Reise: Schwedisch Lappland
Vom Lainio und dem Lappland-Fieber
Ein Reisebericht von Aron Gugger
 

Schwedisch Lappland: Ich war schon mehrere Male dort und nehme mir danach jedes Mal fest vor, im nächsten Sommer einmal etwas anderes zu machen oder neue Länder zu befischen. Und doch ist und bleibt Lappland im Sommer meine absolute Sehnsuchtsdestination. So war es auch im Winter 2024, als ich mit der Planung einer weiteren Lapplandwoche für 2025 begann.

Die Idee war, eine Hütte fernab jeglicher Straßen zu finden – abgelegen, aber dennoch erreichbar, ohne auf einen Helikopter angewiesen zu sein. Nach einigen Abenden vor dem Computer war die passende Unterkunft gefunden und auch der Transport organisiert. Ziel war Kiruna, von dort ging es mit dem Auto weiter und schließlich per Flussboot zu unserer Basis.
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Fischgründe en masse – that’s Sweden
Wildnishütte am Lainio
Die Anreise verlief reibungslos – bis wir am Fluss ankamen und das Boot besteigen wollten. Kaum standen wir am Ufer, waren die berüchtigten Mücken sofort im Angriffsmodus. Meine beiden Freunde, die zum ersten Mal in Lappland waren, erlebten in den folgenden ein bis zwei Tagen einen regelrechten Kultur- oder besser: Mückenschock. Mit reichlich Mückenspray, guter mehrlagiger Kleidung und Kopfnetzen wurde die Situation jedoch einigermaßen erträglich. Zudem entschädigte die fantastische Fischerei für (fast) sämtliche Strapazen – doch dazu später mehr.

Unsere Hütte lag direkt am Lainiofluss.

Der Lainioälven ist einer der letzten echten Wildnisflüsse Europas und fließt nördlich des Polarkreises durch Schwedisch Lappland. Auf rund 250 Kilometern verbindet er seine Quelle im hohen Norden mit dem Torneälven. Charakteristisch sind der ständige Wechsel zwischen ruhigen Passagen und rund 50 Stromschnellen sowie seine starke Strömung. Große Teile des Flusses sind ausschließlich per Boot oder Helikopter erreichbar und vollständig von unberührter Wildnis umgeben. Neben einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt beherbergt der Lainioälven auch außergewöhnliche Fischbestände, darunter Lachse, Bachforellen, Äschen, Hechte, Barsche sowie weitere Fischarten.
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Nach rund einer Stunde auf dem Flussboot, das unser Gastgeber routiniert durch die Stromschnellen manövrierte, erreichten wir unsere Unterkunft und bezogen die Hütte. Wir waren sofort beeindruckt: Sie war hervorragend ausgestattet – selbst ein Generator sorgte für warmes Wasser, das direkt aus dem Fluss in die Hütte gepumpt wurde. Zusätzlich gab es einen Brunnen mit einem Kessel, den man hinunterlassen konnte, um frisches Wasser zu holen – ein simpler, aber faszinierender Luxus mitten in der Wildnis. Auch der „Kühlschrank“, ein in den Hügel gebauter Kellerraum, blieb selbst im Hochsommer eiskalt und bot Platz für Vorräte. So konnten wir nach der Anreise entspannt duschen und die komfortable, aber trotzdem rustikale Atmosphäre genießen.

Natürlich nutzten wir die Mitternachtssonne für die ersten Würfe. Unweit der Hütte fischten wir zunächst mit der Nymphe. Schon nach kurzer Zeit hatte einer von uns den ersten Biss – und nach dem nächsten Wurf blickten wir verblüfft auf den Fang: eine prächtige Renke bzw. Flussfelchen, wie wir sie in der Schweiz nennen. Anschließend ließen wir den Abend entspannt bei einem Bier in der Hütte ausklingen.
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Mitternachtssonne vor unserer Hütte
Die folgenden Tage waren wir meist mit dem Kajak unterwegs und legten gezielt an vielversprechenden Spots an. Erfreulicherweise erwies sich die Trockenfliege als absoluter Erfolgsbringer. Das Fischen war schlicht paradiesisch: Vor allem Äschen, häufig über 50 cm, gingen an den Haken.
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Transfer zu einer Insel
„Arktisk Harr“ – wilde arktische Äsche
Trophy Grayling
Gefischt mit einer Hi-Vis-Rehhaarcaddis ließen die Bisse nicht lange auf sich warten. In ruhigeren Flussabschnitten konnten sogar Flussfelchen mit der Trockenfliege überlistet werden, während Barsche auf Streamer einstiegen.

