Besprechung / Fliegenfischen - Zubehör:
Dreifach-Schusskorb-Test:

Dänischer Schnurkorb von Linekurv.dk | TFO Hip Shooter | VE Eigenbau Sys.
Die grundsätzlichen Vorteile der Verwendung von Schnurkörben / Schuss-Hilfen, besonders beim Küstenfischen, liegen auf der Hand: die Fliegenschnur hängt nicht mehr im Wasser (oder gar im Unterwasserbewuchs fest), was sich logisch beim Wurf abbremsend auswirkt, sondern sie liegt nun in losen Klängen im Korb und schießt von dort aus in der Regel flott durch die Ringe... Aber auch bei der Verwendung direkt am Strand bringt ein Schnurkorb immer Vorteile, so bleiben doch Sand und Schmutz, sowie das Verfangen der Leine zwischen Steinen, den eigenen Füßen, etc. weitgehend außen vor.
Mittlerweile werden im Handel eine Vielzahl unterschiedlichster Produkte angeboten, die Palette reicht von starren Hartplastik-Körben über solche aus flexiblen Schaumstoffen und klein verstaubare aus Netzgewebe bis hin zu einfachen, mit Zapfen bestückten Grundplatten und ausgeklügelten Gurt-Clips. Mit etwas handwerklichen Geschick und Einfallsreichtum lassen sich die Schuss-Hilfen auch selber basteln.
Beim ersten diesjährigen Ostsee-Trip hatten wir Gelegenheit, drei sehr unterschiedliche Schnurkörbe / Schuss-Hilfen im Praxiseinsatz zu testen. Praxistauglich sind sie durchweg alle – und verwendbar je nach persönlichen Vorlieben. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich, dass es sich nicht um einen Vergleichstest handelt - mit dem Ziel einer Aussage, welches der Geräte am besten taugt. Wir haben diese drei Körbe lediglich ausgewählt, um verschiedene Möglichkeiten und Handhabungen aufzuzeigen. Bei Gelegenheit werden wir weitere Schuss-Hilfen vorstellen.
Fangen wir mit dem dänischen Schnurkorb von Linekurv.dk an. Dieser auch liebevoll „Abwaschwanne“ genannte Schnurkorb gehört zur Kategorie der kompakten Körbe aus Plastik mittlerer Härte. Die Maße betragen 41 cm in der Breite, 28 cm in der Tiefe und 14,6 cm in der Höhe, das Gewicht beträgt 705 Gramm. Das Besondere an diesem Korb ist seine ergonomisch angepasste Form, die sich gut an die Hüfte anpasst, zwei tiefe Aussparungen links und rechts, zur sicheren Ablage der Fliegenrute quer oben auf dem Korb, ein Tragegriff hinten und insgesamt neun knapp 6 cm hohe, starre Zapfen im Boden. Zur weiteren Ausstattung gehört ein 5 cm breiter Watgurt mit XXXL-Einstellbereich. Der Linekurv besitzt einen komplett geschossenen Boden, er ist dadurch schwimmfähig und kann mit unterschiedlichen Befestigungs- möglichkeiten neben dem üblichen Angurten an der Hüfte auch abgesenkt und tiefer gefischt werden (was praktisch 
sinnvoll ist, da dann die Schnurhand nicht mehr laufend gegen den harten Korbrand schlägt..).
Bei ordentlichem Wellengang bringt der Korb zwei Nachteile mit sich: er kann voll Wasser schwappen (welches nicht abfließen kann, sofern man vorher nicht selbst einige Löcher nachgerüstet hat) und die Wellen können mit Wucht so gegen den Korb schlagen, dass es den Fischer aus dem Gleichgewicht bringen kann. Dennoch, der Linekurv Schnurkorb erfüllt seinen Zweck gut, er ist preisgünstig, solide und unverwüstlich, und auf dem Rückweg vom Wasser können die gefangenen Fische, nasse Watsachen, etc. darin verstaut werden.
Preis: 49,90 €. Bezug im Fachhandel, z.B. bei www.fliegen-shop.de
