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Verfasst: 05.07.2004, 16:09
von Ruediger Graf
Meine persönliche Defintion von Fliegenfischen lautet so: auf jeden Fall kein Sport! Denn mit Sport ist auch immer ein gewisses Ziel definiert.
Was soll das Ziel sein?
a) bei einem Kochtopffischer also das Töten von Fischen? Das kann in meinen Augen kein Sport sein
b) bei einem Catch&Releaser das - ich sag´s jetzt mal brutal - quälen, also Fangen von Fischen aus Spass? Das kann in meinen Augen genausowenig Sport sein.
Deshalb hat für mich das Fliegenfischen mit Sport nix zu tun. Es geht viel mehr in Richtung Passion, Lebenseinstellung, Philosophie, Bildung.
Verfasst: 05.07.2004, 18:18
von Dreemich
ich rufe mal ein petrie heil in die runde , und frage euch auch ob fliegenfischen ein ein lehrnziehl hat. ich finde es interessant wenn erfahrungen unter freunden so wie bekannte weiter gegeben werden und dardurch auch freundschaften entstehen. erinere meine ffn vom niederreihn an unsere tur nach der kyll in diesem jahr. ich fsage fliegenangel verbindet auf seiner weise. gruß Dreemich von den ffn,s
Verfasst: 06.07.2004, 07:10
von LippeTorstenNRW
Sport? oder kein Sport? Ich denke es sollte jeder es so darstellen wie er meint.
Ich für mein Teil denke das,daß nichts mit Sport zu tun hat auch wenn man sich dabei körperlich Betätigt.
Sicher ist das Angeln beim Deutschen Sportbund angeschlossen und wir müssen alle unseren Sportgroschen zahlen aber das sollte uns nicht davon abhalten die Natur zu geniessen.
Gruss Torsten
Verfasst: 06.07.2004, 08:40
von Michael Hempel
@ uli
Wie Du schon an den Meinungen aller Poster erkennen kannst, gibt es doch erhebliche Unterschiede bzw. Meinungen zu diesem Thema.
Wenn Dich persönlich, da sich ja sonst niemand darüber monierte, meine
"Lebenseinstellung" stört, empfinde ich das als nicht weiter kritikwürdig.
Jeder wie er mag und empfindet.
Wenn ich in meiner Freizeit, und das ist so 3-4 mal die Woche für 4-6 Stunden, alles liegen und stehen lasse ohne Rücksicht auf Verluste, dann ist das schon ein ganz schön einschneidender Umstand in meinem Leben und Partner und Freunde haben darunter zu leiden bzw. kommen zu kurz.
Dies ist, jedenfalls meiner Meinung nach, nur mit dem Wort "Lebenseinstellung" zu definieren und ich kann daran nichts schwülstiges erkennen.
Hauptsache ist doch, egal wie man es letztendlich definiert, das jeder für sich seine Erfüllung in dem findet, womit man glücklich und zufrieden ist.
TL
Michael
Verfasst: 11.07.2004, 18:38
von maan
Moin,
hier mal schnell die offizielle Meinung des Deutschen Sportbundes, zwar nicht ganz aktuell, aber die änder sicher nicht so schnell ihre Meinung,( NICHT meine persönliche Meinung)
Fliegenfischen 1 / 88 Seite 33
Ist Fischen Sport ?
Selbstverständlich nicht! Das haben wir seit dem 7.6.87 schwarz auf weiß von den Gralshütern des Sports, dem „ Deutschen Sportbund “. Nicht etwa, daß wir Sportfischer um diese Entscheidung gebeten hätten, sie kam zustande durch eine Anfrage des Deutschen Tierschutzbundes. Sie wollten wissen, wieso der VDSF Mitglied im DSB ist und ob Angeln Sport sei.
Die Antwort: Casting ja, Angeln nein.
Für mich ist es zwar völlig belanglos, wie meine Betätigung bezeichnet wird, ich gehe seit 60 Jahren angeln und werde bis zum Ende meiner Tage angeln gehen. Wenn schon eine Bezeichnung seien muß, dann bin ich Fliegenfischer, ohne damit eine sportliche – Verzeihung – eine weidgerechte Bewertung meiner Tätigkeit vorzunehmen. Was mich an der Entscheidung des DSB interessiert, wäre die Antwort auf die Gegenfrage: Was ist Sport ?
Dabei erlaube ich mir, den DSB auf die Gedanken eines Fliegenfischers hinweisen, der, bevor das Wort „ Sport “ in Deutschland bekannt war, in seinem 1874 ( ! ) erschienenen Buch „ Die Kunst der Fliegenfischerei “ seine Gedanken über den Sport wiedergibt. John Horrocks schreibt: „ Sport ist ins Deutsche nicht übersetzbar “. Er erläutert, was in England unter Sport verstanden wird.
