Die Perlen des Tieflands
Fliegenfischen an den schönsten Bächen Brandenburgs
Ein Gewässer-Report von Frank Ritter
Bereits über 40 Jahre befische ich die Bäche des Bundesland Brandenburg.
Viele schöne Stunden habe ich an den Bächen verbracht und leider auch die Zeit des massiven Kormoraneinflugs Anfang der 2000-er erlebt.
Heute scheinen sich die Bestände etwas erholt zu haben, was auch am Einsatz des LAV Brandenburg und vielen freiwilligen Helfern liegt.

Bei den vorgestellten Bächen handelt es sich um sand- und kiesgeprägte Tiefland- oder Niederungsforellenbäche. Die meisten sind Quellbäche, die nach und nach Seitenbäche aufnehmen und somit erst nach einigen Kilometern für die Fischerei interessant werden. Im Norden Brandenburgs befinden sich einige Bäche, die durch Moor- und Sumpfgebiete fließen und zum Teil recht schwierig zu begehen sind.
Bei anderen handelt es sich um Seeabflüsse, mit recht gleichmäßigen Abflussmengen, die  jedoch erst nach mehreren Kilometern Bachlauf durch beschattete Gebiete und Aufnahme von kaltem Quellwasser optimale Bedingungen für Salmoniden bieten.

Die beiden hier vorgestellten Forellenbäche, die südwestlich von Berlin im Fläming entspringen, werden aus Quellen gespeist. Es gibt einige kleinere Zuläufe, die auch als Salmonidengewässer gelistet sind, jedoch nur im Frühjahr eine wirkliche Chance auf die Rotgetupfte bieten. Später wachsen sie komplett zu und sind nur noch an einigen wenigen Stellen befischbar. Andere Seitenbäche werden als Aufzuchtsbäche genutzt und sind für den Angelsport gesperrt.

Die Salmonidensaison startet in Brandenburg vom 16.04. und endet am 15.10. des jeweiligen Jahres. Für detaillierte Schonzeiten bitte bei Mindestmaße / Schonzeiten unter LAV Brandenburg (www.lavb.de) informieren!
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Die beste Zeit diese Bäche erfolgreich zu befischen ist ganz klar die Maifliegenzeit!
Ist das zeitige Frühjahr mild, darf man schon ab Mitte Mai mit den ersten Schlüpfen rechnen. Wer ganz sicher gehen will, sollte sich auf die letzte Mai- und die erste Juniwoche konzentrieren!
In dieser Zeit sind viele Maifliegen schon Tagsüber aktiv. Dies steigert sich im Verlauf des Nachmittags und endet nicht selten in einem abendlichen Massenschlupf.
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Auch wenn tagsüber fast ausschließlich kleinere Forellen steigen, sollte man nicht verzweifeln. Wer geduldig ist, wird abends bei zunehmender Dunkelheit belohnt. Vorsichtiges Heranpirschen an verdächtige Stellen und längeres Beobachten dieser, bringt oftmals mehr Erfolg als blindes Anwerfen.
Da die Bäche zumindest in den Wiesenbereichen bereits Ende Mai recht verwachsen sind, sollte man Rute und Vorfachstärke den Gegebenheiten anpassen! Ich verwende dort ausschließlich Ruten der Klasse 5-6 in 9' und Vorfächer zwischen 0,20-0,25mm.
Gefischt wird dort zu 90% vom Ufer, wodurch ein langstieliger Kescher von großem Vorteil ist. Dennoch ist eine Wathose unverzichtbar, sei es bei der Landung einer großen Forelle, oder zur Zeckenabwehr.

Bei dem Einstieg ins Wasser ist Vorsicht geboten!
Der Grund ist fast immer dunkel und man sieht an vielen Stellen nicht wie tief es wirklich ist. Sumpfiger Untergrund und Treibsand sind auch nicht ungefährlich. Ich spreche da aus Erfahrung!
Auch beim vorsichtigen Pirschen am Bachufer ist Vorsicht geboten, da alle paar hundert Meter ein Bibergang das Ufer quer durchschneidet.
Im Wiesenbereich sieht man sie fast immer zu spät, wenn der Blick ausschließlich Richtung Wasser fokussiert ist.
Da geht’s mal schnell einen Meter abwärts und man kann sich böse verletzen.
Auch ein Antimückenspray ist im Brandenburger Urwald ''überlebenswichtig''!

