Totholzeintrag
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Totholzeintrag
Liebe Kollegen,durch dem super Thread über BF vs. RF und der immer wieder genannten Maßnahme Totholzeinbringung um Forellenunterstände zu schaffen, hätte ich einige Fargen an die Profis, denn mir erscheint diese Maßnahme mit einfacheren Mitteln ausführbar zu sein als Störsteine in ein Gewässer einzubringen.
was für Holz ist da am geeignetsten? gibt es Unterschiede ob Nadelbaum oder Erle? Benötigt man eine wasserbauliche Genemigung? Wie verbaut man die Stämme am geschicktesten, eher Querrinnen oder längs am Ufer?
Bin mal gespannt auf die Anregungen.
Roland
was für Holz ist da am geeignetsten? gibt es Unterschiede ob Nadelbaum oder Erle? Benötigt man eine wasserbauliche Genemigung? Wie verbaut man die Stämme am geschicktesten, eher Querrinnen oder längs am Ufer?
Bin mal gespannt auf die Anregungen.
Roland
man muss einfach reden, und kompliziert denken - nicht umgekehrt
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Unz
Hallo Roland,
da das heut mit dem Arbeiten nicht mehr viel wird
kurz `n schneller link zum Totholz. Dort findest du eine ganze Menge Information und die umfangreichste Literaturzusammenstellung (glaub ich zumindestens) zum Thema.
Ein ausführliches Heft zum Thema "Totholz in Fließgewässern" hat die Gemeinnützige Fortbildungsgesellschaft für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung (GFG) mbH herausgebracht. (email: gfgmbh@t-online.de - Telefon: 06131 - 613021)
Hoffe dir damit geholfen zu haben. Für detailiertere Fragen bitte die Profis kontaktieren.
unz
da das heut mit dem Arbeiten nicht mehr viel wird
Ein ausführliches Heft zum Thema "Totholz in Fließgewässern" hat die Gemeinnützige Fortbildungsgesellschaft für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung (GFG) mbH herausgebracht. (email: gfgmbh@t-online.de - Telefon: 06131 - 613021)
Hoffe dir damit geholfen zu haben. Für detailiertere Fragen bitte die Profis kontaktieren.
unz
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Graylinglover
Hallo Roland,
der Link von Unz ist ausgezeichnet. Dort findest Du eine aktuelle Literaturliste. Die österreichischen Kollegen, besonders um der Arbeitsgruppe von Prof. Jungwirth, haben sehr viel in diese Richtung gearbeitet. Daher möchte ich Dir und allen Interessierten das Lehrbuch von Ihm empfehlen: M. Jungwirth u.a. Angewandte Fischökologie an Fließgewässern. 2003. UTB isbn 3-8252-2113-X
(bekomme keine Prozente
)
Beste Grüße
Robert
der Link von Unz ist ausgezeichnet. Dort findest Du eine aktuelle Literaturliste. Die österreichischen Kollegen, besonders um der Arbeitsgruppe von Prof. Jungwirth, haben sehr viel in diese Richtung gearbeitet. Daher möchte ich Dir und allen Interessierten das Lehrbuch von Ihm empfehlen: M. Jungwirth u.a. Angewandte Fischökologie an Fließgewässern. 2003. UTB isbn 3-8252-2113-X
(bekomme keine Prozente
Beste Grüße
Robert
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ratschan
Servus Roland, Robert, Unz und so,
muß auch noch meinen Senf dazugeben, hab persönlich nicht allzu viel Erfahrung mit Totholzeinbau, ein paar Dinge kann ich aber vielleicht doch zu Rolands Fragen beitragen.
Prinzipiell möchte ich schon vorausschicken - nona - dass man mittelfristig immer versuchen sollte, die Gewässer in einen Zustand zurückzuversetzen,
in dem die natürlichen Prozesse von selbst statt finden können - sprich konkret natürlicher Eintrag von Totholz z.B. durch Seitenerosion in Prallhangbereichen, was abhängig von den ursprünglichen Bedingungen durch Rückführung der Linienführung in einen pendelnden bis mäandrierenden LAuf zu erreichen ist - in Kombination mit der Bereitstellung eines genügend breiten Ufergehölzsaumes. Der glücklicherweise sich massiv ausbreitende Biber besorgt den Rest.
