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nochmal Catch & Release
Verfasst: 19.11.2004, 05:40
von stefan grau
http://members.aol.com/fishyarn/photos/mort.jpg
...wenn der Fisch nach C&R also munter davonschwimt heisst das noch nicht dass er wirklich munter ist(bleibt)
Verfasst: 19.11.2004, 07:56
von Royal Coachman
Hallo Stefan !
Eigentlich wollte ich ja nicht mehr posten, aber das kann ich jetzt nicht so stehen lassen.
In diesem Bericht wird etwas behauptet, was in der Praxis einfach nicht stimmt. Ich habe das Glück hin und wieder ein Gewässer der absoluten Spitzenklasse befischen zu dürfen , da sind releaste Forellen im Laufe eines Tages von ca 120 Stück keine Seltenheit . Da diese Fische nicht alle im Wasser abgeködert werden können ist klar. Nach dieser Studie müßten
also mindestens 20-30 Fische nach jedem Fischtag meinerseits zum Sterben verurteilt sein. Da dieses Gewässer aber durch Wehre unterbrochen ist , außerdem glasklar und keine schlammigen Zonen besitzt, müßten die toten Fische an den entsprechenden Stellen sichtbar sein.
Das sind sie aber nicht, wenn irgendwo tote Fische in dieser Menge auftauchen ist der am Wasser wohnende Aufseher sofort alamiert und schlägt Alarm. In den letzten 10 Jahren war dies nur einmal der Fall und durch eine unberechtigte Einleitung eines Galvanisierwassers hervorgerufen. Besonders die Forelle hat starke Regenerationskräfte wie in der Studie über die Verpilzungen vor einigen Jahren bewiesen wurde.
Worauf sie aber besonders regiert sind Verunreinigungen, welche die Eigenschaften des Wassers verändern wie Leitfähigkeit, Ph Wert usw.
In meiner Jugend haben wir noch Forellen im "Lagl" heimgetragen und die Badewanne war einige Tage "besetzt".
Ich frage mich ernsthaft wie solche Studien zustande kommen und von welcher Seite diese gefördert werden.
Wahrscheinlich wird am Fischteich "getestet", die Praxis sieht aber immer etwas anders aus.
Abschließend möchte ich betonen, daß vernünftige Entnahmen, die das Kapital des Gewässers nicht angreifen meiner Meinung nach absolut vertretbar sind.
Euer auch gerne mal einen "dicken Fisch" heimbringender
Royal Coachman
Hallo Ihr Frühaufsteher! :D
Verfasst: 19.11.2004, 08:14
von Graylinglover
Zum Thema Fische an der Luft gibt es noch weitere Studien und in Skandinavien wird in diese Richtung auch propagiert.
70% kommen mir auch viel zu hoch vor, aber das war dann sicherlich bei zu hohen Wassertemperaturen etc. Also Summe aller Negativfaktoren!
Sofern man die Fische wirklich nur kurz aus dem Wasser nimmt, sollte es vertretbar sein. Leider ist aber manchen das Photo wichtiger als das Leben des Fisches :niederges
Dann lieber waidgerecht sein und den Fischkorb beschicken oder dem Fisch die Freiheit schenken.
Grüße
Robert
Verfasst: 19.11.2004, 10:59
von Wolfgang Hinderjock
Wär schon mal ganz interessant zu wissen, was das für Haare sind an denen die Testergebnisse herbeigezogen werden, beziehungsweise unter welchen Bedingungen der Test stattfand, vielleicht unter den Stressbedingungen eines engen Tanks mit vielen Fischen, weil man so die Mortalitätsrate am einfachsten auswerten kann?
Es ist schon richtig, daß die Sterberate steigt je länger ein Fisch aus dem Wasser ist und man mit ihm an Land "rummacht", zwecks Fangfoto oder sonstigen unnötigen Spielereien, aber so krass dürften die Zahlen nicht ausfallen, man bedenke auch mal was Fische bei Besatzaktionen und ähnlichem alles so mitmachen, ohne daß es zu so starken Ausfällen kommt.
Verfasst: 19.11.2004, 11:22
von düteking
ich kann nur von den erfahrungen berichten die ich an meinem bach im sauerland
gemacht habe. hierbei handelt es sich um einen mittelgebirgsbach. Quellwasser
mit überwiegend kiesigem grund und fast ohne besatz. 80 % bafo und 20% refo.
wir, meine 3 mitpächter und ich, fischen dort nur wiederhakenlos und mit mind.
