Brittelmaße und Entnahme Grosser Fische

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

Moderatoren: Forstie, Maggov, Olaf Kurth, Michael.

Jürgen Gaul

Brittelmaße und Entnahme Grosser Fische

Ungelesener Beitrag von Jürgen Gaul »

Liebe Leut', lieber Jürgen,

sorry dass ich Dein Posting enter. Wir haben aus dem Fotothread (http://www.fliegenfischer-forum.de/flyf ... 2-s60.html) das offtopic Thema "Brittelmaße und Entnahme grosser Fische" abgetrennt und hierher verschoben. Flo hatte dazu einen eingenen Thread aufgemacht, leider konnte ich diesen aus technischen Gründen nicht vor die abgetrennten Beiträge stellen.

Dein Beitrag war quasi der Schnittpunkt beim Fotothread, Flo's Eröffungsposting steht am Ende und greift den Faden der Diskussion auf. Die Postings hier sind der Kontext zu der bereits vorangegangen Diskussion.

Ich denke so können wir daraus zitieren und weiter diskutieren und die Fotos Fotos sein lassen.

Vielen Dank an Frank. der mit mir zusammen an der Verschiebung und Zusammführung geknobelt hat & Sorry dass die Abtrennung nicht so schön wurde wie erhofft.


LG

Markus


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Hallo Olaf,

über Bewirtschaftungskonzepte kann man end- und fruchtlos streiten, aber nachdem Du mir in Deinem Beitrag einige subtile Unterstellungen machst, will ich hier ganz kurz darauf eingehen.
Das ein 50cm Fisch der im Gewässer natürlich abgewachsen ist, als reiner Störenfried empfunden wird, der dem kurzfristigen Ertrag nicht mehr dient, ist schon eine sehr wirtschaftliche Sichtweise.
Ich hatte doch deutlich geschrieben, dass dieser Fisch schon mehrmals die Gelegenheit hatte, sein Erbgut weiterzugeben. Warum also sollte er nicht entnommen werden, nicht zuletzt auch unter dem Aspekt des Kannibalismus.
Es geht mir nicht um die Quantität sondern vielmehr um die Qualität der Fische bzw. die Erhaltung der genetischen Qualität.
Um die Qualität unserer Fische brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen: Schau mal bitte ins Amtsblatt der Europäischen Union Nr. L159/103. Dort findest Du in Abschnitt 3 "In Bezug Auf VHS und IHN zugelassene Fischzuchtbetriebe in Deutschland" unter Nr. 59 bei Baden-Württemberg die Fischzuchtanlage unseres Vereins, in der wir im Übrigen schon seit fast 30 Jahren Bachforellen aufziehen, als andere Vereine noch zentnerweise fangfähige Regenbogenforellen in ihre Gewässer gekübelt haben. Insofern sollte auch Deine Frage beantwortet sein, ob unsere Besatzfische (Sömmerlinge übrigens) auch aus demselben Gewässersystem stammen. Ich hoffe, dass der Fischlieferant eures Gewässers/Vereins ebenfalls in der EU-Liste der seuchenfreien Betriebe zu finden ist.
in den meisten Gewässern die ich kenne werden aber reine Zuchtforellen nachbesetzt, also Bachforellen mit verkrüppelten Flossen oder gleich Regenbogenforellen
Du darfst uns gerne mal besuchen und Dich vom Gegenteil überzeugen lassen. Im Übrigen überwacht der Fischgesundheitsdienst von BW regelmäßig den Zustand der Fische.
Bei der Äsche brauchen wir uns ja kaum Gedanken zu machen, das haben die Naturschützer mit dem "Vogel des Jahres" wohl bald für uns erledigt.
Wir brauchen uns auch keine Gedanken zu machen, denn wir haben einen wunderbaren, selbstreproduzierenden Äschenbestand - siehe die beiden Bilder weiter oben, die im März dieses Jahres während der Äschenlaichzeit entstanden. Und stell Dir vor, es werden sogar Äschen entnommen.

