Werfen im Dunkeln: schwerer oder leichter ?

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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Bernd Ziesche

Werfen im Dunkeln: schwerer oder leichter ?

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

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Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 28.07.2013, 00:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Matthias M.
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Ungelesener Beitrag von Matthias M. »

Hallo Bernd,

ob man bei Dunkelheit bessere "Wurfergebnisse" erzielt kann ich nicht sagen...
Aber, dass durch das nicht vorhanden sein des visuellen Sinnes, die Wahrnehmung der anderen Sinne gestärkt werden ist wohl unumstritten.
Zwangsläufig ist bei Dunkelheit auch mit einer gesteigerten Konzentration zu rechnen.
Die Augen sind aber meiner Meinung nach nicht unerheblich am Wurfablauf beteiligt und man muss bedenken, ob die anderen Sinne wirklich in der Lage sind das nicht vorhanden sein der visuellen Wahrnehmung zu komprimieren.

Bei gleicher Konzentration bei Dunkelheit sowie am Tage gehe ich jedoch davon aus, dass die Wurfergebnisse auf jeden Fall zu Gunsten des Tages ausfallen.

Gruß Matthias
Zuletzt geändert von Matthias M. am 24.10.2006, 02:08, insgesamt 1-mal geändert.
Hartmut
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Ungelesener Beitrag von Hartmut »

Hallo,
zunächst ist das Werfen bei Dunkelheit schwerer als bei Tageslicht, doch wie wird Dunkelheit definiert?
Meine Erfahrungen für das Nachtfischen sammelte ich an der Dänischen Ostseeküste im Zeitraum Mai bis Anfang September.
Ich bin auch der Ansicht, dass beim Nachtfischen die Konzentration höher ist als bei Tageslicht, deshalb lernt man das Werfen bei Nacht besser.
Ich habe es des öfteren erlebt, dass die einbrechende Dunkelheit mit einer beinahen Windstille einhergeht, das könnte auch ein Grund für größere Wurfweiten und ein besseres Werfen sein.
Angenehm finde ich in der Nacht das Fischen nach Gefühl, wenn die Schnur nicht einmal gegen den Nachthimmel gesehen wird und nur noch am Durchmesser der Schnur, nach Gefühl, die restliche Schnurlänge auf dem Wasser ertastet wird und der Vorschwung erst nach einem deutlichen Zug an der Rute ausgeführt wird.
Diese Werferei war für mich das beste Training für einen besseren Wurfstil und ich kann das nächtliche Werfen jedem empfehlen, der seine Werferei verbessern möchte.

Grüße

Hartmut
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Matthias M.
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Ungelesener Beitrag von Matthias M. »

Hallo Hartmut,

Dunkelheit habe ich für mich persönlich jetzt so definiert, dass die visuelle Wahrnehmung nicht vorhanden ist.
ich habe mich jedoch rein auf die das Werfen an sich bezogen, ohne Faktoren wie Wind und Wetter mit ein zubeziehen.
Wobei der Wind unterschied im Tages-Nacht-Verhältnis an der Küste auch viel gravierender ist als bei uns...

Meine Erfahrungen resultieren auch nur aus der Maifliegen-und Köcherfliegenzeit an den Gewässern des "Hügellandes".
Wobei ich hier auch etliche Nächte draußen war...

Gruß Matthias
franz xaver marx

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Augen verbinden und filmen lassen ...
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Rolf T.
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Ungelesener Beitrag von Rolf T. »

Hey Xaver das ist mal keine schlechte Idee !!



Mal so am Rande:
Ich find es immer wieder Klasse hier im Forum, das man so viel und unterschiednliche Denkanstöße bekommt.

Echt Toll !!!!

TL
Rolf
Bernd Ziesche

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

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Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 28.07.2013, 00:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Rolf T.
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Ungelesener Beitrag von Rolf T. »

Ok, beim Distanzwerfen stimm ich Dir schon zu, das man sich die Schunr beim Rückwurf anschaut.

