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Verfasst: 09.08.2005, 22:58
von Pinn
Original geschrieben von TorstenHtr
Um ganz konkret zu werden: (Zitat von Scierra.com)
"The EDP is not confined by the AFTMA system, but has been developed with serious consideration to rod load [..]"
Was blanker Unsinn ist, normalerweise wählt man zuerst die Schnur für die Anwendung und dann die Rute. Auch weil es keine eindeutige Definition für einen Rutenstandard gibt.
Hi Torsten,
als naiver Anfänger, der wegen Verschleiß der alten eine neue Schnur für seine Rute sucht, macht man das sicher andersrum.
Mir ging es jedenfalls so. Die Anwendung stand fest (Angeln auf Forellen und Äschen) und ebenso die Rute, ein feiner Selbstbau ohne Beschriftung. Durch Ausprobieren verschiedener Schnüre von Freunden kam ich zu dem Ergebnis, sie ist optimal geeignet für Schnüre der Klasse 5, weil mir mit solchen Schnüren die nach meinem Empfinden schönsten Vor- und Rückschwünge um die 10m und finale Würfe >15m gelangen.
Es sind also mehr "wurfgefühlsmäßige" Kriterien, nach denen ich die Rute eingeordnet habe. Aber ich merkte ziemlich schnell, mit welchen Schnurgewichten diese Rute bei meinem eher kraftsparenden Wurfstil harmoniert. Ich will nämlich keine castingähnlichen athletischen Übungen wegen einer zu schweren Schnur veranstalten, sondern lieber lange Zeit ermüdungsfrei fischen.
Daß man das Schnurgewicht auch anders definieren kann als nach der AFTMA-Norm, sehe ich ein. Aber dann sollte das bitteschön auch eindeutig deklariert sowie erläutert werden.
Unklare Aussagen wie "diese Schnur paßt zu einer Rute der Klasse x" empfinde ich gelinde gesagt als höchst verwirrend, da ich damit wenig bis nix anfangen kann.
Wenn AFTMA auf der Verpackung steht, hat auch eine der AFTMA-Klasse entsprechende Schnur drin zu sein, selbstverständlich im Rahmen der zulässigen Toleranzen.
Gruß, Werner
Verfasst: 09.08.2005, 23:32
von Pinn
Original geschrieben von Fyggi
Und das es keine einheitliche Definition für eine Fliegenrute gäbe wäre mir neu, auf meinen Ruten stehen ganz deutlich AFTMA-Klassen!
Wollte ich eigentlich schon immer nach fragen: wie lautet diese Definition? Oder richtet sie sich nach dem Aufdruck auf der Rute?
Gruß, Werner
Verfasst: 10.08.2005, 07:29
von AGV-Furrer
Hallo Werner,
ich hoffe deine Frage richtig verstanden zu haben.
Die Abkürzung AFTMA steht für "American Fishing Takle Manufractures Association", oder auf deutsch "Vereinigung der amerikanischen Angelgeräte-Hersteller".
Diese Klassifizierung wurde zum weltweiten Standard beim Fliegenfischen.
Sie betrifft das Gewicht das die Fliegenschnur auf den ersten 9,14 metern Länge besitzt, wobei 0 das leichteste und 15 das schwerste Gerät klassifiziert:
AFTMA / Gewicht in gramm
0 / 2,6
1 / 3,9
2 / 5,2
3 / 6,5
4 / 7,8
5 / 9,1
6 /10,4
7 /12,0
8 /13,6
9 /15,6
10/18,2
11/21,4
12/24,7
13/28,0
14/31,2
15/34,5
War es das was du wissen wolltest?
Verfasst: 10.08.2005, 15:04
von Fyggi
Ingo schrieb:
Dass heißt für mich nichts anderes, als dass ich probieren muss. Deshalb kann ich auch nur jedem empfehlen, die Rute seiner Wahl vor dem Kauf zu werfen - möglichst mit der Leine, die anschließend auch gekauft wird. Das dazu nicht immer die Gelegenheit besteht ist auch klar.
Wenn ich ein optimal auf mein Wurfgefühl abgestimmtes Gerät haben möchte, ist dieses tatsächlich der einzige Weg! Leider!
Aber ich glaube auch, dass das Klassifizieren, egal ob mit AFTMA oder Gramm-Angaben, auch nur einen Kompromiss aufgrund der unterschiedlichen Vorlieben und unterschiedlichen Gewässergegebenheiten sein kann.
Nicht umsonst gibt Roman Moser bei seinen Ruten 3 werfbare AFTMA-Klassen an. Damit können seine Ruten ja nichts Neues oder Besonderes, sondern er gibt dem Ganzen nur einen anderen Namen........