Grüße
Jürgen
Maggov
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Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Maggov »

Royal Coachman hat geschrieben:Hallo Freunde !

Eine wilde Bachforelle über 50 cm sollte man entnehmen, wenn die Gelegnheit dazu da ist. Das ist nämlich ein Standfisch und in einem funktionierenden Gewässer wird der Standplatz binnen weniger Stunden vom nächsten in der Pyramide besetzt.
Der starke Fisch hat den besten Standplatz, das war immer schon so und wird auch immer so bleiben.
Deswegen ist es nicht immer sinnvoll, alles zurück zu setzen, besonders dann wenn die Alterspyramide intakt ist.

Andererseits verstehe ich auch den Gastfischer, er ist Gast und soll so ein Kaliber raushauen?? Ich habe da auch immer Skrupel, besonders unter Freunden. Das sollte schon vorher genauestens besprochen werden, ansonsten glaube ich kaum, daß ein verantwortungsvoller Gastfischer so einen Fisch mitnimmt. Es ist vielleicht der erste Tag von zwei, was soll er mit dem Fisch anfangen??
Das sind Probleme, die sich erst in der Praxis zeigen.

(...)

Auch der verantwortungsvolle Gastfischer hat es nicht einfach, was Entnahmen bzw. C&R betrifft.

tight lines
RC
Hallo Gebhard,

besser hätte ich es nicht schreiben können :daumen . Ich habe ähnliches an der kleinen Drau in Osttirol erlebt. Eine schöne Regenbogen hatte an dieser C&R Strecke die Fliege im Kiemenbogen der im Laufe des Drills schon aus dem Mund herausschaute. Ich habe die Fliege dort gelassen, den Fisch abgeschlagen und reumütig dem Bewirtschafter gezeigt. Er hat vollkommen entspannt reagiert. Ich denke dass das gerade bei Bewirtschaftern die sich mit der Bestandspflege auseinandersetzen diese Verluste überhaupt kein Problem darstellen. Ich würde sagen sie werden einkalkuliert sobald man Tageskarten ausgibt.

Hinzu kommt dass die grossen Forellen ja schon (mehrfach) die Chance hatten Ihre Gene weiter zu geben und ich somit die Theorie der sich rausmendelnden Kleinwüchsigkeit nicht ganz nachvollziehen kann.

LG

Markus
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Maggov
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Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Maggov »

henkiboy hat geschrieben:Hallo Markus,
diesbezüglich möchte ich dir ein paar Fragen stellen:
Du bist der Meinung das der Umstand ein Gewässer gepachtet zu haben automatisch auch die Verbriefung von Sach- und Fachkunde bezüglich Fischereiwirtschaft und Hege- bzw. Pflegeorientiertes Denken mit sich bringt (oder ist nicht in erster Linie eine Verbriefung entsprechender finanzieller Mittel gegeben?)??
Einem waidgerechten und naturbewußten Fliegenfischer, der nur einen Erlaubnisschein löst spreche ich entsprechende Kenntnisse jedenfalls mitunter ebenso zu!
Denkst Du nicht das durch Entnahme- / Fanglisten die Pächter der Gewässer genauestens nachvollziehen könnten was entnommen wird bzw. gefangen wurde?
Meinst Du nicht auch das es in unseren Nachbarländern (speziell Österreich und Slowenien) aufgrund des verbreitet betriebenem Catch & Release dann nur noch Fischleichen gäbe? Das Gegenteil ist aber der Fall. So schlecht scheint den Schuppenträgern das "Zurücksetzen" also nicht zu bekommen. Mal davon ab - was sollte man bezüglich der ohnehin kormorangeplagten Äsche denn machen? Sollte man aufgrund des Umstandes gute Äschengewässer für die Fischerei komplett sperren? Das möchte ich sehen - die entzürnten Fischer schicke ich gern zu dir! :wink: :lol:
Hey......niemand hat behauptet das die Gesetzgebung das Gelbe vom Ei ist und ebensowenig darfst du meines Erachtens nach hingehen und jeden Erlaubnisscheininhaber als tumben Hegezombie abwerten.......ich hoffe Du weißt was ich meine.

liebe Grüße
Detlef
Hi Detlef,

wenn Du in Bayern eine Strecke vom Landesfischereiverband pachetn willst brauchst Du einen Nachweis einen ausgebildeten Gewässerwartes sonst kannst Du nicht mitbieten. Nicht alles lässt sich mit Kohle regeln.