Aber beim "normalen" Fischen schaut doch keiner mehr auf den Rückschwung !

Aber wie sagt man so schön, beim Rückschwung sollte man doch merken, wenn die Schnur an der Rute zieht und der ZEitpunkt dann da ist für den Vorschwung.

Aber gut, kann man endlos diskutieren.
Sobald der Wind bei uns nachgelassen hat, werd ich mich mal blind auf die Wiese stellen.

Learning by Doing ! :D

Ich werds dann berichten !!

TL
Rolf
Hartmut
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Ungelesener Beitrag von Hartmut »

Hallo Bernd,
Hallo Matthias,
Hallo Rolf,

an der Küste begann ich bei Tageslicht mit dem Werfen und war bis zum Einbruch der Dunkelheit so gut eingeworfen, dass es später sogar bei völliger Dunkelheit funktionierte.
Einen Nachteil bei Dunkelheit, nein eigentlich zwei Nachteile, fallen mir ein.
1. Die Sträucher bekommen wie durch Geisterhand längere Äste und die Gräser längere Halme ;-)
2. Schnurschlaufen im Vorfach sind nicht so schnell erkennbar und können zum Vorfachknäul führen.

Bei meinen ersten Nachtfischen hatte ich einige Streamer und Vorfächer verloren, das lag auch an den wechselnden Windverhältnissen an der Küste.
Auf Hindsholm suchte ich immer die Lee-Seite zum Werfen. An vielen Stellen schützt die etwas höher gelegene Küste den Fischer vor dem Wind, doch die Fliegenschnur wird beim Schießen manchmal vom Wind erfasst und regelrecht verblasen.
Die Stellen für das Nachtfischen hatte ich mir dann tagsüber sorgfältig ausgesucht und ausgiebig zur Probe geworfen.

Sicher gibt es noch viel mehr Störfaktoren die in der Dunkelheit verstärkt auftreten, doch dies führt m.E. zu einer höheren Konzentration und einer besseren Umsicht beim Werfen.

Wie sich diese Erfahrungen mit einer Augenbinde anfühlen muss ich erst noch selbst testen.

Viel Spaß beim Nachahmen.

Hartmut
Bernd Ziesche

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

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Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 28.07.2013, 00:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Dirk Janßen
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Ungelesener Beitrag von Dirk Janßen »

Moin allerseits,

ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich im dunklen genau so weit aber sauberer (ohne Windknoten) werfe als bei Licht.
Ich führe dies auf das alleinige Vertrauen des Fühlens zurück. Wenn das Auge mit im Spiel ist, will ich wohl immer noch mehr und prompt wird der Wurf unsauber und nicht so weit.

TL
Dirk
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Matthias M.
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Ungelesener Beitrag von Matthias M. »

Hallo,

da sind nun aber wirklich ein paar sehr interessante Aspekte zusammen gekommen.

Ich fand die Idee sehr gut, sich mit sowie ohne verbunden Augen Filmen zulassen, um dann mal objektiv sagen zukönnen, wie es bei einem selber ist... Wobei ich meine Einschätzung schon oben erwähnt habe.

Gruß Matthias
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sil
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Ungelesener Beitrag von sil »

hej an alle!

Interessantes Thema!!!!

Ob man im dunkel besser, sauberer wirft als bei Tageslicht? Ich denke das ist bei Jedem unterschiedlich, denn jeder nimmt seinen Körper anders wahr oder lässt seinen Körper anders wahrnehmen.
Leider verlassen wir uns zu häufig auf unseren visuellen Sinn und somit verkümmert unser Vertrauen zu allen andere Möglichkeiten der Wahrnehmung.

Unser Körper bewegt sich durch Zeit und Raum. Nichts anderes machen wir beim Fliegenfischen. Wir müssen uns nicht nur auf das wann sonder auch auf das wie und auf das wo konzentrieren.