Allerdings wird es lokal oft nicht möglich sein, derartige großzügige Renaturierungsmaßnahmen zu setzten - dort macht der Einbau von Totholz ohne weitergreifende Rückbaumaßnahmen Sinn. Das Einbauen von Störsteinen find ich nur dann gscheit, wenn diese von Natur aus (Geologie) vorgekommen sind. Wir wollen doch nicht Disneyland - artige Gewässer haben. Totholz hingegen ist in praktisch allen natürlichen Gewässern (abgesehen von hochalpinen) ursprünglich ein extrem wichtiges Strukturelement gewesen. Zusätzlich sollte man immer die Anlage von Gewässerrandstreifen mit standortgerechter, holziger Vegetation anstreben, um die natürliche Neubildung von Totholzelementen zu ermöglichen.
Beim verwendeten Material sollte man sich ebenfalls an der Natur orientieren.
Nadelgehölze scheiden aus mehreren Gründen aus:
- sie wachsen von Natur aus in Mitteleuropa fast nie neben fischführenden Gewässern (abgesehen von der Oberen Forellenregion)
- sie sind schwache Strukturgeber (verlieren leicht Nebenäste)
- Fichten verrotten schnell
- sie sind schlecht von Wirbellosen als Nahrung zu verwerten (Harzgehalt)
Optimal geeignet sind Gehölze der Weichen Au, also v.a. Weiden, Erlen, Esche. Diese besitzen oft noch die Fähigkeit, wieder neu auszutreiben - was einen nachhaltigen Effekt gewährleistet.
Man sollte versuchen, möglichst viel Nebenäste an den Stämmen zu lassen und ordentlich dicke Totholzpakete einzubauen - dünne Pakete sind hydraulisch und biologisch fast wirkungslos.
Wurzelstöcke (Stockaustrieb!) bilden oft besonders attraktive und auch ästhetische Strukturen!
Zur Positionierung:
Man sollte versuchen, durch geschickte Positionierung vorhandene Strukturen (wie Kolk-Furt Sequenzen, Pendeln des Strömungsstriches bis hin zu Prall- und Gleithängen), welche sich ansatzweise auch in hart regulierten Strecken bilden, zu verstärken - hier ist viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen gefragt.
Die Schemata unter http://www.totholz.de geben recht gute Hinweise dazu.
Zum Fixiern der Totholzstrukturen:
Je nach Rahmenbedingungen und Schutzerfordernis (z.B. Gefahr der Verklausung von unterliegenden Brücken) und Abflussbedingungen bieten sich verschieden Möglichkeiten an.
- Fixierung mit Stahlseilen an Piloten oder Ankern (zur Not verdeckte Betonplatten, sonst nach Möglichkeit vergrabene Stämme)
- Einklemmen mit Piloten
- Beschweren oder Einklemmen mit Steinen
- Eingraben der Pakete im Ufer
..
In Gewässern ohne Abflussdynamik (Lahn-/Mühlbäche etc.) kann auch einfach das Ablegen im Gewässer reichen. Hier ist der Nutzen allerdings deutlich geringer, weil die Strukturen leicht verschlammen bzw. kaum bettbildenden PRozesse (Sedimentumlagerung) durch die Strukturen initiiert werden.
Durch Setzen von Erlen oder Weidenstecklingen direkt hinter den Strukturen erreicht man, dass nach Verfaulen des Materials natürlich nachgewachsene Strukturgeber vorliegen!
Zu den rechtlichen Bedingungen in Deutschland kann ich dir leider nicht helfen.
Schließlich natürlich Vereinskollgen davon überzeugen, wie unglaublichwichtig Totholzstrukturen sind ... es soll noch immer vorkommen, das sie aus Gründen der Befischbarkeit entfernt werden.
Ich wünsch euch viel Fisch & wenig Hänger
Clemens
muß auch noch meinen Senf dazugeben, hab persönlich nicht allzu viel Erfahrung mit Totholzeinbau, ein paar Dinge kann ich aber vielleicht doch zu Rolands Fragen beitragen.
Prinzipiell möchte ich schon vorausschicken - nona - dass man mittelfristig immer versuchen sollte, die Gewässer in einen Zustand zurückzuversetzen,
in dem die natürlichen Prozesse von selbst statt finden können - sprich konkret natürlicher Eintrag von Totholz z.B. durch Seitenerosion in Prallhangbereichen, was abhängig von den ursprünglichen Bedingungen durch Rückführung der Linienführung in einen pendelnden bis mäandrierenden LAuf zu erreichen ist - in Kombination mit der Bereitstellung eines genügend breiten Ufergehölzsaumes. Der glücklicherweise sich massiv ausbreitende Biber besorgt den Rest.