Interessanterweise sind die privat bewirtschafteten Gewässer (meist kleinere Gewässer aus privater Hand) besser in Schuß als die Grossen weil dort Mehrheitsmeinungen und Vereinspolitik die Bewirtschaftung erschweren. Ich kenne übrigens einige Pächter die sicherlich nicht das Höchstgebot abgeben hatten aber den Zuschlag bekamen weil dem Fischereirechtsinhabern der grüne Daumen wichtiger war als das Geld. Ich denke es hängt damit zusammen dass der Mensch anscheinend mit seinem eigenen Sachen besser umgeht als mit Fremden...

Ich denke definitiv dass ich an einem Wasser mit hohem C&R Anteil die Fangstatistik getrost vergessen kann da ich nicht weiß wie viele Fische wirklich gefangen wurden (=vorkamen). Die derzeitige Gesetzeslage erlaubt mir auch nicht eine Statistik über releaste Fische von den Fischern an zu fragen. Ich kenne Jahreskarten mit dem max. erlaubten Baglimit von 50 Fischen und andere mit 7 oder gar keinem Fisch in der Fangstatistik bei der gleichen Strecke. Klar kann man davon ausgehen dass die alle nicht fischen können aber ich fürchte die Ursache ist in dem Fall eine gute Intention.

Was, lieber Detlef, führt Dich denn zu dem Schluß dass die tollen C&R Strecken in AT udn SLO so viel besser bewirtschaftet werden - und dann auch noch so herrlich pauschal. Wenn C&R keine Verluste hat warum muss dort immer nachbesetzt werden? Irgendwann sind die Strecken ober und unterhalb so voll dass die Fische gar nicht mehr abwandern können. Wenn die Strecken kommerziell für Touristen vermarktet werden dann muss ich doch fast schon C&R zulassen denn was bitteschön sollen die Hotelgäste mit all' den Fischen machen die sie im Laufe Ihrer Urlaubstage fangen?

Zu Deiner Äschentheorie nur soviel: Wenn ich eine Äsche fange und das Gefühl habe die packt es nicht, dann entnehme ich diese lieber als dass ich Sie zurücksetze und hoffe dass sie die 5% Restchance wahrnimmt. Die Vorstellung dass ein schöner Fisch wegen mir irgendwo verludert quält mich mehr als der Entschluß den Fisch zu Essen und so dem ganzen einen "Sinn" zu geben.
Wenn der Kormoran die Äsche bedroht dann hast Du aus meiner Sicht kein "Gutes" Äschenwasser mehr und wenn Du dort Fischer zulässt dann wirst Du Deinem Äschenbestand den Todesstoß geben, da hilft auch kein C&R. Wenn eine Fischart bedroht ist dann fische ich auch nicht (gezielt) auf diese. Wenn die Art nicht die Dominante ist dann muss ich das Wasser auch nicht sperren aber ich kann doch das gezielte Befischen von Äschen und das Releasen unabsichtlich gefangener Äschen - konform zur heutigen Gesetzgebung - verlangen. Nur lügt man sich da gerne in die eigene Tasche...

Ich bleibe dabei: wenn es nicht Deine Hausstrecke ist dann solltest Du Dich mit dem Bewirtschafter in Bezug auf Entnahme absprechen da Du es schlichtweg nicht wissen kannst. Deine pauschalen Entnahmelimits die Du weiter oben genannt hast dokumentieren hervorragend dass Du Dich überhaupt nicht nach den Rahmenbedingungen vor Ort ausrichtest sondern irgendwelche persönlichen Verwertungskriterien zu Rate ziehst.

