Fliegenfischen-Praxis: 
Die Matchwinner: Köder und Anbietetaktik
Erfolgreich mit der Fliege auf Barben
Ein Beitrag von Kuno Bitzenhofer* und Gottfried Welz
Ganz gezielt auf Barben mit der Fliege zu fischen, heißt vor allem Zweierlei: mit der richtigen Fliege und der richtigen Anbietetaktik zu Werke gehen. Wer das beherzigt, dem sind fulminante Barbendrills sicher.
Konnten Sie auch schon mal eine 65er Barbe mit der Fliege an der 5er Rute überlisten? - Und?: Hat bei Ihnen dieses Erlebnis nicht auch ein gewisses Verlangen ausgelöst, sich öfter mit diesem kampfstarken Grundfisch zu messen? Zugegeben: Uns hat es diese einheimische Cyprinidenart schwer angetan; wir fischen nunmehr seit Jahren ganz gezielt mit der Fliege auf Barben. Und: Für uns ist der Drill am leichten Fliegengerät kaum zu toppen! Werden wir gefragt, was das Besondere daran ist, dann haben wir einen Standardspruch, einen Vergleich parat: „Ein Barbendrill mit der 5er Rute ist ungefähr so, als hätte man an der 8er oder 10er Rute einen strammen Lachs dran – einfach sensationell!“
Erfolgreiches Barbenfischen: Eine Barbus barbus aus der Argen (links) und eine aus der Fils (nicht zu verwechseln mit der Vils) (unten).

Um stetig Barben zu überlisten – das heißt: drei, fünf oder mehr Fische an einem Tag zu keschern –, sind zwei insbesondere zwei Punkte elementar: nämlich zum einen mit der richtigen Fliege zu fischen, zum anderen die richtige Anbietetaktik einsetzen. 

Richtige Etage, richtige Fliegendrift
Bevor wir zunächst auf die richtige, auf eine überaus erfolgreiche und sehr bewährte Anbietetaktik näher eingehen, einige Aspekte über das Verhalten von Barben. Dieses Verhalten ist faktisch der Stein des Anstoßes, warum man so wie unten ausgeführt fischt und die Fliege so und nicht anders präsentiert. 

Barben sind einerseits ziemliche Vagabunden. Vor allem ab dem Frühjahr zieht die Spezies Barbus barbus in Schwärmen flussauf. Auf der anderen Seite mögen die Fische der namensgebenden Barbenregion ganz bestimmte Flussstellen am Gewässergrund: so etwa am Ende von Runs, in Flussrinnen, in Flusszügen mit

Kurven und Ausspühlungen am steinig-lehmigen Untergrundgrund und dort, wo die Strömungsgeschwindigkeit recht groß ist. Was die Nahrung anbelangt, ist eine adulte Barbe kein Kostverächter; von Fischlaich über Insektenlarven, Würmer oder Muscheln bis hin zu Kleinfischen reicht der Speisezettel.

Wenn es heißt, dass die Barbe ein Grundfisch ist und sich praktisch stets am Gewässergrund aufhält, dann bedeutet das für uns Fliegenfischer nichts anderes: Wir müssen mit unserem Kunstköder runter, eben genau in der untersten Etage fischen! Von Vorteil ist es ohne Frage, wenn man Barben-Stellen kennt, die es praktisch in jedem Fluss gibt, in dem Barben vorkommen. 

Mit der Fliege auf eine Tiefe von bis zu zweieinhalb Meter zu gelangen, ist eine wichtige Voraussetzung, um Barben zu überlisten. Dazu gesellt sich in Sachen Anbietetaktik aber noch eine andere. Der Köder sollte ziemlich genau von vorn auf den Fisch am Grund zutreiben. Erst wenn beide Kriterien erfüllt sind, ist die Aussicht gegeben, dass Barben die Fliege nehmen und man mehrere fulminante Barbendrills an nur einem Fischtag erleben darf.

Foto unten: Mit ihrem stromlinienförmigen Körper ist die Barbe perfekt für das Leben am Gewässergrund im Fließgewässer angepasst. Dieses Prachtexemplar konnte einer Black Devil KB-Jig-Nymphe nicht widerstehen. Schön zu erkennen: das oberständige Maul dieser Cypriniden-Art.