Linekurv Update 2010: Bei der Fliegenbinderei Martin Rau gibt es den Linekurv nun in einer modifizierten Komfortversion. Hierzu wurde der normale Gurt durch einen Gurt mit einem elastischen Gummibandteil ersetzt, was den Tragekomfort erheblich verbessert. Für 42,-- € bei www.fliegenbinderei.de
Der TFO Hip Shooter besteht aus zwei Teilen: der umlaufenden Seitenwand aus 5 mm dicken, flexiblen Schaumstoff und der Bodenplatte aus 2,5 cm dicken, festem Schaumstoff. Beide Teile getrennt ermöglichen ein platzsparendes Verstauen und leichtes Transportieren des Korbes. Die Maße des fertig zusammengebauten Schnurkorbes: Breite 36 cm, Tiefe 22 cm, Höhe 25 cm, Gewicht 700 Gramm. Der Hip Shooter wird mit einem Edelstahlclip am Watgurt eingehängt. Auch dieser Korb weist einige spezielle Besonderheiten auf. So kann z.B. die Seitenwand beliebig auf eigene Bedürfnisse zugeschnitten werden – ein Cuttermesser genügt dazu. Der Korb auf den Fotos wurde von Volker Engelmann seitlich schon so zugeschnitten, dass die Hand beim Einstrippen nicht gegen die Kante schlägt – man könnte auch noch mehr Material wegschneiden, je nach Bedarf (theoretisch reicht ja auch die Bodenplatte als Schuss-Hilfe aus – siehe unten). Der ganze Korb schwimmt, so dass er in gewissem Maße mit den Wellen mitgeht. Hereinschwappendes oder von unten durchdrückendes Wasser ist durch die acht Löcher im Boden mit jeweils 3,8 cm Durchmesser schnell wieder draußen. Die Bodenplatte lässt sich mit insgesamt 10 dünnen, flexiblen Plastikstäben a. 12 cm Länge und 8 dickeren, starren Plastikstäben a. 7 cm Länge bestücken (ein ziemlicher Fummelkram...). In der Praxis funktionierte das System ausgezeichnet – das Schnur einstrippen und wieder schießen lassen klappte einwandfrei, auch das Handling bei unterschiedlichen Wattiefen und Wellengang. Hier gibt es aber auch die Gefahr des aus dem Gleichgewicht geraten bei stärkerem Wellenschlag.
Preis: 69,-- €. Bezug bei www.flyfishingeurope.de
Das Eigenbau-System (Prototyp, noch nicht serienreif) von Volker Engelmann, eingesetzt bei normalen, also nicht übermäßig stürmischen Verhältnissen, erstaunte mit seiner eher spartanischen Ausstattung, überzeugte beim Fischen jedoch 100%ig! Das nur 160 Gramm leichte System besteht eigentlich nur aus einer 1,7 cm starken Bodenplatte aus Hartschaumstoff, mit 4 Schlaufen und 32 verschiedenlangen Einsätzen aus bunten Silikonschläuchen. Die Platte ist 38 cm breit, 25 cm tief, mit sieben Löchern a. 3,5 cm Durchmesser ausgestattet und für’s an der Tragen an der Hüfte ergonomisch geformt. Die vier Schlaufen ermöglichen ein Einschlaufen in den Watgut und das wahlweise verwenden auf Hüfthöhe oder das Schwimmenlassen auf dem Wasser! Letzteres funktionierte sehr überzeugend, da es auf diese Weise völlig egal ist, ob in langen oder kurzen Zügen eingestrippt wird. Außerdem entfällt bei dieser Bauart ein lästiges Kantenanschlagen mit der Hand völlig! Volker wird das ohnehin schon super funktionierende Teil insgesamt noch etwas optimieren, außerdem die Silkoneinsätze etwas reduzieren, bevor diese praktische Schuss-Hilfe in Kleinserie geht.

Preis: steht noch nicht fest. 
Bezug bei Volker Engelmann / Interessenten können sich an die Redaktion wenden.
Bericht: www.fliegenfischer-forum.de | Fotos ©: Michael Müller
Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist nicht gestattet.

zurück zur Übersicht Zubehör | zurück zu Gerätettest | zurück zur Startseite
Copyright © 2008/2010 | www.fliegenfischer-forum.de  |  DAS Fliegenfischen Online Magazin |  Kontakt