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63 neue Wasserkraftanlagen für Hessen

Verfasst: 09.01.2008, 06:16
von Daniel/Bonn
In Hessen stehen Ende Januar Wahlen an. Die sensationellen Ideen der Kandidatin Ypsilanti zum Thema "Neue Energien für ein atomstromfreies Hessen" kann man auf den folgenden links nachlesen.
Besonders erwähnenswert in diesem Forum sind die Pläne zur Intensivierung der Energiegewinnung mit Wasserkraft, wie sie in diesem Traktat auf S. 16 dargestellt werden:
http://www.wasserkraft-deutschland.de/m ... Hessen.pdf
Für Lesefaule hat einer der Autoren eine Synopsis angefertigt (hier auf S. 3):
http://spdnet.sozi.info/hessen/dadieb/g ... Hessen.pdf
Vor Stimmabgabe ist die Lektüre dringend empfohlen!
daniel

Verfasst: 09.01.2008, 07:02
von Mario Mende / Sachsen
Ich habe es gestern auch im Fernsehn verfolgt. Die haben Ideen unsere Politiker.....

Verfasst: 09.01.2008, 07:43
von Peter Pan
In jedem der 21 Landkreise müssten drei neue Laufwasserkraftwerke in Betrieb gehen!
Sonst noch was?? Woher wollen sie denn das ganze Wasser dafür hernehmen? Wir haben in der Schmalen Sinn bei Mottgers ein Kleinwasserkraftwerk, der eine Restwassermenge von 5l/sek abgeben muss. Damit soll ein Bach auskommen??
Unsere Bäche und Flüsse sind schon so stark gestaut, daß man kaum noch Strömung findet, und die "Planer" wollen pauschal Kraftwerke auf die Landkreise verteilen. :roll: Von der Methangasentwicklung im Staubereich liest man natürlich wiedermal nichts.
Fehlt eigentlich nur noch der Kormoran als neues Wappentier in Hessen :wink:
Ne, ne, nicht mit uns Frau Ypsilanti!

Petri und tight lines,

Peter

Auf Wunsch editiert

Verfasst: 09.01.2008, 09:29
von Hardy
Moin

"Dusch mich, aber mach mich bitte nicht naß!"

Ich sehe in den Plänen der zukünftigen hessischen Ministerpräsidentin keine drohende Apokalypse. Auch Herr Dr. Scheer weiß, worüber er spricht. Und wer sich die Mühe macht, die Thesen zur künftigen Energiewirtschaft in Hessen genau zu lesen, wird feststellen, daß es ein breitgestreuter Mix aus diversen erneuerbaren Energien ist.
Der Großteil wird durch Solar- und Windenergie erzeugt. Dann kommen Geothermie und Biomasseblockkraftwerke. Die Wasserkraft spielt eine eher untergeordnete Rolle. Aber da, wo sie SINNVOLL eingesetzt werden kann, wird sie auch genutzt werden.

Oder ist es vielleicht für die Umwelt (also auch für Bäche und Flüsse) besser, riesige Kohlekraftwerke zu bauen und diese mit aus China oder Rußland über gewaltige Entfernungen herangekarrte Kohle zu befeuern, weil unsere heimische, hoch subventionierte Kohle zu teuer ist?
Solche Kohlekraftwerke sind bereits in Planung und würden von unserem hochverehrten Herrn Ministerpräsident genauso befürwortet, wie die maroden Atommeiler Biblis A+B.

Danke, aber da kann ich den Plänen von Andrea Ypsilanti mehr abgewinnen.

Mal völlig weg vom Klimawandel, aber wenn wir uns nicht langsam von der Abhängigkeit diverser Energielieferanten befreien wollen, sollten wir irgendwann mal in die Puschen kommen. Das Programm von Andrea Ypsilanti ist dafür zumindest ein guter Anfang!

PS: Bitte wenn schon, dann auch richtig zitieren:
Es heißt: "Es müssten.." und nicht "Es müssen.."