16er vorfach.
wenn wir zu zweit anreisen, dann werden dort an einem wochenende bestimmt
80 forellis wieder zurückgesetzt. und ich habe ungelogen noch keine verendete
forelle gesehen. woran das genau liegt? weiß ich auch nicht. vielleicht an der sehr
sehr guten wasserqualität und an dem schnellen releasen. wer weiß.
bei anderen gewässern habe ich keine ähnlich langen und ausgibiegen erfahrungen
vorzuweisen.
@ wolfgang
die sterblichkeitsrate wäre unter menschen auch umso höher, umso länger man
unter wasser gedrückt wird.
gruß
roland
Verfasst: 19.11.2004, 13:03
von Graylinglover
Hier noch ein link, der die ganze Sache wesentlich positiver sieht, aber auch den "Luftkontakt" minimiert haben möchte:
http://www.asf.ca/release/science.html
Gruß

:
Robert
Verfasst: 19.11.2004, 17:51
von Wildwasser
Viele sehr gute Gewässer , werden schon über einen längeren Zeitraum mit C&R erfolgreich bewitschaftet .
Das wäre bestimmt nicht der Fall ,wenn die meisten Tot den Bach runter schwimmen .
Verfasst: 19.11.2004, 18:11
von stefan grau
...dacht ichs mir dass die wogen beim thema c & r wieder hochgehen, es ist ein wunder punkt der zeitgenössischen fliegenfischerei. ob die studie fundiert ist oder nicht lässt sich erst dagen wenn sie gelesen wird - wer also beim thema tiefer mitreden will, sollte - finde ich zumindest - die studie bei einem document-delivery dienst andordern (z.B. bei subito). danach kann man prüfen welche parameter bei der studie einbezogen wurden und wie man sie auf andere gebiete/gewässersysteme, angeltechniken etc. ausweiten kann.
auf bebachtungen von anglern allein würde ich mich (persönlich) genausowenig verlassen, wie auf nur rein wissenschaftliche beobachtungen.
und noch was - die studie stammt nicht von mir und ich habe sie im forum erwähnt, weil es wieder mal eine andere sicht ist - es gibt regelmässig solche studien, wie "fühlen fische schmerz", eine studie sagt nein, zwei jahre später eine andere studie ja - aber dies ist in der wissenschaft allgemein so. und doch brauchen (wollen) wir sie, den sonst würden wir bei jeder grippe und masern zu tausenden über den jordan gehen.
die studie schlägt derzeit, immerhin eines der führenden länder und vielleicht dem "erfinder" von c&r im fliegenfischen nicht kleine wellen. c&r wird allgemein diskutiert und kommt zugegeben immer mehr in die schusslinie - nicht nur bei extremen tierschützern.
wir wissen dass das TSchG - in der BRD wie in der CH, c& r eigentlich verbietet. ob c& r dem fische nutz ist fraglich, denn schlussendlich dürfte dem fisch nur gar nicht beangeln nutzen. aber dies ist ja auch nicht unserer philosophie, oder?
ob c& r alleine der grund ist für einen hevorragenden fischbestand (hevorragend ist immer nur was wir als so empfinden gemessen an den tollen fängen, oder?) frage ich mich persönlich. ein viel grösseres problem ist die verbauung und versauerung (etc.) der gewässer, und ob unsere besatzpolitik (die immer noch auf unseren ertrag abzielt) richtig ist, ist auch fraglich., beispiel - in einem nahen gewässer von mir werden jährlich für tausende von schyzerfränklis forellen reingeschmissen, die fangzahlen nehmen aber seit jahren nie zu, die aesche hingegen bleinbt mehr oder weniger stabil. abder die angler wollen nicht wahrhaben, dass das gewässer in den letzten jahrzenten zur aeschenregion mutiert hat und die forellenregion vor rund 70 jahren aufgehört hat zu existieren. zur besatzpolitk gibt es auch studien, und sie ist im aktuellen "fliegenfischen" auch angesprochen worden.
in der ch gibts eine amtlich organisierte arbeitsgruppe zum thema fischerei und tierschutz - [url]http://www.agfisch.ch-[/url] die auch c&r anschaut. dies weil das TSchG derzeit allgemein überarbeitet wird. sicher ist, dass die fischerei wohl einige schranklen zugewiesen bekommen wird, vermutlich fischen mit dem lebendigen köderfisch, wiederhakenverbot etc., obwohl schon einige kantone solche bestimmungen haben.
also sehen wir was da kommt und tatsache ist dass etwas kommen wird, und was wir daraus machen - aber nicht nur das was uns alleine in den kram passt, denn wir stehen immer weniger alleine und werden schärfer beobachtet als viele fischer vermuten.