Wirklich leicht kommt man hier nicht an den Fisch und wer an diesen Bächen dauerhaft erfolgreich fischt, wird wohl überall erfolgreich sein.
Wer wie ich mehr beobachtet und dann nur ausgemachte, vermeintliche Großfische anwirft fängt weniger, dafür selektiver. Wer Massen an Fisch erwartet ist hier eh falsch! Viele Bäche beherbergen einen sich selbst reproduzierenden Bachforellenbestand. Diese wild aufgewachsenen Forellen zu überlisten, gibt mir mehr als fette Satzfische aus top besetzten Flüssen zu ziehen!
Wer sich gern durch den grünen Tunnel schlägt und wem es nicht wichtig ist wie viel, sondern wie und was ich für Fische fange, der ist hier richtig!
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Die Bäche der Prignitz

Stepenitz / Dömnitz / Schlatbach / Dosse

Die Prignitz befindet sich im nordwestlichsten Zipfel Brandenburgs.
Hier fließen von West nach Ost gesehen, die Stepenitz, die Dömnitz und die Dosse. Der Schlatbach ist ein kleiner Salmonidenbach, der im Mittellauf der Stepenitz in diese entwässert.
Die Dosse bildet in etwa die Grenze zwischen der Prignitz und dem Ruppiner Land.
 

Die Stepenitz

Die Stepenitz fließt aus Richtung Meyenburg kommend, über Putlitz in Richtung Perleberg um dann bei Wittenberge in die Havel und anschließend in die Elbe zu münden.
Der Oberlauf ist sehr gut über die Abfahrt Telschow-Weitgendorf / Putlitz der A24 zu erreichen.
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Mittlerweile wurden im gesamten Flusslauf 38 verschiedene Fischarten nachgewiesen. Seit einigen Jahren (1998) wird mit Unterstützung des LAV Brandenburg und des Institut für Binnenfischerei ein Wiederansiedlungsprogramm für Wandersalmoniden gefördert.

Der Berliner Fliegenfischerverein Fario e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Wiederansiedlung zu unterstützen. So werden Jahr für Jahr aufsteigende Lachse und Meerforellen elektrisch abgefischt und im Vereinseigenen Bruthaus bis zur Laichreife gehältert und danach abgestriffen.
Bei einer künstlichen Erbrütungsrate von ca. 95% wird so der natürliche Bestand unterstützt und nach und nach erhöht. In der Stepenitz und einigen Nebenbächen wurden auch schon Laichgruben von Lachs und Meerforellen dokumentiert.

Der Bachforellenbestand war in früheren Jahren hervorragend! Als Fliegenfischer war man hier in den 80-ern ein seltener Exot, denn die meisten stellten den Bachforellen mit der Spinnangel nach.
Mit Beginn der Maifliegenzeit kam unsere Chance eine wirklich große Bachforelle an die Trockenfliege zu locken.

So waren in dieser Zeit Bachforellen über 50cm keine Seltenheit. Vielleicht hatte ich als Fliegenfischer einen großen Vorteil gegenüber den Spinnanglern, denn schon vor der Maifliegenzeit fing ich mehr große Bachforellen als meine Angelfreunde, die zu dieser Zeit noch oft mit der Spinnangel fischten. Einfach gebundene Schmerlenstreamer waren damals sehr fängig und selbst große Äschen konnten ihm nicht widerstehen. Die größte Stepenitz- Bachforelle die ich in meinen Händen hielt, war mit 75cm ein wahrer Gigant.