Laaaanges Vorfach!
Wie stellt man nun die richtige Etage und die richtige Fliegendrift sicher? Was ist dazu an Getackel erforderlich? Um auf die richtige Ködertauchtiefe zu kommen, brauchen wir einmal ein langes Vorfach, wobei grundsätzlich gilt: das Vorfach kann eigentlich nie lang genug sein! Als Faustformel hat sich Folgendes bewährt: Tauchtiefe gleich 2,5fache Gesamt-Vorfachläge. Ist es beispielsweise erforderlich, die Fliege auf eine Tiefe von etwa 1,5 Meter zu bringen, so beträgt die Gesamt-Vorfachlänge rund 3,75 Meter, besser noch 4 Meter. Wir fischen dabei mit einem üblichen konisch gezogenen Vorfach, das in etwa der Rutenlänge von 9 Fuss (2,75 Meter) entspricht. Am Ende wird ein kleiner Pitzenbauerring angeknüpft. An  denselbigen wird dann Monofil-Vorfachmaterial angebracht, von der Länge her je nach Bedarf; ganz der Tauchtiefe entsprechend. Nun folgt der Köder, die Fliege: Und zwar eine (beschwerte) KB*-Jig-Nymphe, auf die wir später noch ausführlich eingehen. Gefischt wird stets mit einem etwas größer bemessenem Knetbissanzeiger, der sich ganz am Ende der Flugschnur vor dem Übergang zum Vorfach befindet. 

Flussauf und sofort zwei Mal menden
Um nun beides sicherzustellen – Fischen in der richtigen Etage und richtige Fliegendrift – hat sich folgende Anbietetaktik/folgender Anbieteablauf (Bild 1 bis 4) bewährt:

)><(((°>    (Bild1) Wurf schräg flussauf an einer schön lang gezogenen Kurve/Biegung und mit 
                einer Rinne etwas mehr als einen Meter vom rechtsseitigen Ufer entfernt – Fliege 
                taucht ins Wasser ein und schwebt zum Gewässergrund (Bild 1). 

)><(((°>    (Bild 2) Anschließend sofortiges menden der Schnur nach rechts in Richtung Ufer, 
                damit Vorfach und Flugschnur fluchten, eine Art Linie ergeben. 

)><(((°>    (Bild 3) Abermaliges menden der Schnur sofort nach links (vom Ufer weg), und 
                zwar so, dass sich nach etwa 50 Zentimeter an der schwimmenden Flugschnur (mit 
                Bissanzeiger vorne) ein abgewinkelter oder runder Schnurbogen ergibt. 

)><(((°>    (Bild 4) So die Barbenstelle/Rinne abfischen – erfolgt kein Biss, Ablauf 
                Wiederholen; unter Umständen einen Meter flussab waten und erneut Fliege 
                anbieten.

Was die Anbietetaktik/-technik anbetrifft, machen wir hier einen Break. Wir möchten uns nämlich nun der Fliege widmen, der KB-Jig-Nymphe, die sich nicht nur für uns (siehe Titelstory von Wolfgang Hauer zum Thema „Auf Barben“ im Magazin „Fliegenfischen“)  beim Barben-Fischen als  d e r  Bringer entpuppt hat. Mehr zur Präsentation beziehungsweise zum Werfen der beschwerten Fliege sowie Biss/Anhieb und Drill einer überlisteten Barbe dann später.

Bindeweise für viele Muster
Die KB-Jig-Nymphe unterscheidet sich gegenüber anderen Jig-Nymphen dadurch, dass die Fixierung der Kopfperle mit einem kleinen, abgewinkelten Metallnagel erfolgt. Dadurch, dass Goldkopf und Nagel oben auf dem Hakenschenkel angebracht werden, dreht sich die Nymphe im Wasser und fischt upside down, eben mit nach oben gerichtetem Hakenbogen, was die Hängergefahr – gerade am Gewässergrund – deutlich reduziert. Selbstverständlich lässt sich dieser Effekt auch mit anderen Jig-Nymphen erzeugen. Etwa mit einer Jig-Nymphe mit abgewinkeltem Haken, die am Winkel mit einem runden Klemmblei ausgestattet ist. Oder mit einer Jig-Nymphe, bei der die auf einem Monofilstück aufgeschobene Goldperle dann zusammen mit dem Monofilstück auf dem Haken festgewunden wird. Gegenüber der „Nageltechnik“ gibt es aber Nachteile. Erstens lässt sich das System Nagel/Kopfperle in praktisch jeder gewünschten Größe und mit dem erforderlichen Gewicht leicht selbst erstellen. Zweitens weist es eine größere Steifigkeit als bei der Verwendung eines Monfilstücks auf. Und drittens ist es billiger als gekaufte Jig-Haken mit Blei. 

