Gerätebesprechung - Fliegenschnüre:
PHOENIX Seidenschnur DT 5
Das Motto heißt "Zurück zur Natur". Fischen mit allen Sinnen - IN - und - MIT der Natur! Nicht nur das Fischen mit und das selber Bauen von Gespließten Fliegenruten erfreut sich nach wie vor - und zunehmend - großer Beliebtheit, sondern auch der Einsatz von Seidenschnüren, bevorzugt an eben diesen Fliegenruten... 
Gute Seidenschnüre waren einige Zeit schwer zu beschaffen, gerade in Deutschland. Doch mit wachsender Nachfrage führt sie nun auch wieder der deutsche Handel - in Einzelfällen zumindest.
Im Testbericht 309 (Seidenschnur "Terenzio Sandri", Italien, DT 4 ¾) haben Ihnen wir bereits eine Seidenschnur der Italiener vorgestellt, auch mit Vergleichen zur französischen "Phoenix". Dort werden auch ausführlich Werte und Eigenschaften beschrieben, wie sie für hochwertige Seidenschnüre allgemein Gültigkeit besitzen. In unserem Phoenix Testbericht werden wir deshalb nicht noch einmal alles wiederholen, sondern allgemeine Dinge nur kurz anführen, ansonsten aber Fakten aufzeigen, welche die Marke Phoenix und unser DT 5 - Testmodell betreffen. Viele ausführliche und interessante Ausführungen u.a. zur Firmen-Geschichte, Einsatzgebiete, Eigenschaften und Pflege der Seidenschnüre können Sie auch auf der Website des Anbieters (www.finearts-flyfishing.de) in deutscher Sprache nachlesen.
Herstellerangaben: Phoenix DT 5
Art: Schwimmende, doppelt verjüngte Fliegenschnur/Seidenschnur, Farbe "Honig"
Schnurklasse: # 5
Länge: 30 yards (27,43 m)
Besonderheiten: Reines Naturprodukt aus feinster chinesischer Seide, geklöppelt aus 16 Seidenfäden, imprägniert, getrocknet, geschliffen und poliert.
Lieferumfang: Schnur kommt in einer Schachtel, mit 1 Dose MUCLIN (mit Läppchen) und ausführlichen & wichtigen Anwendungs-Instruktionen in Deutsch und Englisch
Preis: 190 €
verfügbare Phoenix-
Seidenschnüre
DT 4 und 5 (30 yards Länge) | WF 4 und 5 (33 yards Länge), Farbe: "Honig" | Außerdem: Parallel-Schnüre (Klassen #2 bis #5, Farbe "Grün")


Grundliegendes:
Die sieben wichtigsten Vorteile und Eigenschaften von Seidenschnüren gegenüber Kunststoffschnüren, kurz zusammengefasst:

Dadurch, dass sie um 1-2 Klassen dünner sind als Kunststoffschürer der gleichen Gewichtsklasse, können Seidenschnur sehr unauffällig abgelegt werden. Die Scheuchwirkung ist deutlich geringer als die von Kunststoffschnüren.

Aus dem gleichen Grund schneiden Seidenschnüre auch besser durch den Wind. Allgemein hat man den Eindruck, Seidenschnüre “arbeiten besser”, gerade an gespließten Fliegenruten.

Seidenschnüre sind aufgrund ihres geringeren Durchmessers gerade für leichte Rollen mit einer geringeren Schnurkapazität hervorragend geeignet.

Seidenschnüre haben kein Memory, wenn sie von der Rolle kommen. Egal ob Sie im Hochsommer auf Forellen oder im Winter bei klirrender Kälte auf Äschen unterwegs sind: Sie haben immer eine unverkringelte Schnur. Das ist vor allem auch bei den “klassischen” Fliegenrollen mit einem kleinen Spulenkern von großem Vorteil.

Aufgrund ihrer um 25% geringeren Dehnung sind Sie in der Lage, auch auf grössere Entfernung den Haken sicher zu setzen.

Universell einsetzbar: Gefettet wird die Seidenschnur als Trockenschnur gefischt. Ungefettet steht Ihnen eine langsam sinkende Schnur zum unauffälligen Fischen im Oberflächenfilm zur Verfügung. 

Große Haltbarkeit: Bei etwas Pflege halten Seidenschnüre zwanzig Jahre und länger! 