Mark
Verfasst: 10.08.2005, 15:21
von Royal Coachman
Hallo Freunde !
Also die Schnur vorher zu kaufen und dann die Rute dazu, halte ich für blanken Unsinn, ich kauf mir auch nicht zuerst das Hemd und dann den Anzug.
Was die Aftma Klassen betrifft, so verändert sich auch das Wurfkönnen jedes Fischers im Laufe der Jahre.
Der Anfänger braucht eine Klasse schwerer, man kann das selbst überprüfen, nach Jahren ist man im Stande mit der gleichen Rute eine Klasse niedriger zu werfen, man ist einfach besser geworden und das Timing stimmt exakt. Dies dürfte auch der Grund sein, warum R.M. drei Klassen angibt.
freundlichst
Royal Coachman
Verfasst: 10.08.2005, 16:08
von TorstenHtr
Hallo Royal Coachman,
Da muss ich dir ganz klar widersprechen, wenn ich es auf eine bestimmte Species abgesehen habe wähle ich zuerst die benötigte Fliege dann die Schnur und erst dann die zugehörige Rute. Denn die Schnur bestimmt die Präsentation und was für eine Art der Fliege ich werfen kann und das hängt nicht von der Rute ab. Erst *danach* wählt man die Rute, ich denke das ist elementar.
Die Schlusskette ist Fliege -> Schnur -> Rute, danach trifft man seine Entscheidungen, anders herrum ist es zum scheitern verurteilt. Normalerweise funktioniert das auch.
Mark, es gibt schlicht keinen AFTMA Standard für Fliegenruten, der wurde nie definiert. Ansonsten verrate mir die Spezifikationen, was muss z.B. eine #5 Rute an Messdaten erfüllen?
Üblicherweise ist die Klasse die auf der Rute steht ermittelt durch einen Testwerfer, der probiert alle möglichen Schnüre durch und gibt dann eine Klassifikation für die Rute. Das ist in etwa so, als wenn ein Testfahrer einer Firma die PS Leistung abschätzt und das kommt dann in das Datenblatt.
In vielen Fällen "stimmt" auch die ermittelte Schnurklasse, aber ich persöhnlich hatte mehrere Ruten wo das schlicht nicht harmoniert hat.
Eine Doppelklassikation ist IMHO Unsinn, 4/5 etc., oder gar 4-6, soll ich erstmal 3 Schnüre durchprobieren? Da will sich wohl der Hersteller aus der Affäre ziehen .. Der Marktführer z.B. gibt für seine Ruten nur eine Klasse an.
Es gibt mehrere inoffizielle objektive Testmethoden, die mehr oder weniger gut funktionieren.
Zur AFTMA Spezifikation, ich denke es ist schon sinnvoll wenn die ersten 30ft. vom Gewicht her definiert werden. Denn davon hängt die Präsentation der Fliege ab.
Ein Keulengewicht allein würde ich nicht für sinnvoll erachten weil man die Masse auf verschiedenen Längen verteilen kann. Eine Kombination von beidem, also AFTMA Klasse und Keulengewicht wäre sicherlich sehr gut.
Allerdings sehe ich nicht das sich da irgendetwas in der Richtung verändern wird, ich glaube das AFTMA Kommitee existiert auch gar nicht mehr.
Ein seriöser Hersteller hält sich auch an der AFTMA Norm, ansonsten kann man das ja auch reklamieren. Das ist auch sehr leicht mit einer Digitalwaage zu überprüfen.
Bis dann..
Torsten
Verfasst: 10.08.2005, 16:34
von sedge111
Hallo Torsten,
ich versuche mal Deine Argumentation in die Praxis zu übersetzen.
Du kommst ans Wasser, die Forellen steigen auf # 24 midge.
Fliege ausgewählt! Passende Schnur Aftma 0, Du ziehst aus Deinem Schnurdepot eine 0er-Schnur heraus! Passende Rute? Gottseidank hast Du neben den ca. 15 anderen Ruten einer 0er sage im Auto liegen!
Ohne Dir nahe treten zu wollen, Deine Argumentationskette ist in der Praxis gelinde gesagt schwer zu realisieren!
Grüße, und bitte nicht falsch verstehen!:D
Tom
sedge111
Verfasst: 10.08.2005, 17:16
von TorstenHtr
Hallo,
Nun das wäre wohl ein Extrembeispiel, umgekehrt argumentiert würdest du einen Hechtstreamer an eine 2er Rute hängen weil du diese Rute ausgewählt hast?