Kleine Kollektion – alle möglichen Muster lassen sich mit dem KB-Jig-System binden.
Als quasi Halbfertigerzeugnis – Haken mit dem Duo Nagel/Kopfperle, das direkt oben auf dem Haken angewunden und mit einem Tropfen Sekundenkleber zusätzlich befestigt wird – kann das „KB-Jig-System“ für alle möglichen Fliegenmuster Verwendung finden. Zum Beispiel als Eintagesfliegen-Nymphe beim Forellen- oder Äschen-Fischen mit einem 14er Haken, einer 3,2 Millimeter Goldkopf-Tungsten Kopfperle auf einem Mini-Nägelchen, mit einem Schwänzlein von Fiebern des Fasanenstoßes, Light Hares Ear Dubbing und einem Gray Mallard CDC-Hechelkranz (Schlaufentechnik); auf gleicher Hakengröße in der Art einer Red-Tag-Nymphe ebenfalls beim Forellen- oder Äschen-Fischen; oder auch etwa als Jig-Pheasant-Tail beim Weisfisch-Fischen. So kann die KB-Jig-Nymphe als Kunstköder für alle möglichen Zielfische Verwendung finden. Die hier und da verlautbarte Äußerung, eine Jig-Nymphe könnte beim Aufsteigenlassen/beim „Hinten-Herumkommen-Aufsteigen“ Fische etwa am Auge ähnlich wie ein sich drehender Bend-Haken verletzen, sei so eine Gefahr für Fische oder entspreche damit nicht einer Waidgerechtigkeit hat sich in all den Jahren in den wir mit derartigen Nymphen fischen in keinster Weise bestätigt. 

Muster für alle Fälle
Für das Barben-Fischen setzen wir bei leicht „angestaubtem“ und trübem Wasser eine dunkle  Dark Devil KB-Jig-Nymphe ein; bei klarem Wasser eine Shiner KB-Jig-Nymphe – immer mit angedrücktem Hakenbart (Schonhaken). Und zwar mit unterschiedlichen Kopfperlen (Größe und Farbe sowie in Messing und in Tungsten) bestückt; wobei wir die besten Erfahrungen mit Kopfperlen von Stenzel Flyfishing gemacht haben. 

Recht einfach lässt sich eine KB-Jig-Nymphe selbst binden, wie das Beispiel „Shiner“ zeigen soll: 
 

Der erste Schritt ist das Nagelbiegen mit aufgesteckter Kopfperle (hier: 4,6 mm Durchmesser, gold). Dazu von hinten den Nagel (Nägelchen in unterschiedlicher Größe und Farbe gibt es im Baumarkt) in den Seidenschneider stecken bis zur Kopferle. Anschließend einfach mit einer Kombizange den Nagel an der Spitze greifen und biegen. Abgestützt wird die Kombizange am Seidenschneider.

