DIY Fliegenfischen auf den Cocos Keeling Inseln
Australiens letztes "unberührtes“ tropisches Inselparadies mit seinen Licht- und Schattenseiten, März 2026
Ein Reisebericht von Michael Müller | Fotos: Michael Müller (soweit nicht anders angegeben)

Namensgebend für die Cocos Keeling Inseln sind die heimischen Kokospalmen, die dort in üppigen Wäldern und in allen Wuchsstadien vorhanden sind
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Gegen Mittag fahre ich mit unserem schon arg in die Jahre gekommenen Hover Colorado Pickup auf der mit unzähligen Schlaglöchern gepflasterten Air Force Gravel Road an die Südspitze der Westinsel. Der Wagen ist ein wirklich cooles Gefährt, aber er wird an einigen Stellen nur noch vom Rost zusammen gehalten und hat zudem einen kapitalen Frontscheibenschaden. Neben den mit Regenwasser gefüllten Schlaglöchern muss ich ständig herabgefallenen Kokosnüssen, freilaufenden Hühnern und in den Pfützen badenden, zahlreichen Landkrabben ausweichen, was das Tempo arg drosselt und die Fahrzeit in die Länge zieht. Noch gestern war die Straße nach schweren Regenfällen wegen Überflutung komplett geschlossen, auch heute steht noch viel Wasser überall. Dschungel-Feeling pur!
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Low Tide an der Südspitze von West Island
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Am Strand angekommen, zeigt sich das Wasser wegen der bereits fortgeschrittenen Ebbe flach und nur zwischen Knöchel- und Knietief. Hier findet sich zunächst eine rd. 150m breite und 1km lange Strömungsrinne (Channel) mit koralligem Grund. Anschließend kann man entweder nach links weiter in die hier flache und sandige, riesige südliche Hauptlagune waten und fischen, oder man wendet sich nach rechts und kann eine kleine Palmeninsel mit ausgespülten Lavafelsen umrunden und dahinter ausgedehnte Innenriff-Bereiche befischen. Ich erkunde beide Seiten ausgiebig, aber aufgrund der niedrigen Tide habe ich weder in der jetzt fast stillstehenden Strömungsrinne, noch weiter draußen nennenswerte „Zielfisch“ Begegnungen. Lediglich eine riesige Meeresschildkröte lässt mich in Riffnähe auf Tuchfühlung herankommen und ich darf sie einige Zeit beim Fressen begleiten. Sehr beeindruckend!
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Blick auf den Channel, von Norden kommend
Die kleine Lavafelsen-Insel Pulua Maria im Innenriff-Gebiet an der Südspitze hat skurrile Strukturen
Eine riesige Meeresschildkröte lässt mich in Riffnähe bis auf Tuchfühlung herankommen...
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Die Situation ändert sich, als die Flut beginnt aufzulaufen! Ich hatte die Insel umrundet und bin nun wieder an der Strömungsrinne zurück. Diese hat mächtig Zug bekommen, das Wasser ist zwar noch nicht viel gestiegen, aber die Strömung hat eingesetzt und der Strömungsdruck wuchs ständig. Ich denke – das ist irre, es fühlt sich jetzt an wie ein großer Fluss! Als ich vorhin bei Ebbe die Rinne durchquerte, waren außer den üblichen Kleinfischen keine weiteren Fische da. Jetzt kommen Schwärme von Meeräschen und anderen Schwarmfischen herein, es kracht mehrmals laut und Fische stieben in Wellen flüchtend hektisch auseinander, als ein mächtiger GT raubend in diese Schwärme fährt. Viel zu schnell für mich, denn sein nächstes Rauben ist schon wieder 100m weiter… 
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Das Wasser steigt im Channel und die heiße Phase beginnt
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Ich gehe zurück zum Ufer und laufe an der Strömungsrinne ein Stückchen weiter nach Süden. Da sehe ich die ersten Bonefish. Sie stehen in der Strömung wie Äschen. Da der Meeresgrund hier recht dunkel ist, dauert es eine Weile, bis ich das ganze Ausmaß erfasse, was ich hier sehe, aber dann… die ganze Rinne vor mir ist voll mit Bonefish, soweit das Auge reicht, es müssen hunderte oder gar tausende sein! Unglaublich… und noch unglaublicher, wie schnell die Fische wie aus dem Nichts wieder da sind, wenn die Flut kommt. 

Rasch ziehe ich Schnur von der Rolle, setze einen Wurf und lasse den Charlie mit sachte zupfenden Bewegungen auf die Fische zutreiben. Schon greift der erste beherzt zu. Kurz später der zweite und der dritte… Die Bones sind an dieser Stelle nicht sehr groß, aber auch mittelgroße Exemplare bieten am leichten #8er Gerät einen tollen Drill. Nach dem dritten Fisch haben sich mehrere Schwarzspitzen Riffhaie auf mich bzw. „meine Beute“ eingeschossen und so verlasse ich den Platz mit einem lachenden und einem weinenden Auge…
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Fliegenfischers Lohn auf den Cocos Keeling Inseln ist pures Silber :-)
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Intro

Es ist schon eine verdammt lange und teure Flugreise, um überhaupt erst einmal von Europa nach Perth in Südwestaustralien zu gelangen. Dort liegt jedoch nicht das Endziel unseres Reiseabenteuers, sondern hierfür sind weitere rd. sechs Stunden Flugzeit nebst Zwischenstopp notwendig, wieder zurück nach Nordwesten.

Noch vor wenigen Jahren als Geheimtipp der Australier für Traumurlaub im tropischen Inselparadies gehandelt, verbunden mit diversen Natur- und Wassersportaktivitäten und attraktiven DIY Fliegenfischen (do it yourself, also auf eigene Faust, zu Fuß, Watfischen, ohne Guide und Boot), sind Infos zu dieser Perle im indischen Ozean inzwischen auch bis zu uns nach Europa durchgedrungen. Immer öfter erscheinen in den einschlägigen Sozial Media Kanälen (meistens von einem bestimmten Anbieter) tolle Bilder von glücklichen Fliegenfischern und herausragenden Fängen auf Cocos Keeling Island.

Seit einigen Jahren schon haben wir die Insel auf dem Schirm, irgendwann mal bei der Google Earth Recherche nach interessanten FF Plätzen rund um den Globus entdeckt, und nach dem Motto „da müsste man wirklich einmal hin…“, erstmal abgespeichert. Bisher wurde eine Reise dorthin jedoch immer wieder aufgrund der sehr aufwändigen, sehr langen und ziemlich teuren Anreise verschoben. Nun 2026 und zum 60. wollten wir uns etwas Besonderes gönnen – also nahmen wir eine 4-wöchige Auszeit und davon wurden drei März-Wochen auf Cocos Keeling Island gebucht... und durchgezogen! Mit dabei waren André und Bea aus der Schweiz, die wir 2025 auf den Seychellen kennen lernten, außerdem der Johan von unseren Ilmtal-Fliegenfischern sowie meine bessere Hälfte und ich, also ein lustiges 5-Leute-Trüppchen.
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Perth ist eine moderne, gepflegte und saubere Stadt mit gutem Nahverkehrsnetz und (überwiegend asiatischer) Mischbevölkerung, in der wir uns zu jeder Zeit wohl und sicher gefühlt haben.
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Cocos (Keeling) Island

Das riesige Atoll besteht aus einer Kette von 27 Korelleninseln mit einer großen Lagune im Zentrum. Nur wenige Hundert Menschen wohnen hier und es gibt keine Sterne-Hotelresorts, sondern nur eine Handvoll Privatvermieter und auch nur zwei Mal pro Woche eine Flugverbindung von und nach Perth mit QantasLink (neu ab 2026, bis 2025 mit Virgin Air). Der Bestand an Fischen und Meeresschildkröten in der Lagune ist immens und intakt, wie kaum mehr anderswo auf einer bewohnten Inselwelt zu finden.
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Flug über West Island mit Blick nach Süden. Links ist die Hauptlagune, rechts des Westriff, in der Bildmitte sind der Fähranleger und daneben das neue im Bau befindliche Frachtterminal zu sehen, weiter südlich liegen die North Lagune, der Flughafen mit der Town, die South Lagune und die nach innen gekrümmte Südspitze.