Groetjes
Hardy

Verfasst: 09.01.2008, 09:44
von robert h
Hallo,

in Hessen mag es gerade besonders aktuell sein. Es ist aber leider festzustellen, dass es sich um einen bundesweiten Trend handelt, der nicht auf die SPD beschränkt ist sondern auch CDU/CSU (die Grünen sowieso)erfasst.

Das Problem ist: Wie bekomme ich zukünftig ausreichend Energie ins Netz.
Der Atomausstieg ist beschlossen, fossile Brennstoffe sind Klimakiller. Weiter soll auf dezentrale Versorgung umgestellt werden. Dazu braucht´s u.U. viele kleine dezentrale Wasserkraftwerke.

Mit jedem Tag wird die Versorgungsproblematik dringender. So lange kein unmittelbarer Entscheidungszwang besteht kann man die Formel benutzen, dass sich alles durch intelligente Energieeinsparung lösen lässt.
Wenn ich mir allein vorstelle, dass in Bayern etwa 64% des Stroms (=alle Atomkraftwerke) in den nächsten 10 Jahren klimaneutral ersetzt werden muss, dann wird mir klar, warum auch die CSU das Heil in der Wasserkraft sucht und ebenfalls ein entsprechenden Handlungsplan aufgelegt hat.

Zusammenfassend: Es ist parteiübergreifend zunächst daran gedacht, die Wasserkraft massiv auszubauen. Auch der Naturschutz hat zunächst so einen Handlungsansatz. Siehe: http://www.bund.net./fileadmin/bundnet/ ... rkraft.pdf

Durch überzeugende Argumentation müssen diese Ansätze geändert werden. Und das ist durchaus möglich. Hier z.B. ein erfreulicher erster Ansatz aus Bayern. Ein neues gemeinsames Positionspapier von Fischerei und Umweltverbänden:
http://www.lfvbayern.de/media/files/was ... 161107.pdf
Gerade dieses Papier ist bei einigen Entscheidungsträgern angekommen (wurde inhaltlich tatsächlich zur Kenntnis genommen). Was aber noch nicht heisst, dass die Kuh vom Eis ist. Es bleibt die grundsätzliche Problematik der zukünftigen Energieversorgung.
Meines Erachtens müsste zunächst versucht werden, dass der BUND deutschlandweit eine Position einnimmt wie sie von den Verbänden für Bayern erarbeitet wurde. Kooperation ist erforderlich - nicht Konfrontation.

Grüsse
Robert

Verfasst: 09.01.2008, 09:54
von Daniel/Bonn
Lieber Hardy,
dass die Politiker gerne im Konjunktiv sprechen, ist bekannt. Lies aber mal bitte die zweite Quelle mit der Zusammenfassung von Herrn Longus, ich meine Longo. Hier steht klar und deutlich: "Wir wollen...". Und Longus ist immerhin einer der Autoren der Grundlinien!
daniel

Verfasst: 09.01.2008, 12:34
von Hardy
Daniel/Bonn hat geschrieben:Lieber Hardy,
dass die Politiker gerne im Konjunktiv sprechen, ist bekannt. Lies aber mal bitte die zweite Quelle mit der Zusammenfassung von Herrn Longus, ich meine Longo. Hier steht klar und deutlich: "Wir wollen...". Und Longus ist immerhin einer der Autoren der Grundlinien!
daniel
Hallo Daniel

Zuerst muß doch mal ein Ziel definiert werden, auf das es dann hinzuarbeiten gilt. Das dabei der Weg nicht immer geradeaus geht, ist wohl jedem klar.

Ich kenne übrigens Herrn Longo persönlich. Wir hatten ihn kürzlich zu einer Podiumsdiskussion bei uns eingeladen. Er ist übrigens kein Politiker.

Bei seinem Vortrag ist ganz klar hervorgehoben worden, daß nicht Teufel mit Belzebub ausgetrieben werden darf. In Bezug auf die Wasserkraft bedeutet das, daß der Ausbau regenerativer Energien natürlich nicht zu Lasten des Umweltschutzes gehen kann.
Die meisten Bäche bei uns im Mittelgebirge fallen sowieso unter die FFH- und WRRL mit einem strikten Verschlechterungsgebot.

