Geräte-Besprechung - Fliegenrollen:
SHIMANO "Ultagra Fly" 34 und 78 + Update "Biocraft XT" 56
Die aktuelle SHIMANO "Ultagra Fly" Fliegenrollen- serie besticht nicht nur durch ihre traditionell angelehnte, trotzdem moderne Optik, sondern hat auch technisch einiges "auf dem Kasten".

Verfügbare Modelle:
ULTFLY 34 (# 3-5)
ULTFLY 56 (# 5-7)
ULTFLY 78 (# 7-9)
Farbe: hell Anthrazit.
Unsere Testmodelle waren die "34" und "78".

Technische Daten (eigene Messungen)
Je für die "34" | "78":
Gewicht: 130 | 172 Gramm
Rollendurchmesser: 71 | 89 mm

Rollenbreite (ohne/mit Kurbel u. Bremsrad): 33 (55) mm | 36 (57) mm
Spuleninnenbreite: 21 mm | 26 mm
Spulentiefe (nutzbar): 26 (22) mm | 34 (29) mm
Schnurfassung: WF5+20m 20lb-Backing | WF9+135m 20lb-Backing
Preise: UVP: 89,95 bzw. 99,95 €, Details bitte beim Fachhändler erfragen.
Lieferumfang: Karton, Neoprene-Rollentasche, Beipackzettel (sechssprachig, auch in Deutsch) mit verschiedenen Instruktionen, Teileplan, etc.. Garantie: Die in Deutschland übliche Fachhändler-Garantie.
Beschreibung und Praxistest:
Normalkern-Fliegenrollen, hell anthrazitfarben, Gehäuse und Spule aus Duraluminium. Zweifach von Außen geschraubte Rollenfüße. Die Gehäuse sind rückseitig komplett geschlossen, seitlich gibt es einen Steg hinten für den Rollenfuß und einen Steg vorne mittig. Die beiden Stege greifen bei der "34" weit genug in die innere Spulen-Nut, bei der "78" jedoch nicht genügend: das Risiko eines ungewollten "Durchflutschen" von Vorfach und Schnur ist damit zumindest bei der "78" nicht gänzlich ausgeschlossen. Die Spulen besitzen große und griffige Aluminium-Kurbeln, die absolut sauber und ohne jegliches Spiel arbeiten. Ihnen gegenüber sitzt ein Kontergewicht. Die Spulenvorderseiten wurden maximal gelocht. Das starke Mehrscheiben-Bremssystem lässt sich mit Hilfe eines auf der Gehäuserückseite sitzenden, großen, runden Bremseinstellrades aus Alu über einen ausgesprochen langen Weg von sehr fein bis "gnadenlos" und sehr genau regulieren.
Das Abnehmen und Wechseln der Spulen ist mit dem „Hebelsystem“ schnell erledigt. Die Rollen lassen sich leicht von Links- auf Rechtshandbetrieb umbauen (Entfernen einer kleinen Schraube, Umdrehen der Rollenkupplung, u.s.w...). Dieser Vorgang ist auf dem den Rollen beiliegenden Zetteln in deutscher und fünf weiteren Sprachen erläuert.
Im Praxiseinsatz zeigen beide Testmodelle einen ausgezeichneten Rundlauf, sehr präzise und mit minimalen Toleranzen (Spulen walzengelagert). Die Spulen wurden nicht 100%ig sauber ausgewuchtet, ein leichtes "Schlagen" ist bei höheren Abzugsdrehzahlen bei beiden Rollen festzustellen. Durch Anpassen des Kontergewichts sollte dies herstellerseitig zukünftig recht einfach zu beheben sein, sofern gewollt. Ein vertikales Spiel der Spulen auf den Achsen ist gleich Null, absolut vorbildlich! Alle Zwischenräume und Abstände wurden gering gehalten, scharfe Ecken und Kanten sind an den Rollen nicht zu Finden. Alles spricht für eine hohe Verarbeitungsqualität.
Die "Ultegra" Fliegenrollen arbeiten beim Einkurbeln völlig widerstands- und geräuschlos, sie laufen nach Anstoßen noch ein paar Umdrehungen nach. Beim Schnur Abziehen wirkt die eingestellte Bremskraft und es ertönt ein sattes Schnurren (Silent Click). Das starke Bremssystem lässt sich wie oben beschrieben von sehr gering bis sehr fest einstellen. Es hat zwar einen langen Einstellweg, die für den Normalbetrieb 
benötigten Bremskrafteinstellungen liegen jedoch weitgehend innerhalb einer Umdrehung des Einstellrades vor. Durch die vorhandene (verdeckte) Rätsche liegt ein gewisser Grundwiderstand vor, der ein Überlaufen der Spule bereits verhindert. Ein ruckfreies Anlaufen der Spule ist gewährleistet. Im Praxisbetrieb zeigte das Bremssystem naß und trocken, sowie bei erheblicher Beanspruchung keine Schwächen. 
Durch die Normalkernbauweise der Spulen ist die Schnurkapazität überaus hoch: bereits die "Kleine" verträgt eine 5er WF und noch einige Meter Backing. Trotzdem wirkt die Rolle auch bei Verwendung am zarten 4er Gerät keinesfalls zu groß. Für 3er Gerät dürfte sie zwar optisch, allerdings von Gewicht her nicht mehr ideal passen - dies muss jeder für sich selbst beurteilen.
Wenn man die "78" mit modernem High-Density-Backing versieht, passen davon etwa 50 Meter in 30 lb. und noch eine 10er WF (nicht jede Marke...) drauf. Das ist wirklich Klasse! Somit kann diese Rolle vielseitig an Fliegenruten der Klasse 6 bis 10 eingesetzt werden. An den Innenseiten der Spulen wurden übrigens die Schnur- und Backingkapazitäten in Richtwerten angegeben.
Fazit:
Die "Ultegra" sind zuverlässige und hochqualitative Fliegenrollen, welche traditionelle Optik und moderne Technik zu einer gelungenen Gesamtkomposition vereinen. Für alle, die auch ohne Großkern- Fliegenrollen auskommen können - ein besonderer Tipp!
Zum Bauteileplan: (Hier Klicken)
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Bezug
Weit verbreitet im Fachhandel. Herstellerwebsite: http://fish.shimano-eu.com
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Update "Biocraft XT" 56
Die direkte Nachfolge- Serie der beliebten "Ultegra" ab 2007 heißt "Biocraft XT". Verfügbar sind - wie auch schon bei der "Ultegra" - die drei einschlägigen Modelle 34, 56 und 78. Die "Biocraft XT"-Fliegenrollen sind mit ihren Vorgängern Innen und Außen im wesentlichen Baugleich (die Spulen jedoch nicht "Ultegra- kompatibel"), bis auf vier wesentliche Abweichungen:

- die Rollenoberfläche ist nicht mehr silbern, sondern wurde in einem hellen, bräunlichen Farbton anodisiert
- die Alu-Kurbel wurde durch eine gleichgroße Holzkurbel ersetzt
- die Spule wurde jetzt auch rückseitig gelocht
- veränderte Schriften auf der Rolle

Technische Daten (eigene Messungen) für unser "56" Testmodell:
Gewicht: 138 Gramm
Rollendurchmesser: 80 mm
Rollenbreite (ohne/mit Kurbel u. Bremsrad): 32 (56) mm
Spuleninnenbreite: 21,5 mm
Spulentiefe (nutzbar): 29 (25,5) mm
Schnurfassung: WF5F+120m 20lb-Backing
Lager: ein Walzenlager
Preis: um 85 €, Details bitte beim Fachhändler erfragen.
Lieferumfang: Karton, Neoprene-Rollentasche, Beipackzettel (sechssprachig, auch in Deutsch) mit verschiedenen Instruktionen, Teileplan, etc.. Garantie: Die in Deutschland übliche Fachhändler-Garantie.
Zum Modell selbst gibt es dem obigen Testbericht technisch nichts hinzuzufügen - alle Fakten zur Rolle, Bremse etc. wurden schon ausgiebig beschieben und gelten auch für diese Rolle. In der neuen Farbe und mit der schicken Holzkurbel wird die erfreulicherweise preisgünstig gebliebene "Biocraft XT" sicher ebensoviele Freunde finden, wie ihr Vorgänger-Modell. Einziges Manko bei unserem Testmodell: eine leichte Unwucht der Spule, besonders deutlich spürbar bei höheren Abzugsdrehzahlen. Beim Fischen sicher praktisch nicht hinderlich, aber spürbar und sicher herstellerseits abstellbar.
Testbericht: www.fliegenfischer-forum.de
Fotos ©:  Michael Müller
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Das Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist verboten.
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