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1000 km westlich von Christmas Island gelegen, sind die Cocos Keeling Inseln im Indischen Ozean der westlichste Teil Australiens (australisches Außengebiet). Die Kette von 27 Koralleninseln bildete sich um den Ring eines erloschenen Vulkans und bietet das typische tropische Urlaubsziel mit wunderschönen weißen Sandstränden und Motus, von denen die meisten unbewohnt sind. Namensgebend sind die heimischen Kokospalmen, die dort in üppigen Wäldern und in allen Stadien -vom gerade aufgegangenen Keimling bis zur uralten Palme- vorhanden sind. Ständig werfen sie ihre Kokosnüsse ab, die in großer Zahl überall herumliegen und kaum Beachtung finden. 

Die Inselgruppe liegt sehr abgelegen etwa 2930 km nordwestlich von Perth und mehr als 1000 km südwestlich von Java und Sumatra entfernt. Von den 27 kleinen Inseln, die in der Form wie ein nach Norden offenes Hufeisen um das Atoll mit seiner riesigen rd. 9km breiten und bis zu 20m tiefen Hauptlagune gegliedert sind, sind nur 2 ständig bewohnt: West Island mit dem Flughafen und den meisten touristischen Einrichtungen und Home Island auf der gegenüberliegenden Lagunenseite. Unter den Bewohnern befinden sich die mehr als 400 mehrheitlich sunnitischen Cocos Malays, eine Ethnie, die sich im Verlauf der Geschichte auf den Inseln bildete. 

Die Hauptinsel mit Flughafen ist West Island, sie ist etwa elf Kilometer lang und einen halben Kilometer breit. Dort leben ungefähr 130 Einwohner, etwa 420 leben auf Home Island. 
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Dieses Luftbild zeigt den Blick von West Island aus nach Osten über die Hauptlagune und den Hafen. Links voraus ist Direction Island zu sehen, in der Bildmitte links Home Island, von dort nach rechts schließt sich Richtung Süden der Ring der unbewohnten Inseln an.
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Die Kokosinseln bestehen aus den zwei Atollen North Keeling und South Keeling, die sich im Abstand von 25 Kilometern auf den Spitzen von etwa 5000 Meter hohen unterseeischen Vulkanen gebildet haben, die als Cocos Rise bezeichnet werden. Sie sind Teil eines größtenteils unterseeischen Bergrückens, der sich bis zur 1000km entfernten Weihnachtsinsel erstreckt. Die Atolle weisen eine Gesamtlandfläche von nur etwa 14 km² auf. Sie sind eben und flach, der höchste Punkt liegt lediglich neun Meter über dem Meeresspiegel. Der Tidenhub beträgt nicht mehr als zwei Meter. 

Beide Atolle sind Koralleninseln, die sich im Durchschnitt drei bis fünf Meter über den Meeresspiegel erheben und ringförmig eine seichte Lagune einschließen. Während sie an den Außenseiten relativ steil aus dem Meer aufsteigen, fallen sie zur Lagune hin sanft ab. Auf den Inseln gibt es keine Flüsse oder Seen. Die einzigen Süßwasserressourcen sind flache unterirdische Wasserlinsen, die sich auf einigen der größeren Inseln durch Regenwasser bilden, das auf dem schwereren Salzwasser schwimmt.

Die Durchschnittstemperaturen liegen das ganze Jahr um tagsüber 29°C und nachts 25°C, die Wassertemperaturen bei durchschnittlich 27-28°C. Es regnet viel und reichlich auf Cocos Island, die niederschlagsreichsten Monate sind Januar bis September, in den übrigen Monaten halbieren sich Regentage und Niederschlagsmengen.
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Es wird Abend an West Islands Südspitze
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Die Cocos Keeling Islands haben eine ziemlich bewegte Geschichte, angefüllt von wechselnden Besiedlungs-, Eigentums- und Regierungsverhältnissen, Kriegen und Naturkatastrophen. Bitte lest dazu bei Interesse die umfangreiche Dokumentation auf Wikipedia (siehe Link ganz unten). Die Kurzfassung dazu: Entdeckung: 1609 durch Kapitän William Keeling. Clunies-Ross Ära: Ab 1827 regierte die Familie Clunies-Ross die Inseln über 150 Jahre lang als privates Lehen ("White Rajahs"). Integration: 1955 übernahm Australien die Verwaltung; 1984 stimmten die Bewohner in einem UN-überwachten Referendum für die vollständige Integration in Australien. Kriegszeiten: u.a. Schauplatz des ersten australischen Seesieges im 1.Weltkrieg (HMAS Sydney gegen die deutsche SMS Emden, welche sank und nun als Wrack das Riff „ziert“).
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Kriegsdenkmal auf Home Island
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Die meisten Unterkünfte befinden sich auf West Island, einschließlich vieler touristischer Dienstleistungen und Annehmlichkeiten, Supermarkt, Medical Center, Verwaltung, Tourist-Office, Post, und einer Handvoll Lokale und Cafes. Es gibt viele Strände und viele km Küstenlinie, die man entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Roller oder mit dem Mietauto erkunden kann. 

Home Island, Heimat der Cocos-malaiischen Gemeinschaft und Sitz der Clunies-Ross-Dynastie, Oceania House, wird regelmäßig mit einer modernen, kleinen Fähre über die Lagune bedient. Auch hier gibt es einige Lokale und Cafes und einen Supermarkt und weitere Läden. 

Angeln, Tauchen, Bootsfahrten, Kanu- und Kajakfahren, Surfen und Kitesurfen, Schnorcheln und Inselhüpfen sind nur einige der Dinge, die man auf Cocos unternehmen kann, um das tropische Inselerlebnis optimal zu nutzen. Rund um die Inseln und in der Lagune sollen rd. 30.000 Meeresschildkröten leben, wobei in der Lagune meistens (auch sehr große) Grüne Meeresschildkröten anzutreffen sind und auf der Riffseite echte und unechte Karett Meeresschildkröten.
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Fliegenfischen auf den endlosen Flats der Hauptlagune, hier bei hohem Wasserstand ...
... und hier bei niedrigem Wasserstand
Bei diesen Verhältnissen konzentrieren wir uns erfolgreich auf ziehende Fische in den Strömungsrinnen
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Reisebeschreibung

Als „aufstrebendes“ Top-Ziel zum Fliegenfischen gehandelt, ist leider genau das zum Problem geworden und wird letztendlich über kurz oder lang auch wieder zum Untergang dieses Paradieses führen. Dazu jedoch später mehr. Die Cocos Keeling Inseln sind im Grunde genau das, was sich jeder Salzwasser-Fliegenfischer erträumt, besonders jener der am liebsten alleine zu Fuß und ohne Guide losziehen möchte. 

Die Inseln bieten neben der riesigen Haupt-Lagune, welche von endlosen flachen Sandbänken bis hin zu tieferen Wasser und schlickigen Neben-Lagunen nebst Strömungs-Channels alles hat, auch ausgedehnte Saumriff-Bereiche, Übergangsregionen und strömungsreiche Gebiete. Die meisten Plätze auf dem nur 11 Kilometer langen West Island sind leicht mit dem Mietwagen, Fahrrad oder zu Fuß zu erreichen und sind sehr gut zum Watangeln geeignet. 
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Der Angeltag wird regiert vom Wind und den Gezeiten, so dass man auch bei wechselnden Bedingungen immer einen guten Platz findet. Ein Boot und einen Guide braucht man hier tatsächlich nicht, um erfolgreich mit der Fliege zu fischen. Ein solches hilft jedoch, wenn man mal zu den unbewohnten Inselchen fahren oder vor dem Außenriff fischen möchte. Es gibt eine Handvoll Bootsvermieter auf der Insel, außerdem einen bekannten Fliegenfischen Vollguiding Anbieter. Auch motorisierte Sea-Kajaks sind zu mieten, bzw. geführte Touren machen.

An Fischen haben wir ebenfalls alles gesehen, was sich der Salzwasser-Fliegenfischer erträumt. Und in drei Wochen sieht man eine ganze Menge und kann viel ausprobieren. Der Ort hat (noch) einen immensen Bonefish Bestand und scheint tatsächlich einer der wenigen Orte auf der Welt zu sein, wo man zu Fuß und ohne großen Aufwand täglich so viele Bonefisch fangen kann wie man möchte, darunter auch immer wieder ernsthaft große Fische. 