Normalerweise läuft es darauf hinaus z.B. Spezies Hecht -> "Fliege" (besser Flugangelköder

) sei ein Streamer der Hakengröße 4/0 -> um diesen zu transportieren brauche ich eine 8er Schnur -> dazu eine Rute der Klasse 8.
Diese Argumentationskette stammt nicht von mir, sondern wird von den meisten Instuktoren genau so vertreten, wie z.B. ein Paul Arden. Denn die Schnur bestimmt die Präsentation und nicht die Rute.
Ich nehme durchaus mehrere Schnüre als auch Ruten mit, meistens reicht der Kompromiss einer 5er Schnur aus.
Ganz strikt ist das IMHO auch nicht zu verstehen - mit einer Schnurklasse kann man mehre Typen von Fliegen werfen.
Bis dann..
Torsten
Verfasst: 10.08.2005, 17:26
von sedge111
Hallo Torsten,
grundsätzlich kann ich Deiner Argumentation natürlich folgen. Bezüglich der Praxisrelevanz schreibst Du ja selbst, dass man häufig (immer?) Kompromisse treffen muss. Zu Deinem Beispiel:
Original geschrieben von TorstenHtr
Nun das wäre wohl ein Extrembeispiel, umgekehrt argumentiert würdest du einen Hechtstreamer an eine 2er Rute hängen weil du diese Rute ausgewählt hast?
Hätte ich nur eine 2er Rute dabei, würde ich nicht auf Hecht fischen........
Grüße!
sedge111
Verfasst: 10.08.2005, 17:57
von TorstenHtr
Hallo sedge,
Da hast du vollkommen Recht in den meisten Fällen ist es ein Kompromiss.
Ich wollte prinzipiell andeuten das man mit seiner Denkweise mit der Fliege/Schnur beginnen sollte und das die Rute das letzte Glied in der Kette ist.
Warum nimmt man z.B. eher eine 5er Kombination zum für Forelle als eine 8er Kombination -> wegen der wesentlich schlechteren Präsentation einer 8er Schnur (setzt viel härter auf). Die Rute ist nur das Werkzeug zur Beschleunigung der Schnur, könnte man prinzipiell auch weglassen (mit etwas Übung kann man erstaunlich weit ohne Rute werfen).
Wenn man seinen Stil etwas anpasst kann man auch mehrere Schnurklassen mit einer Rute werfen, auch wenn es nicht immer optimal ist. Ich habe mal eine 4er Schnur mit einer 7er Rute werfen müssen, weil ich eine Rute vergessen habe. Das ging auch (solange man keinen Rollwurf machen muss).
Zum Thema, es gibt einige Messverfahren für Fliegenruten, die bekannteste Methode ist momentan die CC-Methode. Dabei spannt man die Rute horizontal ein und hängt so viel Masse an die Rutenspitze, bis die Rute auf 1/3 ihrer Gesamtlänge durchbogen ist.
Dann bestimmt man 2 Variablen -
1. Der Winkel der Rutenspitze gegenüber der horizontalen ( AA, Aktionswinkel )
- diese Variable beschreibt den Typ der Aktion, je höher dieser Wert desto spitzenbetonter ist die Aktion
2. Eine Zahl die mit einer Tabelle aus dem an der Spitze gehängten Gewicht bestimmt ( ERN, effektive Rutennummer ) - diese liefert eine gute Abschätzung für eine mit dieser Rute harmonierenden Schnurklasse
Werte für typische Ruten findet ihr unter
http://www.superbob.org
Wenn ich wieder mehr Zeit finde werde ich meinen Artikel darüber fertig schreiben (wie man eine Rute mit der CC messen kann) und auf unsere Homepage stellen.
Bis dann..
Torsten
Verfasst: 10.08.2005, 18:10
von Rolf Renell
Hi Torsten,altes bekanntes Thema,Theorie & praxis,wir sprachen ja auch schon darüber.Bill Hanneman wollte es in Buchform bringen(CCS),weisst du mehr ist da schon was passiert?
bisher fehlte mir auch Zeit für Versuchsanordnung,eine Sache ist mir dabei unklar - es wird beschreiben die Rute unter Ladung(Gewicht)zu bringen bis sie 1/3 ausgelenkt ist.?!
wie genau soll dies geschehen ,wann ist ein Drittel erreicht ,wie wird anhand von welchen Punkten dies bestimmt.
In der aktuellen " fly Fishing and Fly Tying" ist ebenfalls nochmal eine kurze Darstellung ,dort wird und werden in Zukunft Testruten ebenfalls in CCS Werten angegeben.
Beste Grüsse,Rolf
Verfasst: 10.08.2005, 18:16
von Pinn
Original geschrieben von AGV-Furrer
Hallo Werner,
ich hoffe deine Frage richtig verstanden zu haben.
