Hallo Ihr,
das motorische Gedächtnis, genau so wie von Frank beschrieben, muss ja erst trainiert werden, damit es funktioniert. Was, finde ich, nicht immer klar für den Anfänger rüberkommt, ist, dass man das Fliegenwerfen sehr fleißig (was bedeutet dieses?) üben muss und hierbei dann keine Fehler trainiert. Man könnte nun glauben, dass man nur einen Wurfkurs besuchen muss und ist danach gefeit, sich Fehler anzutrainieren….
Jeder Mensch ist verschieden (Lehrer und Schüler). Das schließt das Lernverhalten und die Aufnahmefähigkeit des Schülers und die didaktischen Fähigkeiten des Lehrers mit ein. Immer gleich oder zumindest ähnlich ist die Dauer eines Wurfkurses, nämlich ein oder zwei Tage. Was dann nur vermittelt werden kann, ist ein Einblick. Das motorische Gedächtnis kann so kaum trainiert werden, bestenfalls nimmt man die Anleitung dazu, wie es richtig geht, gut auf und auch mit nach Hause.
Das bedeutet für mich, dass man sich sowohl Wurfkurs, als auch alle anderen Medien (im Vorfeld und im Nachhinein) zunutze machen sollte, um vor allen Dingen eine theoretische Grundlage zu schaffen.
Gleichermaßen finde ich es aber auch nicht so schlimm, wenn man es erst mal selber mit der Fliegenrute probiert und erst nach einer gewissen Weile eine Anleitung bekommt, solange man nicht wie besessen das Verkehrt übt. Um das zu vermeiden, müsste man aber zumindest grundsätzlich wissen, wie das Ergebnis aussehen sollte.
Ich könnte mir vorstellen, dass wenn man nur auf den Wurfkurs baut und sich wirklich alles vom Lehrer zeigen lässt, ohne sich selbst etwas zu erarbeiten, könnte der Weg ebenso steinig werden, als wenn man versucht, komplett ohne Anleitung klar zu kommen. Das kann, wenn nicht sogar schneller, in einer Sackgasse enden.
Wenn man z.B. das Spiel der klassischen Gitarre erlernen möchte, kommt man nicht um einen guten Lehrer umhin. Nun ist das eine weitaus komplexere Beschäftigung als das Fliegenwerfen, da es Bereiche des menschlichen Handelns erschließt, die weit über das Erlernen der bloßen Technik hinausgehen. Übte der Schüler hier nicht, würde der Lehrer scheitern und nicht einmal die Grundtechniken vermitteln können. Nie würde das Spiel irgendeines Arpeggios oder gar einer Tremolopassage gelingen, da dieses nur mit 'Muscle Memory' überhaupt möglich ist.
Wer würde aber glauben, dass nach einmaliger Anleitung ein derart komplexer Bewegungsablauf erlernt werden kann? Der Schüler kommt jede Woche wieder und wird vom Lehrer korrigiert, d.h. er greift auch zu und ein, richtet die Haltung, setzt die Finger, etc. Wahrscheinlich hätte es in der Vergangenheit auch Ohrlaschen gesetzt, denn früher dachte man, dass Angst ein guter Lehrmeister sei!

All das kann ein Video natürlich nicht leisten, sei es auch noch so gut.
Jetzt läuft natürlich niemand alle zwei Wochen zum Fliegenfischerkurs, da das praktische Ziel der Tätigkeit dies nicht erfordern würde. Ich könnte mir aber vorstellen, dass wenn man in einem Jahr zwei Wurfkurse besuchen würde, ein mal die Woche ein wenig übt und sich parallel mit der Theorie beschäftigt, sollte man zurechtkommen und auch unter erschwerten Bedingungen, wie z.B. an der Küste, soweit klar kommen, so dass man weitreichende Freude am Werfen entwickelt und auch erfolgreich Fischen kann. Fischen gehen kann man natürlich auch sofort oder nach einer Woche Trockenübungen, ich meine hier aber das zu entwickelnde Gefühl, dass man passabel werfen kann.
Diese Videos finde ich gut:
http://www.youtube.com/watch?v=MRxehBEnCX8 … Five Essentials.