Mit großen Streamern stiegen manchmal auch überraschend Großäschen ein, statt der erhofften Lachse. Die Äsche war auch der dominante Leitfisch. Tatsächlich gelang uns nur eine größere Bachforelle – ihr Fang freute uns trotzdem sehr. Unser Gastgeber erklärte uns, dass die Bachforellenbestände in den letzten Jahren leider zurückgegangen seien, was den Fang noch wertvoller machte.

Der Lainio ist zudem für seine Lachse bekannt, die wir immer wieder beim Springen beobachten konnten. Es war ein beeindruckendes Schauspiel, die kraftvollen Fische aus dem Wasser schießen zu sehen – wahre Kolosse voller Energie und Wildheit. Natürlich versuchten auch wir unser Glück mit dem Streamer. Leider verloren wir den einzigen gehakten Lachs kurz vor unseren Füßen.
Auch Hechte soll es im Gebiet geben. Wir versuchten unser Glück in einer ruhigen Bucht, leider ohne Attacke.

Besonders eindrücklich war die intakte Natur direkt vor unserer Haustür. Während eines Nickerchens hörten wir plötzlich ein leises Platschen im Fluss – ein Jungelch stapfte flussaufwärts durchs Wasser und verschwand wieder zwischen den Bäumen.
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Kurzer Exkurs mit dem Hechtstreamer
Unten: Mittagspause auf einer Insel ...
Auch die Begegnungen mit unserem Gastgeber machten die Woche unvergesslich. Seine spannenden Jagdgeschichten und Erzählungen aus dem Leben in der Wildnis brachten uns die Region und ihre Traditionen auf authentische Weise näher. 

Er bot uns sogar selbstgejagtes Elchfleisch und Auerhahn an, was unsere Abenteuerwoche kulinarisch und kulturell noch bereicherte.
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Elchfleisch
Typischer «Äschenzug» im Lainio
Das Gebiet war zu unserem Erstaunen sehr watfreundlich
„Stockfische“ zu Mittag…
...und danach der obligate «Kokkaffe»
Unser äußerst zuvorkommender Gastgeber gab uns schließlich den Tipp, die gefangenen Fische im Kugelgrill zu räuchern. Der Grill wurde mit Birkenholz angefeuert, die Glut anschließend großzügig mit den überall wachsenden Wacholderzweigen bedeckt. Danach legten wir die Fische auf den Grill und schlossen den Deckel, wobei die Luftlöcher geöffnet blieben. 

Nach etwa einer Stunde waren die bronzefarbenen, intensiv duftenden Fische perfekt gegart und bereit zum Verzehr. 

Besonders die Renken entpuppten sich als wahrer Hochgenuss.
 
 
 

Dreierlei aus dem Lainioälven – Äsche, Renke, Barsch 
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Räuchergold aus dem Kugelgrill
Äsche, Salz, Zitrone – himmlisch
Die Woche in der unberührten Wildnis am Lainio war schlicht unvergesslich. Die Einsamkeit, die intakte Natur und die großartigen Fischmomente haben uns noch lange in Erinnerung bleiben. Zugleich lernten wir, den Komfort und die Annehmlichkeiten der Zivilisation danach umso mehr zu schätzen.

Die Heimreise verlief reibungslos – abgesehen von einem Koffer, der erst Tage später eintraf und uns noch einmal daran erinnerte, dass das Abenteuer in Lappland wirklich jenseits des Alltags stattfand.

Und schon während dem Schreiben dieser Zeilen merkte ich, wie mich das Lappland-Fieber erneut packt. Die Erinnerungen an die unberührte Natur, die wilden Flüsse und die unvergesslichen Fischmomente lassen mich jetzt schon wieder von neuen Abenteuern in dieser magischen Region träumen...

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(Anm.d.Red.: für Auskünfte steht der Autor gerne zur Verfügung. Du erreichst ihn entweder über das Fliegenfischer-Forum Board unter dem User-Namen: aron. Oder sende uns eine eMail an die Redaktion (Kontakt).)
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Ein Bericht von Aron Gugger für www.fliegenfischer-forum.de - Februar 2026. Fotos/Copyright beim Autor. Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist verboten.
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