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Bachforellenbesatz in wärmeren Gewässern
Verfasst: 26.05.2005, 09:30
von Torsten Rühl
Meine Hausstrecke soll demnächst wieder mit Bachforellen besetzt werden.
Jetzt streiten sich aber die Geister. Die einen sagen das DieBAchforellen das nicht ab kann und die anderen sagen sie kann doch in wärmeren Gewässern überleben. Es geht darum das der Fluss im Sommer Stellenweise Spitzenwerte von 28° C erreicht werden. Nun ist dies ein schnell fliessendes Gewässer und die Gewässergüte gibt es her. Was meint ihr ? Ich setze mich demnächst auch mit der Unteren Fischereibehörde auseinander. Sollte doch zu machen sein!!!
Desweiteren gibt es doch auch Umbaumassnahmen die man machen kann damit sich die Bachforelle ansiedelt und fortpflanzt. Einige Sachen hat der Verband schon bei uns gemacht doch fehlt auch hier das Geld damit es zum Ende kommt.
Für einige Tipps wäre ich dankbar.
Verfasst: 26.05.2005, 09:41
von Matthias M.
Moin Torsten,
ich habe mal gehört oder gelesen, dass 25° C den Tod für Bachforellen bedeutet, aber ich bin mir nicht ganz sicher.
Gruß Matthias
Verfasst: 26.05.2005, 10:59
von Rattensack
Servus Torsten!
Folgende Toleranzwerte sind für die Bachforelle wissenschaftlich veröffentlicht (Elliott: Quantitative Ecology and the brown trout):
Wachstum: 4 - 19°C
Fressen: 18,7 - 19,5 °C
Akuter Stress, langfristig Tod: 21,5 - 24,7
Sofortiger Tod: 25,6 - 29,7 °C
Die von bis Werte sind abhängig von der Akklimatisationszeit, Sauerstoffgehalt, Fischgrösse etc. Wichtig: Je grösser der Fisch umso empfindlicher ist er gegenüber Sauerstoffarmut / hohe Temperaturen (weil das Oberflächen- zu Masse- Verhältnis ungünstiger wird).
Das heisst:
Wenn nicht Grundwasserzutritte oder Zubringer als Refugialbereiche zur Verfügung stehen, ist der Besatz in einem Bach der 28°C warm wird, zum Scheitern veruteilt.
Wenn die Temperatur viele Wochen / Monate über 20°C liegt, dann werden die Forellen zwar vielleicht überleben, aber über den Sommer extrem abnehmen und sich kaum erfolgreich fortpflanzen.
Genau diese Erfahrung mache ich an meinem Pachtgewässer, das bis 27° warm wird. Deshalb besetze ich keine Forellen.
Wenn euer Wasser einen guten Cyprinidenbestand hat, versucht es stattdessen mit Zander oder Hecht. Oder wenn es im Donaueinzugsgebiet liegt Huchen - der ist von den heimischen Salmoniden am wenigsten anspruchsvoll bezügl. der Wassertemperatur.
Bezüglich Umbaumaßnahmen:
Die Wassertemperatur verringert man. indem man:
- Breite Ufergehölzsäume schafft, die das Gewässer beschatten
- Schwellen rausreißt, die die Fließgeschwindigkeit reduzieren
- Entsprechend dem Urzustand eine Laufform rückbaut, die bei Niedrigwasser eine Konzentrierung des Abflusses bewirkt und gleichzeitig Kolk - Furt - Sequenzen schafft, welche den Wasseraustausch mit dem Schotterkörper fördert
Aber das ganze funktioniert natürlich nur, wenn es großzügig im gesamten Einzugsgebiet geschieht
Ich hoffe ich hab dir geholfen,
Clemens
Verfasst: 27.05.2005, 00:05
von ranzi
Original geschrieben von rattensack
Wachstum: 4 - 19°C
Fressen: 18,7 - 19,5 °C
Akuter Stress, langfristig Tod: 21,5 - 24,7
Sofortiger Tod: 25,6 - 29,7 °C
...vielleicht verstehe ich das nicht richtig, aber den Daten entnehme ich, dass die Schnittmenge von Wachstum und Fressen zwischen 18,7° und 19° liegt. Demnach dürfte Wachstum nur innerhalb dieses geringen Bereiches stattfinden...oder ist Wachstum auch ohne Fressen möglich

?
Gruß,Ranzi
Verfasst: 27.05.2005, 07:37
von Rattensack
@ranzi
sorry, das ist missverständlich. Beim Wachstum ist ein Bereich angegeben, von 4 - 19°, der Rest sind Grenzwerte nach oben. D.h. über 18,7 bis 19,5 °C wird das Fressen eingestellt, das von bis bezieht sich auf die Schwankungsbreite.
Wachstum passiert damit etwa von 4 bis ca. 19 Grad. Das Optimum liegt bei maximaler Fütterung nahe der Obergrenze bei glaub ich rund 17-18 Grad, in der Praxis aber bei etwa 13 Grad.
Die Daten wurden bei Laborversuchen gewonnen. D.h. in der Praxis kann sicher oft passieren, dass man auch über 19,5° Forellen fängt. Hier spielen halt psychische Komponenten mit (Aggressivität, Attraktivität eines Futterteilchens etc.). Nur ist die Energiebilanz auf alle Fälle negativ auch wenn doch in geringem Ausmaß gefressen wird (und der Temperaturstress wird durch Nahrungsaufnahme noch erhöht). Die Bachforellen die ich während Hitzeperioden im Sommer in meinem Bach gefangen habe, hatten i.d. Regel leere Mägen.
Clemens
Verfasst: 28.07.2005, 22:33
von Hâgar Otter
Zu den 'Optimal-' und 'Lethalwert' wurde ja schon genug gesagt ! Wenn sie sich in dem Gewässer halten könnte würde sie (periodisch) aus kühleren Nebenbächen zu- und abwandern!
Wenn nicht wäre dieser Besatz Tierquälerei im strafrechtlichen Sinne!
Erlaubt mal die Frage " wenn ihr als Jäger Elefanten und gelegentlich Eisbären schießen wolltet, kämen dann euere Vereinsoberen auch auf die Idee sie in ihrem Revier auszusetzen (oder würden sie für euch Reisen nach Namibia und Alaska managen)?