Auch der Äschenbestand war zu dieser Zeit unglaublich! Äschen zwischen 30-40cm waren der Durchschnitt. Der gesamte Flussabschnitt von Wolfshagen bis hinauf nach Telschow hatte einen hervorragenden Salmonidenbestand.
Dieser Bereich ist nach wie vor Fischreich. Leider hat der Äschenbestand durch den Kormoran sehr gelitten. Bachforellen kommen überall vor, nur sind Größere nach der Maifliegenzeit kaum an die Trockenfliege zu locken. Wer Standplätze kennt, wird weiterhin seine Forellen fangen aber für Ortsunkundige kann es schon sehr zäh werden. Da die wenigen Ortschaften recht weit auseinander liegen, sind weite Wege die Regel.
Zwischen Telschow-Weitgendorf und Wolfshagen kann man rund 30km befischen, für die selbst eine Woche wohl kaum reichen wird.
Der Meerforellenbestand ist mittlerweile so stabil, dass jeder Salmonidenangler mit einer Jahreslizenz eine pro Saison entnehmen könnte. Dies gelang mir sogar vor einiger Zeit. Da meine 2 gefangenen Meerforellen Rogner waren, stellte sich mir die Frage der Entnahme nicht. Auch bei Bachforellen entnehme ich seit Jahren keine großen Rogner mehr. Lachse sind nach wie vor geschont!

Wer direkt an der Stepenitz nächtigen möchte, sollte sich eine Unterkunft in Putlitz suchen. Von dort aus sind gute Strecken in beiden Richtungen Fußläufig zu erreichen. Weitere Möglichkeiten gibt es in Perleberg und Pritzwalk.
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Die Dömnitz

Die Dömnitz ist der wasserreichste Nebenbach der Stepenitz und mündet etwas oberhalb von Wolfshagen in diese. Ab dann kann man von der Stepenitz wohl von einem kleinen Fluss sprechen. Aus Pritzwalk kommend, gibt es sehr schöne natürlich verlaufende Strecken, aber auch einige begradigte Wiesenbereiche.
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Die letzten Kilometer von Neudorf bis zur Mündung gefallen mir persönlich am besten.
Der große Pool, wo sich Stepenitz und Dömnitz vereinigen, ist immer für eine Überraschung gut. So fing ein befreundeter Fliegenfischer hier seine größte Stepenitzäsche mit immerhin 57cm.
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Vereinigung von Stepenitz (links) und Dömnitz bei Helle

Der Schlatbach

Der Schlatbach ist ein kleiner Forellenbach bei Groß Linde. Dieser mündet nur ca.2 km südlich des Orts in die Stepenitz. Mit seinem sehr natürlichen Unterlauf, ist er ein wichtiger Laichbach für Wandersalmoniden im Mittellauf der Stepenitz.
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Das Einzugsgebiet der Stepenitz bietet vielen seltenen Pflanzen und Tieren einen natürlichen Lebensraum. Auch deshalb wurde die Stepenitz zur "Flusslandschaft des Jahres'' 2024/25 gewählt.

Seit dem der Wolf in diesen, wie auch in allen vorgestellten Gewässerbereichen keine Seltenheit ist, sollte man beim Begehen von Viehweiden sehr vorsichtig sein! Mütterkühe sind durch die ständige Bedrohung ihrer Kälber durch den Wolf, sehr aggressiv!
Aber keine Angst vorm Wolf!
Ich selbst habe in vielen Stunden, die ich dort verbracht habe, noch nie einen Wolf gesehen!
 

Ostprignitz / Ruppiner Land

Die Dosse

Die Dosse unterhalb von Wittstock ist ein klassischer Wiesenbach, den man so gut wie überall leicht begehen kann. Sie hat einen enormen Bestand an Nährtieren, die die Bachforellen zu waren Giganten abwachsen lassen. Im gesamten Abschnitt von Wittstock über Goldbeck, Dossow  bis Fretzdorf kann man mit guten Forellen rechnen. Eigentlich gibt es nur zur Maifliegenzeit die Möglichkeit diese alten Hasen an die Trockene zu locken und dann nach spannendem Drill und etwas Glück, zu landen.

