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Fluß in BC leuchtet grün!
Verfasst: 10.01.2011, 23:22
von tea stick
Hey @ all!
Seht mal hier (vielleicht nach der Werbung):
http://web.de/magazine/wissen/klima/119 ... #.A1000109
Entweder sauschlecht recherchiert oder wirklich mysteriös?
Da bin ich auch sprachlos.
Freimut
Verfasst: 11.01.2011, 08:54
von Siegfried.
Hallo Freimut,
vermutlich beides. Schlecht recherchiert und gar nicht so mysteriös. Das sieht schon verdammt nach einer viel zu hohen Dosis eines Fluoreszenz-Farbstoffes aus, dessen Geheimnis es sonst ist, dass man ihn auch noch in rasend kleiner Verdünnung nachweisen kann, eben durch das Licht seiner spezifischen Wellenlänge. Falls es nicht wirklich ein böser Scherz war, sondern ein nicht angemeldetes Experiment, würde ich bei der Menge sagen, dass sie sehen wollen, wo sich das Flußwasser im Ozean findet/verliert. Ach ja, das Zeug ist relativ fischungiftig, von akuten Schäden wurde wohl ja auch nicht berichtet und so lange wie das Zeug "klebt", müsste man bei entsprechendem Willen und schneller Reaktion behördlicherseits zumindest den Ort, an dem es ins Flußwasser gelangt ist, sehr genau finden können.
Leuchtende Grüße
Siegfried
Verfasst: 11.01.2011, 13:00
von Sascha42
Hallo,
das sieht nach einer Überdosis "Uranin" aus. Es ist total harmlos! Nur färbt das Pulver wie sau. Es wird in der Umweltanalytik benutzt um einfachst die Fließgeschwindigkeit eines Strom zu bestimmen. Gerne wird es aber auch verwendet um die Herkunft eines Teilstroms (unterirdisch bis Kanalisation) zu finden oder zu bestätigen. Heizungsbauer suchen damit gerne Lecks in Rohrleitungen. Für so einen Bach wie im Artikel reicht normalerweise eine Messerspitze! aus um über einen längeren Abschnitt (ca. 1km) die Fließgeschwindigkeit zu messen. Aber gerne wird einfach nur der Deckel der Dose aufgemacht und ein guter Schluck ins Wasser gekippt. Das sorgt schonmal öfters für Katastrophenalarm, auch erst in 50-100km Entfernung je nachdem wer es zuerst entdeckt.
mfg
Sascha
Verfasst: 11.01.2011, 13:21
von Frank.
Liebe Freunde,
laut
http://www.timescolonist.com/health/Ale ... story.html
und anderer Meldung hat ein bislang noch nicht ermittelter Umweltverschmutzer illegal Fluorescein im Fluss (der für seinen starken Lachs-Aufstieg bekannt ist) verklappt - der Stoff, heißt es, sei nicht sehr toxisch, könne allerdings vereinzelt allergische Reaktionen bei Menschen mit Überempfindlichkeiten auslösen. Von Umweltschäden ist in den Meldungen sonst (bislang) keine Rede.
Auch in einer weiteren Quelle in der Nähe wurde der Farbstoff gefunden; auch in diesem Falle heißt es: "No dead fish or animals had been found". In der Tat: don't panic!
Euer Frank
PS: Ich habe das mal aus der Video- in die Umweltkategorie verschoben.
Verfasst: 11.01.2011, 19:06
von tea stick
Danke, lieber Frank!
Es ist schon schön, wenn man Leute kennt, die eine als mangelhaft benotete Recherche sofort aufnehmen und komplett durchführen!
Aber warum achten nicht schon die Nachrichtenagenturen darauf!?!?
Wie auch immer: wenn ich mir vorstelle, in neon-grünem Nebel auf der Autobahn unterwegs zu sein...
LG
vom Freimut
Verfasst: 11.01.2011, 20:09
von Frank.
tea stick hat geschrieben:Aber warum achten nicht schon die Nachrichtenagenturen darauf!?!?
Na ja, lieber Freimut: Mit Mutmaßung wie:
"Außerirdische färben unsere Flüsse"
"Vögel fallen vom Himmel, die Wasser treten über die Ufer und leuchten grün - die Rückkehr der biblischen Plagen?"
"Fluss radioaktiv verseucht!"
"Tschernobyl war gestern! Die Zukunft leuchtet grün"
verkaufen sich solche Meldungen einfach besser.
Gegen "Journalistengriechisch" war "Anglerlatein" schon immer laues Lüftchen vs. Hurrikan.
Toter Lachs aus dem "Green River"
Hatten wir hier in Deutschland ja auch gerade, als vier, fünf tote Forellen und eine Barbe in den Medien zu einem "massiven Fischsterben" stilisiert worden sind.