Ich hoffe Du weißt jetzt was ich meine.

LG

Markus
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Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von flo staeuble »

Maggov hat geschrieben: Wenn C&R keine Verluste hat warum muss dort immer nachbesetzt werden?
DAS ist wirklich mal ne interessante frage!!
Hardy

Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Hardy »

henkiboy hat geschrieben:.... Mal davon ab - was sollte man bezüglich der ohnehin kormorangeplagten Äsche denn machen? Sollte man aufgrund des Umstandes gute Äschengewässer für die Fischerei komplett sperren? Das möchte ich sehen - die entzürnten Fischer schicke ich gern zu dir! ...
Detlef
moin moin,

das, mit Verlaub, halte ich für eine Heuchelei sondergleichen!

Ich übertreibe jetzt mal ein bisschen: Die meisten Angler verfluchen den Kormoran und sähen ihm am liebsten gänzlich ausgerottet. Im gleichen Atemzug sind sie aber nicht bereit, auf das Angeln zu verzichten, im vollen Bewußtsein, den kümmerlichen Restbeständen in vielen Gewässern dadurch noch zusätzlich zu schaden!

Wären wir hier im Kirchenforum, man würde es wohl Bigotterie nennen.

Zum Thema "Entnahme großer Fische": Eine normal große Bachforelle produziert etwa 1500-1800 Eier. Von diesen Eiern erreichen vielleicht 100 Stck das Größenstadium zwischen 3 und 5 cm.
Fräße eine Großforelle nur jeden zweiten Tag einen dieser Fingerlinge, wäre der Laichakt einer Forelle in diesem Jahr umsonst gewesen.

Ich sehe daher die Entnahme dieser Großfische nicht als Frevel an! Im Gegenteil, ich gebe einer weiteren, im täglichen Überlebenskampf gestählten Forelle die Möglichkeit, sich am frei gewordenen Standplatz auch zu einer solchen Größe zu entwickeln.

Das Argument von C+R, "auch nachfolgenden Fischern die Möglichkeit zu geben, diesen Ausnahmefisch noch einmal zu fangen" sehe ich als Degradierung des Fisches zu einem Sport-, schlimmer noch Lustobjekt an! Wenn er sich denn nach dem Releasen überhaupt wieder von den Strapazen des Drills erholt und noch mal gefangen werden könnte.


Groetjes
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Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Blauzahn »

Hardy hat geschrieben:....
Ich sehe daher die Entnahme dieser Großfische nicht als Frevel an! Im Gegenteil, ich gebe einer weiteren, im täglichen Überlebenskampf gestählten Forelle die Möglichkeit, sich am frei gewordenen Standplatz auch zu einer solchen Größe zu entwickeln.

Das Argument von C+R, "auch nachfolgenden Fischern die Möglichkeit zu geben, diesen Ausnahmefisch noch einmal zu fangen" sehe ich als Degradierung des Fisches zu einem Sport-, schlimmer noch Lustobjekt an! Wenn er sich denn nach dem Releasen überhaupt wieder von den Strapazen des Drills erholt und noch mal gefangen werden könnte.


Groetjes
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Hallo Hardy,
du schreibst mir aus der Seele.
Danke für die Zeilen =D>

Mittagsgruß,
René
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Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von gespliesste »

