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One of these days ...
Verfasst: 12.05.2006, 00:35
von Frank.
Liebe Freunde,
kennt Ihr diese Tage? - Meine Güte, gestern kam es knüppeldicke. Eigentlich war es ein wunderbarer Tag, um zu fischen. Warm, fast windstill, die Luft voller Eintagsfliegen. Also, ab an den Fluß. Lange, gründliche Blicke nach links und rechts: keine Steigzeichen, nirgends. Also mal die Nymphe montiert. Erster Wurf: Hänger im ganz tiefen Wasser. Fffffippps - Vorfach weg, Nymphe weg, großes Geschimpfe, neues Knoten. Dritter oder vierter Wurf - das kann doch nicht sein! Hänger, schon wieder! Und wieder ganz tief! Fffffippps ...
Okay, trocken ist heute sicherer. Kleine schwarze Fliege, große Sedge, kein Fisch, nichts. Na gut, dann eben naß. Royal Coachman - Rumms! Biß beim ersten Wurf! Bachforelle, 12 cm. Zweiter Wurf: Rumms! Gründling, 8 cm. 83er Wurf: Meine Güte, was ist das denn? Was fliegt denn da an mir vorbei? Noch ein Gründling, 6 cm, den ich auf knapp unter Schallgeschwindigkeit beschleunigt und 30 Meter durch die Luft katapultiert habe.
Die restlichen drei Stunden: nichts, nichts, nichts. Es ist so, als gäbe es keine Fische mehr auf dieser Welt. Fliege stromauf, Fliege stromab, Fliege quer und: Fliege in den Baum. Fffffippps ...
So ging es den ganzen Abend. Dann Begegnung mit einem Wurmbader: "Ja, drei schöne Regenbogen! Und Du?" "Nö", sag ich, "war eher flau heute ...". Na gut, zehn Würfe noch, obwohl es schon stockfinster wird. Nichts.
Ergebnis des Tages: Kein einziger maßiger Fisch. Drei selbstgebundene Fliegen weg. Nasse, kalte Füße, weil die Wathose irgendwo ein Leck hat. Vierzehn, fünfzehn Mückenstiche, dreimal voll in die Brennesseln gefaßt.
Und wißt Ihr was? - Glücklich grinsend wie ein sattes Baby gehe ich heim. "Wie war's?", fragt meine Frau. "F-A-B-E-L-H-A-F-T!", sage ich, "Herrlich wie immer!" - "Und, was gibt es zum Abendbrot?" - "Nudeln. Oder Rührei."
Ist es nicht herrlich, ein Fliegenfischer zu sein?
Euer Frank
Schneidertage
Verfasst: 12.05.2006, 08:01
von heu20
Hallo Frank
Ja, diese Tage kenne ich zu genüge dieses Jahr...
Gestern meine Verlobte als Glücksbringer mitgenommen und nicht ein einziger biss. Köcherfliegen reichlich, Mücken überm Wasser usw. Aber kein steigender Fisch. Auch mit Nymphe kein Zupfer. Eine Forelle zappelte kurz vor mir an der Oberfläche rum. Naja... also wieder ein Schneidertag.
Haben dann das tolle Wetter genutzt um schöne Fotos beim Werfen zu machen und einfach ein bischen Werfen zu üben. Bin ja erst seit November mit der Fliege unterwegs

Naja, dann kam mein Schatz zu mir und meinte gib mal die Rute. Dachte nur, was will sie denn jetzt?? Mich zwingen nach hause zu fahren? NEIN, weit gefehlt. Sie meinte nur trocken: Erklär mal, wie das geht. Ich dachte ich höre nicht recht. Mein Schatz, mich sonst für total bekloppt erklärend, will mal das Werfen versuchen. Das war bisher der schönste Tag beim Fliegenfischen, den ich hatte! Sie hat sich garnichtmal so dumm angestellt und was wäre denn schöner, als ein gemeinsames Hobby zu teilen. Also versuche ich sie nun öfter mitzunehmen.
In diesem Sinne wünsche ich euch viele schöne Tage am Wasser. Egal ob mit Fischen oder ohne

Ja, es ist toll Fliegenfischer zu sein!!
MfG Jan
Verfasst: 15.05.2006, 22:14
von allgaeufly
hallo frank,
auch ich kenne diese tage! ich möchte gern wissen, ob es jmd. hier gibt, der sie ganz ehrlich nicht kennt! ich unterscheide diese in: "gebüsch-dekorier-tag" , "absturz-und-reiß-mir-die-wathose-kaputt-tag" oder einfach"wenn-ich-fischen-geh-kübelt-es-wie-sau-tag(e)!

