Gerätebesprechung - Fliegenruten:
„New“Redington RS 3: Elegante Allroundruten mit Pfiff
Komplett-Relaunch gegenüber der RS2-Serie

Anders als bei den Rollen wird bei den Ruten die Redington RS-Serie weitergeführt – und wie. Denn was „New“Redington mit der RS3 vorgelegt hat, ist aller ehrenwert. Die RS3-Rutenfamilie wurde gegenüber RS2 komplett überarbeitet. Offensichtlich hatte Teileigner und Top-Rutenbauer Sage bei der Entwicklung der RS3-Gertenfamilie ganz schön die Finger mit im Spiel. Die RS3-Serie glänzt mit Ausstattungsmerkmalen, die in ihrer Klasse sicherlich nicht sehr oft vorzufinden sind. Es handelt sich hierbei um elegante, mittelschnelle bis schnelle Allroundruten. 
Verfügbare Modelle / Preise:
28 verschiedene Fliegenruten umfasst die neue RS3-Serie; bei der RS2 waren es noch 26. Von der Schnurklasse 3 bis zur Schnurklasse 12; 2-teilige ebenso wie vierteilige. Ab der Schnurklasse 7 gibt es sie als Fullwells-Griff mit Fittingbutt. Die kürzeste Rute hat eine Länge von 228 cm, die längste 305 cm. Ansonsten werden praktisch alle gängigen Klassen und Längen abgedeckt. Die 2-teiligen Ruten werden bezeichnet mit RS3 XXXX (vierstellige Zahl); die 4-teiligen mit TRS3 XXXX (vierstellige Zahl). Getestet wurde eine TRS3 8654, eine 4-teilige 5er Rute mit 8,6 Fuss. 
Die 2-teiligen Ruten kosten 189,50 Euro, die 4-teiligen 219,00 Euro. 

Ausstattung und technische Features:
Die TRS3 8654 hat ein Gewicht von rund 85 Gramm und die Grundfarbe des lackierten Blanks ist praktisch durchgehend burgunderfarben; auch die Bindungen sind 

burgunderfarben gehalten. Im unteren Bereich (Handteil) sind silberne Zierwicklungen angebracht. Die Überschübe sind funktional ausgelegt. Der Leitring ist mit einer SIC-Einlage ausgestattet. Die verchromten, hochstehenden Schlangenringe sind von einer sehr guten Qualität. Der Handgriff fühlt sich angenehm weich an. Die Qualität des Korks ist gut, wurde jedoch nachgeschliffen und mit Füllmaterial versehen. Der Rollenhalter ist mit Nickelbeschlägen und Edelholzeinlagen ausgestattet. Bei den Salzwasserruten der RS3-Serie gibt es schwarze Aluminium- Rollenhalter. Die 4 Teile der TRS3 8654 sind gleich lang.
Das Cordura-Rutenrohr (auch burgunderfarben, ebenso wie das Stofffutteral) ist fest sowie stabil und hat einen Tragegriff. 

Nähere Betrachtung, RS2-RS3-Vergleich und Praxistest:
Nach dem Zusammenstecken der 4 Teile hat man ein gutes Feeling. Und es beschleicht einen das Gefühl, man hat eine elegante, mitunter edel wirkende Gerte in der Hand. Zudem: Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sage bei der Entwicklung