Die ganze Thematik steht doch noch am Anfang. Veränderungen im Energiemix wird es dabei ganz sicher noch geben.
Aber es muß halt erst einmal ein Anfang gemacht werden.
Und kein brutalstmögliches "Weiter so".

Groetjes
Hardy

Verfasst: 09.01.2008, 13:32
von Daniel/Bonn
Er ist übrigens kein Politiker.
Kennste den:
Was sind 10000 Anwälte zusammengekettet auf dem Meeresgrund?

Bei der Überlegung über alternative Energiegewinnung sollte man zwischen Ästhetik und Schaden/Nutzen unterscheiden.
Ich ziehe etwas "hässliches", z.B. Windräder oder Solarfelder etwas "Schädlichem", z.B. Wasserkraftanlagen und - je nach Sichtweise - Atomenergie, vor.
(Ich möchte hier nicht über die Effizienz einzelner Energieanlagen diskutieren, denn davon verstehe ich wenig.)
CC: ineffektives durch Innovation verbessern, statt das Wasser und die Fische(r) zu vergewaltigen.
daniel

Verfasst: 09.01.2008, 16:01
von Hardy
Daniel/Bonn hat geschrieben:
Er ist übrigens kein Politiker.
Kennste den:
Was sind 10000 Anwälte zusammengekettet auf dem Meeresgrund?

Bei der Überlegung über alternative Energiegewinnung sollte man zwischen Ästhetik und Schaden/Nutzen unterscheiden.
Ich ziehe etwas "hässliches", z.B. Windräder oder Solarfelder etwas "Schädlichem", z.B. Wasserkraftanlagen und - je nach Sichtweise - Atomenergie, vor.
(Ich möchte hier nicht über die Effizienz einzelner Energieanlagen diskutieren, denn davon verstehe ich wenig.)
CC: ineffektives durch Innovation verbessern, statt das Wasser und die Fische(r) zu vergewaltigen.
daniel
Da sind wir doch schon weitgehend d'accord.

Den Witz darfst du aber noch auflösen, den kenn ich noch nicht.

Groetjes
Hardy

Verfasst: 09.01.2008, 17:29
von pehers
Servus!

Der Atomausstieg in Dtl. mag zwar beschlossen sein, ist aber eine der verquersten Utopien, die irgendwelchen Grünen oder anderen Weltverbesserern in letzter Zeit eingefallen ist!

Wir reden hier von der Quadratur des Kreises, wenn manche vermeinen, dass es ohne Atomstrom gehen wird! Ich glaube nicht einmal, dass man unter den drastischten Einsparungsmaßnahmen auf diesen Energieträger verzichten könnte.

Genauso ist es eine Utopie, dass mit all den anderen genannten erneuerbaren Energien auch nur die Steigerungen des Verbrauchs kompensiert werden könnten, geschweige denn die Abschaltung der Atommeiler! Schaut euch doch mal an, in welchem %-Bereich sich diese Energieträger im derzeitigen Mix befinden inwieweit man sie ausbauen möchte!

Davon endlich Kostenwahrheit zwischen den Trägern herzustellen oder die Subventionierung zumindest transparent zu machen, rede ich gar nicht!

Beste Grüße,
Hans

Verfasst: 09.01.2008, 17:56
von Daniel/Bonn
@Hardy:
Kennste den:
Was sind 10000 Anwälte zusammengekettet auf dem Meeresgrund?
Ein guter Anfang!


Dass Hans gerade gepostet hat, ist nur Zufall, sorry!
daniel

Verfasst: 09.01.2008, 18:00
von pehers
Wollte fast schon selbst auflösen, Dir aber den Spass nicht nehmen: Du wirst lachen, den Witz höre ich selbst tatsächlich ab und an (auch wenn ich noch keiner bin)!

L.G.
Hans

Verfasst: 09.01.2008, 21:41
von Hardy
pehers hat geschrieben:Servus!

Der Atomausstieg in Dtl. mag zwar beschlossen sein, ist aber eine der verquersten Utopien, die irgendwelchen Grünen oder anderen Weltverbesserern in letzter Zeit eingefallen ist!