. letztere sind seeeehr häufig! kaum mit arbeit oder familienausflug fertig, so jetzt ab ans wasser! siehe da gewitterfront, halbe stunde am wasser: hagel, blitz und das wasser bräuner wie der kaba meiner tochter! solche tage hatte ich z.b. die letzten 2 wochenenden! oder diese tage: werfen läuft nicht, erster kontakt: versemmelt, hänger, abriss.......heimkommen: bier alle!
aber wir wollen es doch so. und die ganzen anderen tage, wo wirklich was geht oder einfach die morgenstimmung toll war oder die wurftechnik gepasst hat dürfen wir nicht immer übersehen! sie überwiegen eigentlich doch!??? wir sollten uns vielleicht nicht immer selber so unter druck setzen!?
lg
stephan
Verfasst: 15.05.2006, 22:31
von Frank.
Lieber Stephan,
wir und unter Druck setzen lassen? Na - das fehlte noch! Glücklich wie ein sattes Baby bin ich noch nach drei Schneider-Tagen (die habe ich nämlich gerade hinter mir ... Gewitter auch. Und sogar inklusive Loch in der Wathose!). Im Gegenteil: Mein Beitrag stand ja unter dem Motto: "Das Glück des fischlosen Tages".
Herzlich, Frank
Verfasst: 17.05.2006, 17:39
von Äschenjäger
Hallo Frank, Hallo Stephan,
Ich bin dieses Jahr bestimmt schon öfters ins Wasser gefallen, als ich eine Forelle gefangen habe
Beste Grüße,
Marius
PS: Stephan, deine Einteilung der Angeltage gefällt mir sehr gut, leider fehlt noch einer, denn füge ich jetzt noch dazu: Mich-hauts-nur-noch-ins-Wasser
Denn werde ich dieses Jahr wohl am öftesten brauchen

Verfasst: 17.05.2006, 19:56
von Frank.
Lieber Marius,
joi, joi, joi - das klingt aber nicht gut ... Für Dich hat entweder eine sehr gute Bade- oder eine sehr schlechte Forellensaison begonnen; beides gleichzeitig geht wohl nicht. Immer den Watgürtel schön eng schnallen, sonst siehst Du die Fische aus all zu großer Nähe!
Außerdem gibt es noch den "Ich-hab-schon-wieder-in-die-******herkulesstaude-gefaßt-Tag", den "Warum-baden-die-Mädels-so-hübsch-sie-auch-sind-ausgerechnet-hier-Tag", den "Letzte-Woche-konnte-ich-diesen-Wurf-doch-noch-Tag" und, vor allem, den "Ich-weiß-genau-daß-die-Rolle-irgendwo-im-Kofferraum-liegen-muß-Tag". Mir fallen noch manch andere ein. Aber: Richtig schlecht war keiner davon.
Richtig schlecht sind nur die "Jetzt-wäre-ich-gerne-am-Wasser-aber ...-Tage".
Paß auf bei tiefem Wasser! Ein Rettungsring unter der Weste sieht wirklich nicht gut aus, aber ...
TL - Dein Frank
Verfasst: 17.05.2006, 20:11
von sedge111
Ich hätte da auch noch einen:
Am Wochende war bei mir der Volle-C&F-Dose-Am Wasser-Verlier-Tag!!!:weinen:
Grüße!
Tom
Verfasst: 17.05.2006, 20:49
von Forstie
Hallo Männer,
ich hätte da noch einen sehr schmerzlichen:
"Rutenspitze-verträgt sich nicht-mit Maschendraht-von Uferbefestigung"
>Heul...<
Guß Martin
Verfasst: 17.05.2006, 21:02
von Äschenjäger
Sehr geehrter Frank, ( <-- musste einfach mal gesagt werden, klingt nämlich so schön...

)
Ich glaube nicht das meine Forellensaison sooo schlecht ist, und meine Badesaison auch nicht. Das mit dem Waten ist folgendes Problem:
Stell dir vor, du bist an einem Kanal, und stell dir vor dort gibt es viele schöne Forellen, die nur darauf warten von dir gefangen zu werden. Nun stell dir vor der Kanal ist beidseitig gaaaanz arg zugewachsen. Das Ufer ist zusätzlich noch mit großen Gesteinsbrocken „Kanalisiert“. Jetzt musst du aber weiter Stromauf laufen. Und wieder ist so ein dummer Stein durch ein großen Ast blockiert. Jetzt musst du um diesen Stein laufen/waten es fehlen noch 3cm und das Wasser wird etwas tiefer, jetzt fehlen dir noch 2cm und es wird immer noch tiefer, jetzt fehlt dir noch 1cm ( der Stein ist zum greifen nahe !! ) und es hört nicht auf tiefer zu werden.... Du spürst das kalte Wasser, wie es ganz langsam in die Watstiefel rein läuft, und es hört nicht auf...
Was jetzt? Jeder normale Angler würde jetzt umdrehen, oder vielleicht ein Boot bauen

Mir geht das aber zu lange, und ich mache Kamikaze, keine Rücksicht auf Verluste, ist doch nur Wasser (

) verdammt-kaltes-Wasser <-- solche Tage gibt es auch. ) Augen zu und durch...
Geschafft, zur Belohnung gibt es gleich nach dem zweiten Wurf eine Forelle. O.K weiter geht´s, doch was ist das? Ein Stein der durch einen Ast Blockiert wird....