Natürlich ist es auch möglich zu Saisonbeginn erfolgreich mit der Fliege zu fischen. Das wäre sicher mit dem Streamer oder Nymphe möglich.
Für mich ist jedoch die Maifliegenzeit die schönste Zeit, um mit der Trockenfliege gezielt auf große Bachforellen zu fischen.
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Im Sommer ist die Dosse stark verkrautet und nur an einigen Stellen zugänglich. Zur Maifliegenzeit ist dies noch überall möglich, weshalb ich diesen Bach ausschließlich zu dieser Zeit befische. Allerdings gehe ich hier nicht vor 20 Uhr ans Wasser, da es erst am Abend so richtig interessant wird. Natürlich fängt man hier auch tagsüber Bachforellen, nur sind die größeren Exemplare wie überall sehr vorsichtig. Die wirklich erfahrenen Bachforellen steigen gar erst bei nahezu völliger Dunkelheit.
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Wer das obere Foto betrachtet, wird mir zustimmen wie schwierig es ist, bei völliger Dunkelheit eine größere Bachforelle durch diesen Pflanzendschungel zu dirigieren. Deshalb mache ich beim Vorfach keine Kompromisse. Ein Durchmesser von 0,20 mm sollte nicht unterschritten werden!

Wer wie ich nicht schon Tagsüber die Dosseforellen beunruhigen möchte, sollte sich in Richtung West (Stepenitz), oder Ost (Rheinsberger Rhin) begeben. Diese fließen teils durch Waldgebiete, wo man auch am Tag erfolgreich fischen kann. Beide Gewässer sind ca. 40km entfernt und  von Wittstock über die A24 Richtung Hamburg (Abf. Putlitz), bzw. Landstraße Richtung Rheinsberg gut erreichbar.

Viele Jahre habe ich die Dosse auch am Tag befischt und gut gefangen.
Die Durchschnittsgröße lag um 30cm. Ausnahmefische gab es auch, aber sehr selten.

Seitdem ich meine Aktivität in die Abendstunden verschoben habe, sind die Fänge beträchtlich gewachsen. Nicht die Anzahl, sondern die Größe der Bachforellen. Wenn dann alles passt, entnehme ich auch mal eine große Bachforelle.
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Heiße Stunde bei Vollmond an der Dosse, jetzt steigen die Großen!
Ab Ende Juni ist die Dosse fast vollständig zugewachsen und viele Stellen nicht mehr befischbar.
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Auch Äschen gibt es in der Dosse! Ich konnte einige im Bereich Fretzdorf fangen, allerdings keine Riesen. Da die Dosse in vielen Bereichen einer Landebahn für Kormorane gleicht, wird es der immer wieder aufgestockte Bestand an Äschen schwer haben einen selbst reproduzierenden Bestand zu bilden.
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Ruppiner Land

Der Rheinsberger Rhin

Der Rheinsberger Rhin entsteht durch den Ausfluss des Rheinsberger See.
Durch den recht gleichmäßigen Abfluss, ist der Bach eigentlich die ganze Saison gut befischbar.
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Landschaftlich sicher einer der schönsten Bäche im nördlichen Brandenburg. Er ist von Rheinsberg bis Zippelsförde auf gut 20 km als Salmonidenrevier ausgezeichnet.
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Da es sich um einen Seeabfluss handelt, ist er auch so gut wie immer glasklar. Leider beginnt ab Mitte Juni Kanutourismus in Dimensionen, der ein Befischen nur noch sehr früh und spät Abends möglich macht. Zum Glück fängt die Maifliegenzeit etwas früher an und somit besuche ich den Rheinsberger Rhin immer mal wieder vor dem Run der Kanuten. Fast jedes Jahr wird der Rhin mit fangreifen Bachforellen besetzt, die sich auch leicht überlisten lassen.
Im Bereich Zechow gibt es eine schöne Flugangelstrecke. Im dortigen Wiesenbereich ist recht entspanntes Fischen möglich. Wenn es zeitlich passt, sind dort viele Maifliegen unterwegs und die Bachforellen lassen sich nicht lange bitten.
Meist sind es frisch besetzte Bachforellen zwischen 30-40 cm.
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Es gibt sie aber auch, die alten erfahrenen Bachforellen, die erst am späten Abend, oder im Morgengrauen auf Beutezug gehen.
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Da es im Rhin nur so von Kleinfischen wimmelt, wird solch ein Gumpenchef wohl kaum auf eine kleine Nymphe oder Trockenfliege steigen. Mit Streamer und einer Menge Glück und Können besteht die größte Möglichkeit solch eine erfahrene Bachforelle aus ihrem Versteck zu locken. Die Maifliegenzeit bietet auch hier eine Ausnahme.
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Mitten im Wald gibt es sogar 2 Parkplätze, ausschließlich für Forellenangler. Für die Befahrung und Nutzung muss eine Waldfahrgestattung beim LAV Brandenburg beantragt werden. Diese kostet 10€ und gilt für 3 Jahre.

