Bucktail ist möglich. Diese Variante besteht aus Eichhörnchenschwanz.

Material:
Haken: Partridge YA1H 2x lang #16
Bindefaden: schwarz
Schwanz u. Flügel: Eichhörnchen
Rippung: Bindefaden braun, gedoppelt
Abdomen: Kapock, Farbe Adams
Hechel: Hahn grau

Bindeanleitung:

1. Ein Bündel Eichhornhaar im Stacker auf gleiche Länge bringen. Das Bündel, in etwa Hakenlänge 3mm hinter dem Öhr stramm einbinden. Überstände schräg abschneiden. Etwas Lack drauf.
2. Ein weiteres kleineres Bündel als Schwänzchen einbinden. Faden Richtung Öhr winden, die Flügel aufrichten und davor so viele Windungen legen, bis das Bündel in etwa 45° zum Hakenschenkel steht.
3. Mittels Achterwicklung die Flügel teilen und den Rippungsfaden bis zum Hakenbogen einbinden.
4. Den Faden dubben und einen Körper formen. Rippen und hinter dem Flügel abbinden.
Hahnenhechel fest einbinden, (auf den Fotos nicht zu sehen) und mit einem Tropfen Lack zusätzlich sichern.
4-5 Windungen hinter und 2 Windungen vor dem Flügel machen. Abbinden und ein Köpfchen formen. Lackieren.

5. Die fertige Fliege, auf die die Farios im Juni sehr gut einsteigen.

Unten die gelbe Variante, die noch einem ausgiebigen Test unterzogen wird.

Wünsche Euch viel Spaß beim Nachbinden und Fischen dieses absolut erfolgreichen Musters. Tight Lines, Sigi




Palaretta von HansAnona
Nachdem ich so um die 30 Jahre nur Trockenfliegen gefischt habe, wurde ich durch das Forum und die Posts unseres unvergessenen Frank, auf den Liebling der fetten Äsche, die Palaretta aufmerksam: (Hier).
Diese bescherte mir die bisher dickste von mir in Deutschland gefangene Äsche. Seither hat sich für mich die Welt verändert: ich fische auch nass!
Material:
(hier als dünne Variante)
Trockenfliegen-Haken Type 301 Größe 12 barbless
Faden Uni-Thread 6/0 schwarz
Faden Ultra Thread 140 gelb
Kupferdraht lackiert Ultra wire brown
Borsten vom jungen Wildschwein
Zapponlack

Bindeanleitung:

Grundwicklung mit schwarz legen
Draht nach hinten überstehend einbinden, 
Fibern nach vorne überstehend einbinden, 
vorne nur leicht anziehen, 
damit die Fibern nicht gleich aufstellen.
Den schwarzen Faden nach hinten führen und mit dem Draht vorerst parken. Gelben Faden als Grundwicklung auflegen und damit einen leicht voluminösen Körper binden. Mit dem gelben Faden die Fibern nach oben aufrichten, nach vorne führen und einen ersten Kopfknoten erstellen.
Gelben Faden abschneiden.
Den schwarzen Faden und den Draht verdrillen und in ...
... einigen (5 bis 6) Windungen um den Körper nach vorne bis zu den Fibern legen. Den Draht fixieren und abbrechen.
Schwarzen Faden nach ganz vorne wickeln, die Fibern endgültig fixieren und den Kopf und
Kopfknoten erstellen.

Den Körper und den Kopf mit reichlich Lack tränken, und überstehende Borsten abschneiden.

In einer Fliegenschachtel aus PE kann der Körper in Ruhe trocknen. 

Fertig.