Das eigentlich Schlimme daran ist, dass man aufgrund der zahllosen, maßlos übertreibenden und blödsinnigen Meldungen gerade im Internet immer mehr dazu tendiert, gar nichts mehr ernst zu nehmen - um dann die wirklich üblen Geschichten zu übersehen.
Aber der grüne Fluss, zugegeben, hätte auch mich ziemlich kirre gemacht - das sieht ja wirklich aus wie als unglaubwürdig aus einer "Akte X"-Geschichte gestrichen.
Frank
Verfasst: 11.01.2011, 22:16
von OLDBOY
für mich sieht das so aus als ob das video bearbeitet ist!
naja....
Verfasst: 12.01.2011, 09:37
von FoolishFarmer
Uranin kann man sogar in der Bucht für kleines Geld kaufen - und da braucht´s nicht viel, damit ein Fluss derartig aussieht!

Verfasst: 12.01.2011, 10:21
von Frank.
OLDBOY hat geschrieben:für mich sieht das so aus als ob das video bearbeitet ist!
Na, dann wird das kanadische Umweltministerium seine Analysen, in denen eine massive Fluorescein-Konzentration nachgewiesen wurde, wohl anhand des Videomaterials vorgenommen haben ...
Euer Frank
Verfasst: 12.01.2011, 11:42
von tea stick
Gell, aber mit dem anlaufenden Wahlkampf im Muschterländle hat das doch nichts zu tun, oder?
(Anmerkung meiner Pressestelle: Diese Aussage hat k e i n e n politischen Inhalt!)
Habt alle einen schönen Tag!
Freimut
Verfasst: 12.01.2011, 12:04
von Andreas F.
Hallo,
ich hatte auch sofort auf Uranin getippt, was ja auch zu der Meldung des Umweltministeriums passt.
Uranin ist ja lediglich das Natriumsalz des Flouresceins.
Btw, zum St. Patricks Day wird der Chicago river damit eingefärbt.
http://www.youtube.com/watch?v=MW1WdnQn ... re=related
Wird seit dem 1960er irgendwann gemacht soweit ich weiß. Umweltschäden wurden seitdem (angeblich) nicht festgestellt.
Damals war der Fluss teilweise bis zu einer 1 Woche lang eingefärbt.
MfG
Andreas
Verfasst: 12.01.2011, 19:32
von Siegfried.
Hallo Andreas,
die Woche Einfärbung des Chicago "river" beruht wohl darauf, dass der downtown nur noch ein Blinddarm ohne Strömung ist. Der eigentliche Fluß wird unter Aufnahme der Abwässer aus den Kläranlagen des Großraums Chicago über die Wasserscheide in den Ohio river nach Süden abgeleitet. Sonst würde das Wasser in C., das aus einem gut sichtbaren Turm ca. 1 Meile vor der Mündung des "rivers" aus dem See fast direkt in die Hähne fließt, wohl noch viel ekeliger schecken als es das ohnehin schon tut.
So viel zur Sensibilität der Leute in der Gegend gegenüber Wasserverunreinigungen.
Be brave und be free
Siegfried
Verfasst: 21.01.2011, 10:02
von MS Tripper
Find ich merkwürdig, das dermassen wild über diese Grünfärbung spekuliert wird. Kennt man das bei Euch nicht? Wir hatten grad diese Woche mal wieder einen "grünen Tag". Sieht ziemlich cool aus und schadet den Wasserbewohnern gemäss Experten in keinster Weise
http://www.20min.ch/news/bern/story/20083866
Verfasst: 21.01.2011, 13:15
von Charly_Brown
Bullshit!!! Die Flüsse in der Schweiz sind auch grün:
http://www.20min.ch/news/bern/story/20083866
Verfasst: 21.01.2011, 13:48
von piscator
Moin,
das wendet man in vielen Limnologischen und ozeanographischen Prozessstudien an (ich kenn mich da aus, hab damit im letzten Jahrtausend gearbeitet). Da braucht man eigentlich keine Wasserproben, sondern man misst die Fluoreszenz des Wassers. Wir im Ozean machen das mit Rhodamin B (roter Farbstoff).
Den schüttet man z.B. in eine Kläranlage mit Einleitung ins Meer in der Nähe eines viel besuchten Badestrandes. Dann gibt Peta oder Nabu oder so eine Orga ein Gutachten in Auftrag, und der Gutachter führt den Versuch bei stabiler Nordostlage durch. Mit dem Resultat, dass die Strände auf Kilometer rot gefärbt sind. Daraufhin gibts einen Aufschrei in der Presse und der Strand wird gesperrt. Die Kurverwaltung kommt dann in Wallung und gibt ein Gegengutachten in Auftrag -- bei Südwest. Daraufhin werden die Strände wieder für den Badebetrieb freigegeben -- Übrigends, die Meerforellen in diesem Gebiet sind nicht rot aber besonders fett.
TL, J.