Man kann mit den wechselnden Gezeiten auf die riesigen flachen Flats und in die Lagunen hinauswaten und die einzeln und in kleinen Trupps umherstreifenden Bones gezielt anwerfen, die meist sofort beherzt zupacken. Oder im kristallklaren Wasser z.B. um die Südspitze herum pirschen, auf etwas scheuere Fische, aber ein Heidenspaß bei auflaufender Flut, wenn man sehen kann, wie viele Fische hier eigentlich unterwegs sind. Oder man geht mit der Flut weit in die nördliche oder südliche Lagune hinein, mit oft angetrübtem Wasser und schlickigem Grund. Wenn das Wasser wieder auf die bei Ebbe trocken gefallenen, mit Millionen von kleinen Krabbenlöchern übersäten Sandbänke strömt, kommen die Bones dorthin, um nach ihrer Lieblingsbeute zu suchen.

Was hier auch erstaunlich gut klappt, ist das Blindcasten in den angetrübten Strömungsrinnen und das langsame über den Grund zupfen der beschwerten Fliege. Eigentlich eher unüblich beim Fischen auf Bonefish und anderswo auf der Welt auch kaum erfolgreich, bringt diese Methode tatsächlich viele, auch sehr große Bonefish an den Haken, was ebenfalls die hohe Bestandsdichte bestätigt. Die Größe der Bones liegt zwischen Handlang und knapp an die 80cm heran, wobei die Durchschnittsgröße zw. 40-50cm liegt. Täglich fingen wir Bones über 60cm, und immer wieder mal einen um bzw. sogar über 70cm, unser größter hatte 76cm. Die schlichte Schönheit und Kampfkraft dieser silbernen Tiere ist einfach wunderbar. Entgegen den Bones auf den Seychellen, haben die Cocos Keeling Bonefisch übrigens nicht den markanten dunklen Fleck auf der Nasenspitze.

Foto oben rechts: Kapitaler Bonefish aus der Nord Lagune: ein erfüllter Fliegenfischertraum :-)
Foto oben: Fantastischer Sonnenuntergang über der Nord Lagune, wem geht da nicht das Herz auf!
Wunderbar!
Der Ausgang der Nord Lagune zur Hauptlagune mit seinen Channels - unser erklärter Lieblingsplatz

Fischen in der Nord Lagune
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In den Lagunen gibt es auch einen guten Bestand an Permit und Golden Trevally, diese kommen mit der Flut zurück an ihre Fressplätze und man sieht und hört sie schon von weitem, wenn ihre aus dem Wasser schauenden Schwanzflossen winken und platschen. Ab und zu kracht es kräftig, wenn ein großer GT raubt und wieder verschwindet. Hierbei erwischten wir auch den auf dieser Reise größten dieser Art.
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Johan "der Vollvermummte" ;-) im Drill mit einem starken Fisch ...
... der sich als prächtiger Permit entpuppte
"GT Man" André hat einen raubenden GT angeworfen... und der ist wirklich eingestiegen ...
Ein prachtvoller Fisch...
... mit einem glücklichen Angler :-)
Und immer wieder prächtige Bones...
André wieder im Drill, doch dieser Gegner verhält sich völlig anders als gewohnt ...
Rätsel gelöst! Sorry, das war nicht geplant, kann aber bei 30000 Schildkröten im Gebiet schon mal versehentlich vorkommen ...
... schnell zurück mit dir!
Was für ein Himmel!!!
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Am Riff mit oft mehrere Hundert Meter breiten Innenbereichen trifft man die „üblichen Verdächtigen“: es gibt Snapper, Papageienfische, kleinere Drückerfische und Lippfische, oft auch größere „Herden“ von über meterlangen Bumpies (Bumphead Parrotfish) und immer wieder Bluefin- und Giant Trevallys (GT). 
An den ausgesprochen scheuen Bumpies habe ich mir mehrfach die Zähne ausgebissen, aber konnte letztendlich keinen bekommen. Entweder entzogen sie sich dezent aus dem Wurfbereich des watenden Fliegenfischers oder die Fliege hing sofort am Korallengrund fest, bevor sie die Fische erreichten. 
Die anglerisch interessanten großen Drückerfischarten (Titan und Yellow Margin) kamen leider nur einzeln und recht selten vor, außerdem waren sie sehr scheu. Am Riff auf Direction Island konnte ich auch 2 für mich ganz neue Fischarten fangen (siehe Fotos).
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Johan kämpft am Riff... und der Himmel verheißt nichts Gutes
Harte Konditionen am Riff
Bluefin Trevally - immer eine Augenweide
Ein Thicklip Trevally oder auch False Bluefin Trevally - diese Art war für mich neu - sieht aus wie eine Mischung aus Golden und Bluefin Trevally
Thicklip Trevally
Auch diese Zitronen Meerbarbe war für mich eine Premiere am Haken. Diese ernähren sich räuberisch am Riff und können auch bis zu 90cm lang werden...
Foto unten: Eine riesige Grüne Meeresschildkröte holt Luft
Es gibt wie weiter oben schon erwähnt einen sehr großen Bestand an Meeresschildkröten. In der Lagune und den schlickigen Bereichen sahen wir zumeist Grüne Meeresschildkröten, die dort weiden, meistens alte und sehr große Tiere mit teilweise weit über 1m Panzerlänge. Bei Ebbe ruhen/schlafen die Tiere in den seichten Kuhlen, dass nur der Panzer aus dem Wasser schaut und bei auflaufender Flut fangen sie an zu fressen. Sie zeigen wenig Scheu und man kann direkt vorsichtig zu ihnen hin gehen.

In der Hauptlagune und den Riffbereichen sind meist echte und unechte Karett Meeresschildkröten unterwegs, in allen möglichen Größen, von rd. 60cm bis ebenfalls weit über 1m Panzerlänge. Es ist wunderbar, wenn man im Meer steht und diese majestätischen Urzeittiere um einen herum schwimmen, plötzlich auftauchen und ihre markanten Köpfe zum Luft holen aus dem Wasser strecken.
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Schöne Abendstimmung auf West Island ...
... sieht aus wie ein Drache, oder?
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Unterkunft, Gastronomie und weiteres…

Auf Cocos Keeling gibt es keine Hotels etc., sondern nur eine überschaubare Anzahl an Privatvermietern. Bed&Breakfast ist hierbei genauso buchbar wie reine Selbstversorger Appartements. Aufgrund der knappen Verfügbarkeiten von nur 144 Gästebetten auf dem gesamten Archipel ist sehr frühzeitiges Buchen angeraten (wir hatten das ca. 1 Jahr im Voraus erledigt). 

Unsere Unterkunft „The Breakers“ erwies sich als erstklassige Wahl, denn es entpuppte sich als die beste Herberge auf West Island. Die mit allem ausgestatteten Appartements und Bungalows sind sauber und in top Zustand und die Gastgeber sehr freundlich und hilfsbereit. 

Durch den sehr gut ausgestatteten örtlichen Supermarkt, nur 20m vom Breakers entfernt, ist die Selbstversorgung einfach. Auch das  Touristen-Büro und die Post sind nur wenige Schritte entfernt. Außerdem hat die Breakers Anlage u.a. eine sehr schöne Außen-Lounge, wo man kochen, grillen und schön zusammensitzen kann. 

Essen und Trinken gehen kann man in der „Town“ von West Island in 3 Lokalen + 1 Cafe einige km außerhalb, auch Takeway (asiatisch) oder Pizza bei Saltys Grill & Bakery lässt sich ordern. Abends Essen gehen kann hier jedoch ausgesprochen preisintensiv sein, seid also gewarnt ;-)
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Teilansicht vom Breakers, hier ein Doppel-Bungalow
Kann losgehen: zum Fischen! Die Autos werden hier übrigens niemals abgeschlossen und der Schlüssel bleibt immer stecken!
Und schon ist wieder ein Tag herum
Überall sprießen die Kokosnüsse
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Zusätzlich hatte unsere Gruppe bei den beiden verfügbaren Autovermietern auf der Insel je einen Pickup über den gesamten Aufenthalt gemietet (siehe Fotos oben), das erhöhte die Flexibilität sehr. Immerhin ist West Island rd. 11km lang, und mit dem Auto lassen sich rasch Angel- und Badestrandplätze wechseln. 

Wer jedoch mit der Lagunen-Fähre Ausflüge nach Home und Direction Island machen möchte – übrigens sehr empfehlenswert! – benötigt dazu kein Auto. Zwischen Town und Fähranleger verkehrt ein kleiner Shuttle Bus, der die Fährgäste hin- und später auch wieder zurückbringt. Bus und Fähre sind ausgesprochen preisgünstig und auf den beiden angesteuerten Inseln auf der anderen Lagunenseite kommt man sehr gut zu Fuß zu Rande. 