Varianten: Statt gelb mit orange Faden und mehr oder weniger Fiebern bzw. Hecheln Diese Fliege funktioniert nach meinen Erfahrungen gut kurz unter der Wasseroberfläche und am besten mit einer gewissen Struppigkeit. Mit Rücksicht auf das hohe Niveau hier habe ich einen dünnen Körper auf sehr leichten barbless Trocken-Haken gebunden. Ich bin mir gar nicht sicher, ob die Fliege als Palaretta überhaupt Gnade in euren Augen findet? Diese Fliege verwende ich gerne
Anfang August in Norwegen, z.B. im Klarälven unterhalb Engernest. In trüben Gewässern fische ich die Palaretta eher tiefer, wesentlich dicker (traditionell) gebunden auf Nasshaken mit Widerhaken, da der Biss gerade bei Äschen dann oft gar nicht nicht zu sehen ist. Beispiel: (Hier).
Mit freundlichem Gruß,
best regards, Alf


Goldkopf Nymphe von Fliifi-Sepp
Die Goldkopfnymphe gehört aus meiner Sicht zu den „Fliegen die die Welt verändert haben“ weil sie nach Jahrhunderten Fliegen-Entwicklung tatsächlich mal was Neues waren.
Ich habe mich für ein ganz einfach zu bindendes Muster entschieden, weil ich gerne einfache Muster mag, zudem kein wirklich guter Binder bin. Erstmals habe ich tatsächlich 12 Muster einer Fliege „in einem Aufwasch“ gebunden. Sonst mache ich meist nur 2 bis 3 Muster einer Fliege. Gerade so viele, wie ich tatsächlich zum Fische dringend brauche. Die fallen dann auch meist etwas unterschiedlich aus.
Macht nichts, denn etwas voluminöser gewordene Muster fische ich im schnelleren Wasser, die anderen im langsameren Wasser.
Für Goldkopf-Nymphenmuster nehme ich gerne eine weichere Hahnenhechel, in diesem Falle aus einem Balg von Swiss-Flies. Die fallen nicht ganz so steif aus, aber doch fester, als als eine Hennen-Hechel, was im schnelleren Wasser gut ist.

Material:

Haken: Hanak Competition Jig Trophy
Bindefaden: Floss schwarz
Körper: Floss Trophy
Beschwerung: Goldkopf
Wicklung: Golddraht
Hechel: Weiche Hahnenhechel Grissly braun/schwarz

Bindeanleitung:

Grundwicklung mit Floss.
Kupferdraht einbinden.

Leicht konischen Körper mit Floss binden.

Weiche Hahnen- oder Hennen-Hechel einbinden und einige wenige Wicklungen
machen.

Abschlußknoten und fertig.



Die Ismo Puppan nach Ismo Hyvärinen von AlexX!!



Peter Ross von FlyandHunt
Meine kurze Geschichte zur Peter Ross:
Schon früher hat mein Vater mir immer gesagt, man brauch ein paar Klassiker in der Fliegenbox. March Brown, Alexandra und eben auch die Peter Ross. Eines abends stand ich mit meinem Vater in Frankreich in einem kleinen Stausee und überall waren Ringe an der Oberfläche zu sehen. Wir konnten nicht genau sagen, ob die Forellen von der Oberfläche oder kurz darunter Nahrung aufnahmen. Egal welche Fliege wir anknüpften, man hatte höchstens mal einen Zufallsbiss.
Da knüpfte ich eine unbeschwerte Peter Ross an und zock diese ganz langsam unter der Wasseroberfläche. Plötzlich hatte ich Biss auf Biss und gab meinem Vater den Tipp mit der Peter Ross. Wir hatten den besten Abendsprung in einem See und konnten etliche Forellen landen...
Material
Haken: Ahrex Wet Fly Haken Gr. 10
Bindefaden: Semperfli Nano Silk 50D
Schwänzchen: Goldfasan rot gefärbt
Körper: Silber breiter Tinsel
Rippung: Silberdraht
Thorax: Dubbing Hareline rot gefärbt
Hechel: Hennenhechel schwarz
Flügel: Amherst-Fasanenschwanz

Bindeanleitung:


Grundwicklung beenden und das Schwänzchen
einbinden.
Die doppelte Rippung, erst den Draht und dann
den breiten Tinsel einbinden.
Den Tinsel nach lückenlos nach vorne wickeln, abbinden 
und im Anschluss den Draht in entgegengesetzter 
Richtung winden und abbinden.
Dubbing um den Faden zwirbeln 
und anbringen.
Je nach Wunsch fransig bürsten.
Hechel einbinden ...
… und maximal 2 Wicklungen machen.
Die Hechel nach Wunsch nach unten binden zu einem 
Bart.
Den "Flügel" einbinden und ein "Köpfchen"
binden und abknoten.
Grüße
Ferdinand


