Testbericht Fliegenrolle "VISION VR 57"

Wenn man es genau betrachtet, hat die Qualität  der Rolle beim Fliegenfischen auf Forellen oder Äschen eher eine untergeordnete Bedeutung. Die Rolle dient hier hauptsächlich der Aufnahme der Schnur und selbst mit einer preiswerten Rolle lassen sich gute Fische fangen, da die Rolle auf den Wurf kaum Einfluß hat und der gehakte Fisch beim Drill meist mit der Schnur in der Hand geführt und gebremst wird. Dennoch halte ich gutes Material und eine saubere Verarbeitung der Rolle für wichtig, da eine wackelnde, hakelige Rolle das Fischen eher hindert als ihm dient.

Für mich sind bei der Auswahl einer Rolle folgende Kriterien wichtig:
- simple, der Funktion untergeordnete Form ohne Designspielereien,
- unauffällige, widerstandsfähige Lackierung oder Beschichtung,
- leichtes aber dennoch stabiles, präzise verarbeitetes Material,
- großer Spulenkern,
- runder Lauf und, wenn man sie schon mal braucht, eine ruckfrei greifende Bremse,
- einfache Demontage bzw. einfacher Spulenwechsel,
- Wartungsfreiheit und
- nicht zuletzt ein erschwinglicher Preis.

Die neue VR 57 von VISION Fly Fishing hat hier bei mir das Rennen vor der Stenzel Regent 2 gemacht. Ursprünglich hatte ich mir auf der 1. Fliegenfischer- Messe beim Angelsachsen in Dölzig bei Leipzig am Stand von Stenzel die Regent 2 ausgeguckt. Die Rolle an sich und die Tatsache, daß man die Spule zum Wechsel einfach abziehen kann haben mich damals beeindruckt. Allerdings hatte ich an diesem Tag nicht das nötige Kleingeld dabei um sie auch zu kaufen. 
Später, als ich diesbezüglich Ernst machen wollte, habe ich mir die Rolle noch einmal genauer angeschaut und  dabei ist mir aufgefallen, daß die Oberfläche im Schnurlaufbereich stellenweise ziemlich rauh ist was sich mit der Zeit denkbar ungünstig auf die Schur auswirken dürfte. Die Möglichkeit die Gehaüsefarben auszuwählen war nicht entscheident für mich und auch die Einfachheit des Spulenwechsels verlor an Bedeutung da Spulenwechsel ja eigentlich Schurwechsel meint und ich an den Gewässern die ich befische mit einer WF5F allen Situationen gewachsen bin. Für die wenigen Gelegenheiten, bei denen ich besser auf eine DT oder eine Sinktip zurückgreife habe ich andere Rollen. Nun aber zur VR 57.
Die VR 57 ist eine gefällige Rolle mit Großkern. Sie hat bei einem Leergewicht von etwa 150 g einen Spulendurchmesser von 85 mm, einen Kerndurchmesser von 45 mm sowie eine Kernbreite von 25 mm. Die Rolle ist aus Flugzeugaluminium gefertigt und sauber und präzise verarbeitet. Sie hat ein schwarz glänzendes Finish und ist salzwasserfest schutzeloxiert. Laut Hersteller faßt sie eine WF6 plus 90 m 20 lbs Backing. Ich habe das nicht nachgeprüft kann aber sagen, daß mit meiner WF5F noch mehr als ausreichend Platz für das Backing vorhanden war. Das Bremssystem besteht aus einer großflächigen kugelgelagerten  Kork / Teflon Kombination die auch bei festgestellter Bremse seidenweich und absolut ruckfrei greift. Die Korkscheibe hat eine Drainage aus drei Einschnitten, was Aquaplaning verhindern soll. Die Bremse arbeitet als Einwegbremse in Abzugrichtung ist aber für Linkshänder ohne allzu große Schwierigkeiten umstellbar indem man die, durch einen E-Ring gesicherte, Korkscheibe abnimmt und die Position der darunter befindlichen je zwei Gummi- und Metallzylinderchen austauscht. In Abzugrichtung hört man ein permanentes aber dezentes Klicken. Wen dies stört, der findet seine Ruhe nachdem er eine kleine Feder im Inneren abgezogen hat. Die Spule ist mit zwei Kugellagern auf der stabil wirkenden Spulenachse gelagert und weist nur bei völlig gelöster Bremse ein minimales Spiel auf. Zieht man die Bremse etwas an verschwindet diese Spiel vollständig. Die Einstellung der Bremse erfolgt zweckmäßig auf der Kurbelseite, was ein Umgreifen unnötig macht. 
Sollte jedoch ein guter Fisch die Schnur geradezu von der Rolle "reißen" ist dennoch schwer an das Verstellrad heranzukommen. In diesem Fall bleibt einem nichts anderes übrig als den Spulenrand mit der Handfläche zu bremsen. Die Spule ist auch auf der Kernfläche durchbrochen, was verhindert, daß die Nässe, die die Schnur beim Fischen unweigerlich aufnimmt, sich dort staut. Die Spule liegt so im Rollenrahmen, daß ein Einklemmen der Schnur nahezu unmöglich ist. Sämtliche Flächen oder Kanten sind absolut glatt und frei von Graten. Ein Verschleißen der Schur durch die Rolle ist so ausgeschlossen. Geliefert wird die Rolle in einem kleinen Schutztäschchen. Neoprenhüllen gibt es wie bei anderen Herstellern auch als Zubehör. Mit der Lieferung erhält man keinerlei Beschreibung oder Garantieurkunde. Auf Nachfrage erklärte mein Händler "....wozu das viele Papier, das einem nur erklärt, wann die Garantie nicht greift....wenn wirklich mal etwas ist, einfach zurückbringen..." Na wenn das so ist.....ich brauche kein Papier und wir werden ja sehen.
Fazit: Für mich läßt die VR57 im Moment keine Wünsche offen. Die Rolle macht einen stabilen, langlebigen Eindruck. Wie sie nach einigen Jahren intensiver Nutzung aussieht, kann ich noch nicht sagen, erwarte aber keine böse Überraschung. Der Preis von rund 276.-- EUR ist sicherlich kein Supersonderangebot aber Qualität hat ihren preis und man kauft ja schließlich nicht jede Woche eine neue Rolle.
In der VISION VR Familie gibt es auch noch die VR 35, 68, 79, 911. Wobei die Zahlen für die jeweils vorgesehenen Schnurklassen stehen. ( Also VR57 für Klasse 5 - 7 usw.) Die Preise für diese Rolle sowie für Ersatzspulen bitte beim VISION Händler erfragen.
Bezugsquelle: Der Angelsachse, Merseburger Chaussee 5a, 04430 Dölzig, Tel: (034205) 18502, Fax: (034205) 185203.
Testbericht von Dirk Traber

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