Unterkünfte findet man in Rheinsberg reichlich. Das Rheinsberger Schloss mit angrenzendem Schlossgarten ist bei einem Kulturtag auf jeden Fall einen Besuch wert.
 

Die Bäche der Uckermark

Köhntop / Boitzenburger Strom / Quillow

Im nordöstlichsten Teil Brandenburgs, der Uckermark befinden sich 3 sehr interessante Bäche, die zum Einzugsgebiet der Ucker gehören.
Auch hier wurde bereits in den 90-er Jahren ein Wanderfischprogramm gestartet. Meerforellen können hier seit einigen Jahren über die Ucker in den Köhntop und Mühlbach aufsteigen und ablaichen.
Der Äschenbestand, der sich vom Boitzenburger Strom in den 90-ern Richtung Quillow und sogar in die Ucker ausgebreitet hatte, ist heute so gut wie Geschichte. Meine letzte Äsche fing ich vor ca. 10 Jahren im Quillow.

Der Köhntop

Ca. 20km nördlich der Kreisstadt Prenzlau fließt der Köhntop, der als Ausfluss des Haussees Wolfshagen entsteht, in Richtung Ucker.
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Von Karlstein bachabwärts geht’s ins Köhtoptal bei Trebenow. Völlig unverbaut und wild, wie vor hundert Jahren. Nicht ganz ungefährlich sind die Hangmoore, wo man echt nicht vom Bach abweichen sollte, da nur dort einigermaßen fester Untergrund vorhanden ist. An meinen ersten Tag im Köhntoptal kann ich mich noch gut erinnern. Die alten Erlen schienen wie mystischen Gestalten am Bach zu stehen. Ich fühlte mich wie im Paradies. Mit Fliegen schien hier noch nie jemand gefischt zu haben, denn meine Fangquote war unglaublich. Ich konnte in ca. 4 Stunden intensivem Streamerfischen mehrere Bachforellen über 40cm fangen. Ein Ausnahmefisch mit knapp 60cm war die Krönung dieses Vormittags.
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Das musste doch auch gegen Abend funktionieren! Ein ortskundiger Freund riet mir gegen Abend den Unterlauf, der Schiefe Möhne genannt wird, auszuweichen. Dort angekommen, war ich erst mal enttäuscht.
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Der von Karlstein bis hier völlig naturbelassene Bach verlief nun wie ein Kanal. Einige Mäander beließ man aber doch und die offene Landschaft hatte auch Vorteile. Maifliegen waren hier in unglaublicher Anzahl anzutreffen. Da musste einfach was gehen!

Genau das war der Abend an dem ich von einem alten erfahrenen Maifliegenfischer lernen sollte, dass nicht Wurfquantität zum guten Fisch führt. Ruhiges Beobachten markanter Stellen war der Schlüssel zum Erfolg. Viel fing ich nicht, dafür 2 große Bachforellen von 50 und 55cm. Beide trocken auf Maifliegenimitat.
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Der Boitzenburger Strom
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Der schönste Abschnitt des ''Stroms'', wie er hier genannt wird liegt zwischen Klein Sperrenwalde und Mühlhof. Hier fühlt man sich wie in einer anderen Zeit. Der Strom fließt, nachdem man ein letztes Wehr entfernt hat, völlig natürlich durch einen Jahrhunderte alten Auwald.