Fasanenschwanznymphe – Pheasant Tail Nymph von MK
Die Pheasant Tail Nymph von Frank Sawyer ist mit Sicherheit eine der Fliegen, die es verdient haben, hier zu erscheinen. Das erste Mal wurde die Fliege im Buch von Frank Swayer „Nymphen und Forellen“ 1958 beschrieben. Ihr Siegeszug hält bis heute an, und das Muster wird immer wieder kopiert und hat bis heute seinen Reiz trotz ihrer Einfachheit nicht verloren!
Mit diesem erfolgreichen Muster konnte ich schon viele erfolgreiche Angeltage erleben und sie hat immer einen festen Platz in meiner Nymphendose!
Material
Haken: Mustad 3906B - GR 16
Bindfaden: Kupferdraht
Körper: Fasanenstoßfeder
Flügelscheide:Fasanenstoßfeder

Bindeanleitung:

Mit dem Kupferdraht die Grundwicklung festlegen, 
3 bis 4 Grannen von der Fasanenstoßfeder einbinden.
Die Fasanenstoßfedergrannen um den Kupferdraht wickeln und damit den Körper formen.
Die Fasanenstoßgrannen festlegen und mit dem Kupferdraht den Thorax formen.
 

Unten: Mit den Grannen den Thorax umwickeln, festlegen, mit dem Mupferdraht nach hinten klappen, festlegen und wieder nach vorne klappen, festlegen, und mit einem Kopfknoten abschließen und lackieren.

Viel Spaß mit der Fliege, 
Manfred


Woolly Bugger - Geliebt- Gehasst - Vergöttert - von ChrisOPF
Die Aufgabe, eine Fliege zu binden, welche die Welt bzw. meine Welt des Fliegenfischens verändert hat, war für mich nicht schwer. Ja, ich gebe es zu! Der Woolly Bugger ist bei mir fester Bestandteil meiner Fliegenbox. Im Jugendalter lernte ich bei den Jugendzeltlagern des Fischereiverbandes bei meinem Freund und späteren Mentor, Werner Frd. Schäfer, meine ersten Schritte im Fliegenbinden.

Nach den ersten Nymphen und Trockenfliegen war der Bugger der erste Streamer, den Werner mir zeigte. Schon damals hat er mir gesagt: "Chris, diese Fliege fängt immer. Versuche vorher immer etwas anderes. Aber wenn gar nichts geht, nimm den Bugger!". Fast 30 Jahre später muss ich immer noch über diese Aussage schmunzeln. Aber es stimmt. Man kommt ans Wasser und beobachtet die Oberfläche ob die Fische steigen. Die Luft wird wie mit einem Radar abgescannt ob Insekten in Wassernähe fliegen. Steine werden umgedreht um zu sehen was sich am Gewässerboden aufhält.

Diese Informationen werden gesammelt und die Boxen werden nach den passenden Mustern durchsucht. Stunde über Stunde werden die Fliegen durchgewechselt mit oft wenig Erfolg. Dann der Griff zur "Geheimwaffe".......2.Wurf - Fisch!
Natürlich ist es nicht immer so. Aber leider kommt es oft zu den oben beschriebenen Szenario. Eben weil es sich bei dem Bugger bei mir von Anfang an um eine Art Wunderwaffe gehandelt hat und diese meine Welt des Fliegenfischens verändert hat, habe ich ihn ausgesucht.

