......nun ja, es gibt mehrere Beispiele von Rutenbauern die versuchten gespliesste Gerten zu günstigen Preisen anzubieten;
z.B. in den USA gab es(gibts natürlich immer noch) vor rund 3 Jahren einen Herrn G., der fand, es sei möglich Gespliesste für USD 300 anzubieten und er wolle soche bauen. Diese Ankündigung sorgte für einigen Wirbel bei den US-Rutenbauern, alle fanden (und tun es noch), dies sei nicht möglich, selbst für die Amerikaner die weniger Abgaben an Staat/Versicherung/Lebenshaltungskosten zu leisten haben als "wir".
Gut, gesagt getan, Herr G. liess einige Rutenbauerkollegen antraben um ihm beim Entstehen des Business zu helfen und einen Maschinen/Verarbeitungspark einzurichten. Die Kosten stiegen ziemlich über das (unrealistische) Büdget, ein Beveler musste her, einer der Massenfertigung aushält und robust ist, Rollenhalter, Leime, Lacke, Bambus etc., alles möglichst günstig eingekauft. Herr G. kündigte seine Günstig-Gerten auch via Web an, man konnte vorbestellen. Es gieng nicht lange und der regelmässige Besucher der Website merkte, dass der Preis dann langsam stieg & stieg und seine Ruten hatten nach einem Jahr noch keinen Käufer gefunden, resp. er konnte noch immer nicht liefern.
Eines tages gieng es, aber die Gerten waren um die 600 USD, also das doppelte, und dies nur für das billigste Produkt ohne Schnicknack und zweiteilig, Rollenhalter etc. Standartprodukt (musste es ja um günstig zu sein). Herr G. machte finanziell Verlust, er konnte seine Einlagen nicht amortisieren mit USD 300 für eine Gespliesste. also bot er sie den Fachhändler an. Dies schlugen nun logischerweise eine Marge drauf und die Gerten kamen ab USD 800 bis für das doppelte für seine Luxus-Serie (geflämmt, 3-teilig). Huete hat er die Preise wieder gesenkt und fordert die Kunden via seine Website auf, bei ihm zu kaufen, das käme günstiger, wo er auch recht hat, weil er so den Zwischenhandel wieder ausschaltet.
Bei den Kunden sind die Gerten weder schlecht noch recht angekommen, es gibt zu viele die in den US Gespliesste bauen, als der dass er mit den seinigen den erhofften grossen Durchburch erzielte. Er baut die Gerten heute noch, resp. verkauft ab ab Lager, unterdessen hat er Konkurrenz aus China.
Dort bietet ein Rutenbauer Gespliesste auch ab USD 195.- an/(ich bekomme fast wöchentlich Mails, er merkt nicht dass ich selber baue, kann ja kein englisch der Mann). Seine Ruten sind schein nicht so das Wahre, ich selber habe keine gesehen und geworfen. Wie dem auch sei, ich erlaubte dem Mann Fragen zu stellen (in englisch, denn jemand hat seine Website ja auch übersetzt und kann sicher zurück ins Chinesische übersetzen), wie die Verarbeitung geschehe, unter welchen Richtlinein, was mit den Klebstoff und Lackresten geschehe, ob sie entsorgt würden (Umweltschutz) und ob Kinder in seinem Bertrieb arbeiten (die Bilder auf der Website lassen soche Vermutungen zu), er solle mir auch ein Warenmuster senden, damit ich mich von der Qualität überzeugen könne. Nichts, der Mann wollte einfach verkaufen, nur gegen Vorkasse, sonst nicht, keine Antworten auf meine Fragen - aus meiner Sicht also unerfahren, vielleicht sogar nicht ganz seriös. Nun, er hatt scheins seine Käufer gefunden, auch Fachhändler (nicht gerade gutes Beispiel der Gerten
http://www.thehomepool.com/cpain/cpain101.html)
, die die Gerten nun mit einem satten Gewinn verkaufen Um USD 650.-), ob er seine Blanks auch "Rutenbauern" anbietet weiss ich nicht, seinen Mails nach möchte er dies. Die Qualität der Gerten hat sich nun schein laut US-Freunden zum besseren geändert, aber die Preise auch - jetzt sind sie um USD 320.-, für chinesische Verhältnisse und auf hiesige Preise umgerechnet also wohl so ziemlich über USD 1000 (!). Dazu kommt noch UPS für die Lieferung zu uns, macht mindestens nochmals bis Euro 100. Nun gut, die Chinesen sin wie die meisten Asiaten billiger in der Arbeit und können gut kopieren. Ich nehme an für die Hülsen des Rutenbauer und für alle andere Hardware/Material, bezahlt er einen Bruchteil von hiesigen Rutenbauern. Aber auch hier, er muss wissen was er tut und was er dafür nehmen will/kann.
