blockiertes Handgelenk

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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Hartmut
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blockiertes Handgelenk

Ungelesener Beitrag von Hartmut »

Hallo,
wenn ich meinen Arm hochnehme und die Rutenhand in Ruhelage mit dem Ellbogen auf Körperhöhe ausrichte, kann ich die Rute mit einem blockierten Handgelenk einfach durch Heben und Senken des Ellbogens von der 11Uhr bis in die 1Uhr Stellung und darüber hinaus bewegen. Beim Fliegenwurf -behaupte ich- passiert das selbe. Dies ist mir aufgefallen, als ich vor einiger Zeit meine Wurfweite deutlich verbessern konnte doch immer mehr Tailing Loops produzierte. Erst als ich zur Entspannung mit dem linken Arm das Werfen begann bemerkte ich, dass mit der schlechteren Wurfhand die Schnur in einer sehr kleinen Schlaufe ohne Tailing Loop nach vorne rollte, nur die ungeübte Hand produzierte noch ein paar Wellenlinien in der Fliegenschnur. Das kam daher, dass mein linker Arm nicht so beweglich und austrainiert ist wie der rechte Wurfarm und die Rute auf einer geradlinigen Bahn geführt wurde.
Seither achte ich viel mehr auf die Stellung meines Ellbogens, als auf den Einsatz des Handgelenks und habe die Tailling Loops im Griff.
Könnt Ihr diese Erfahrung bestätigen?

Grüße

Hartmut
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Dark Watchet
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Ungelesener Beitrag von Dark Watchet »

Hallo Hartmut,
probier doch mal beim Werfen die Ebenen zu trennen. D.h. beim Rückschwung die Rute/Rutenspitze nach aussen kippen und beim Vorschwung die Rute zum Körper ran. Von oben gesehen durchläuft die Rutenspitze innerhalb einer Wurfbewegung ein oval. Damit solltest Du Tailing Loops zusätzlich in den Griff bekommen.

Gruß Watti

P.S.: Kleine Zugunterstützung schadet auch nie...
Hartmut
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Ungelesener Beitrag von Hartmut »

Hallo Watti,

mit dem Werfen habe ich keine größeren Probleme, nur mit dem Verständnis von Theorie und Praxis.
Das Ellbogenbeispiel möchte ich nur zur Diskussion bringe, da sehr oft die Bewegung des Handgelenks beschrieben wird, was m.E. nur teilweise zutrifft.
Gruß
Hartmut
Werner48

Ungelesener Beitrag von Werner48 »

Hallo Hartmut,
für Tailingloops sind m.E. nach in den meisten Fällen nicht die Bewegungen des Handgelenks verantwortlich, sondern zwei andere Einflüsse :

1. Die Rute wird zu plötzlich und zu früh beschleunigt. ( "geschlagen" )
Dazu passt deine Beobachtung, dass größere Wurfweite mit Tailingloops verbunden war. Wahrscheinlich hast du die größere Wurfweite durch größeren und früheren Krafteinsatz "erkauft" und mit Tailingloops "bezahlt".

2. Die Rute wird abgekippt, bevor sie sich in 12 Uhr-Stellung befindet, was eine nach oben gekrümmte Bewegungslinie der Rutenspitze erzeugt und zum Tailingloop führt.
Da dieses frühe Abkippen häufig aus dem Handgelenk erfolgt, macht man den Handgelenkeinsatz fälschlicherweise für den Tailongloop verantwortlich.
Ein Abkippen des Handgelenks nach der 12 Uhr-Stellung erzeugt keinen Tailingloop, aber eine offenere Schnurschlaufe.
Hartmut
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Ungelesener Beitrag von Hartmut »

Hallo Werner,

den hohen Krafteinsatz hatte ich als ehemaliger Handballer immer mit Wurfweite verbunden und donnerte meine Leine mit einem langen Zug ins Ziel.
Es ist m.E. die Summe aller Felhler die sich in einen Wurf einschleichen kann, verstärkt durch die Suche nach falschen Ursachen.
Bei mir konnte ich feststellen, dass mit fortgeschrittenem Wurfvermögen eine Schwelle überschritten wird nach der weitere Verbesserungen nur noch in kleinsten Schritten möglich sind.
Konzentrierte ich mich nur auf mein Handgelenk und seinen Bewegungsablauf, verpasste ich den Stopp, das selbe passierte mir mit dem dosierten Krafteinsatz, bei einseitiger Konzentration.
Mit der Zeit entweickelte ich ein gewisses Schnurgefühl und die Konzentration auf meine Schnur erleichtert mir meinen Bewegungsablauf. Es mag für manchen Leser verwirrend klingen, doch im Geiste versetze ich mich in meine Schnur und fühle ihr Flugbahn. Mit der notwendigen Bewegungsfolge kann ich so leichter folgen und muss nur noch auf einen exakten Stopp achten, denn dies ist nach meiner Erfahrung eines der wichtigsten Elemente für einen gelungenen Wurf.