Bindeanleitung:
Ich schicke diesesmal erstmalig keine selbst gemachten Fotos, sondern einen Youtube-Link (Fly Tyier Magazine). Wenn Ihr Euch das Video anseht, versteht Ihr warum. Ich habe selten ein so gut gemachtes Video gesehen. Bildqualität super - Erklärungen perfekt! (Video)

Material:
Haken: Fliegentom FT79580 3XL #8
Goldkopf 4,6mm
Bleidraht
Sekundenkleber
Marabou-Federn
Chenille, schwarz
Grizzly-Hechel
Uni-Thread 8
Lack
Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachbinden!
Chris

Fliegen, die die Welt verändern

Mit dem Titel unseres Sommerswaps hatte ich ja so meine Probleme -“wenn mir jetzt noch jemand erklärt was "Fliegen, die die Welt veränderten" sind … wie also das Thema angehen?
Persönlich? Meine wichtigste Fliege war und ist sicherlich die „Märzbraune“. Ursprünglich mal in den 60er Jahren von meinem Vater gekauft, hat sie sich als sehr fängig gezeigt und wurde von Vater und Bruder immer nachgebunden. Somit hat die Fliege sogar Familientradition, das Original ist verschollen...Und mit der trockenen Märzbraunen hab ich meine ersten Fische mit der Fliege gefangen – und auch mal mich selber … Aber: die hab ich schon oft – auch in Swaps – gezeigt. 
Dann vielleicht ein Flohkrebs? Mein älterer Bruder meinte immer: „Egal welche Fliege Du an der Isar verwendest, es muß nur ein Flohkrebs sein“ - aber auch den hab ich schon oft gezeigt (und es gibt immer weniger Flohkrebse in unseren Gewässern).

Dann vielleicht unter dem Aspekt von „revolutionären“ Veränderungen beim Fliegenfischen? Da sticht mir auf jeden Fall Frank Sawyer und seine geniale Pheasanttail Nymph ins Auge! Das war wirklich eine Veränderung der Fliegenfischer Welt! Oder die Goldkopfnymphen? Roman Moser – oder eigentlich eher die Japaner mit ihren „Banshu kebari“, die es seit Jahrhunderten schon gibt (http://www.bantsuri.com/kebari/story/story01.html).
Oder gleich ganz alt? Back to the roots – Izzak Walton oder Dame Juliana Berners um 1490 (https://www.forelleundaesche.com/blog-fliegenfischen-bucher-literatur-dame-juliana-berners/)
oder mehr bairisch und etwas früher das „Haslinger-Brevier“ mit seinen Fliegenbeschreibungen
(https://www.freundedergmundnertraun.at/deutsch/ausgabe-14/) ?
Dann doch lieber gleich vollkommen zurück in der Zeit:

The Macedonian Fly von The Sharpshooter
In seinem „Geschichtsbuch“ über „Two Thousand Years of Fly Fishing“ *) beschreibt Andrew Herd sehr anschaulich, wie es wohl dem ersten Angler ergangen sein mag, der auf seinen Haken nur ein paar Flusen und Federn gebunden
hatte. Seine Freunde und Kollegen, die Wurm, Heuschrecke oder Fischchen verwenden, haben ihm vermutlich den Scheibenwischer gezeigt … und dann fängt der doch tatsächlich Fische damit! Die Kommentare kennen wir doch bis heute: Zufall! Viel zu kompliziert! Und dennoch: der Anfang war gemacht. Es gab ja keine Satztrutten, die wilden Fische nehmen, was die Natur gebietet und Fliegenfischen war erfolgreich.

Wer, wo, wann das stattfand wissen wir nicht – da gibt es keine Quellen und vermutlich fand das auch an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten „parallel“ statt. Menschlicher Erfindergeist – vor allem, wenn‘s darum geht sich den Magen zu füllen – ist universell und evolutionär unabdingbar.