ein müsterchen wie komisch fischer manchmal reagieren wenn solche dinge wie oben erwähnt offen diskutiert werden. ein freund von mir, wohlgesagt angefressener fliegenfischer und wissenschaftler im bereich verterinärmedizin, arbeitet in solch einer gruppe zum thema fischerei und tierschutz mit. er arbeitet bei einer behörde, die auch die fischerei zum thema hat. in seinem verein wurde mehrmals vor den vorstand zitiert und man wollte ihn quasi aus dem verein raushaben - man hatte angst ein mitglied aus den eigenen reihen würde mithelfen die fischerei langfristig zu verbieten. er wurde immer wie mehr im verein offen angefeindet. nun sind tierschützer, nochmals bemerkt nicht die extremen sondern auch gemässigte, auch auf die sportfischerei aufmerksam geworden und es wurde eine "initative zur abschaffung der jagd und fischerei" lanciert. aus meiner sicht ist sie zwar (noch) chancenlos, aber es wird allgemein wieder einmal über die jagd auf dem land und im wasser diskutiert. dass dies in immer kürzeren abständen passiert ist wohl vielen aufgefallen.
nun, seit die intiative publik wurde, ist der erwähnte freund plötzlich das liebkind im angelverein, denn er hätte ja massgeblich dazu beigetragen, dass der tierschutz schon vor der initative in der fischerei diskutiert würde und die angler den tierschutz ernst nähmen. ich mag ihm vom herzen gönnen dass sich die wogen wieder geglättet haben, aber die braune zunge einiger angler in seinem verein hinterlässt einen mehr als schalen nachgeschmack, zumindest bei mir. ich persönlich finde wir sollten froh sein, dass es noch fischende staatsdiener gibt, denn wenn die amts-juristen alleine über das fischen bestimmen würden, wäre es wohl schnell vorbei damit.
ich diskutiere oft mit diesem freund, wie man die fischerei neu organisieren könnte, dem fischer wie dem empfindsamen mitbürger gegenüber, und es gibt viele interessante ideen;
- keine mindestmasse mehr - der angler muss entnehmen was er an der angel hat. allerdings besteht ein jährliches oder/und auf das gewässer bezogenes fanglimit - hat der angler seine (beispiel:) 2 fische gefangen ist schluss mit weiterfischen - egal ob die fische 12 cm oder 48 haben. er angler kann es ein bisschen steuern indem er nicht die babystube beangelt (was sehr viel vorkommt nur weil gerade nichts massiges steigt), grössere köder wählt (also keine 20`er fliegen), nicht mininymphen und vorallem die ringe anwirft die einen grösseren fisch versprechen. nur - lässt sich dies einfach so umsetzen und wie vom aufseher kontrollieren?
-regelmässige sperren für einzelne gewässer - vier jahre ist es zu um fischen, ein oder 2 jahre offen, damit sich wieder gemischte jahrgänge aufbauen können - wohlverstanden inklusive oberwähntes fanglimit. Gefahr - alle fischer üben enormen druck auf ein gerade offenes gewässer aus, weil nun alle dort angeln weil das andere geschlossen ist - es braucht also viele gewässer mit einem öffnungs- und schliessungs-turnus. anzunehmen ist zugleich, dass viele dann das handtuch in der fischerei werfen, denn wer hat lust 200 kilometer an ein gewässer zu fahren, wenn er vielleicht nach einer stunde mit angeln aufhören muss weil er das fanglimit bereits erreicht hat.
- den fisch nur mit fliegen ohne jedwelchen haken beangeln - der fisch geht nach der fliege auf, hängt aber nie am haken - es wird rein die überlistungskunst getestet. freude wird dies den wenigsten machen, denn auch wer c& r ausübt liebt sicher den drill (oder gerade besonders den). und der der einen fisch essen mag, hat gar nichts mehr davon. auc ier, leute die vom fischen abwandern werden und eine industrie die zusammenkracht.
okey - dies sind wohl alles nur "spinnereien", aber überlegungen um langfristig aus der zwickmühle zu kommen.
ich habe auf jeden fall keine lösung, aber zugegeben bei c& r immer ein mulmige(re)s gefühl.