Die Abkürzung AFTMA steht für "American Fishing Takle Manufractures Association", ...
Hallo Volker,
mir ging es mehr um die Frage, wie die AFTMA-Klassifizierung von Fliegenruten zustandekommt, nämlich das, was auf den Blank aufgedruckt wird, z.Bsp. "AFTMA 5" oder auch "AFTMA 5 - 7". Ich vermutete da ähnliche und genau definierte physikalisch-technische Kriterien, wie sie beispielsweise bei der Klassifizierung von Karpfenruten Anwendung finden (lbs) und dadurch Rückschlüsse auf minimales, optimales und maximales Wurfgewicht zulassen.
Sowas scheint es aber für Fliegenruten nicht zu geben. Das bedeutet dann konsequenterweise, die auf die Rute aufgedruckten AFTMA-Angaben sind mit Vorsicht zu genießen.
Gruß, Werner
Verfasst: 10.08.2005, 18:27
von TorstenHtr
Hallo Rolf,
Ja, leider ich wollte schon längst den Artikel fertig schreiben, aber es fehlt halt die Zeit ..
Das Einspannen ist ziemlich einfach, dazu braucht man 2 Schraubzwingen und Zwischenlagen die man z.B. aus gefalteten Umschlägen herstellt. Wenn man das richtig macht bekommt man eine solide Befestigung ohne das man den Kork o.ä. beschädigt. Gewicht hängt man an die Rutenspitze mit einem Ziplock Beutel - Gewicht können 5 Cent Münzen sein, bis die Vertikale Auslenkung 1/3 der Rutenlänge beträgt - bei einer 9 ft. Rute wären das 3ft. oder etwa 90cm.
Naja, ich werde das dann genau beschreiben, es ist auch wichtig eine bestimmte Prozedur einzuhalten - sonst hat man zu viele Messfehler.
Dr. Hanneman hat mir auch seinen neuen Test zugeschickt, das ist die indirekte Bestimmung der Rückstellgeschwindigkeit der Rute mit der Frequenz der Rute.
Interressant - ich vermute die Tests stammen dann von Magnus - vielleicht sollte ich die englische Zeitschrift abbonieren und den (immer schlechter werdenden) deutschen Zeitschriften kündigen.
Bis dann..
Torsten
Verfasst: 10.08.2005, 19:27
von Rolf Renell
Ja ,Torsten wäre schön wenn du das schaffst,hab zwar alles hier liegen(Rod Maker etc.) mit meinem wissenschaftlichen Englisch ist es zu müssig ,da bist du fitter.Apropos -Zeitschriften-kann ich nur empfehlen ,habe dieses getan nach jahrelangem "Testlesen",ist ein gute Alternative,
beste Grüsse,Rolf
Verfasst: 10.08.2005, 20:48
von Fyggi
Hai Thorsten,
habe nochmals nachgefragt, aber entgegen zunächst anderslautenden Informationen anderer Fliegenfischer scheint es wirklich keinen Standart für Fliegenruten zu geben. War mein Unwissen.:bawling:
Ist denn bekannt, wie die Wurfgewichte von allen anderen Ruten (ausser Fliegenruten) bestimmt werden?
Aus dem Vereinigten Königreich kamen doch schon vor geraumer Zeit die ersten Ruten, bei denen meines Wissens erstmalig das Wurfvermögen/-gewicht in Pounds (Lbs) angegeben wurde. Aus diesem wiederum kann das Wurfgewicht einer Rute entsprechend umgerechnet werden.
Vielleicht haben die ja eine Möglichkeit gefunden? (Wenn wir auch dann wieder bei der Diskussion: "kann man die Wurfgewichte von fliegenruten mit anderen Ruten überhaupt vergleichen?" wären: Compound Taper, progressiv Taper, fast Taper........)
Bezüglich der Klassifikation von Fliegenschnüren bleibe ich dabei: lediglich die Angabe des kompletten Gewichtes der Keule bringt hier Klarheit. da das das Wurfvermögen einer Rute von diesem anhängig ist, bei Weitwürfen eklatant, bei Wiesenbächen spielt es eher eine untergeordneter Rolle. Dort macht es bald mehr Sinn, sich über die Transportmöglichkeiten von verschiedenen Vorfächern intensivere Gedanken zu machen.
Bei den "Ungereimtheiten" zwischen Rute, Schnur und Vorfächern und den jeweiligen Toleranzen ist es eigentlich schon zeimlich verwunderlich, dass es im Großen und Ganzen doch immer wieder gelingt, seine Fliege dahin zu befördern, wo sie hin soll (ob nun in 5 oder 30 Metern Entfernung):D
Mark