Erste belegte Quellen sind überliefert u.a. von Aelianus, einem römischen Dichter des zweiten und Anfang dritten Jahrhunderts und da kommt dann die „mazedonische Fliege“ ins Spiel. Das Insekt, das sie angeblich imitieren sollte klingt unglaubhaft, zumindest seltsam – dafür ist auf der anderen Seite die Beschreibung des Musters ziemlich präzise:

„Sie umkleideten den Haken mit purpurfarbener Wolle und banden zwei passende Hahnenfedern von Wachsfarbe, wie sie unter dem Kamme und den Lappen der Hähne wachsen und die das entsprechende Aussehen und die Ähnlichkeit hatten
dazu und knüpften dies an die Schnur … mit einer vier Ellen langen Rute ließen sie diesen Köder in der Strömung treiben und boten durch ihren Fang den unerbittlichen Fischern Befriedigung …“ (zit. Nach H. Günter „Geschichte des Fliegenfischens“ - viele weitere Quellen zB: http://www.flyfishinghistory.com/aelian.htm )
Als Angelschnur fand vermutlich vor allem Roßhaar (oder feine Pflanzenfasern o.ä.) Verwendung. Wolle von Tieren zu färben war schon in der Steinzeit bekannt und Haken sind evolutionär auch schon uralt. Die Hahnenfeder als Hechel zu verwenden ist auch nicht wirklich
spektakulär, obwohl sicher am Anfang die Federn eher als Flügel eingesetzt worden sind.
Alte Techniken, die sich bis heute erhalten haben – Valsesiana (Video) oder Tenkara in Japan – auch spanische Bindetechniken, lassen sowas wahrscheinlich erscheinen.

Ich wollte gerne Schafwolle mit Pflanzen rot einfärben (Rote Beete, Paprikapulver, Johanniskraut u.a.)- was mir nicht gelungen ist (Färberkrapp hatte ich nicht) – aber die Alten konnten das sicherlich schon vor mehr als 2000 Jahren. Ein schönes Gelb hat vor allem Kurkuma ergeben...

Und um das Ganze nicht zu kompliziert zu machen, habe ich einen Bindefaden und auch den Bindestock verwendet. Mit etwas Übung geht das ganz gut direkt aus der Hand (Valsesiana läßt grüßen). In Anlehnung an alte Bindeweisen habe ich dennoch wenigstens keinen Öhrhaken verwendet und das durchsichtige Roßhaar-Vorfach direkt auf den Haken gebunden.
*) Andrew Herd „the fly“ The Medlar Press, Ellesmere 2003
Material
Haken: Plättchenhaken
Gamakatsu LS-3310F #6
Vorfach: weißes Pferdehaar
Bindefaden: rot ca. 8/0
Körper: rot gefärbte Schafwolle („Märchenwolle“)
Flügel & Hechel: einfacher „indischer“ Hahnenbalg, naturweiß
Sonstiges: MK-Wachs

Bindeanleitung:

Das Pferdehaar an einem Ende gut wässern und dann mit einem entsprechenden Knoten auf den
Plättchenhaken einbinden – ggfls ist‘s hilfreich, wenn das Haar den Haken nach oben verläßt (damit die scharfe Plättchenkante nicht so leicht das Pferdehaar verletzt).

Ich muß gestehen, dass ich gar nicht mehr wußte, was man da für einen Knoten verwendet und ich hab etwas improvisiert – unsere Altvorderen hatten das sicher perfektioniert (Pferdehaar ist ja etwas heikel in der Anwendung).

Nun also weiter mit „moderner“ Technik …
 

Haken einspannen, das Vorfach stört, aber
aufgewickelt kann man ganz gut arbeiten...
Bindefaden anlegen, eine Grundwicklung fertigen und bis zum Einbindepunkt der Federn wieder nach vorne führen.
Für die Federn hab ich mir eine „Lehre“ gemacht...
Federn einbinden.
... und gut überwickeln, sodann Faden nach hinten
führen und dabei die Federn aufstellen.
Faden wachsen und 
Wolle anspinnen.
Das Dubbing bis kurz vor das Öhr führen. Die erste Feder in offenen Windungen – ca. 4x – nach vorne „hecheln“ und mit dem Bindefaden abfangen (Achtung: die Federspitzen brechen bei grober Behandlung gerne ab …!).