Auch auf Home Island, der Insel der Einheimischen, gibt es u.a. ein paar kleine Lokale und Läden, auch eine Apotheke, ein Supermarkt und ein Eisenwarenladen sind vorhanden. Die Lokale sind geöffnet, wenn nicht gerade Ramadan herrscht, wie zu unserer Zeit. Für Direction Island sollte man sich genügend Trinken und Essen einpacken, denn hier gibt es keine Einkaufsmöglichkeit, auch nicht auf der kleinen, aber sehr modernen Fähre.

Im Übrigen gab es zu unserer, recht regenreichen Zeit auch viele, hier sehr winzige Stechmücken, die uns beim abendlichen Draußen sitzen oft ziemlich zerstochen haben. Also an Moskitospray denken!
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Lass dich nun mitnehmen auf eine kleine Lagunen-Rundfahrt, um die schönsten Inseln & Plätze in Bild & Wort kennen zu lernen:

Direction Island
Die kleine, moderne Lagunen-Fähre - hier am Fähranleger von West Island - fährt mehrfach täglich in einer halben Stunde nach Home Island auf der anderen Lagunenseite und zweimal wöchentlich in einer weiteren halben Stunde nach Direction Island
Unser Johan - der Spider Man ;-) auf Deck
Schon die herrliche Überfahrt durch die Lagune ist ein Erlebnis! Manchmal gleiten auch Mantarochen vorbei...
Ankunft auf Direction Island
Man hat die Wahl, in der (sehr stark) klimatisierten Innenkabine zu sitzen, oder schön sonnig und luftig oben auf dem Deck
Ankunft auf Direction Island. Der zum schönsten Strand Australiens gewählte Inseltraum zeigt sich in Bestform!
Nur die südwestliche Hälfte von Direction Island wurde touristisch erschlossen, hier ist der gepflegte Hauptbadestrand mit einigen schattigen Unterständen, Bänken und Tischen sowie sanitären Anlagen. Am hinteren südlichen Ende schließt sich "The Rip" an, der Riffdurchbruch und Schnorchel Hotspot. Weiter hinten ist schon Home Island zu erkennen.
Geht man vom Anleger aus jedoch die nordwestliche Inselhälfte erkunden, kann man wunderbaren, menschenleeren Naturstand und dichte Kokospalmenhaine erleben, die direkt bis ins Meer reichen.





In Richtung Nordwestspitze wird es zunehmend steiniger. Dies hier ist ein GAAANZ HEIßER Platz!!! Hier patrouillieren neben Haien auch GT und Bluefin Trevally.
Interessantes aber mühsam zu laufendes Riffgebiet an der Nordspitze. Bei passendem Wasserstand wahrscheinlich auch ein Top Platz.
Lebendiges Riff mit bunten Fischschwärmen
Die Südspitze von Direction Island: hier ist "The Rip", meist mit einer Mordsströmung! Auch eine heiße Stelle, aber: Angeln verboten!
Die Ostseite von Direction Island: hier geht das Außenriff direkt am Ufer entlang! Ein herrlicher Angelplatz, sofern Wind und Wellen es zulassen!
Dann kann man hübsche Bluefin Trevally erwischen...

Oder solche ebenfalls hübschen Thicklip Trevallys


Falls es uns nochmals nach Cocos Keeling verschlagen sollte, dann sicher nicht zuletzt wegen dem wunderschönen Direction Island!

Home Island
Die Inselfähre an der Mole von Home Island
Home Island
Straßen- und Gebäudekunst


Die Ostseite von Home Island, hier verläuft das Außenriff nahe am Ufer
In den flachen Becken tummeln sich Bumpies, Triggerfish und andere Arten
Das Riff hat hier eine Reihe von flachen Becken gebildet
An der Nordspitze von Home Island: ein ausgedehntes Korallengebiet

Mit Fullspeed und in einem heftigen tropischen Regenschauer (man denkt, die Welt geht unter) geht es zurück nach West Island

West Island - die Hauptlagune
Die Hauptlagune ab Fähranleger in Richtung Süden wurde rasch zu einer unserer Lieblingsstellen. Sehr rustikaler Strand mit umgefallenen und wild umher liegenden Palmen, endlos weites Wasser und vor allem: viele, viele Bones! Hier ging eigentlich immer etwas! Will sagen: hier haben wir wirklich eine Menge Bonefish gefangen, auch ein paar sehr kapitale!
Flut in der Hauptlagune
Hier liegen die Palmen einfach so wie sie gefallen sind
Und direkt dazwischen beißen die Bones, deshalb schon am Strand vor dem ersten Einwaten: Augen auf!
Einer von den Guten aus der Hauptlagune
... mit glücklichem Angler :-)
Rasch wieder in die Freiheit entlassen
Das Wasser ist hier oft etwas "angestaubt", wenn die Flut kommt. Den Fängen hat es nicht geschadet!
Hier schwimmen wirklich starke Bonefish herum
André im Einsatz
Sie nannten ihn "Mr. Bunny" :-))

Rustikaler Baumwuchs

Im Westen versinkt die Sonne und blinzelt durch den Palmenhain
Einmal lächeln bitte

Johan im Bone-Drill




Johan schon wieder im Bone-Drill







Auch meinen größten Bone dieser Reise mit enormen 76cm habe ich hier bekommen ...
Bei auflaufender Flut kommen die Bones direkt bis in den Ufersaum, um nach Futter zu tailen

West Island - die Nordspitze
Old Jetty, ein langer Steg, der kurz vor der Nordspitze weit in die Lagune hinausreicht... Auf ihn und seine Möglichkeiten hatten wir uns eigentlich gefreut, auch weil es auf der Cocos Island Homepage so schön angepriesen wurde. Doch ein Sturm hat die letzten 10-15m zum Ufer zerstört, so dass ein Betreten nicht möglich war, schade!
Die Nordspitze mit Weitwinkel fotografiert, rechts ist das Außenriff, links die sandiger werdende Lagunenseite
Johan fischt am Übergang vom Riff zur Lagune, eine heiße Stelle
Die Riffseite mit sehr alten Palmenwäldern, die bis übers Wasser reichen. Bei Flut ist hier kein Durchkommen. Und durch den weglosen Kokoswald gehst du nur mit nem Bauhelm ;-)
Attraktive Angelstelle mit flachem Riff, hier gibt es neben den üblichen Räubern und Haien, auch Herden von Bumpies, Triggerfish u.a.. Bei auflaufender Flut entwickelt sich am Ufer eine gewaltige Strömung von links nach rechts. Von hier aus kann man weiter nach Süden bis zum Schutzgebiet Trannies Beach fischen.
Tailende Bumpies am Riff sind nicht zu übersehen, wenn ihre schwarzen Flossen aus dem Wasser ragen. Außerdem sind sie von wirklich beeindruckender Größe.

Blick von Trannies Beach in Richtung Nordwestspitze
Trannies Beach ist ein super Platz zum Schnorcheln, wenn Wind und Wellen es zulassen. Wir sahen hier u.a. riesige Zackenbarsche.
Außerdem gibt es hier Unmengen von lustigen Einsiedlerkrebsen in allen Größen


West Island - die Südspitze
West Islands Süden beginnt mit dem hier endenden Westriff. Hier der eingangs beschriebene Channel zur kleinen Insel Pulua Maria
Ein Schwarm Needlefish in den Lava-Pools von Pulua Maria
Blick in einen der interessanten Lava-Pools von Pulua Maria
Die Südspitze mit Blick auf die endlose blaue Hauptlagune und feinem Sandstrand erfüllt auf West Island am ehesten das Klischee vom tropischen Inselparadies
Schier endlose Flachwasserstrecken...


Hier hat man als Fliegenfischer (meistens) sehr viel Platz auf dem Flat
Manchmal ist nur ein Kollege in Sicht ...
Manchmal auch ein paar mehr ...
Böses Wetter im Anzug
Man beachte das eigentümliche grüne Leuchten zwischen Regenwolke & Meer...
Um die Südspitze herum gibt es Unmengen von Bonefisch, Silver Biddys, Meeräschen u.v.a.
Hier ein Stück weiter um die Südspitze herum in der South Lagune, wieder Richtung Norden gewandt

South Lagune
South Lagune
Schöner Bone
Es wird Abend über der South Lagune

Wieder an der Hauptlagune nach Osten an der Südspitze


West Island - die North Lagune

Hier in der Nordlagune verbrachten wir besonders viele Nachmittage bis in den (stets wunderbaren) Sonnenuntergang hinein, die Stelle wurde schnell zu einem unserer Lieblingsplätze.