Hallo Markus,
Maggov hat geschrieben: Hinzu kommt dass die grossen Forellen ja schon (mehrfach) die Chance hatten Ihre Gene weiter zu geben und ich somit die Theorie der sich rausmendelnden Kleinwüchsigkeit nicht ganz nachvollziehen kann.
Nach meinem Verständnis basiert die Evolutionstheorie auf Wahrscheinlichkeiten und die Wahrscheinlichkeit das sich die besten Gene durchsetzen, wird durch die übermäßige Entnahme der fittessten Fische aus der Bestandspyramide künstlich verringert. Der fittere Fisch der länger lebt, produiziert auch mehr Nachkommen und kommt öfter als Sexualpartner zum Zuge und somit setzten sich die Gene über die Zeit statistisch überproportional durch.
Man verwendet ja auch in der künstlichen Nachzucht aus gutem Grund eher kapitale Fische und keine gerade maßigen. Versucht also diese natürliche Selektion nachzuahmen. Dazu verdrängen die stärkeren Milchner in der Natur die kleineren bei der Besamung der Eier.
Wikipedia: Natürliche Selektion hat geschrieben: Grundlage der natürlichen Selektion ist die jeweilige Wahrscheinlichkeit, mit der Individuen ihre Erbanlagen an die Folgegeneration weitergeben. Falls die Individuen einer Population sich in einem oder mehreren Merkmalen voneinander unterscheiden (das ist in natürlichen Populationen in der Regel der Fall), bewirkt die Selektion einen unterschiedlichen Fortpflanzungserfolg, indem einige Individuen länger überleben, mehr Nachkommen produzieren können, Feinden besser entkommen oder widerstehen können, resistenter gegen Krankheiten sind, u.s.w.. Man sagt dazu, die Individuen mit höherem Fortpflanzungserfolg besitzen eine höhere Fitness.
Ich fände es fortschrittlich, wenn man die natürliche Selektion auch im Fluss unterstützt und dafür auch bereit ist einige Sommerlinge zu opfern.

Das Großforellen mitunter auch eigene Artgenossen verspeisen ist völlig natürlich, kann aber nie bestandsgefährdende Ausmaße annehmen, sonst liefe die Spezies ja Gefahr sich selber auszulöschen. Dazu wurde die hier besagte Forelle ja auf Trockenfliege gefangen und in einem intakten Gewässer stehen auch Koppen und Elritzen auf dem Speiseplan.

Nach rein produktiven Kriterien, als auch nach geltendem Recht in Deutschland sollte man eine kapitale Forelle unter allen Umständen entnehmen. Aber ist das heute noch zeitgemäß, ich wäre sofort bereit mit weniger Fischen im Fluss zu leben, die dafür mehr nach "naturbelassenen Kriterien" gehegt würden. Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht für 100% C&R, aber auch nicht für 100% Entnahme aller maßigen Fische.

Anbei noch ein Auszug aus Wikipedia mit Forschungsergebnissen zu dem Thema
Wikipedia hat geschrieben: Rezente Beispiele für künstliche Selektion [Bearbeiten]

Ein wohl frappierendes Beispiel für künstliche Selektion stellt die industrielle Hochseefischerei dar. Durch die Überfischung von Speisefischpopulationen wird ein starker negativer Selektionsdruck auf bestimmte Fischarten ausgeübt, wobei große und fortpflanzungsfähige Fische aus den Populationen entfernt werden. So wird künstlich das Überleben von kleineren und frühreiferen Fischen gefördert. Diese haben als einzige die Chance, durch die engmaschigen Netze zu entkommen und sich anschließend noch fortzupflanzen. Die Fische investieren mehr Energie in ihre Vermehrung als in das Wachstum. So waren Kabeljau aus dem Nordost-Atlantik vor 60 Jahren, als die Jagd auf sie begann, im Schnitt noch 95 cm groß, heute erreichen sie nur noch eine Körpergröße von 65 cm. Ebenso setzt die Geschlechtsreife heute schon drei Jahre früher, nämlich mit einem Alter von sechs Jahren, ein. Mit Hilfe von Computermodellen, die von Ulf Dieckmann (Ökosystemforscher am Institut für Angewandte Systemanalyse IASA, Laxenburg in Österreich, http://www.iiasa.ac.at/~dieckman/) entwickelt wurden, lässt sich zeigen, dass sich Fischpopulationen unter dem Druck der Fangflotten innerhalb von 40 Jahren erheblich verändern können, indem beispielsweise die Durchschnittsgröße stark sinkt. Würde die Befischung heute gestoppt werden, so würde es Modellberechnungen zur Folge bis zu 250 Jahren dauern, bis die Fischbestände wieder die ursprüngliche Größenverteilung erreicht hätten. Dies hängt damit zusammen, dass die Natur keinen so starken Selektionsdruck ausübt wie die Fischerei.