Die zweite Feder in den Zwischenräumen
ebenso nach vorne führen und abfangen.
Mit etwas Dubbing die Flügel aufstellen und ein
Köpfchen formen.
Abschlußknoten (wenn man es mit der freien Hand kann, geht‘s leichter als mit dem Whip finisher ...).
… bevor man das Roßhaar-Vorfach anknotet
unbedingt wässern!
Petri!
Christian


Die „Unscheinbare“ (nach Werner Steinsdorfer) von daNiedabaya
Material
Haken: Hayabusa 373 H-Fly Größe 14
Bindefaden: Veevus D0 10/0
Reizpunkt: UTC 140 Fluo Pink
Körper: Veniard Pfauengras Natur
Hechel: CDC-Dubbingschlaufe in Wunschfarbe
Bindeanleitung:

1. Haken einspannen, mit UTC 140 Fluo Pink eine Grundwicklung legen und am Hakenbogen einen Reizpunkt setzen. Faden nach vorne führen und nach einem Halbschlag abschneiden. Neue Grundwicklung mit Veevus D0 bis zum Reizpunkt legen, eine Dubbingschlaufe nahe dem Reizpunkt legen und den Bindefaden zurück zum Öhr führen. 

2. Zwei Stränge Pfauengras gegenläufig übereinander legen, nach hinten einbinden und den Faden bis zwei mm vor das Öhr wickeln. Im Anschluss daran einen gleichmäßigen Körper mit dem Pfauengras formen und am Öhr abbinden.

3. Eine CDC-Feder in Wunschfarbe in den CDC-Block einlegen und mit einer Materialklemme (Empfehlung: Swiss-CDC) greifen. Im Anschluss daran den Federstamm abschneiden, die Fiebern in die Dubbingschlaufe führen und verdrallen.

4. Die Dubbingschlaufe gleichmäßig als Körperhechel nach vorne wickeln und am Öhr abbinden. Überstehende Fiebern auf der Unterseite nach am Körper abschneiden, so dass die Fliege flach im Wasser liegt.

Zur Geschichte:

Bereits seit Anfang der 1990er Jahre ist das Fliegenfischen meine alleinige Passion in Sachen Fischerei. Ab Ende der 1990er Jahre kam sie aber aus den üblichen Gründen (Heirat, Kinder, Hausbau, Beruf) zum Stillstand. Erst die ab 2014 auftretende Notwendigkeit, meinen ältesten Sohn als Aufsichtsperson zu begleiten, brachte die alte Leidenschaft wieder hervor. Nach einem Wurfund einem Bindekurs bei Werner Steinsdorfer in Neustadt/Donau habe ich erneut „Blut geleckt“ – und auch das Fliegenbinden von der Pike auf gelernt. Unter anderem auch das Binden der „Unscheinbaren“, die allerdings erst einmal in der Musterbox verschwand. Was mir allerdings bis 2019 weitgehend fremd blieb, war die Frage und die Suche nach der „richtigen“ Fliege. Erst vor einer Reise nach Slowenien kam mir die „Unscheinbare“ wieder in den Sinn – denn Werner Steinsdorfer sagte zu mir: „Wenn du die nicht ausreichend in der Dose hast, wird es echt schwer“.

Lange Rede, kurzer Sinn: diese Fliege hat mir nicht nur die Reise nach Slowenien gerettet – sie hat sich generell zu einem Forellen- und Äschenmagnet erster Güte entwickelt. Sie ist einfach zu binden und sollte auch in allen  vorstellbaren Farben in der Fliegendose zu Hause sein. Von Größe 10 bis Größe 18 habe ich sie immer dabei; immer mindestens ein paar dichtere und auch einige spärlicher gebundene Exemplare.

Wenn nichts mehr geht, dann geht die „Unscheinbare“ eigentlich immer – und damit hat sie meine „Fliegenfischerwelt“ definitiv verändert.

Viele Grüße
Mirko

Viel Freude beim Anschauen, Nachlesen und Nachbinden!
Euer Christian
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Ein Beitrag für fliegenfischer-forum.de - August 2021. SWAP-Organisation und Fotos: Christian (The Sharpshooter), Texte und Fotos: Teilnehmer. Bearbeitung, Layout und Zusammenstellung dieses Beitrages: Michael Müller, fliegefischer-forum.de. Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Beitrag ist verboten.
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