Der Platz - besonders an den strömungsreichen Channels am Ausgang der Nordlagune in die Hauptlagune - fischt bei wechselnden Tide- Verhältnissen oft sehr gut. In den seichten, schlammigen Nebenbuchten leben auch unzählige Grüne Meeresschildkröten.

Hauptfische sind die zahlreichen umher ziehenden Bonefish, oft in sehr beachtlichen Größen. Daneben gibt es Permit, Snapper, Needlefish, Meeräschen und gelegentlich GT (André erwischte hier seinen Größten).

Die Sandbänke der inneren Nordlagune fallen bei Ebbe oft vollständig trocken und zeigen hier dann Millionen von kleinen Krabben/Krebs Löchern im Sand. Wenn die Flut dann langsam zurück kommt, ziehen auch die Bones auf diese Sandbänke, um im knöchel- bis knietiefen Wasser nach ihrer Lieblingsbeute zu suchen. Hier kann man dann eine sehr spannende Sichtfischerei erleben.

Bei höheren Wasserständen konzentrierten wir uns dann auf die (auf dem Luftbild wie ein Baum mit Ästen gegliederten) Channels in der Lagune und an deren Ausgang. Hier auf diesen "Fischautobahnen" erlebten wir oft eine sehr erfolgreiche Fischerei, auch beim Blindcasting im angetrübten Wasser.


Michael mit kapitalem Bone aus der Nordlagune
Mit Johan und André am Ausgang der Nordlagune

Strahlender Johan mit Bone
Die Sandbänke der inneren Nordlagune fallen bei Ebbe oft vollständig trocken und zeigen hier dann Millionen von kleinen Krabben/Krebs Löchern im Sand. 
Abend wird es...
Und was für einer :-)
Wir fischen oft bis zum letzten Büchsenlicht
Auch solche Snapper gibt es hier
Gebt alles, Jungs!
Mr. Nice :-)



Die wechselnden Licht- und Wolkenstimmungen hier sind ein Traum
Feierabend. Im Vordergrund sieht man die Schrotthaufen der in der Lagune versenkten alten Landebahn, dazu weiter unten mehr ...

Unglaubliche Farben - aber wahr!
Fliegenfischen auf solche Kaliber von Bones macht süchtig!

In den seichten, schlammigen Nebenbuchten leben unzählige Grüne Meeresschildkröten. Unten: Nein, das sind keine Steine. Diese "Hügel" sind allesamt ruhende Meeresschildkröten!


West Island - die Westküste
Die über 10km lange Westküste wird vom westlichen Außenriff dominiert, welches an manchen Stellen nahe beim Ufer verläuft, an den meisten Stellen aber 200-300 entfernt, so dass es ausgedehnte flache und attraktive Innenriff-Gebiete gibt.
Hier gibt es Haie, GT, Bluefin Trevally, Bumpies, Trigger, Snapper u.v.m., jedoch kaum Bonefish (Foto: André)
An einigen Stellen tritt der vulkanische Ursprung der Inseln eindrucksvoll zu Tage


Am Riff arbeiten gewaltige Wellenkräfte Tag und Nacht


Und die schönsten Sonnenuntergänge gibt es nur hier an der Westküste ...




Kulinarisches...
Eine Außenküche mit Grill muss natürlich auch genutzt werden! Hier: GT-Steak mit Beilagen
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Haie ließen mir nach heftigem Drill nur noch einen halben Permit übrig. Immerhin wurde noch ein lecker Fisch-Curry daraus. | Eine Pizza vom Salty's - geht immer!
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Oben: Ohne Worte ;-) Die Einheimischen machen es sich leichter mit der Kokosnuss: für den "Adlerlass" nehmen sie einen Akkuschrauber und um an das Fleisch zu kommen, einfach die Axt. Wir haben auch alle möglichen australischen Biersorten probiert. Geschmacklich sind sie jedoch weit weg von deutschem Bier.
Salty's Grill & Bakery: der "Ernährer" am Flughafen
Hier gibt's noch reichlich zu tun ...
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Ein Drink bei Sonnenuntergang rundet den Tag perfekt ab

Schattenseiten & Probleme im Paradies
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Leider gibt es auch in so einer dünn besiedelten und so weit abseits liegenden und somit recht isolierten Inselwelt Probleme. Uns ist jedoch aufgefallen, dass niemand, weder in der Inselwerbung noch in den zahlreichen kurzen Angelreiseberichten und in der häufigen (Insta-) Werbung eines bestimmten, ansässigen Outfitters mit täglich geposteten tollen Fängen die bestehenden Probleme anspricht. Es werden stets nur die guten Seiten schön in Szene gesetzt. So etwas gibt es bei uns nicht, hier kommen auch die offensichtlichen Schattenseiten auf den Tisch!

Das Paradies hat ein Hai-Problem

Besonders viele australische Angler und Fliegenfischer strömen in Scharen mit den zweimal wöchentlich ankommenden Qantas Fliegern auf die Insel. Einige sind beim örtlichen „HB“ Outfitter mit Komplettpaket eingebucht, die meisten fischen jedoch wie wir DIY und verteilen sich überwiegend um West Island, seltener auch auf Direction Island. Es bietet sich ja auch an: von Australien sind es nur ein paar Flugstunden, auf der Insel kann man relativ preiswert wohnen, ein tolles Tropen-Feeling genießen und die Fischerei ist sehr attraktiv und viel versprechend. Im Ergebnis dieser hohen Anglerdichte standen wir eines Tages tatsächlich auch mal zu 18. auf einem 200m kurzen Strandabschnitt im Wasser.

Es sind - besonders rund um West Island – wirklich unzählige Schwarzspitzen Riffhaie vorhanden, in allen Größen: vom 50cm Babyhai bis über 2m Länge oder mehr, egal wo, in der Lagune und draußen am Riff. Diese haben sich anscheinend leider darauf spezialisiert, den vielen Anglern hier die Fische im Drill abzunehmen. Leichte Beute, die sie sonst nicht so einfach bekommen würden. Sobald du als Angler ins Wasser watest, versammeln sie sich schon um dich herum und wenn du einen Fisch im Drill hast, stürzen sie sich von allen Seiten darauf und haben oft genug Erfolg. Wir fischten schon mit stärkstem Zeug und drillten schnell und hart, um die Fische schnell zu landen und aus dem Zugriffbereich der Haie zu bekommen. Auch ein Schonkescher erleichtert die rasche Landung (und man kann ihn zum Haie-Vertreiben benutzen…). Aber wenn sie den Fisch nicht im Drill bekommen, warten sie einfach und holen sich manchen Fisch später nach dem Releasen. Die Haie scheinen ein enorm gutes Gespür dafür zu haben und werden von den Schallwellen der Fische im Drill und deren abgesonderten Stress-Hormonen angelockt, und letztere scheinen die Fische auch noch nach dem raschen Zurücksetzen eine Zeit lang abzusondern, auch wenn sie aus unserer Sicht völlig fit davon geschwommen sind. 
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Kleine Haie ...
Große Haie ...
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Die Haie haben natürlich seit Urzeiten jedes Recht hier zu sein, mehr als jeder Mensch, der hier kurz vorbeischaut. Aber es sind einfach viel zu viele Haie, die täglich eine Menge fischiges Leben am Riff und in der Lagune verschlingen. Wahrscheinlich auch fast sämtliche Schildkröten Schlüpflinge, sobald diese vom Stand ins Meer krabbeln! Besonders in den mancherorts wie Fisch-leergefegten Innenriffbereichen wird das Problem deutlich: das einzige was hier oft noch kreist, sind aus dem Flachwasser ragende Haiflossen. Der Schutzstatus für Haie auf Cocos Keeling sollte m.E. überdacht werden. 

Das Angel-Problem mit Haien ist natürlich Menschgemacht und wird dem Fischbestand früher oder später so weit Schaden zufügen, dass sich ein Angeltrip nach Cocos Keeling nicht mehr „lohnt“. Denn besonders prekär ist die Tatsache, dass auf diese Weise vermehrt die großen Bones dran glauben müssen, deren Drill zwangsläufig etwas länger dauert – oder eben „leider etwas zu lang“. Und diese Fische möchte man unbeschadet zurücksetzen dürfen und nicht an die Haie verfüttern! Aus diesen Gründen ist das DIY-Angeln hier moralisch eigentlich nicht vertretbar, wenn man es genau nimmt (und das sollte man vielleicht!). 

