Seite 1 von 1

Küssen oder Essen

Verfasst: 16.12.2004, 11:32
von Kurt Zumbrunn
Letzten Montag war es wieder einmal soweit. Wir hatten wunderschönes Wetter, stahlblauer Himmel und ich merkte schon morgens im Büro, dass ich die Nachmittagsstunden wohl im Aeschenrevier verbringen würde. Bereits in der Woche zuvor machte ich Bekanntschaft mit einer ganz schönen Aesche, welche mir eindrücklich vorführte, warum sie diese stattliche Grösse erreicht habe. Obschon ich ihr den davongetragenen Sieg von Herzen gönnen mochte, blieb an meinem Ego doch etwas hängen. So wollte ich am Montag doch versuchen, die Scharte wieder aus zu wetzen und diese Aesche mit einem Kuss auf die Nase zu beglücken. Gut gerüstet, die Fliegenbox in der Mittagsstunde noch mit feinen CDC’s gefüllt, watete ich gegen 14 Uhr an besagter Stelle ein. Es war bereits ein schöner Aeschenstieg im Gang und ich knüpfte mir eine braune CDC ans 14er Vorfach. Zwei bis drei Leerwürfe und mein Getakle hing hinter mir, hoch oben in einer Trauerweide. Keine Chance, die Fliege zu erreichen und so blieb mir nichts anderes, als das Vorfach ab zu reissen. Ein Blick auf die 14er Vorfachspule verhiess nichts Gutes. Gerade noch 20 cm liessen sich dieser entlocken. Also musste ich auf das noch verfügbare Vorfachmaterial in Stärke 0.18 zurückgreifen. Wohl wissend, dass in diesem stillen Wasser mit dieser Vorfachstärke wohl keine Aesche zu überzeugen war. Also machte ich mich Bachaufwärts, wo das Wasser wilder ist. In der warmen Mittagssonne liess ich meine CDC so schön ich konnte auf dem Wasser treiben. Keine Regung – nicht das geringste! Ich entschloss mich, meine „Geheimwaffe“ (so geheim ist sie ja nicht mehr – habe die Fliege unter dem Titel Allroundfliege Aesche bereits vorgestellt) ein zu setzen. Hakengrösse 14 segelte auf das rauschige Wasser und 1,25 Sekunden später verschwand diese in einem grösseren Schwall. Der Anhieb sass, der Fisch nahm 5 Meter Schnur und segelte wohl nahezu einen Meter aus dem Wasser – nix Thymallus Tymallus eher Trutta Fario, wurde mir sofort bewusst. Nach kurzem Drill konnte ich die 50 cm lange Bachforelle zu mir nehmen. Typischerweise für meine „Geheimwaffe“, hatte die Forelle die Fliege voll inhaliert und diese sass zu hinterst auf der Zunge. Das passiert mir sonst nie – einzig bei diesem Fliegenmuster regelmässig! Ohne Widerhaken liess sich das schöne Tier mühelos vom Haken befreien und bekam den obligaten Kuss auf die Nase. Gerade in diesem Moment hörte ich hinter mir eine Stimme. Es war ein alter Mann, wohl 80 Jahre alt mit Stock, welcher mir wohl schon länger zugeschaut hatte. Seine Worte waren:
Wunderschön hast du diese Forelle gefangen – aber gell es ist schon hart, solche Prachtstiere wieder zurücksetzen zu müssen! Worauf ich entgegnete: Ich bin nur zum Küssen da, nicht zum Essen!
Herzliche Grüsse
Kurt Zumbrunn

Verfasst: 16.12.2004, 11:36
von Harald aus LEV
Hallo Kurt,
schöne Geschichte.
Harald

Verfasst: 16.12.2004, 15:53
von Royal Coachman
Hallo Freunde !

Hier auch noch ein schönes Bild einer Bachforelle, die ganz verzweifelt auf die Fliege guckt !

Wurde sanft zurückgesetzt, hatte ca 44 cm , Fliege war natürlich ein

R.................. , richtig geraten !

Bild kommt vieleicht erst später durch MM !

mit freundlichem tight lines
aus der Winterruhe

Gebhard

Bild