Rute zwischen die Zähne und das gleiche noch mal
Noch ein kleiner Tipp: Wer sagt, dass man nach einem „Angeltag“ das gelaufene Stück zurücklaufen muss? Man kann es auch schwimmen
Aller Beste Grüße zu dir nach Hause lieber Frank,
Marius
Mel Krieger
Verfasst: 17.05.2006, 21:52
von gmischol
Mel Krieger ist sicher ein guter Fliegenfischer, ein super Werfer, aber in einem seiner Video sagt er als Abschluss (natürlich in Englisch): aber denk daran, an vielen Tagen wirst Du nach Hause gehen und keinen Fisch gefangen haben, auch wenn Du alles richtig getan hast...
Wer ginge dann noch fischen, wenn er jedesmal bei jedem Wurf den Traumfisch drillen würde....
Fliegenfischen hat doch auch etwas mit Träumen zu tun, vom Supertag, dem Riesenfisch usw.
Also nicht verzweifeln, wenn es ein schlechter Tag war, so konnten wir doch immer noch die Natur und die Ruhe geniessen, und es kann nur noch besser werden...
Gruss
Gaudenz
Re: Mel Krieger
Verfasst: 17.05.2006, 22:30
von todde
Original geschrieben von gmischol
Fliegenfischen hat doch auch etwas mit Träumen zu tun, vom Supertag, dem Riesenfisch usw.
Richtig!
Wenn ich es genau bedenke, habe ich als Küstenfischer auf Meerforelle, Hornhecht, Dorsch und hoffentlich auch bald Meeräsche, mindestens genau so viele Schneidertage erlebt, wie ich erfolgreich Fossilien am Strand gefunden habe. Seien es die sogenannten Donnerkeile (Belemniten), Kreideaustern, diverse Seeigelarten, Endocerasbruchstücke, versteinerte Schwämme und sogar einen Trilobiten und einige Korallen (Faxekalk).
Einmal ganz abgesehen von anderen faszinierenden Naturbeobachtungen (Vogelzug, Wolkenbilder, Schnecken ....)
Auch wenn sich zum x-ten Mal die Runningline im Tang verheddert und die Windboe beim zweiten Doppelzug plötzlich von rechts hereinfegt, ist und bleibt für mich das Fliegenfischen an der Küste ein Gesamterlebnis mit allem drum und dran.
Und am Wochenenede werde ich die Alande in der Schwentine mit der Brotfliege erschrecken
Und zwar wird dann endlich die Hülsenbeck entjungfert. Mit einem Aland! Und dann heißt die auch so
gruß
todde
Re: One of these days ...
Verfasst: 18.05.2006, 00:33
von tobago
Original geschrieben von Frank.
Ist es nicht herrlich, ein Fliegenfischer zu sein?
Wenn man sich mit seinem Kumpel, am Bach sitzend, über Gott und die Welt unterhält und das Fischen zur "Nebensache" wird.
Verfasst: 18.05.2006, 09:43
von Frank.
Liebe Leute,
wie wunderbar! Dieser ganz harmlos begonnene Thread wächst allmählich als Beitrag zum Thema "Was macht einen echten Fliegenfischer aus?" heran!
Lieber Marius, genau so mache ich es auch, wenn's nötig ist: habe ich die Wahl zwischen einem schönen Fisch und nassen Füßen - so what? Im Sommer ziehe ich die Wathose manchmal sogar aus und wate in kurzer Hose und mit Turnschuhen - das gibt einem einigen zusätzlichen Spielraum. Fliegenfischer, grüß mir die Sonne ...
Mel Kriegers Kommentar (danke, lieber Gaudenz) könnte man sich getrost auf die Wade tätowieren lassen, finde ich.
Euer Frank
Verfasst: 18.05.2006, 09:51
von Frank.
Original geschrieben von forstochs
Hallo Männer,
ich hätte da noch einen sehr schmerzlichen:
"Rutenspitze-verträgt sich nicht-mit Maschendraht-von Uferbefestigung"
>Heul...<
Guß Martin
Einen besonders drastischen Tag hatte ich vor ein paar Jahren - es war der "Oh-Oh-auf-der-Weide-steht-ja-doch-ein-Stier-Tag".
100 m mit Watstiefeln unter 10 Sekunden, Rute unterwegs weggeworfen, nach einer Stunde Abwarten in der Deckung zurückgepirscht, dann noch einmal 50 m - ohne Wathose, aber mit Rute - in weltrekordverdächtiger Zeit.
Seither sichere ich vor auf den ersten Blick leeren Weiden verflixt genau. Kühe sind kein Problem. Aber ein ausgewachsener Stier, der hinter einem hergetrampelt kommt, sorgt für tiefe Sorgenfalten und grundsätzliches Überdenken der eigenen Tollkühnheit, kann ich euch sagen.
Euer Frank
Verfasst: 18.05.2006, 10:35
von stockinger
Hallo Frank
Oder für ein verrenktes und seit dem kaputtes Knie

(
So mir leider vor ein paar Jahren geschehen....