Die Frühreife der Fische wird, so Dieckmann, durch das Fehlen von Konkurrenten begründet. Der Fisch findet mehr Nahrung, wächst schneller und wird früher geschlechtsreif. Man spricht hierbei auch von phänologischer Plastizität, das heißt der Anpassungsfähigkeit von Organismen an unterschiedliche Umweltbedingungen.

Die Modelle für das schnelle Wirken von Selektion und die damit resultierende Mikroevolution wurden in verschiedenen Labors mit Experimenten nachgestellt. Hierfür wurde mit Fischen wie Guppies und Ährenfischen experimentiert, die eine relativ kurze Generationsdauer haben. Siehe auch verschiedene Artikel von David Conover (State University of New York) und David Reznick (University of California). Beide Forscher konnten zeigen, dass bei selektiver Befischung der Populationen in den Aquarien – das heißt, nur die größten Fische wurden entnommen – schon nach wenigen Generationen die Fische deutlich kleiner und weniger fruchtbar waren. Außerdem setzten sie bei gleichem Futterangebot wie die Kontrollfische weniger Fleisch an. „Rechnet man die Evolutionsrate bei den Guppies auf die Entwicklung kommerziell genutzter Fische um, so entspricht sie wenigen Jahrzehnten“, fasst Reznick seine Ergebnisse zusammen. „Die Großfischerei hat eine genetische Selektionswirkung auf die Bestände.“
LG,

Olaf
<< streamstalkin´ 24/7 >>
"When fishing becomes a competition it gets worse than work ... " - Charles Ritz
Bernd Ziesche

Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

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Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 30.07.2013, 09:28, insgesamt 1-mal geändert.
Maggov
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Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Maggov »

Hallo Olaf,

da wir den Fotothread eh' schon hoffnungslos geentert haben schreibe ich gerne zurück:
Nach meinem Verständnis basiert die Evolutionstheorie auf Wahrscheinlichkeiten und die Wahrscheinlichkeit das sich die besten Gene durchsetzen, wird durch die übermäßige Entnahme der fittessten Fische aus der Bestandspyramide künstlich verringert. Der fittere Fisch der länger lebt, produiziert auch mehr Nachkommen und kommt öfter als Sexualpartner zum Zuge und somit setzten sich die Gene über die Zeit statistisch überproportional durch.
Man verwendet ja auch in der künstlichen Nachzucht aus gutem Grund eher kapitale Fische und keine gerade maßigen. Versucht also diese natürliche Selektion nachzuahmen. Dazu verdrängen die stärkeren Milchner in der Natur die kleineren bei der Besamung der Eier.
Stimmt, das unterstreicht meine Annahme dass der Fisch schon mehrfach erfolgreich gelaicht hat. Das Genmaterial bleibt somit erhalten und genau deshalb evrstehe ich nicht wie so ein Effekt zunehmend kleinwüchsiger Fische enstehen soll. Es gibt auch die Untersuchungsergebnisse die belegen dass die Schlupfraten bei alten Fischen nicht so gut sind wie bei gerade erst Laichreifen. Das zahlt neben dem Kanibalismus zusätzlich negativ in die Ertragskraft grosser(=alter) Fische ein. Die Brütlinge des Vorjahres fallen diesen Fischen zum Opfer - er beschneidet also die genetische Vielfalt beim Releasen (vorsicht das ist jetzt schon etwas überspitzt).