Allgemein muss gesagt werden dass die "Geiz ist geil-Mentalität" auch den Fischereifachhandel auf Dauer kaputt macht, wir Konsumenten tragen unseren Teil mit dem Geiz dazu.
Beispiel ein Kohlenfaser-Ruten Produzent, wurde von einer bekannte US-Firma gekauft, quasi als Billig-Linie derselben. Dann wieder verkauft, an einen anderen, grossen US-Hersteller/Anbieter, derselbe Zweck. Wohlverstanden, hinter den Rutenbaufirmen stecken heute "Investoren", die wollen gute Preise für Ihre Aktien erzielen, von Angeln und Anglern, geschweige von Europäern, versteht man da im Verwaltungsrat sehr wenig, man setzt eher auf "McFlynsy"-Berater. Für den Kunden ist es nun soweit gekommen, dass die beim ersten Besitzerwechsel angekündete "lifetime warranty" null & nichtig ist, denn der neue MCFlynsy-Berater hat darauf gesetzt, nur die Aktiven der Firma zu kaufen/lösen, die Garantie schuldet ER nun niemandem mehr, der fachhändler der sie verkaufte aber im Rahmen von 2 Jahren (Schweiz 1 Jahr) schon - das volle Risiko also abgwälzt, für die Reperaturkosten, ink. Versand in die US und retour, kommt voll der Kunde &/oder Fachhändler auf..
Nun gut, die zeit der Lifetime-Warranty ist wohl eh passé, der Konsumentenschutz ist auch schon darauf aufmerksam geworden und prüft die Haltbarkeit/Stichfestigkeit/Seriösität solcher Angebote für hiesige (Rechts-) Verhältnisse - ich bin gespannt.
Ah ja, der Fachhandel - nun gut, will der Fachhändler eine Gerte einer gewissen Linie führen, muss er eine Mindesbestellmenge einhalten, heisst pro jahr/Serie/Modell ein gewisses Kontingent einkaufen. Für den Hersteller interessant, er wird so Schlag auf Schlag eine grössere Anzahl los, logo gibts für den fachhändler kein Rückgaberecht und willer die vorgeschrieben Menge nicht kaufen, kann er die Marke nicht führen, sch...se für ihn und den Kunden. Gut, er kauft also 5 Modelle und je 10 Stück, doch der Hersteller baut das Modell nach einem Jahr nicht mehr, sonder bietet wieder eine "Neuheit" an , setzt die Preise der alten Modelle (alt = Vorjahr) um 50 runter. Der Fachhändler hat im letzten jahr etwa 30 Stück seiner Gerten verkauft, 20 hat er noch, logo die zum alten Preis eingekauft. Heute verkaufen auch immer mehr Firmen direkt via Website, der Kunde vergleicht, meckert nun aber beim Fachhändler und sicher nicht beim Lieferanten. Der Fachhändler setzt den Verkaufs-Preis nun runter, vielleicht hat er noch eine Marge von 10%, eher gar nichts mehr, ausser vielleicht noch 10 Ruten am Lager die keiner mehr will, von den runtergesetzten 20 giengen ja nochmals 10 Stück - also ein voller Abschreiber, auch Verlust. Zugleich kommt der Vertreter des Lieferanten und sagt dem Fachhändler "wenn de dieses Jahr noch immer unsere Marke führen willst, so kaufe wieder 50 Gerten der neuen Kollektion, sonst biste raus". Gleicher Verlauf der Geschichte, nächstes Jahr nochmals 10 Ruten (voll) abschreiben. Was tun - die Marke nicht mehr führen, dann tuts die Konkurrenz (die hat zugegeben die gleichen schwierigen Verhälnisse, keiner wills aber zugebenen), also einkaufen. Gut, vielleicht entlässt man einen Mitarbeiter, spart Kosten, bessere Zeiten kommen ja bestimmt einmal. Der Kunde bekommt gleichzeitig lebenslange Garantien angeboten, kann seine Gerten also in einem Jahr kaufen, für die Zeit des restlichen Lebens erhält er bei "Unfällen/Bruch" wieder eine gratis - sofern der Lieferant nicht verkauft wird und überlebt, merkt er aber erst wenn die Gerte nach 3 Jahren bricht, der Fachhändler sagt sorry, Firma &Garantie erloschen, oder istauch kulant, dann auf seine Kosten. Insgesamt ein Teufelskreis wie allgemein in der derzeitigen Marktwirtschaft - geben und nehmen - heute mehr geben und immer weniger nehmen, sich durchwursteln, heute ist heute, was morgen ist interessiert nicht, oder man wagt kaum daran zu denken.
So genug - es ist traurig, aber so.
Gruss
Stefan