Allerdings wird es lokal oft nicht möglich sein, derartige großzügige Renaturierungsmaßnahmen zu setzten - dort macht der Einbau von Totholz ohne weitergreifende Rückbaumaßnahmen Sinn. Das Einbauen von Störsteinen find ich nur dann gscheit, wenn diese von Natur aus (Geologie) vorgekommen sind. Wir wollen doch nicht Disneyland - artige Gewässer haben. Totholz hingegen ist in praktisch allen natürlichen Gewässern (abgesehen von hochalpinen) ursprünglich ein extrem wichtiges Strukturelement gewesen. Zusätzlich sollte man immer die Anlage von Gewässerrandstreifen mit standortgerechter, holziger Vegetation anstreben, um die natürliche Neubildung von Totholzelementen zu ermöglichen.
Beim verwendeten Material sollte man sich ebenfalls an der Natur orientieren.
Nadelgehölze scheiden aus mehreren Gründen aus:
- sie wachsen von Natur aus in Mitteleuropa fast nie neben fischführenden Gewässern (abgesehen von der Oberen Forellenregion)
- sie sind schwache Strukturgeber (verlieren leicht Nebenäste)
- Fichten verrotten schnell
- sie sind schlecht von Wirbellosen als Nahrung zu verwerten (Harzgehalt)
Optimal geeignet sind Gehölze der Weichen Au, also v.a. Weiden, Erlen, Esche. Diese besitzen oft noch die Fähigkeit, wieder neu auszutreiben - was einen nachhaltigen Effekt gewährleistet.
Man sollte versuchen, möglichst viel Nebenäste an den Stämmen zu lassen und ordentlich dicke Totholzpakete einzubauen - dünne Pakete sind hydraulisch und biologisch fast wirkungslos.
Wurzelstöcke (Stockaustrieb!) bilden oft besonders attraktive und auch ästhetische Strukturen!
Zur Positionierung:
Man sollte versuchen, durch geschickte Positionierung vorhandene Strukturen (wie Kolk-Furt Sequenzen, Pendeln des Strömungsstriches bis hin zu Prall- und Gleithängen), welche sich ansatzweise auch in hart regulierten Strecken bilden, zu verstärken - hier ist viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen gefragt.
Die Schemata unter http://www.totholz.de geben recht gute Hinweise dazu.
Zum Fixiern der Totholzstrukturen:
Je nach Rahmenbedingungen und Schutzerfordernis (z.B. Gefahr der Verklausung von unterliegenden Brücken) und Abflussbedingungen bieten sich verschieden Möglichkeiten an.
- Fixierung mit Stahlseilen an Piloten oder Ankern (zur Not verdeckte Betonplatten, sonst nach Möglichkeit vergrabene Stämme)
- Einklemmen mit Piloten
- Beschweren oder Einklemmen mit Steinen
- Eingraben der Pakete im Ufer
..
In Gewässern ohne Abflussdynamik (Lahn-/Mühlbäche etc.) kann auch einfach das Ablegen im Gewässer reichen. Hier ist der Nutzen allerdings deutlich geringer, weil die Strukturen leicht verschlammen bzw. kaum bettbildenden PRozesse (Sedimentumlagerung) durch die Strukturen initiiert werden.
Durch Setzen von Erlen oder Weidenstecklingen direkt hinter den Strukturen erreicht man, dass nach Verfaulen des Materials natürlich nachgewachsene Strukturgeber vorliegen!
Zu den rechtlichen Bedingungen in Deutschland kann ich dir leider nicht helfen.
Schließlich natürlich Vereinskollgen davon überzeugen, wie unglaublichwichtig Totholzstrukturen sind ... es soll noch immer vorkommen, das sie aus Gründen der Befischbarkeit entfernt werden.
Ich wünsch euch viel Fisch & wenig Hänger
Clemens
Zuletzt geändert von ratschan am 07.02.2005, 19:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Graylinglover
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Royal Coachman
- Beiträge: 2885
- Registriert: 28.09.2006, 20:06
- Wohnort: Oberhausen in Obb.
- Hat sich bedankt: 268 Mal
- Danksagung erhalten: 479 Mal
Hallo Freunde !
Das Totholz wurde bis vor kurzem in Deutschland vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt aus den Gewässern von Amtswegen entfernt.