Aber nicht nur Bones wurden im Drill angegriffen, sondern eigentlich jeder starke Fisch, dessen Drill etwas länger dauert. Es passierte auch bei Permit (ich „fing“ einmal einen recht starken Permit, konnte aber am Ende nur noch  einen halben Fisch landen, und Johans Permit ein paar Tage später konnte nur deshalb in einem Stück gelandet werden, indem ich beherzt hinzu sprang und die angreifenden Haie mit Schlägen der Fliegenrolle auf den Kopf vertrieb). Auch Bluefins und GT wurden im Drill angegriffen. Hierzu eine unschöne Geschichte, die André erlebte:

Eine kleine Geschichte von heute Vormittag. Unsere Ferien neigen sich dem Ende zu, darum heute einfach mal etwas ausgeschlafen und dann einfach los…. Ich bin in den Süden der Westinsel gefahren und habe vor dem Kanal bei der kleinen Insel gefischt. Ich habe gut gefangen, sogar meinen größten Bluefin Trevally, 60+.  Bis dahin war die WELT in Ordnung. Ca. 11:15 Uhr habe ich eine große Rinne angeworfen. Ich habe sofort gesehen, das sich ein großer GT startklar machte, dann 2-3 Strips, der Einschlag kam und der Fight auf der 9er hat begonnen. Ich hatte den Fisch rasch unter Kontrolle, die Bremse gut angezogen, machte mir aber etwas Sorgen, da überall Korallenbänke waren. Aber egal: wird schon halten. Nach einer Minute stoppte der Fisch, es folgte eine komische Spannung, dann Schütteln, und eine große Haiflosse erschien! Eine sichtbare Blutwolke und ich nur ca. 20m entfernt, sehr unangenehm, außerdem bin 200m vom Ufer entfernt… Ich wartete bis das Fressen aufgehört hat und verzog mich auf den Rückweg… immer schön langsam unauffällig und immer auf Korallengrund. Mich hat das etwas enttäuscht, da ich eigentlich die Fische nicht verfüttern wollte…
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Das war ein wirklich schöner Permit. Aber nach der Hai-Attacke konnte ich nur noch einen halben Fisch landen :-(
Beim Watfischen bist du nie allein ...
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Wenn einem die Haie die Fische im Drill abnahmen, ist entweder beim ersten Angriff der ganze Fisch weg, oder die Fische werden in mehreren Stücken abgebissen. Meist kommt einem anschließend die leere Fliege entgegen – oder die Fliege wird gleich mit abgeknippst. Einmal blieb ein Hai jedoch am leichten Bonefishgerät nach seiner Fressattacke an der Fliege hängen. Mit 50er Stroft kann man schon einigen Druck ausüben und so dachte ich mir: „So mein Freund, dich drille ich und ziehe dich bis auf den Strand – und dann erzähl ich dir ein paar Takte!“ Da hatte ich aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn kurz vorm Strand startete er noch einmal explosiv durch und riss meine Fliegenschnur ab. Diese Gewalt war der Rutenspitze zu viel, sie brach gleich mit. Sehr ärgerlich! 

Übrigens sagt man von den Schwarzspitzen Riffhaien, dass sie für Menschen in der Regel und unter "normalen Umständen" keine Bedrohung darstellen. Dennoch blieb uns stets ein ungutes Gefühl beim Watfischen. Während in den ersten Tagen noch ein gewisser Respektabstand eingehalten wurde und sich die Haie mit ein paar entschlossenen Schritten auf sie zu vertreiben ließen, wurden sie später immer zudringlicher und kamen sehr nah (viel zu nah) an uns Watangler heran, ganz besonders wenn man "ihre Beute" am Haken hatte! Einmal kam mitten in der Lagune im knietiefen Wasser einer direkt auf mich zu geschwommen und stieß mit seinem Kopf an meinen Unterschenkel. Zum Glück mit geschlossenem Maul. OK, nun ist es Zeit für den dezenten Rückzug. 

Ein anderes Mal war ich bei Ebbe ein paar Hundert Meter aufs Riff herausgewatet, ich hatte wohl einen mutigen Tag...?!, das Wasser war erst knie-, später hüft- bis bauchtief. Auf dem Watweg waren zunächst keine Haie in der Nähe zu sehen. Draußen am Riff, noch auf dessen Innenseite, waren ein paar tiefe Channels, in denen ich GT und Bluefin kreuzen sah. Ich machte ein paar schnelle Würfe und schon kamen Haie, und zwar keine kleinen! Erst einer, dann zwei… und jetzt hieß es für mich: Rückzug. Der lange Watweg zum Strand betrug 200 Meter oder mehr, die Haie verfolgten und umkreisten mich mit etwas Abstand und zu den ersten beiden gesellten sich noch drei weitere. Die Bande verfolgte mich bis 10m vor dem Strand und verkrümelten sich dann. Das findet man letztendlich nicht mehr lustig. Nicht auszudenken was passiert, wenn man sich z.B. an einer Koralle verletzt oder stürzt und dann eine Blutspur hinter sich herzieht auf dem langen Weg zum Ufer.
 


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Während eines Tagesausfluges nach Home Island sah ich nur 2 oder 3 Haie über den ganzen Angeltag. Das anglerisch Interessante auf dieser Insel ist die Außenriffkante, die hier nahe an der Küste verläuft, und auf der Innenseite einige große unterteilte Becken gebildet hat. Je nach herrschenden Wind und Gezeiten kann man in diesen Becken fischen oder auf die Außenriffkante waten, um ins Blaue zu werfen. Hier sind Bluefins unterwegs und auch einige Bumpies und Triggerfish. Bonefisch gibt es nur sehr wenige. 

Auch auf Direction Island, die sich nach ausgedehnten Korallengärten und „The Rip“ (ein Strömungsdurchbruch zwischen Riff und Lagune, Schutzgebiet und ein toller Schnorcheltipp für Fortgeschrittene) im Norden anschließt, sind Bones nicht das Thema. Jedoch geht hier die gesamte östliche Außenriffkante direkt am Ufer entlang, was sie zu einem attraktiven Raubfisch-Revier macht, ideal für Bluefin, GT, Snapper u.a.. Man muss hier jedoch eine gewisse Härte und Standfestigkeit mitbringen, um sich gegen die ständig aufs Riff brechenden Wellen zu behaupten. Ich fing hier einige Bluefin und Thicklip Trevally, die man rasch an Land bringen musste, denn auch hier waren sofort Haie zur Stelle. Einer war so im Fressrausch, dass er einem von mir gehakten Trevally sogar bis aufs trockene Riff hinterher sprang.

Direction Island ist unbewohnt, dicht mit Kokospalmen bewachsen und besitzt auf der westlichen, also der Lagunenseite einen traumhaft schönen Sandstrand, der zum schönsten Strand Australiens gewählt wurde. Da die Insel nur an zwei Tagen pro Woche von der kleinen Lagunen-Fähre angelaufen wird, ist es meist sehr ruhig hier. 
Den anglerisch interessantesten Teil der Insel habe ich jedoch an ihrer nordwestlichen Spitze gefunden, dort wo die Sandbucht endet und ins korallige, flache Riff übergeht. Dort, noch in der sandigen Bucht, patrouillierten große Schwarzspitzen Riffhaie zusammen mit starken GT und einigen Bluefin Trevally. Wunderbar, da lacht das Anglerherz! Ich hatte die #12 Rute dabei mit 100 Pfund Vorfach und dicken GT-Streamern, also mutig mitten rein geworfen in das Getümmel. Ein dicker GT kam angeschwommen, inspizierte die Fliege und drehte desinteressiert wieder ab. Adrenalin! Aber vielleicht sein Glück! Nächster Wurf, rumms…, ein halbstarker Bluefin T. hängt. Sofort wird ein Hai aufmerksam und macht Jagd auf den Fisch. Dieser flüchtet geistesgegenwärtig auf den Strand in eine der von Wellen überspülten Querrinnen im Sand, schüttelt meine Fliege ab und flüchtet mit einem Affenzahn in dieser Rinne, bis er sich, nun aus dem Zugriffsbereich des Haies entkommen, weiter vorne wieder ins tiefe Wasser verdrückt. Die kennen das Spiel also genau! 