So schön der Bach auch durch den alten Auwald mäandriert, ich konnte hier noch nie eine Forelle über 40cm fangen. Bachforellen gibt es reichlich, nur scheinen sie mit zunehmender Größe in den begradigten Wiesenbereich abzuwandern. Dieser befindet sich bei der Ortschaft Mühlhof und obwohl dieser Wiesenbereich begradigt wurde, ist das Nahrungsangebot für die Fische so gut, dass sich hier immer wieder größere Bachforellen einstellen. Auch schöne Äschen gab es in diesem Bereich. Leider ist die Äsche vollständig verschwunden, jedenfalls konnte ich in den letzten Jahren keine mehr fangen.
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Der Quillow

Der Quillow wird nach dem Ausfluss aus dem Stausee Dedelow als Salmonidengewässer gelistet. Leider ist dieser Bach fast überall begradigt und wird erst nach dem Zusammenfluss mit dem Boizenburger Strom interessant. Einige Stellen gibt es dennoch, die dann auch überraschend gute Bachforellen beherbergen.

Nach dem Zusammenfluss sieht es erst mal recht monoton aus, aber der Fischreichtum ist im Unterlauf wirklich beachtlich. Auch Wurftechnisch wird man gefordert, da die besten Fische immer an den schlecht zugänglichen Stellen stehen. Hier im Unterlauf kann man immer mit einer kapitalen Überraschung rechnen. Auch der Bereich des Einlaufs in die Ucker ist sehr interessant.

Bei einem Maifliegenschlupf hat man nur das Problem, unter den vielen Steigern den vermeintlich Größten anzuwerfen.
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Der damalige Vorsitzende des KV Prenzlau konnte kaum glauben, wie effektiv Fliegenfischen sein kann.
Er war an vielen Tagen dabei und ich bin ihm noch heute dankbar für viele Tipps, die für mich vor allem in der Erkundung der Gewässer sehr hilfreich waren.
Unterkünfte gibt es in der Kreisstadt Prenzlau reichlich. Von hier sind alle Bäche mit dem Auto kurzfristig zu erreichen.
 

Die Bäche des Flämings

Plane / Buckau

Eigentlich würde ich über diese beiden Bäche sehr gern nur Positives schreiben, da es sich um wirklich schöne, in langen Passagen natürlich verlaufende Niederungsforellenbäche handelt. Leider werden hier, warum auch immer, weiterhin Jahr für Jahr Regenbogenforellen besetzt. Vor einigen Jahren wurden auch noch Bachsaiblinge besetzt. Diese lockten zwar viele Angler ans Wasser aber im Endeffekt waren sie nicht gerade günstig für die nachfolgende Bachforellengeneration.

Die Plane
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Das erste Mal stand ich 1979 am Ufer der Plane. Bewaffnet mit einer Spinn- und einer Fliegenrute. Ich muss wohl damals zur besten Maifliegenzeit vor Ort gewesen sein, denn schon nach 2 Stunden erfolglosem Spinnangeln, wechselte ich zur Fliegenrute. Eine optimale Fliege hatte ich gar nicht zur Verfügung, aber auch eine 12-er Märzbraune wurde bereitwillig genommen. Erst später informierte ich mich, was dies für große Fliegen waren, die die Forellen zum Steigen brachten. Auch damals waren Regenbogenforellen in allen Größen die Hauptbeute.
Maifliegenimitate haben seit dem einen festen Platz in meiner Trockenfliegenbox.
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Die Plane ist von der Werdermühle bei Niemegk bis ca. 2km nördlich von Trebnitz als Salmonidenbach ausgewiesen. Aber auch bachabwärts werden immer wieder gute Forellenfänge gemeldet.
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Dies liegt an den im Mittellauf zufließenden Baitzer- und Belziger-/Fredersdorfer Bach, die zu Teil auch als Salmonidengewässer gelistet sind. Von dort wandern immer wieder Forellen in den Mittellauf der Plane.

Auch deshalb wäre ein Versuch in diesem Bereich durchaus lohnend, da sie dort kaum befischt werden. Dass dort oft kapitale Forellen gefangen werden, weiß ich von Aalanglern, die dort öfters nachts eine Überraschung an ihrer Grundangel erleben.

Die Plane ist ein sehr abwechslungsreicher Bach. Zugewachsene Bereiche im Oberlauf und Wiesenbereiche, (bei Mörz) wechseln ständig. Hinter dem Trebnitzer Sandfang ändert sich nicht nur der optische Zustand der Plane. Lief sie bis hierhin noch relativ naturnah, hat man sie hier in ein Korsett gezwängt. Da dies schon vor vielen Jahren geschah, hat sich hier und da die Natur einiges zurück erobert. Dennoch befische ich die Plane fast ausschließlich zwischen Werdermühle und Trebnitz.