Der Grund warum starke Rogner bevorzugte Laichfische in der Zucht sind ist meiner Meinung nach tatsächlich der dass man durchsetzungsstarke Fische züchten will (ob die immer großwüchsig sind sei mal dahingestellt bzw. nicht weiter unter Betracht gezogen) und mehr Eier pro Kilo Fisch kriegt. Der Milchner ist meines Wissens nach gar nicht so wichtig. Ich denke jedoch dass Du ignorierst dass die Brütlinge von den Räubern getrennt aufwachsen (-> niedrigerer Fraßdruck als in der Natur) und damit die Ertragsergebnisse aus der Zucht ggü. freien Gewässern verzerrt werden sowie der Problematik dass ein Züchter bei jüngeren (=kleineren) Fischen eben noch nicht klar erkennen kann welche durchsetzungfähiger sind. Die Natur muss darauf nicht rücksicht neben da Darwin hier eben gnadenlos filtert...

Dein Vergleich mit der Berufsfischerei im Meer hängt dahingehend als dass man dort die Fische schon sehr klein gefangen werden und somit zwei Effekte auftreten:

- der BEstand geht zurück da Fische vor der Laichreife entnommen werden
- die durchschnittliche Grösse sinkt da nur noch Fische zum Laichen kommen die kleinwüchsig sind und durch die Maschen gehen

Das ist aber nicht mit der Angelfischerei und der Entnahme von (entsprechend wenigen) Großfischen bei einer gesunden Alterspyramide vergleichbar.

Und Olaf:
Nach rein produktiven Kriterien, als auch nach geltendem Recht in Deutschland sollte man eine kapitale Forelle unter allen Umständen entnehmen. Aber ist das heute noch zeitgemäß, ich wäre sofort bereit mit weniger Fischen im Fluss zu leben, die dafür mehr nach "naturbelassenen Kriterien" gehegt würden. Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht für 100% C&R, aber auch nicht für 100% Entnahme aller maßigen Fische.
So habe ich Dich kennen gelernt und nichts anderes hätte ich nach wie vor von Dir gedacht. Wie ich oben schon schrieb entnehme ich auch nicht alle Fische die ich fange.

LG

Markus
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Jürgen Gaul

Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Jürgen Gaul »

Hardy hat geschrieben:Zum Thema "Entnahme großer Fische": Eine normal große Bachforelle produziert etwa 1500-1800 Eier. Von diesen Eiern erreichen vielleicht 100 Stck das Größenstadium zwischen 3 und 5 cm.
Fräße eine Großforelle nur jeden zweiten Tag einen dieser Fingerlinge, wäre der Laichakt einer Forelle in diesem Jahr umsonst gewesen.
Hallo zusammen,

hierzu noch ein anderes Rechenbeispiel: Nach wissenschaftlichen Untersuchungen nimmt die Anzahl der Eier mit steigender Fischgröße je kg/Köpergewicht ab; zusätzlich sinkt die Befruchtungsrate der Eier und die Vitalität der Brut. Hinzu kommt ein steigender Hang des Altfisches zum Kannibalismus. Um 1 kg an Körpergewicht zunehmen zu können, muss eine kapitale Forelle ungefähr 10 kg an Artgenossen verspeisen. Nehmen wir an, dass ein kapitaler Altforellenrogner von 3 kg Körpergewicht, der etwa 5.000 Eier produziert, im Laufe eines Jahres 10 kg laichfähige Forellen gefressen hat, um 1 kg zuzunehmen, dann ergibt sich aus der Tatsache, dass diese Forellen pro kg Körpergewicht ca. 2.000 Eier, insgesamt also ca. 20.000 Eier produziert hätten ein Defizit von 20.000-5.000=15.000 Eiern, die dem Gewässer entzogen wurden.