Bis jetzt waren die Haie eher auf den Zugriff der gehakten Fische fixiert. Hier auf Direction Island attackierten sie jedoch auch aktiv den GT-Streamer. Okay Jungs, dachte ich, ich habe noch anderthalb Stunden bis die letzte Fähre nach West Island zurück geht. Kein Stahlvorfach dabei, die Chancen daher schlecht, aber trotzdem: jetzt spielen wir! Der erste Hai nahm den Streamer, aber der Drill dauerte nur Minute, dann war die Fliege abgeknipst. Neue Fliege, neuer Streamer, und der nächste Hai hing nach wenigen Würfen. Und er hing gut, nach rd. 10 Minuten Drill und Tauziehen ohne nennenswerte Chancen, den Fisch Richtung Strand zu bekommen, dachte ich mir, ohje das wird länger dauern hier und die Abfahrt der Fähre rückte näher. Da war ernsthaft Power dahinter und die #12er konnte sich mal richtig austoben. Interessanter Weise interessierten sich seine Hai-Kollegen überhaupt nicht für ihren Kumpel im Drill. Jeden anderen Fisch hätten sie sofort zerfleischt, jedoch anscheinend nicht die eigene Art! Leider ging auch dieser Drill nicht mehr lange, plötzlich kam mir die Schnurspitze entgegen. Entweder hatte die Schnur Zahnkontakt oder kam mit der rauen Haihaut in Berührung und Ende… Vielleicht auch gut so, wer weiß wie lange das noch gedauert hätte.. 
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Abends auf der Riffseite von West Island, direkt im flachem Wasser in Ufernähe: im Sekundentakt ragen hier die Rückenflossen der hin und her patrouillierenden Haie aus dem Wasser ...

Das ökologisch bedrohte Paradies
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Wenn man andere Inseln im indischen Ozean kennt, z.B. die Seychellen, zeigen sich deren Flats oft weitläufig bedeckt mit Seegraswiesen. Diese sind wichtig als Wasserreinger und natürlicher Schutz gegen Wegschwemmung, als Lebensraum für unzählige Fische und Meereslebewesen und nicht zuletzt als wichtige Co²-Binder und Sauerstoffproduzenten. Auf den Cocos Keeling Inseln fehlen diese Seegraswiesen nahezu vollständig und wir wollten natürlich wissen, warum? Unsere Recherchen ergaben, dass es hier bis vor nicht allzu langer Zeit sehr wohl Seegraswiesen gab, aber in jüngerer Zeit sind um 90% der Bestände verschwunden. Der Hauptgrund für das Verschwinden und das langsame Wachstum ist der extreme Fressdruck durch Grüne Meeresschildkröten. Die Population der Grünen Meeresschildkröten in der Lagune ist sehr groß. Da Seegras ihre Hauptnahrungsquelle ist, fressen sie die Wiesen schneller ab, als diese nachwachsen können (Überweidung). In der geschützten Lagune gibt es kaum natürliche Feinde für ausgewachsene Schildkröten (wie etwa große Haie), weshalb die Tiere dort ungestört und dauerhaft grasen.
In den letzten Jahrzehnten haben auch Umweltveränderungen wie Zyklone oder El-Niño-Ereignisse das Ökosystem zusätzlich gestresst, was die Erholung der Bestände erschwert. Nicht zuletzt werden auch Hafen-Bauarbeiten in der Lagune genannt, welche die Strömungsverhältnisse ungünstig veränderten. Als Ergebnis haben wir tatsächlich nicht eine einzige Seegraswiese entdecken können. Die Lagune hat nackten Sandgrund und die Innenlagunen sandigen bis schlickigen Grund, teilweise mit Algenteppich, den die Grünen Meeresschildkröten permanent abweiden. Auch andere höhere Meerespflanzen konnten wir kaum feststellen. Derzeit versuchen die zuständigen Institutionen die Wiederansiedlung von Seegras in abgegrenzten, vor dem Zugriff der Schildkröten geschützten Bereichen. Mehr dazu findest Du bei Interesse unter dem Link am Ende des Berichts.
Es ist allerdings auch möglich, dass sich dieses "Problem" über einen längeren Zeitraum von selbst erledigt. Wir sahen im Grunde nur alte, ausgewachsene Tiere, keine Jungtiere. Aufgrund der immens hohen Hai-Population kann ich mir auch nicht vorstellen, dass in der jetzigen Situation auch nur ein einziges Schildkröten-Baby nach Schlupf im Meer überlebt. Wird die Population auf diese Weise von Nachwuchs permanent "abgeschnitten", und die alten Tiere sterben irgendwann nach und nach weg, werden sich auch die Seegraswiesen vermutlich wieder erholen. Oder viele Schildkröten verhungern über kurz oder lang.

Strom- und Trinkwasserversorgung: Auf den Inseln gibt es keine Flüsse oder Seen. Die einzigen Süßwasserressourcen sind flache unterirdische Wasserlinsen, die sich auf einigen der größeren Inseln durch Regenwasser bilden, das auf dem schwereren Salzwasser schwimmt. Es regnet oft und heftig im Gebiet, außerdem halten sich die Einwohner- und Touristenzahlen in Grenzen. Größere Anlagen und Hotelkomplexe gibt es nicht und das wird auch hoffentlich so bleiben. Insofern gibt es derzeit (noch) keine Trinkwasser Versorgungsprobleme. Der benötigte Strom wird –sowohl auf West Island als auch auf Home Island- von großen Dieselaggregaten produziert. Das ist weder umweltfreundlich noch zeitgemäß. Obwohl die intensiv sonnigen Verhältnisse geradezu einladend für Solaranlagen wären, gibt es keine solche hier. Wir trafen eines schönen Abends Energie-Ingenieur Adam im Pub (der als Australier kurioser Weise in Deutschland verheiratet ist), er sagte die Planungen dafür laufen, aber die Räder der Zeit laufen hier sehr langsam.

Nahrungsmittel: Obwohl die Inseln den Anbau von tropischen Früchten und bestimmten Gemüsesorten begünstigen würden, gibt es hier so etwas nicht, warum auch immer. Das einzige was es immer gibt, sind die überall herum liegenden Kokosnüsse. Außerdem gibt es einen kleinen privaten Verkaufsstand für Bananen und Kürbisse. Alles andere wird mit dem Flieger von Australien herüber gebracht zum Verkauf im Supermarkt.

Steigender Meeresspiegel: Die Cocos Keeling Inseln sind wie oben schon ausgeführt recht flach und daher besonders stark vom steigenden Meeresspiegel bedroht. Als Schutz gegen die immerwährenden Westwinde und Stürme wurde ein Großteil der Westküste von West Island mit einer 6-8m hohen Mauer aus riesigen Sandsäcken verkleidet.
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Die Westseite von West Island ist fast auf ganzer Länge mit einem Sandsackwall gesichert. Vorsicht beim Betreten, besonders bei nassen Verhältnissen: unser André ist hier schon am ersten Tag im Übereifer ganz übel abgeschmiert ...

Müllprobleme im Paradies
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Die Cocos Keeling Inseln haben leider gleich mehrere große Müllprobleme. Da wäre zunächst der angespülte Meeresplastikmüll zu nennen. Nach den unten aufgeführten Quellen bedecken schätzungsweise 414 Millionen Plastikteile, darunter Schuhe, Zahnbürsten und Einwegartikel die Strände, wobei ein Großteil mit einer hohen Dunkelziffer bereits im Sand vergraben ist. 

Dieser Müll wird überwiegend durch Meeresströmungen an die Strände getragen und gefährdet die marinen Ökosysteme, Einheimische und Tiere (z. B. durch Verschlucken von Mikroplastik). In den letzten Jahren wurden über 49 Tonnen Plastikmüll von Freiwilligen entfernt. Besonders die Strände um West Island und der Vorzeigestrand auf Direction Island sind recht sauber und gut aufgeräumt. Aber an weniger besuchten Stränden und ganz besonders an den Außenriffseiten sieht es sehr schlimm aus. Die bedenkliche Situation auf den Kokosinseln gilt als globales Symbol für die Plastikkrise in den Ozeanen, da selbst isolierte Archipele extrem von anthropogenen Abfällen betroffen sind.
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Müllhaufen aus angeschwemmten Fischernetzen und Seilen auf Direction Island an "The Rip" !
Angeschwemmter Müll an der Ostküste von Direction Island, soweit das Auge reicht ...