Wann führ ich eine Bewegung aus
Wie führe ich sie aus
Wo und wohin führ ich sie aus

Das ist eine ziemlich komplexe Aufgabe, die wir auszuführen haben. Ich glaube unser visueller Sinn kann das nicht alleine schaffen.

Frage:

Wenn ihr fischt oder auf der Wiese steht und wirft...

was geht in Eurem Kopf vor?
stellt Ihr Euch irgendwas vor?
Bewegungsabläufe?
Den Raum/ Umgebung in dem/der ihr seit?
oder guckt ihr nur und denkt an nichts...?

Würd mich ja mal interessieren :-k

ciao ich bin raus

sil :wink:
FFF Certified Instructor.... Get out There!!
Werner48

Ungelesener Beitrag von Werner48 »

Hallo,
über das Nachtwerfen an sich kann ich wenig sagen, da ich nachts kaum Gelegenheit zum Fischen/Werfen habe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang aber der Stellenwert und die Abfolge kinästhetischer ( grob übersetzt Körperwahrnehmung ) und visueller Wahrnehmung.

Man mache sich Folgendes klar : Jeder Werfer verfügt über eine Bewegungsvorstellung, die er sich zunächst visuell angeeignet hat ( und kinästhetisch ergänzt ), indem er anderen beim Werfen zugeschaut und anschließend probiert hat.
Er versucht bei seinen Würfen dieser Bewegungsvorstellung nahe zu kommen. Dazu bedarf es eines fortlaufenden Regelprozesses. der "Messfühler" in diesem sind sowohl die gefühlte Bewegung als auch die gesehene, also beide der oben genannten "Kanäle"

Aber--- wenn der Werfer sieht, dass die Schlaufe i.O. oder nicht in Ordnung ist, ist die Bewegung bereits geschehen. Die dann eingeleitete Korrektur betrifft (in erster Linie) den folgenden Vorwärts- bzw. Rückwärtswurf.
Menschliche "Verarbeitungssysteme" können aber nur eine begrenzte Anzahl an Informationen verarbeiten. Anders - jeder Werfer ist überfordert, wenn er versucht, die gesamten komplexen Informationen des kinästhetischen und des visuellen Systems gleichzeitig zu verarbeiten. Infolgedessen muss er sich auf einen der beiden "Kanäle" schwerpunktmäßig einlassen. Wenn dunkel ist, bleibt ihm nur einer und wenn es hell ist, ziehen wir alle den visuellen vor.
Wann jemand besser wirft, ist mithin davon abhängig, welcher der beiden
"Meßfühler" der trainiertere ist.
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Rolf Renell
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Ungelesener Beitrag von Rolf Renell »

Ich habe vor Jahren bei Kursen in England mit Instruktoren versch. Experimente durchgeworfen um herauszufinden wie gross der gefühlsmässige und optische Zusammenhang tatsächlich ist.Die nächtliche Werferei hat gerade in Wales und Irland auf Seatrouts grosse Tradition und macht da on der Praxis her Sinn.
Dabie ist die Leinenlänge nicht so gross,ermöglicht die Dunkelheit aber beispielsweise den akustischen Eindruck sehr zu steigern.
so ist gut möglich eine rutenkombination wesentlich effektiver in Punkto
"Krafteinsatz" zu testen ,bzw. zu lernen.Krafteinsätzte komb. mit timingsfehlern oder "radiellen" Rutenbewegungen ,lassen sich eben oftmals "hören"...so ist einigen kollegen gelungen,ihr Material wesentlich effizienter einzusetzen.Ebenso ist es möglich,didaktisch zumindest mit befestigten
"Knicklichtern" an der rutenspitze verschiedenste Rutenablaufbahnen besser
optisch aufzunehmen,da ein "optisches" Nachbild nachts erzeugt werden kann,und so eine kontrolle und Verbesserung der Bewegungsebenen möglich ist.Ich benutze es seit Jahren brei unseren workshops in Irland für "nächtliches" Training mit erfolg,
beste Grüsse,Rolf
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