„ Sport of the fields“ , so nannte man auf den britischen Inseln ländliche Vergnügen, die wie andere zum Vergnügen und nicht des Verdienstes halber betriebene „ Sports “ dazu dienen sollten, den Charakter zu bilden. John Horrocks sagt: „ Die für den Fischer notwendige geistige und körperliche Gewandtheit, physische Ausdauer, ständige Aufmerksamkeit, unablässige Beherrschung der Ungeduld, Fairneß und Aufrichtigkeit, das sind Kriterien, die jeden Sport auszeichnen. Sie zu erwerben, zu vervollständigen ist sportliche Betätigung “. Ich gebe dem DSB recht, daß der heutige Spitzen- und Leistungssport mit dieser Definition nichts zu tun hat. Hier wird der ursprüngliche Sinn des Wortes „ Sport “ mißbraucht, denn der Wettkampfsport gleicht immer mehr einer Gladiatorriege. Nicht „ Dabeisein ist alles “, sondern „ Siegen um jeden Preis “, ohne Rücksicht auf die eigene ( Doping ), noch auf die Gesundheit des Gegners ( Sportinvalide ).
Mit diesem Sport haben wir nichts zu tun. Weder mit dem materiellen Lohn, noch mit den Symbolen der Eitelkeit – Meistertitel und Pokale. Mein Lohn ist die Auseinandersetzung mit dem Fisch. Fair oder unfair – Schiedsrichter ist nur das eigene Gewissen. Natürlich sind auch bei unserer Betätigung Eitelkeit und Geltungssucht Randerscheinungen. Die harmloseste Form ist das sogenannte Anglerlatein, das außer dem Verursacher keinen schädigt. Sport und Fischerei – ich fühle mich der Definition John Horrocks‘ verpflichtet, die zu beurteilen der Deutsche Sportbund in keiner Weise autorisiert ist.
Verfasst: 14.08.2004, 21:45
von helmut herrmann
Wenn ich den körperlichen und geistigen Einsatz unserer Fußball-Nationalmannschaft verfolge, habe ich in 6 Stunden Fliegenfischen
an der Weimarer Ilmstrecke, die völlig zugewachsen ist, wesent-
lich mehr Einsatz gezeigt. Zumindest meint das meine Frau, wenn
sie meine völlig durchschwitzten Klamotten waschen muß.
Das hat schon was mit Sport zu tun...
Verfasst: 14.10.2004, 21:30
von ThomasKink
Ich halts wie Olli D.
Grüße an meine alte Heimat
War bestimmt Radio KW, oder
Grüße
Thomas
Verfasst: 14.10.2004, 23:17
von Maifliege
Hallo zusammen,
es ist in meinen Augen Kunst, einfach nur wirklich gelebte Kunst. Erst die flüchtigen Gebilde tüddeln, dann testen. So sehn´s die Tommys auch immer! Und da hab ichs gelernt. Zen geht auch noch, versteht in Europa aber keiner.
TL
Matthias
Verfasst: 14.10.2004, 23:59
von roland 59
FF oder auch Fischen im Allgemeinen ist für mich nur Passion und Hobby zugleich und somit auch persönlicher Spaßfaktor, obwohl man sich bewegt und teilweise stundenlang unterwegs ist.
Sport ist z.B, wenn ich mich zwecks Abspecken (schau heute lieber mal nicht auf die Waage) mal so 40 km aufs Rad oder den Heimtrainer schwinge. Da stellt sich das Glücksgefühl erst später, nach getaner Arbeit, ein.
Des Weiteren betreibe ich einen andere Randsportart:
Petanque, die sportliche Variante von Boule.
Für die einen, die nicht wissen was das ist:
Das sind die Menschen die mit Eisenkugeln auf ein kleines harmloses Holzkügelchen werfen. Auch hier der Streitpunkt innerhalb der Boulisten- Sport oder Hobby?
Also um es kurz zu machen - Sport fängt bei mir da an wo der Spaß aufhört!
so das war es
Roland
Verfasst: 15.10.2004, 09:01
von Matthias
Original geschrieben von roland 59
... Also um es kurz zu machen - Sport fängt bei mir da an wo der Spaß aufhört! ...
Oh je, das heißt ich treibe keinen Sport, wenn ich 1,5h dem Ball auf dem Kleinfeld hinterherrenne (und das mit sehr viel Spaß)??? Wie ernüchternd ...
Viele Grüße, Matthias
Verfasst: 15.10.2004, 09:11
von roland 59
@ Matthias
Richtig !! - du hast 1,5 Stunden Spaß !