Die Plane ist ein sehr gutes Maifliegengewässer und wer mal eine der durchaus vorhandenen großen Regenbogenforellen erwischt, wird sich nicht über ihr Vorhandensein beklagen.

Dennoch darf diese Art der Bewirtschaftung durchaus kritisch hinterfragt werden!

Bachforellen gibt es natürlich auch, aber schon 40-er sind die Ausnahme.

Das Befischen ist nicht immer einfach und in den zugewachsenen Bereichen sind Trickwürfe oftmals die einzige Möglichkeit um an den Fisch zu kommen.

Der Bereich der Wühlmühle gibt es ein Privatgelände, wo das Fischen untersagt ist. Beschilderung bitte beachten!
 

Die Buckau
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Die Buckau kann von Buckau (Dorf) bis zur Neuen Mühle mit der Salmo-Karte befischt werden. Im Unterlauf gibt es leider für viele Kilometer den Anblick eines begradigten, kanalartigen Fließes. Wenn man aber Ortskenntnis hat und etwas Mut auf sich nimmt, für den kann der Bachbereich zwischen Buckau (Dorf) und A2 wahre Sternstunden ermöglichen. Nur sollte man dort die Rinder nicht aus den Augen lassen! Vor allem wenn Kälber mit auf der Weide sind.
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Auch der Streckenbereich hinter der Zuchtanlage ''Fläming Forelle'' bis ca. 2km stromab der Eulenmühle, sind sehr interessant.
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Dem Staubereich der Eulenmühle (bei Glienecke) sollte man besondere Aufmerksamkeit schenken! Hier konnte ich schon mehrmals große Bach- und Regenbogenforellen fangen.

Beide Bäche sind leicht zu erreichen! Für die Plane wählt man die Ausfahrt Brück oder Niemegk der A9 und für die Buckau die Ausfahrt Ziesar oder Wollin auf der A2.

Unterkünfte gibt es in Bad Belzig und Niemegk (Plane) und in Ziesar (Buckau).
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Wer die vorgestellten Forellenbäche im Spätsommer/ Frühherbst besucht, kann mit einer leckeren Pilzpfanne zur Forelle rechnen. Viele der Bäche liegen in Waldgebieten, wo Pilze eine willkommene Zugabe sind.
 

Für alle hier vorgestellten Forellenbäche gibt es Tageskarten, die man nach Vorlage (Kopie) des Bundesfischereischeins beim LAV Brandenburg (www.lavb.de) bestellen kann. Unter 'Salmo Tageskarte'' sind sie für 18€ erhältlich.

Bitte beachtet die Beschilderung, mit der Flugangelstrecken (gelbes Schild mit schwarzem F), Sportangelstrecken (gelbes Schild / Spinn- und Flugangeln) und Sperrstrecken (rotes Schild), untergliedert werden!
 

Auf dem Foto ist die Grenze zwischen Sportangelstrecke (linke Richtung) und Flugangelstrecke (rechte Richtung) gut zu erkennen.

Auf der Tageskarte ist das zu befischende Gewässer mit Nr. einzutragen:

         Stepenitz                      P 13-01
         Dömnitz                       P 13-02
         Schlatbach                    P 04-01
         Dosse                           P 16-01
         Rheinsberger Rhin           P 11-01
         Köhntop                        P 05-03
         Boitzenburger Strom       P 05-01
         Quillow                         P 05-02
         Plane                            P 01-02
         Buckau                          P 01-04

Falls es den einen oder anderen von Euch an einen Bach in Brandenburg verschlagen sollte, wünsche ich viel Erfolg und erholsame Stunden!

Für detaillierte Fragen zu Unterkünften oder dem jeweiligen Gewässer stehe ich natürlich gern Rede und Antwort!
 
 
 
 
 
 

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Ein Beitrag und Fotos von Frank Ritter für www.fliegenfischer-forum.de - 2025/26. Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Beitrag ist verboten.

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