der RS3 ziemlich die Handschrift hinterlassen hat. Allein die silbernen Zierwicklungen – ganz „Sage-like“. Beim Auspacken respektive Zusammenstecken der Rute wäre mir fast ein Lapsus passiert. Und ich denke, man sollte auf Folgendes hinweisen, bevor man tatsächlich etwas falsch macht. Also, ich öffnete das Rutenrohr mit dem Reißverschluss, danach das Rutenfutteral schob dann das Handteil heraus. In der Nähe des Unterschubs entdeckte ich am Blank einen kleinen runden silbrigen Lackfleck, und ich fing schon an mit dem Fingernagel zu rubbeln. Der Lackpunkt ging – zum Glück – nicht weg. Eigentlich weiß ich nicht warum, aber ich schob die anderen Teile aus dem Futteral und jedes hatte Punkte in Unter- beziehungsweise Überschubnähe. Oha, jetzt wurde mir klar, was das sollte: ein Markierungspunkt als Hilfe für die genaue Positionierung der Teile. So muss man nicht die einzelnen Teile der Redington-Rute zusammenstecken und danach schauen ob die Ringe der einzelnen Segmente „fluchten“, ob alle Teile auf einer Symmetrieachse liegen, beziehungsweise eines oder mehrere Rutensegmente schief aufgeschoben sind. Wie ich finde, ein prima Feature, das die RS2 nicht hatte. 
Interessante neue Features
Doch damit nicht genug. Wie bereits erwähnt, wurde die RS3 ja gegenüber der RS2 komplett überarbeitet. Grundsätzlich kam man sagen, dass die Ausstattung insgesamt verbessert wurde. Es soll aber kein falscher Eindruck entstehen, jede der RS2 war bestimmt nicht schlecht. Verbessert wurden zum Beispiel die Schlangenringe. Sie sind bei der RS3 stärker, höherwertiger. An der Korkqualität konnte ich keinen Unterschied feststellen. Am Rollenhalter allderdings sehr wohl. Er ist eleganter und nicht so wuchtig, obwohl mich das bei der RS2 nicht sonderlich gestört hat (beziehungsweise noch immer nicht stört, da ich die RS2 auch noch immer gerne fische). Wie die RS2 hat die RS3 auch eine Edelholzeinlage, aber einen etwas feineren, schöneren. Und wer die RS2 nicht kennt – bei der RS sind Wicklungen an den Ringen und Blank farblich nicht abgesetzt, was der Vollständigkeit halber erwähnt werden soll. Nicht die Rute, sondern das Rutenrohr betreffend, hat die RS3 noch ein interessantes Feature. Dort hat man an den Enden Schutzkappen angebracht. Auch eine feine Sache. Denn dadurch wird verhindert, dass sich Fasern aus dem Cordura bei öfterem Gebrauch oder beim Reiben, wo auch immer, lösen. So wird das Rohr an den Enden nicht verschlissen. 
Die getestete 4-teilgige 5er TRS3 8654 hat nach meinem Empfinden eine mittelschnelle bis schnelle Aktion und lädt sich schön auf. Die Rute kommt aber zu keiner Zeit in irgendeiner Art und Weise als "Wurfmaschine“ daher. Sie ist stets gut kontrollierbar und nicht hart oder steif – wie es etwa bei der früheren Freshwater-Serie von Redington schon ein wenig der Fall war. Ich testete die Rute an 4 Fischtagen intensiv mit zwei Rollen verschiedener Hersteller. Ich fischte mit Trockenfliegen, Nymphen und Streamer. Ferner nutzte ich eine W5F-Schnur sowie eine Sinkschnur (130 Grains). In allen Distanzbereichen und mit allen Fliegen machte die RS3 eine gute Figur. Die Drills mit Regenbogenforellen unterschiedlicher Größe machten stets Spaß. Bei einer größeren merkte man, dass die Redington Rückgrat hat. Kurzum: Sie warf sich prima und war allen gestellten Situationen gewachsen.
Fazit:
Die getestete Redington RS3-Rute TRS3 8654, übrigens meine vierte Redington, ist eine schöne, feine Allroundrute. Sie wirkt elegant und weist Ausstattungsmerkmale auf, die in der gehobenen Klasse zu finden sind. Gewährt wird übrigens eine 30-jährige Garantie (über das „New“Redington Service Center von Rudi Heger). Für den Einsatz an mittelgroßen Flüssen gehört sie für mich fortan zu meinen bevorzugten Ruten. Ich hätte nicht gedacht, dass es gelingt, die RS2 derart zu verbessern. Für sehr preis-leistungsverhältnis-sensitive Fliegenfischer stellt die RS3 aus meiner
Sicht eine sehr interessante Fliegenrute dar. 
 

Bezug:
Laut Rudi Heger-Angaben werden von rund 100 Partnerfirmen (Fachhandel) – neben Heger selbst – die RS3-Ruten angeboten. Die RS3-Serie wurde 2004 für das Jahr 2005 entwickelt. Auch gibt es RS3 Outfit-Pakete (Kombipakete), bestehend aus RS3-Rute, CD-Rolle, WF Floating-Schnur, 20 lbs Backing und Vorfach sowie mitgeliefertem „Rod & Reel case“. 

(12/2004) 

***

Testbericht und Fotos
Gottfried Welz für www.fliegenfischer-forum.de
***
Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist nicht gestattet.