))
Mach mal länger - dann fängt irgendwann der Sport an !
Roland
Verfasst: 18.11.2004, 00:33
von fliafi
Ist Fliegenfischen Sport ?
Hi,
Ja:
- wenn man Casting betreibt,
hat aber dann nicht mehr viel mit Fliegenfischen zu tun
Weder ja noch nein:
- wenn man Wettkämpfe auf Kosten des Lebewesens Fisch betreibt.
(größter Fisch, meiste Fische gefangen, beste Ausrüstung, weiteste Würfe,
längste "Rute" usw.)
- wenn Fliegenfischen zum Kampfsport gegen den Fisch oder gegen die
Natur wird.
(z.B. den Fisch mit der Rute über die Böschung raufziehen usw.)
Nein:
- wenn das arbeiten in und mit der Natur im Vordergrund steht.
- wenn aus Lebensfreude gefischt wird.
(einen Fisch fangen, in der Natur zubereiten, ein Gläschen Wein dazu usw.)
- wenn die Höchstgeschwindigkeit beim Waten unter 1 m / Minute bleibt
- wenn keine Rekordjagd betrieben wird
dann ist es Lebenskunst!
Gruß
fliafi
Verfasst: 18.11.2004, 17:17
von Peter S., Köln
Hallo fliafi,
deine Definition des Themas gefällt mir ausgezeichnet.
Sie deckt sich weitgehend mit meinen Ansichten.
Verfasst: 20.11.2004, 21:24
von Markus H.
Hallo,
"Sport" vielleicht weniger, Passion--Leidenschaft--Lebenseinstellung kommen da schon näher !!
allzeit ein gestrecktes Vorfach wünscht Euch...
Verfasst: 23.11.2004, 15:41
von Dorus
Angler oder SF ...
Ein FF der nicht im VdSF organisiert ist und damit Pokale mag. Paradox nicht war?
Einer der sich nur an sich selbst in persönlichen Ellen mißt! Er nimmt keinen Zollstock und fragt nicht.
Einer der nicht möglichst schnell seine Forelle fängt, damit der Seeadler kommen kann um die Kormorane zu fressen.
Einer der nicht die Spielfeld-Ufer freischneidet, damit ihm keine Schwarzen Gesellen SEINE Fische klauen.
Einer der seine Bach-Nutzungsgebühr nicht genußvoll ausschöpft.
Ein discreter Fischfreund der seine Lieblinge nicht in ihrem Bett besucht.
Ein Naturfreund, der den Unterschied zwischen einem Bach und einem Fluß kennt.
Ein Angler der keinen Fisch, auch keine Fische mag, sondern sie möglichst oft in ihrem Leben locht.
Ein Angler der seine Rute nicht anschleift, damit sie weniger scheucht.
Ein Angler der sich an die Beiß-Spielzeit hält, und sich vor dem Spiel auch an einem Eisvogel auf der abgelegten Rute freut.
Einer der den Müll der Sportangler mitnimmt.
Einer der weiß, dass Frauen mehr Farben sehen können als Männer.
Einer der weiß, dass Männer nur drei Farben sehen aber Rotaugen sechs und deshalb "lieber" auf Forellen angelt.
Einer der weiß, dass Heringsfische Ohren haben, die fast so groß sind wie ihre Körper und Plastikfäden wie Donner wirkt.
Einer der Wein oder Bier trinkt, denn Alkohol muß sein! Weil... trinken Alkohol, essen Schweinefleisch... beten, glauben.
Was für ein herrlich wichtiges Thema.
Den fehlenden ersten Satz, ob SF oder nicht könnt ihr Euch nach Belieben selbst einfügen.
Stellt Euch mal vor, Ihr geht abends vor die Tür.
Kein Mucks.
Kein Lärm von irgendeinem Menschen, kein Flugzeug, kein Auto.
Kein von Menschen gemachtes Licht, kein Quecksilberlicht nur der Sternenhimmel, die Milchstraße.
Kein hell erleuchteter Schuh-Einkaufspfad, kein Auto, kein von innen beleuchter Coca-Cola Werbeträger beim Nachbarn, kein Fernsehen, kein Radiogedudel.
Kein Fernsehmoderator der das holographic word Sport in den Mund nimmt.
Ich glaube, die meisten Menschen wissen nicht mehr wie die Milchstraße und funkelnde Sterne aussehen.
Sie haben auch noch nie das Gras wachsen gehört, oder das Geräusch das ein Wasserfloh macht.
Wie schön, dass es Fliegenfischen gibt.
Ich wünsche Euch eine besinnliche Adventszeit.
Dorus