Wir reden hier von der Quadratur des Kreises, wenn manche vermeinen, dass es ohne Atomstrom gehen wird! Ich glaube nicht einmal, dass man unter den drastischten Einsparungsmaßnahmen auf diesen Energieträger verzichten könnte.

Genauso ist es eine Utopie, dass mit all den anderen genannten erneuerbaren Energien auch nur die Steigerungen des Verbrauchs kompensiert werden könnten, geschweige denn die Abschaltung der Atommeiler! Schaut euch doch mal an, in welchem %-Bereich sich diese Energieträger im derzeitigen Mix befinden inwieweit man sie ausbauen möchte!

Davon endlich Kostenwahrheit zwischen den Trägern herzustellen oder die Subventionierung zumindest transparent zu machen, rede ich gar nicht!

Beste Grüße,
Hans
Hallo Hans.

Schön, dich noch nicht auf des Meeres Grunde zu wissen! :lol:

Allerdings muß ich dir etwas widersprechen. Allein durch Verbesserung der Wärmedämmung im Wohnungsaltbestand läßt sich der Energiebedarf um gut 25% vermindern. Das belegen Studien anerkannter Institute.

Darüberhinaus liegt im Ausbau der erneuerbaren Energien auch ein gewaltiger Investitionsschub für die Wirtschaft. Die Wertschöpfung findet im Land statt und nicht irgendwo im fernen Ausland.
Darüber hinaus werden die beteiligten Firman auf diesem Gebiet bei Forschund und Entwicklung vorne sein.
Denn eins ist klar. Alle fossilen wie auch mineralen Energieträger sind endlich. Auch Uran. Hier wird sogar damit gerechnet, daß es vor Erdöl und Gas zur Neige gehen wird.
Allerdings tangiert das ja einen Österreicher nicht, da dort kein Nuklearstrom im Energiemix enthalten ist.

Ich denke, wir können es uns ganz einfach nicht mehr leisten, von diesen endlichen Energieträgern abhängig zu sein. Da hilft auch kein destruktives Gegenreden.
Leider wohnen wir nicht auf Island und haben eine automatische Fußbodenheizung.


Groetjes
Hardy

Verfasst: 10.01.2008, 10:55
von pehers
Bei uns ist genauso Atomstrom im Mix, nur redet keiner davon!
Wo glaubst Du, soll unser Strom denn herkommen in Spitzenzeiten im Winter, bei Niederwasser...

Man darf nicht alles schlechtreden, aber zur Zeit glaube ich auch renomierten Studien nicht, die sagen, dass ein Atomausstieg möglich ist. Unser Verbrauch bleibt ja nicht gleich, sondern steigt. Ich kann da zwar keine Studien zitieren, aber das Eindruck den ich als aufmerksamer Leser der Berichte in den Medien zu diesem Thema habe.

L.G. vom Boden des Meeres,
Hans

Verfasst: 11.01.2008, 19:01
von Daniel/Bonn
Hier eine erste Reaktion auf mails von mir an die umweltzuständigen Sozis in Hessen, die ich hier kommentarlos einstelle:
Guten Morgen, Herrn Handzel,
wir kennen die Bedenken der Fischereiverbände, die sich auf die Gefahren durch Wasserkraftwerke für die Fische beziehen, und nehmen diese auch ernst. Moderne Stufentechnik in Fließgewässern lässt unsere Vorhaben aber zu. Den Verbänden ist dies auch bekannt.
Mit freundlichen Grüßen
Robert Martin

Dipl.-Volkswirt
Parlamentarischer Referent für
Umwelt- und Finanzpolitik
SPD-Fraktion im Hessischen Landtag
Postfach 3240, 65022 Wiesbaden
Schloßplatz 1 - 3, 65183 Wiesbaden
Tel.: +49 611 350 – 505, Fax: +49 611 350 - 511
E-Mail: r.martin@ltg.hessen.de
Wer dennoch Bedenken hat, kann z.B. Herrn Martin schriftlich darüber informieren...

daniel