Gerätebesprechung - Fliegenrollen:
STENZEL "Excelsior 3"



Da der Testbericht Nr.35 inhaltlich nicht sehr detailliert war und dadurch manche Frage offen blieb - ist hier nun ein neuer, ausführlicher Bericht zum STENZEL-Rollen- "Flaggschiff" namens "Excelsior".
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Verfügbare "Excelsior"-Modelle: "1" für #6-7, "2" für #8-9, "3" für #10-12 und "4" für #15. Testmodell war eine "Excelsior 3" zum Preis von 519,--EUR.

Technische Daten:
Ausgereifte und robuste "Mittelkern"-Fliegenrolle für die schwere Fischerei (Lachs & Salzwasser) mit Dualmode-System und Hochleistungsbremse. Die Rolle wurde mittels moderner Technik aus hochwertigem Aluminium gedreht und titangrau eloxiert. Laut Hersteller salzwasserfest.
Rollendurchmesser 117mm (plus Rollenfuß 12mm), Rollenbreite 48mm (plus Kurbelaufbau 42mm), Rollentiefe 29mm, Spulenbreite 34mm.

Gewicht: 395 Gramm, Fassungsvermögen: WF12 plus 330 Meter 30 lb-Backing (Hestellerangabe). Die Lieferung erfolgt in einer Neopren-Tasche.

Beschreibung und Praxistest:
Vor uns liegt eine grosse und robust gebaute, optisch ansprechende Mittelkern-Fliegenrolle. "Mittelkern" bezieht sich auf die Spule und bedeutet, das diese zwischen einer normalen und einer Großkernspule einzuordnen ist.
Spule und Gehäuse wurden zur Gewichtseinsparung mit zahlreichen Löchern versehen. Alle Ecken und Kanten wurden sauber gerundet.
Die Besonderheit bei der "Excelsior" ist das Dualmode-System, was eine Kombination zwischen "Direkt-Drive" und "Antireverse"- Technik darstellt: Solange Druck auf die Kurbel ausgeübt wird, hat man eine "Direkt-Drive"- Rolle, also den direkten Kontakt (und die direkt wirkende Kraft) zum Fisch.

Wird die Kurbel jedoch etwas zurück genommen (oder einfach nur losgelassen), kann die eingestellte Bremskraft wirken und der Fisch kann Schnur von der Rolle nehmen, ohne dass die Kurbel mitläuft.
Das mittels Sperrhaken formschlüssig funktionierende Dualmode-System ist im Gehäuseteil der Rolle untergebracht.

Die bärenstarke Bremse der "Excelsior" arbeitet mit einem Kunststoff-Kork- Bremsscheiben-System. Der Bremsdruck lässt sich mit Hilfe eines grossen, auf der Rollenvorderseite sitzenden Einstellrades fein dosieren.