Verfasst: 19.11.2004, 18:28
von Graylinglover
Mensch Stefan,
da hast Du ja was losgelassen! Also wenn Du diese Studie:
Ferguson, R.A. & Tufts, B.L. 1992. Physiological effects of brief air exposure in exhaustively exercised rainbow trout (Oncorhynchus mykiss): implications for "catch and release" fisheries. Can. J. Fish. Aquat. Sci. 49: 1157-1162.
meinst, dann ist das eigentlich wissenschaftlich betrachtet ein "alter Hut". Bei Gelegenheit werde ich mir das paper aber besorgen und lesen. Der Begriff "exhaustively exercised" sagt eigentlich schon alles
Beste Grüße
Robert
Verfasst: 19.11.2004, 18:58
von stefan grau
Danke Robert für den Tip.
Ich habe Zugriff auf "Aquatic und Science Fisheries Abstracts" und habe diese Studie wie auch andere mit Doc.-Delivery im Volltext zur Verfügung. Meine Meinung zu den Studien lasse ich hier aber nicht los

, habe aber durchaus Verständnis und Interesse für "Beide Seiten".
Besten Gruss
Stefan
Verfasst: 21.11.2004, 18:10
von fliafi
Hallo alle zusammen,
ich weiß, c&r ist ein endloses Thema. Aber solange es noch „Sportangler“ gibt, die den Fisch nicht als Lebewesen sondern als Sache sehen, finde ich es im Interesse des Fisches gut daß es verboten ist. Es ist erschreckend, was manche unter zurücksetzen verstehen.
Erfreulicher Weise beobachte ich an unseren Gewässern immer mehr daß vor allem Jungfischer sehr sorgsam mit den Tieren umgehen. Wir sind auf dem besten Weg zur Erkenntnis!
Ziel sollte es trotzdem sein, dem Angler die Entscheidung zu überlassen ob er den Fisch tötet oder zurücksetzt. Dafür macht jeder eine Ausbildung und eine Prüfung. Ich würde mir auch wünschen, daß in den Schulen mehr darauf eingegangen wird.
Es gibt viele vernünftige Gründe einen Fisch zurückzusetzen aber auch gute Gründe ihn zu töten und mitzunehmen.
Fisch ist eines der kostbarsten Lebensmittel !
Aber bei allem was man tut geziemt dem Lebewesen Fisch und der Natur allerhöchster Respekt. Auch wenn Wissenschaftler darüber diskutieren ob ein Lebewesen Schmerz empfindet oder nicht. Schon die Vermutung sollte ausreichen, den Fisch dementsprechend verantwortungsbewusst zu behandeln.
Noch viele schöne Stunden am Wasser
fliafi
Verfasst: 27.11.2004, 17:22
von Wildwasser
Ein mehrmals gehakter Fisch hat die besten Voraussetzungen einmal alt und klug zu werden . Irgend wann wird er uns nicht mehr an den Haken gehen .
Verfasst: 28.07.2005, 15:47
von Hâgar Otter
Als alter Hase nimmt man sich erst mal die Volltextversion vor, bevor man sich ein Urteil bildet. Die Kernaussage ist (nur) im Prinzip richtig, auch wenn man über "nicht unbedingt praxisnahe Versuchsbedingungen" dazu gelangt ist!
Ein alter Hut: nicht mehr 'mit den Fischen spiele'
(fängt beim konsequenten Drill an und hört beim RICHTIGEN Zurücksetzen noch nicht auf > Verhalten einige Zeit weiterbeobachten!)
und keinesfalls mehr hantieren als unvermeidbar notwendig!
Wer regelmäßig (über 25 Jahre lang) die Mühlrechen an Weekend-Gewässern inspizierte, hatte genügend Gelegenheit sich über das was man so gerne als 'schonend zurückgesetzt' bezeichnet ein eigenes (differenziertes) Bild zu machen.

learning by doing?
Verfasst: 18.08.2005, 18:27
von anonymus
@wildwasser:
Darf ich eine analoge Aussage riskieren?

"...nur wer in seiner Jugend mehrmals vom Auto überfahren wurde, hat die besten Cahncen alt und klug zu werden , denn irgend wann wird er daraus gelernt haben nicht mehr vor Autos zu rennen..."

Warum sollte sich ein Fisch mit diesr Erfahrung dann überhaupt noch fangen lassen wollen?;)
Verfasst: 24.08.2005, 08:29
von Wildwasser
Viele Tiere mussten sich in der Vergangenheit an den Menschen und seine Einflüsse anpassen , um weiter existieren zu können.
Mancher Laichfähige Fisch kommt durch diesen lerneffekt zustande .
Eigentlich möchte ich nur sagen , das beim heutigen Befischungsdruck es nicht nur negativ ist , den ein oder anderen zurückzusetzen .