Viele Grüße
Jürgen
Bernd Ziesche

Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

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Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 30.07.2013, 09:29, insgesamt 1-mal geändert.
Jürgen Gaul

Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Jürgen Gaul »

Bernd Ziesche hat geschrieben:Weshalb habe ich noch niemals eine Bachforelle in einer Bachforelle, eine Meerforelle in einer Meerforelle, eine Regenbogenforelle in einer Regenbogenforelle, einen Lachs in einem Lachs, eine Äsche in einer Äsche, einen Zander in einem Zander oder einen Barsch in einem Barsch gefunden?
Entsprechende Bilder sehe ich ebenfalls so gut wie nie.
Hallo Bernd,

das kann ich Dir sagen: wenn Du alle Fische zurücksetzt, wirst Du das auch nicht sehen :wink:! Ich kann Dir von Bachforellen mit gerade mal 38 cm berichten, in deren Mägen ich 4 BF-Sömmerlinge von 10-12 cm gefunden habe. Und damit kein Missverständnis aufkommt: in unseren Strecken wimmelt es von Mühlkoppen, Bachschmerlen und Elritzen, wie die regelmäßigen E-Befischungen zeigen. Aber die sind vielleicht nicht so einfach zu erhaschen. Bei Gelegenheit werde ich gerne mal ein entsprechendes Bild einstellen.

Viele Grüße
Jürgen
Maggov
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Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Maggov »

Hallo Bernd,

weil keine Forellen mehr abgeschlagen und ausgenommen werden :twisted:

Im Ernst: Ich habe schon einiges an Brutfischen in Forellenmägen gesehen, meist ist es jedoch schwierig bei einem halbverdauten Zustand eine genau Art zu bestimmen. Hinzu kommt, dass die Forellenbrütlinge im Frühjahr vermehrt gefressen werden und nur noch da vorkommen wo es selbstreproduzierende Bestände gibt da zumeist grösser besetzt wird. Du müsstest also v.a. am Anfang der Saison nochmals genauer hinschauen*.

LG

Markus

* wie immr primär für BF und RF sprechend da ich bei Meerforellen wenig Ahnung habe

edit: sorry - überschneidendes Post mit Jürgen und gleicher Gag...
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Blauzahn
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Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Blauzahn »

Maggov hat geschrieben:
edit: sorry - überschneidendes Post mit Jürgen und gleicher Gag...

Wieso entschuldigst du dich Markus ?
Man kann den "Gag" nicht oft genug schreiben/wiederholen.
Wenn man keinen Fisch ent-/ausnimmt, kann man auch nicht feststellen das eine Bachforelle Brut frisst.

Ist ja auch in Ordnung, da dies für ein ausgewogenes Nahrungsangebot bzw. Gleichgewicht der (sich selbst reproduzierenden) Bestände spricht, was jedoch nicht der einzige Grund für eine Entnahme sein sollte.

Die Entnahme eines Fisches hängt für mich immernoch vom "Grund des Angelns" und nicht zuletzt von der jeweiligen Gewässerkenntnis ab.

Abendgruß,
René

PS: Da es ja eigentlich hier ums Fotografieren ging... was mir ganz entfallen war, noch ein Bild eines Kanibalen
Bafo060909klein.jpg
Bafo060909klein.jpg (67.4 KiB) 5377 mal betrachtet
:mrgreen:
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Hardy

Re: Fisch-Photos

Ungelesener Beitrag von Hardy »

Bernd Ziesche hat geschrieben:Hallo Hardy,
nehmen wir mal an, jemand reist für eine Woche zum Hechtfischen nach Irland. Am ersten Tag fängt er einen großen Hecht von 120cm Länge. Dieser Fisch bringt 12 Kg auf die Waage. Der Fänger entnimmt ihn und bringt also 12 Kg Fisch für sich mit heim.
Was würdest Du an seiner Stelle am zweiten Tag tun?
Beste Grüße
Bernd
moin Bernd,

dieses Problem mag neben der fehlenden Zeit und zu wenig Knete ein Grund dafür sein, dass ich persönlich solche Angelreisen nicht mache.

Ich verurteile aber auch niemanden, der es sich mit C&R insofern bequemer macht.
Ich mag nur die eigentlich der eigenen Gewissenberuhigung dienende Aussage, C&R sei das Allheilmittel zur Bestandspflege nicht.

Am meisten würde es die Bestände schonen, ich glaube da sind wir uns einig, gar nicht zu fischen.

Das ist allerdings auch keine wirkliche Alternative.

Groetjes
Hardy
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