Gerätebesprechung Fliegenruten:
SAGE "SLT" 8'6 #5
Niemand verstand so recht, warum die Firma SAGE die überaus erfolgreichen SPL Ruten vor einigen Jahren vom Markt nahm und sie durch die SLT–Serie ersetzte. Die SPL war eine mittelschnelle Rute, der bei aller Qualität das Dilemma vieler Hersteller anzumerken war, die eine mindestens mittelschnelle „Weitwurfrute“ anbieten wollen, die trotzdem im Nahbereich sanft präsentieren kann. Aus dieser Philosophie sind nun konsequenterweise zwei Serien entstanden, nämlich die XP für die Komponente Schnelligkeit und die SLT für die feine Präsentation und den „gemütlichen“ Wurfstil. „Wenn du etwas besser machen kannst, dann tue es,“ war die Begründung für die Einführung der SLT-Serie. Und in der Tat, wenn man eine SLT in die Hand nimmt, kann man uneingeschränkt bejahen, dass die Aktion dieser Rute weicher und feiner ist als die der SPL.

Ausstattung und technische Details
Die SLT gibt es in 37 Varianten von Schnurklasse 0- 8 , 2,3,4 und 5-geteilt. Die Preise liegen derzeit je nach Klasse, Teilung und Händler zwischen 530 und 680 Euro. der Blank besteht aus Graphite IIIe, dem gleichen Material wie die XP. Zu beziehen ist sie bei Heger Traun River Products und anderen autorisierten Händlern. SAGE gibt dem Erstbesitzer eine 30jährige Garantie.
Diesem Test liegt eine 8,6 Fuß (2,60m) lange vierteilige SLT # 5 zugrunde, die ich seit fast einem Jahr mit einer Triangel Taper und neuerdings mit einer Quiet Taper II fische. Sie besteht aus vier gleich langen Teilen und wird in einer Textiltasche im 72 cm langen Alurohr geliefert. Sie ist leicht – 88 Gramm-  und der Blank ist goldbraun lackiert. Acht Schlangenringe zuzüglich Leitring (mit Einlage) und Spitzenring sind mit transparent braunen Bindungen angewunden. Dank einer „neuen Hülsentechnik“ sind die Überschubhülsen  schlank und elegant. Über dem Griff befindet sich eine Einhängeöse.
Griff: Am Rutenfuß befindet sich ein Uplocking – Schraubrollenhalter aus Aluminium unter einer Griffeinlage aus Walnussholz, darüber ist ein 16,5 cm langer an der dicksten Stelle 25 mm dicker Griff in Zigarrenform aus gutem Kork mit nur wenigen Kittstellen. Der Griff ist jedoch mit 16,5 cm für große Hände reichlich kurz und ein zum Blank besser kontrastierendes Griffholz würde man in dieser Preisklasse durchaus erwarten, ebenso einen Rollenhalter aus Nickelsilber. Die Rute ist sehr gut verarbeitet, doch insgesamt hat man den Eindruck, dass SAGE bewusst Understatement betreibt, um die Funktionalität der Rute in den Vordergrund zu stellen, denn Ruten in dieser Preisklasse lassen sich - wie andere Hersteller beweisen - mit durchaus edlerem Ambiente bauen. Und es spräche auch nichts dagegen, an den Überschubverbindungen zur Ausrichtung der vier Teile Markierungen anzubringen.

Praxis- und Wurftest
Der erste Eindruck ist, dass man ein filigranes Gerät in der Hand hält, dem man „nicht weh tun „ möchte, indem man große Leinenlängen durch die Luft „schießt“. Wenn man sich dennoch überwindet, die Rute auszulasten, stellt man erstaunt fest, dass man ein – wenn es denn sein muss - „giftiges“ Gerät in der Hand hält, dem es durchaus nichts ausmacht, sich bis ins Handteil durchzubiegen und die Leine abzuschießen.
Die 8,6 Fuß-Rute ist für Fluss und Bach gut geeignet. Sie federt den Drill starker Fische bestens ab, sodass man die SLT auch durchaus mit sehr feinen Vorfächern fischen kann. 
Und die Leichtigkeit, mit der sie sich bei kurzen und mittleren Distanzen durch die Luft bewegt erinnert an das Werfen mit einer Schnurklasse tiefer. Sie ermöglicht - vor allem mit der Quiet Taper - eine ungemein gefühlvolle Präsentation der Fliege, fast wie mit einer Gesplissten.
Dennoch hat sie keine Probleme mit weiteren Distanzen und beschwerten Nymphen.
Mit ihrer semiparabolischen, mittelschnellen Aktion ist sie zwar für einen „komfortablen“ Wurfstil ausgelegt, aber dennoch giftig genug, die Leine auf hohe Geschwindigkeiten zu bringen und mit ordentlich Power abzuschießen. Wer ein Faible für genussvolles Werfen hat, kommt an dieser Rute nicht vorbei. Das Verhalten der Leine teilt sich über die gefühlvolle Reaktion der Rute dem Werfer unmittelbar mit. 
Besonders beeindruckt die Bandbreite der Wurf- rhythmen : Ich hatte noch nie eine Rute in der Hand, mit der man so von einem langsamen, fast meditativen Rhythmus in einen flüssigen schnellen Wurfstil übergehen kann. Allerdings muss man - wenn man mehr als 16 - 17 m Leine in der Luft halten will- darauf achten, dass die SLT aufgrund ihrer Aktionskurve einen größeren Schnurbogen in die Leine bringt als spitzenbetonte „Weitenjäger“. 
Dem kann man durch eine kontrollierte Rutenführung entgegen wirken, besser gelingt das bei der SLT jedoch, wenn man durch deutliche Zugunterstützung der Rute beim Beschleunigen hilft.
Ihre Stärke sind jedoch die Distanzen zwischen 5 und 20 Metern. In diesem Bereich arbeitet sie fast von selbst und ermöglicht ein ungemein komfortables ermüdungsarmes Fischen, und das ist der Bereich, in dem die meisten Fliegenfischer ihre Fische fangen, oder ?
Fazit : Von der „spartanischen“ Ausstattung einmal abgesehen, ist es SAGE gelungen, eine Rute zu bauen, die mindestens das leistet, was ihre Vorgängerin auch schon konnte, aber sie tut das leichter, eleganter und viel gefühlvoller als die SPL, weil SAGE sich offenbar entschieden hat, den mit der SPL beschrittenen Weg zu Ende zu gehen, so dass der „Genussfischer“ endlich ein adäquates Gerät zur Verfügung hat, welches zumindest zum Teil die Vorzüge einer Gesplissten mit moderner Kohlefasertechnologie in Einklang bringt.
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Testbericht & Fotos (C): Werner Berens für www.fliegenfischer-forum.de
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