Bei Weitwürfen führe ich die Wurfhand nach hinten, als würde ich beim Ballwurf ausholen, warte bis mein Vorfach komplett gestreckt ist und die Schnur von der Rute gestoppt wird, dann beginne ich mit dem Beschleunigen der Schnur, indem ich meinen Arm mit steigender Kraft nach vorne schiebe. Zunächst muss ich mit dem Handgelenk über den Ellbogen und kurz vor dem Abschluss des Wurfes den Ellbogen auf gleicher Höhe des Handgelenks nach vorne drücken.
Gezwungenermaßen bewege ich bei diesem Wurfstiel meinen gesamten Körper und muss nur darauf achten, dass die Wurfbahn exakt auf einer horizontalen Linie verläuft.
Somit vereinen sich viele Bewegungen in einer komplexen Wurfbewegung und sind für mich in Einzelschritten nicht mehr exakt erklärbar.
Das ist für mich die größte Schweierigkeit bei Diskussionen über Wurfstile.
Grüße
Hartmut
Olaf Kurth
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Ungelesener Beitrag von Olaf Kurth »

Hartmut hat geschrieben:......... Bei Weitwürfen führe ich die Wurfhand nach hinten, als würde ich beim Ballwurf ausholen, warte bis mein Vorfach komplett gestreckt ist und die Schnur von der Rute gestoppt wird, dann beginne ich mit dem Beschleunigen der Schnur, indem ich meinen Arm mit steigender Kraft nach vorne schiebe. ........
Moin Hartmut,

den Rückschwung hast du richtig beschrieben, die Schnur ist fast gestreckt, das Schultergelenk gedehnt und die Rute in ihrer äußersten Stellung. Wenn du jetzt schon mit der Beschleunigung durch die Schnurhand beginnst, nutzt du die volle Rückstellkraft des Blanks nicht aus. Genau an diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen, d.h. lass den Blank für dich arbeiten, er war teuer genug. Vom hintersten Punkt der Rute sollen die Kohlefasern die Schnur beschleunigen, erst wenn die Rute beim Vorschwung wieder parallel neben dir steht, sollte die Schnurhand zum Einsatz kommen. Jetzt bekommt die bereits beschleunigte Schnur den "doppelten Zug"..............

Ja, ich gebe dir Recht, eine Diskussion über Wurfstile, ihre Tücken und den idealen Verlauf stößt im virtuellen Raum schnell an ihre Grenzen. Zudem liegt genügend Fachliteratur vor.
Mein Tipp: Nimm etwas Geld in die Hand und besuche einen Wurfkurs bei einem guten Wurflehrer. Es ist eine der besten Investitionen für Fliegenfischer! (Wurfschulen darf ich hier keine nennen, sonst heißt es, ich würde Schleichwerbung für .oman .oser aus .munden machen)

Eins noch - das, was Werner zu den Tailingloops geschrieben hat, ist vollkommen richtig. Vor allem die im ersten Punkt beschriebene Bewegungen führen zu den Verhedderungen des Vorfachs.

Was dir Watti vorgeschlagen hat verhindert nur deswegen einen Tailingloop, weil du dich beim Umlenken der Rute und der Schnur kurz konzentrieren musst und die Schnur deswegen Zeit genug bekommt, sich zu strecken. Der von oben betrachtete ovale Schnurverlauf mag leichte Bogenwürfe ermöglichen, er bremst aber durch die seitliche Ablenkung die Schnur und verhindert z.B. Weitwürfe!

Gruß, Olaf
Zuletzt geändert von Olaf Kurth am 19.10.2006, 13:11, insgesamt 2-mal geändert.
Und Gott sprach zu den Steinen im Fluss: "Wollt ihr Mitglieder der UNERSCHROCKENEN werden?" Und die Steine antworteten: "Nein Herr, dafür sind wir nicht hart genug."
Werner48

Ungelesener Beitrag von Werner48 »

Hallo Hartmut,

Wenn du, wie Olaf schreibt, zu früh und zu plötzlich ziehst, bewirkst du denselben Effekt wie durch "Schlagen" der Rute

Das ist ähnlich dem, was ich meinte, als ich als Fehlerursache das Abkippen/den Handgelenkeinsatz vor der 12-Uhr-Stellung der Rute beschrieb.
Beides bewirkt ein zu frühes Abweichen von der geraden Bahn der Rutenspitze.

Beim Fliegenwurf habe "winzige" Fehler oft gravierende Folgen.
Wenn du beginnst, den Wurf in seine Einzelphasen zu zerlegen und diese beim Üben zu "addieren" überforderst du dein Aufnahme- und Verarbeitungsvermögen. ( kommt aus der Sportdidaktik )

"Ganzheitlich" gehst du am besten so vor : Konzentriere dich auf einen sauberen Wurfablauf und eine saubere Schlaufe, werfe diese immer wieder und verlängere die Leine erst dann, wenn du die "Schlaufe" bei einer gegebenen Länge beherrschst.