Danach wird die Kopfperle mit dem gebogenen Nagel oben auf dem Hakenschenkel angewunden (Bindefaden braun, 6/0; Haken Tiemco TMC 5262, Größe 10). Kopfperle mit gebogenem Nagel schließt in etwa mit dem Hakenöhr ab. Am besten man richtet zuerst die Kopfperle mit gebogenem Nagel aus und fängt an Knick an nach hinten zu winden, und zwar in groben Windungen. Bindefaden nach hinten. Jetzt die so entstandene Einheit mit einem Tropfen Sekundenkleber sichern. Dieses „Halbfertigerzeugnis“ lässt sich für alle möglichen KB-Jig-Muster verwenden.
Mittels Dubbing-Schlaufentechnik wird aus gemixtem Brite Hare’s Dubbing Natural und Ice Dubbing Golden Brown ein Dubbingstrang geformt. Bindefaden nach vorne und dann den Dubbing-Strang bis vor zur Kopfperle winden. Abbinden des Dubbing-Strangs mit dem Bindefaden. Einen kleinen Kopfknoten formen und es folgt ein Abschlußknoten. Nun mit einem kleinen Tropfen Bindelack den Kopfknoten sichern.
Und die Shiner KB-Jig-Nymphe ist fürs Barben-Fischen fertig.
Wie sich das anfühlt…
Wer das erste Mal im Wasser steht und mit seiner Gerte samt Schwimmschnur, montiertem Bissanzeiger und Vorfach mit einer Gesamtlänge von vier Meter oder mehr eine KB-Jig-Nymphe gemäß beschriebener Anbietetaktik auf Barben zu Werke geht und mit dem Werfen loslegt, aus dem zischt womöglich nach wenigen Würfen unwirsch heraus: „Wie fühlt sich denn das an? – so ein Blödsinn!“ Zugegeben: Das Werfen mit überlangem Vorfach und schwerer Fliege ist ein wenig gewöhnungsbedürftig – aber nur fünf Minuten Übung und man hat sicher den Dreh in punkto „Wurf-Timing“ schnell raus. 
Funktioniert das Werfen und die Fliege taucht dort ins Wasser ein, wo man sich das vorgestellt hat, ist ein Punkt ziemlich bedeutsam: dass das oben beschriebene U der schwimmenden Flugschnur erzeugt wird. Erst dann kann diese Art von System schön ruhig mit der Strömung flussab treiben, und zwar in einer Flucht – will heißen: in einer Linie und gleichmäßig tief. Fischt man quasi klassisch quer-flussauf mit menden der Schnur nicht zum Ufer hin, treibt die Nymphe auch nicht gerade, beziehungsweise in gleichmäßiger Tiefe direkt auf den Zielfisch  zu. Die Konsequenz: die Barbe nimmt die Fliege nicht oder nicht richtig!
Ein anderer Punkt ist für den kontinuierlichen Erfolg fast ebenso wichtig: Und zwar das Erkennen eines Bisses. Einen Barben-Biss ohne die Verwendung eines Bissanzeigers  wahrzunehmen, ist in aller Regel außerordentlich schwierig oder gar unmöglich. Dass die Schnur einfach stehen bleibt, ähnlich wie etwa bei einem Forellen-Biss, ist eher die Ausnahme. 
Ein wahres Kraftpaket
Hat nun eine Barbe die Nymphe goutiert und man spürt einen Biss, ist es ratsam, einen beherzten Anhieb zu setzen, damit der Haken im Barben-Maul richtig hält. Ab jetzt heißt es: Achtung, volle Konzentration! Denn was jetzt folgt, ist etwa mit einem Forellen-Drill überhaupt nicht vergleichbar. Es beeindruckt einen immer wieder, welche Kraft eine Barbe besitzt und wie beherzt sie kämpft. Das zeigt sich daran, dass sie mehrfach heftig fluchtet und Schnur abzieht. Das zeigt sich aber auch des Öfteren daran, dass für kurze Zeit gar nichts geht – ganz so als zeige uns das Kraftpaket, wer der Herr im Ring ist.
Man pumpt oder will Schnur einholen, und die Gerte biegt sich einfach, als habe man einen Hänger. Man ist regelrecht verdutzt oder es treibt einem schon mal vor lauter Aufregung den Schweiß auf die Stirn. Dann ist es ratsam, die Rute nach links oder nach rechts zu senken, um so seitlichen Druck auf den Fisch auszuüben, was meistens hilft, dass es voran geht.
 

Fotos: Hat eine Barbe die KB-Jig-Nymphe genommen, geht die Post ab. Kann man dann eine solche nach einem fulminanten Drill keschern, ist die Freude groß.

Ist die Barbe in Sichtweite und der Bissanzeiger lässt sich mit der ausgestreckten Hand greifen, dann schnell den Knetbobbel fassen und von der Schnur ziehen – um so das Vorfach in die Ringe zu bekommen und den Fisch in Keschernähe. Aber dann auch hier aufgepasst! Meist mobilisiert die Barbe in dieser Situation nochmals ihre Kräfte und will abzischen. Jetzt lieber Schnur geben als einen Schnurbruch provozieren. Das Messen mit dem kampfstarken Fisch geht in eine neue aufregende Runde. 
Es ist selbstredend, dass ein derartiger Drill insbesondere der Bremse eine Menge abverlangt. Hier zeigt sich, was eine Rolle samt ausgefeiltem Bremssystem wirklich wert ist. 
Wir wünschen Ihnen/Euch jedenfalls ganz viele spannende Momente und viel Vergnügen  beim Fliegenfischen auf Barben! 

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