Aber mich wundert schon lange nichts mehr, wenn ich mir die neuen Gewässerverbauten ( Kormoranlandebahnen !) an der Tiroler Ache bei Marquartstein betrachte, alle Bäume von der Uferböschung entfernt , mit Matten neu angeböscht, nur Rasen. Alle Büsche entfernt, keine Steine als Strömungsbrecher im Wasser, kein Schatten auf dem Wasser, SCHRECKLICH !
mit Grausen wendet sich ab
euer
Royal Coachman
PS: dabei sind hier Auen und ausgedehnte Überschwemmungsgebiete, wäre also nicht notwendig !
Royal Coachman
Das Totholz wurde bis vor kurzem in Deutschland vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt aus den Gewässern von Amtswegen entfernt.
Aber mich wundert schon lange nichts mehr, wenn ich mir die neuen Gewässerverbauten ( Kormoranlandebahnen !) an der Tiroler Ache bei Marquartstein betrachte, alle Bäume von der Uferböschung entfernt , mit Matten neu angeböscht, nur Rasen. Alle Büsche entfernt, keine Steine als Strömungsbrecher im Wasser, kein Schatten auf dem Wasser, SCHRECKLICH !
mit Grausen wendet sich ab
euer
Royal Coachman
PS: dabei sind hier Auen und ausgedehnte Überschwemmungsgebiete, wäre also nicht notwendig !
Royal Coachman
Der immer auf Seiten der Fische steht!
ich bin echt überrascht von der Resonanz. :verlegen: Danke!
Auch die für mich wichtige Frage "welches Holz" wurde beantwortet. Allerdings würde ich nicht Weide nehmen aus dem einfachen Grund die Weide treibt viele Sprößlinge und gedeiht unter diesen Umständen im Wasser prächtig so dass sie nach spätestens 3 Jahren unkontrolliert ins Uferlose auswuchert, was wir eigentlich auch nicht möchten. Erle ist da sicherlich bei unseren Verhältnissen die bessere Alternative.
auf das der Fische ihr zuhause wohnlicher wird!
Roland
P.S meinen Vorstandskollegen habe ich den Link schon weitergereicht mit der bitte sich mal damit etwas näher auseinanderzusetzen
Auch die für mich wichtige Frage "welches Holz" wurde beantwortet. Allerdings würde ich nicht Weide nehmen aus dem einfachen Grund die Weide treibt viele Sprößlinge und gedeiht unter diesen Umständen im Wasser prächtig so dass sie nach spätestens 3 Jahren unkontrolliert ins Uferlose auswuchert, was wir eigentlich auch nicht möchten. Erle ist da sicherlich bei unseren Verhältnissen die bessere Alternative.
auf das der Fische ihr zuhause wohnlicher wird!
Roland
P.S meinen Vorstandskollegen habe ich den Link schon weitergereicht mit der bitte sich mal damit etwas näher auseinanderzusetzen
man muss einfach reden, und kompliziert denken - nicht umgekehrt
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Peter Olbrich
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- Registriert: 28.09.2006, 17:25
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ratschan
@Roland
Du brauchst wirklich keine Angst zu haben, dass die Weiden zu viel wuchern. Je mehr Wuchern um so besser (sofern aus Hochwasserschutzüberlegungen erlaubt). Das Wasser findet seinen Weg, und wenn die Weiden den Abflussquerschnitt lokal einengen, so werden vor dem Hindernis oder am gegenüberliegenden Ufer beim nächsten Hochwasser Erosionserscheinungen auftreten -> Gewässerdyamik, das ist absolut wünschenswert, führt zur Bildung von Schotterbänken, tiefen Rinnern etc. Glaub mir - die Fische profitieren davon!
Clemens
Du brauchst wirklich keine Angst zu haben, dass die Weiden zu viel wuchern. Je mehr Wuchern um so besser (sofern aus Hochwasserschutzüberlegungen erlaubt). Das Wasser findet seinen Weg, und wenn die Weiden den Abflussquerschnitt lokal einengen, so werden vor dem Hindernis oder am gegenüberliegenden Ufer beim nächsten Hochwasser Erosionserscheinungen auftreten -> Gewässerdyamik, das ist absolut wünschenswert, führt zur Bildung von Schotterbänken, tiefen Rinnern etc. Glaub mir - die Fische profitieren davon!
Clemens