Damit niemand durcheinanderkommt, wurden auf dem Einstellrad Richtungsmarkierungen "+" und "-" angebracht.
Die Rollenachse aus Edelstahl ist - für eine Rolle in diesem Einsatzgebiet - ordentlich kräftig dimensioniert (10mm Durchm.), durchaus nicht selbstverständlich bei anderen Rollen.
Am Rollenfuß befinden sich auf beiden Seiten Einhängeösen für Fliegen, je nachdem, ob die Rolle für Links- oder Rechtshandbetrieb
verwendet werden soll. Der Umbau für links oder rechts lässt sich leicht selbst bewerkstelligen, eine Anleitung dazu liegt der Rolle bei.
Spule und Rollengehäuse passen einwandfrei zueinander, es gibt kein störendes Spiel, weder vertikal, noch horizontal, ebenso gibt es keinerlei störende Zwischenräume. Der Abstand zwischen Spule und Gehäuse ist mit ca. 0,5mm gleichmäßig und gering gehalten, dies veringert die Gefahr von verschwindenden Schnur- und Vorfachspitzen auf ein Minimum. Die Spule läuft auf einem Messinglager, der Rundlauf ist ausgezeichnet.
Der vordere Rollensteg, dessen Kanten schnurschonend gerundet sind, befindet sich vorne mittig an der Rolle. Diese Position ist nicht unumstritten, bringt aber bei Rollen dieser Dimension mehr Vor- als Nachteile.
Das Handling des Spulenwechsels ist auf dem der Rolle beiligenden Blatt gut erklärt, gestaltet sich in der Praxis am Wasser jedoch ein wenig aufwendig und ist nur mit Hilfe von Werkzeugen zu vollziehen: Zunächst wird mit einem Schraubendreher eine Sicherungsschraube gelöst, dann mit dem, der Rolle beiliegenden Hakenschlüssel die Abschlußschraube entfernt, nun die Kurbel abgezogen, ein Ring entfernt, die Bremsmutter abgeschraubt, noch ein Ring und eine Feder entfernt, nun kann die Spule abgezogen werden. Da muss man schon etwas achtgeben, um a) kein Teil zu "verlegen" und b) beim Wiederzusammenbau nichts durcheinander zu bringen. Die Firma Stenzel empfiehlt ihren Kunden von einem Spulenwechsel in der Wildnis
abstand zu nehmen, um kein Teil in der Kiesbank zu verlieren. Bei Verwendung verschiedener Schnüre ist eine Ersatzrolle allemal besser.

"Musik" macht die "Excelsior" in zwei "Tonlagen": Beim Schnurabziehen ist ein feines Rätschen zu hören und beim Einkurbeln ein leichtes Klickern. Beide Geräusche sind unaufdringlich und stören nicht.
Die Kurbel ist 35mm lang, besitzt eine Ausspaarung in der Mitte und ist daher sehr "handfreundlich" und griffig.

Foto unten: zu bewegende Teile beim Spulenwechsel...

In der Praxis funktionierte die "Excelsior" tadellos, alle Einsätze und spezielle Bremstest's ergaben eine optimale Funktionalität. Lediglich der Salzwasser- Dauereinsatz steht noch aus: wir werden an dieser Stelle berichten, wenn sich diesbezüglich Abweichungen vom guten Gesamteindruck ergeben.
Abschließend noch eine Einschätzung von Rolf Modes, der eine "Excelsior 3" in Kanada im Einsatz hatte: "Vor meinem diesjährigen Kanadaurlaub (2001) kaufte ich eine Stenzel Excelsior 3. Ich besitze drei Antireverse-Rollen, aber mit dieser Rolle sind sie nicht zu vergleichen. 
In einem einstündigem Superdrill fing ich einen Hundslachs (32 Pfund) mit einer 16’ Sage Zweihand-Rute #10. Die Rolle zeigte keinerlei Schwächen. Sie ist nicht nur ein Schnurdepot (der Hundslachs zog bis
zu 300 Meter Schnur ab), sondern entpuppte sich als große Hilfe für mich im Drill. Ein schnelles Aufkurpeln der Leine, sowie das Sparen der Daumenbremse (schmerzhaft) und die leichte und sehr gute Handhabung ermöglichten mir viele Lachse zu landen. Diese Rolle hat mich überzeugt und ich empfehle sie jedem begeisterten Fliegenfischer weiter. Mit sportlichem Gruß Rolf Modes".
Fazit:
Die "Excelsior" ist eine formschöne, robuste und funktionelle Fliegenrolle, gebaut für das Aufnehmen großer Schnurmengen, für die Fischerei auf wirklich dicke Fische und den härtesten Einsatz. Unser Urteil: Sehr gut verarbeitete, absolut praxistaugliche Fliegenrolle!
Bezug:
STENZEL Fliegenrollen erhalten Sie im Fachhandel oder direkt bei:
Stenzel-Flyfishing, Gueterstr.26, 75177 Pforzheim, Telefon (07231)357026, Fax (07231)105331
eMail: info@stenzel-flyfishing.com
Web: www.stenzel-flyfishing.com

Alle Fotos im Testbericht: Michael Müller.
Nachfolgend Bauteileplan:

Testbericht: www.fliegenfischer-forum.de
Fotos: (C) Michael Müller
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