Angeschwemmter Meeresmüll an der Ostküste von Direction Island
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Neben dem Plastik stellt auch der lokale "Altlasten"-Müll (Fahrzeuge, Maschinen, Haushaltsgeräte) aufgrund der Isolation ein Entsorgungsproblem dar. Wegen zu hohen Kosten für den Abtransport und der begrenzten Fläche für Deponien ist die Aufnahmekapazität bereits an den Grenzen angelangt. Zitat: „Auf einem tropischen Inselparadies mitten im Indischen Ozean stehen hunderte alte Autos, Quads und Boote und rosten in der salzigen Meeresbrise. Es ist jetzt so weit gekommen, dass sowohl Home als auch West Island buchstäblich mit Abfall gesättigt sind. Wir müssen sehr kreativ sein und Wege finden, wie wir Abfälle von den Inseln entfernen können." Wir hoffen sehr, dass das klappt!

Recycled wird hier übrigens nur Glas und Metalldosen. Für Plastik und Papier ist kein Recycling vorgesehen. Dies alles und alle weiteren Abfälle landen auf offenen Müllverbrennungsplätzen, von denen es einen auf West Island und zwei auf Home Island gibt, die Tag und Nacht qualmen. Übrigens wurde auch die komplette alte Landebahn aus Kriegszeiten aus gelochten Stahlplatten einfach in der Nord-Lagune entsorgt, wo man viele der halb verrotteten Metallhaufen beim Watfischen „bewundern“ kann.
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Blick von der Ostküste auf Home Island: hier sieht man die Rauchsäulen von zwei offenen Müllverbrennungsplätzen, die Tag und Nacht qualmen (und stinken).
Fotos oben und unten: In der Nord Lagune von West Island: hier fischt man zwischen Schrotthaufen der in der Lagune versenkten alten Landebahn


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Zusammengefasst: Ich halte es für meine Pflicht euch als Leser auch über all diese Probleme zu berichten, während euch andere „Kanäle“ nur die Sonnenseiten zeigen, um mehr zahlende Gäste anzulocken. So könnt ihr selbst besser entscheiden und abschätzen, ob ihr diese Inseln besuchen möchtet und was euch dort erwartet.
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Fazit:

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Trotz aller erwähnten „Schattenseiten“ hatten wir eine wunderbare, erlebnisreiche und höchst interessante Reise ans andere Ende der Welt. Die Cocos (Keeling) Inseln sind mit ihrer Abgeschiedenheit und der Einzigartigkeit ihrer Entstehung, Lage, Geschichte, Flora und Fauna ein traumhaft schönes tropisches Inselziel, welches wohl nur wenige Europäer jemals kennen lernen werden. 
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Naturliebende Weltenbummler finden auf den Inseln mit ihren herrlichen Kokoswäldern, Riffen, Stränden und der interessanten Tierwelt viel zu entdecken und auch Wassersport-Begeisterte finden eine Menge Betätigungsfelder wie Surfen, Kitesurfen, Kajakfahren u.w.. Für einen reinen Badeurlaub können wir die Kokosinseln nicht unbedingt empfehlen, denn die wirklich guten Strände mit immer ausreichend tiefen Wasser zum Schwimmen und das beste Schnorchelgebiet „The Rip“ liegen allesamt auf Direction Island, welches jedoch nur an zwei Tagen in der Woche per Fähre angefahren wird. Wenn man jedoch ein privates Boot zur Verfügung hat bzw. anmietet, sieht die Sache natürlich schon anders aus, auch anglerisch.
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Sind die Cocos (Keeling) Inseln ein Traumziel für DIY Fliegenfischer? Von den abwechslungsreichen Lagunen- und Riffstrukturen, den riesigen Flats und dem (noch) Weltklasse Bestand an (auch großen) Bonefish nebst Begleitfischarten eigentlich ja, wenn da nicht das oben beschriebene Hai-Problem wäre. Allein aus diesem Grund können wir keine Empfehlung für eine Reise zum DIY Fliegenfischen auf die Cocos (Keeling) Inseln mit gutem Gewissen geben, sondern würden, da dies nicht nur enorm nervt, sondern auch den Fischbestand über kurz oder lang mehr schädigt als es diesem gut tut, nach derzeitigem Stand eher davon abraten.
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Datenblock:
Anreise: Von europäischen Flughäfen bieten verschiedene Fluglinien Flüge nach Westaustralien an. Zunächst geht es immer nach Perth. Wir wählten Singapore Airlines mit Zwischenstopp in Singapore (12-Stunden-Flug von Frankfurt) und Weiterflug nach Perth (6 Stunden). Dort hatten wir ein paar „Puffertage“ eingebaut und ein Hotel gebucht, mit Flughafen Shuttle Service. Von Perth gehen dienstags und freitags Flüge mit (jetzt ausschließlich) QantasLink zu den Cocos (Keeling) Inseln (rd. 6 Stunden), als Round-Trip Perth-Port Hedland-Cocos Island-Christmas Island-Perth. Der CKI Flughafen grenzt direkt an die Town von West Island, von hier sind alle Gast-Einrichtungen etc. in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. Ein wichtiger Hinweis sind auch die strengen Einfuhrbestimmungen nach Australien, was auch aus tierischen Haaren und Fellen gefertigte Fliegen betrifft. Korrekt Deklarieren ist wichtig und bei der Kontrolle erklären, dass es sich um neuwertige Angelköder handelt, die ausschließlich zum Fliegenfischen im Salzwasser von Cocos Keeling verwendet werden, dann sollte es keine Probleme geben, zumindest war es bei uns so.
Kleidung und Ausrüstung: bei ganzjährigen Temperaturen über 25°C ist die übliche atmungsaktive und luftige Tropenbekleidung angebracht. Bei der Angelei ist man intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt, auch bei Wolkenhimmel, deshalb ist Kleidung mit gutem UV-Schutz, Buff und Handschuhe sowie eine Kopfbedeckung angeraten. Auch eine sehr gute Pol.-Brille ist elementar wichtig. Bei den Watschuhen hatte ich aufgrund ihrer einfachen und praktischen Handhabung jahrelang auf die Zipit Booties von Simms gesetzt. Hiervon rate ich auf diesen Inseln dringend ab, denn die scharfkoralligen Untergründe der Riffbereiche haben die Sohlen meiner Schuhe innerhalb weniger Tage zerstört. Also hier lieber schwerere, stabile Watschuhe mit festen, starken Sohlen verwenden, dann passt das. Sonnenschutzmittel Faktor 50 haben wir uns übrigens in Australien gekauft, nach australischem hohen Standard und Riffschonend, so wie es uns empfohlen wurde.
An Ausrüstung hatte ich fünf 9' Fliegenruten mit: 2x #8er, 2x #10er und eine #12er plus die entsprechenden Rollen, Schnüre, Vorfächer und Fliegen. Das Mitführen eines Schonkeschers ist sinnvoll. An Fliegen für Bone, Permit und Golden T. waren die üblichen Bonefish Muster erfolgreich, am besten gingen größere beschwerte Charlys #2-4, in gedeckten Naturfarben, je nach Wassertrübung von hellem Beige bis Dunkelbraun, mit etwas Flash und gerne ein paar Gummibeinchen oder Kaninchenfellstreifen. Für Bluefin T. verwende ich mittelgroße, helle Streamer mit großen Augen und Bucktail und für GT ähnliche Streamer, nur größer, fülliger und dunkler. Wenn ihr Fragen dazu habt, kommt gerne auf mich zu.
Nützliche Linksammlung:

- offizielle Website der Cocos (Keeling) Inseln mit allen wichtigen Infos zu Unterkünften, Auto- und Bootsvermietung und vielen weiteren nützlichen Infos: (Klick)

- Infos, Karte und Lageplan der Cocos (Keeling) Inseln: (Klick)

- Viel Interessantes und Wissenswertes über die Cocos Keeling Islands ist auf der Wikipedia-Seite zu finden, auch zur wechselhaften Geschichte: (Klick

- Luftbild der Cocos Keeling Islands: (Klick

- Map of the Cocos Keeling Islands: (Klick

- Infos zur Müllkrise: (Klick) (Klick) (Klick) (Klick) (Klick

- Seegras Management auf Cocos Keeling: (Klick) (Klick)

- Für mehr Infos einfach mal "Cocos (Keeling) Inseln" googeln, oder "Cocos Keeling Fly Fishing", dann kommen noch sehr viele interessante Websites zum Thema ...




Tipp für die Rückreise: Warum nicht ein paar Tage in der beeindruckenden Metropole Singapur dranhängen, wenn man sowieso über diese Stadt zurückfliegt? Hier: Nächtlicher Blick vom Dach-Pool des Marina Bay Sands Hotel in 200m Höhe ...


Ein Reisebericht von Michael Müller für www.fliegenfischer-forum.de - Mai 2026. Fotos/Copyright: Michael Müller, soweit nicht anders angegeben. Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist verboten.
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