Die Konzentration auf die Schlaufe hat folgenden Grund : Wenn die Schlaufe in Ordnung ist, stimmt alles andere mit hoher Wahrscheinlichkeit auch, denn sie ist das Endprodukt eines gelungenen Wurfes. Auf dem Weg dorthin vollziehst du alle anderen Bewegungsveränderungen intuitiv, ohne dass du dich mit zu viel Reflektion über einzelne Bewegungselemente überforderst.
Hartmut
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Ungelesener Beitrag von Hartmut »

Hallo,

vielen Dank für Eure Antworten.

@Werner, meine Erfahrungen decken sich mit Deiner Beschreibung über das intuitive Werfen und die Konzentration auf eine gute Schnurschlaufe.

@Olaf, meine Beschreibung über den Wurf war nicht vollständig. Ich nutze die Kraft des Blanks natürlich aus, denn nur so ist ein gefühlvoller, wohl dosierter oder ein weiter Wurf mit Zugunterstützung möglich.

@Watti, sicher ist eine ellyptische Rutenführung von Vorteil und ein wichtiger Baustein eines guten Wurfes.

Bitte korrigiert mich, wenn ich mich irre - Hinweise für intuitives Werfen fand ich bis jetzt in keinem Buch übers Fliegenfischen, eher die gebetsmühlenartigen Wiederholungen über die einzelnen Schritte die sich zu einem guten Wurf addieren. Als fortgeschrittener Werfer bleibt mirfür eine weitere Verbesserung des Wurfstils nur noch der Kontakt mit noch besseren Werfern oder ein Kurs bei einem Profi?

Grüße

Hartmut
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Dark Watchet
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Ungelesener Beitrag von Dark Watchet »

Letzlich ist es so - Erfahrungsaustausch! Was allerdings auch noch hilft, ist sich von jemanden beim Werfen filmen zu lassen und den Wurfablauf zu analysieren. Bringt in der Regel mehr, als jedesmal den Kopf nach hinten zu drehen... Zumindest ich verreiße dann zu oft.

Gruß
Watti
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pehers
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Ungelesener Beitrag von pehers »

Servus!

Letztlich kommt es meines Erachtens beim Werfen (Überkopf) nur auf zwei Dinge an: Die Einhaltung der Ebenen mit der Rutenspitze und der kontinuierliche Druck, bzw. Zugaufbau.

Dabei führen viele Wege nach Rom - viel Richtiges wurde hier gesagt, Filmen hilft, aber letztlich sind doch die beiden genannten Dinge des Pudels Kern.

Beste Grüße,
Hans
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I still don't know why I fish or why other men fish, except that we like it and it makes us think and feel. (Roderick L. Haig-Brown, A River Never Sleeps)
Werner48

Ungelesener Beitrag von Werner48 »

Hallo Hartmut,

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Bitte korrigiert mich, wenn ich mich irre - Hinweise für intuitives Werfen fand ich bis jetzt in keinem Buch übers Fliegenfischen
Zumindest in die Richtung geht Mel Kriegers "Die Quintessenz des Fliegenwerfens".

Er ist m.E. der erste, ( was den Stand der derzeitigen Veröffentlichungen betrifft), Autor, der "die gefühlte Bewegung" in den Lernprozess einbezieht, europäische Autoren sind dazu anscheinend nicht kompetent genug.
( oder bekommen nicht die Möglichkeit dazu )
Hartmut
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Ungelesener Beitrag von Hartmut »

Werner48 hat geschrieben: europäische Autoren sind dazu anscheinend nicht kompetent genug.
( oder bekommen nicht die Möglichkeit dazu )
Hallo Werner,

......oder packen die umfangreichen Spielarten mit der Fliegenschnur unter den Sammelbegriff "Timing".....

Es soll auch Leute geben, die das Fliegenfischen als "Wedeln" bezeichnen - gesehen habe ich schon einige, die diese Art des Fliegenfischens praktizieren.
Ein Thema für einen neuen Threat!

Grüße

Hartmut
Bernd Ziesche

Ungelesener Beitrag von Bernd Ziesche »

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Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 28.07.2013, 00:00, insgesamt 1-mal geändert.
Hartmut
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Ungelesener Beitrag von Hartmut »

Hallo Bernd,

vielen Dank für Deine Buchempfehlung, die Leseproben daraus im Internet sind vielversprechend.

Als Autodidakt beobachte ich gerne gute Werfer oder Skizzen in einem Buch, um hinterher meine gewonnenen Eindrücke selbst zu probieren. Dieser Weg mag zwar sehr viel länger sein als ein kompakter Kurs, doch für mich als "Schwäbischer Tüftler" ist es genau die richtige Dosis. ;-)

Herzliche Grüße

Hartmut
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