Eigene Messungen
und Praxistest:
Phoenix DT 5
Länge: 28,60 m
Klassifizierung: Die ersten 9,14 Schnurmeter wiegen ungefettet 8,2 Gramm, das Gewicht liegt damit etwas unterhalb der nach AFTMA-Tabelle zugeordneten Toleranz für die angegebene Schnurklasse # 5. Durch Einfetten der Schnur verschiebt sich dieser Wert jedoch in einen Bereich an der oberen Grenze für # 5.
Art / Aufbau: Seidenschnur (wie oben beschrieben), doppelt verjüngt. Farbe: Honiggelb. Taper-Aufbau: Ein Tippet im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Die sehr feine Spitze geht bereits nach wenigen cm in eine dezent gleichmäßige Zunahme des Durchmessers über, bis nach etwa 2,30 m (ab Spitze) die dickste Stelle erreicht wird. Der Schnurdurchmesser ist passend zur Schnurklasse und angemessen.
Eigenschaften und Handling: Oberfläche / Schnurart: ungefettet: relativ steif; gefettet und eingefischt: geschmeidig. Glatte, matte Oberfläche
Gesamt-Handhabung: gut
Schußeigenschaften: gut
Wurf-Handling: sehr gut
Ausgewogenheit: sehr gut
Schwimmvermögen: (gefettet) gut
Abrolleigenschaften: sehr gut
Farb-Empfinden: sehr angenehm und gut sichtbar
Haltbarkeit: sehr gut, keine Abnutzungserscheinungen, soweit über den Zeitraum von einigen Monaten beurteilbar
Eignung für div. Trickwürfe: ja 
Memory-Effekt: nicht vorhanden !
Wichtig / am Rande bemerkt: Wenn Sie die Phoenix erstmalig mit Muclin (etwas anderes sollten Sie nicht verwenden...) behandeln und fischen gehen, dauert es etwa 5 Tage, bis die Schnur ihre volle Geschmeidigkeit bekommt. Die schöne honiggelbe Farbe bleibt erhalten, wenn man die nasse Schnur beim letzten Einspulen am Abend noch durch ein Tempotaschentuch o.ä. zieht. Zum Befestigen des Vorfaches eignet sich am besten der Nagelknoten bzw. die noch sicherere Variante als (durchstochener) Nadelknoten oder der Albright-Knoten (mit umgelegter Schnurspitze).
Unser Fazit: Die neue Phoenix ist eine moderne Seiden-Fliegenschnur - absolut nicht mehr vergleichbar mit alten Seidenschnüren längst vergangener Zeiten... Ebenso ist die Anwendung keinesfalls mehr nur auf gespließte Fliegenruten beschränkt - für nur eine Ruten-Gattung ist die Phoenix viel zu schade... Sie lässt sich also auch an feinen Kohlefasergerten vortrefflich fischen.
Insgesamt waren alle unsere Tester (die sich zum Großteil ansonsten bisher gar nicht mit Seidenschnüren beschäftigten) sehr angetan von der Schnur bis überrrascht von ihren sehr angenehmen fischereillichen Qualitäten. 
Und die 1,20 Meter Gratiszugabe ist bei dieser Preislage immerhin rund 7,-- € Geldwert - nicht schlecht !
Für eine möglichst lange Freude an dieser nicht gerade geringen "Geldanlage" ist natürlich ein wenig Schnurpflege angesagt - aber was tun wir nicht alles für unser geliebtes Hobby, stimmts ?


Bezug
Axel Janousch, FineArts Flyfishing, Loferer Straße 7, D-81671 München, Telefon 0049 (0)89 450 28 320, Telefax: 0049 (0)89 450 28 318, E-Mail: finearts-flyfishing@email.de, Web: www.finearts-flyfishing.de
Bericht: www.fliegenfischer-forum.de | Fotos: (C) Michael Müller
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Verbraucher & Meinungen:
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04.10.2006: Der für mich vielleicht größte Vorteil der Phoenix ist - zumindest aufgrund meiner persönlichen Erfahrung -, dass sie sich sehr gut nachfüttern lässt. Ich vergleiche sie immer wieder mal mit einer Kunststoffschnur, kehre dann aber immer wieder reumütig auf die "Seidene" zurück. Im direkten Vergleich "kleben" die Kunststoffschnüre deutlich mehr in den Ringen und lassen sich lange nicht so schnell nachfüttern.
Was mir noch aufgefallen ist, dass man - wenn man z.B. eine ruhig Tasche gegenüber einer schnelllen Hautptströmung befischen möchte -, gerade mit dieser DT-Schnur den Belly mit ein paar Schwipps sehr schön nach oben umlegen kann und dabei die Spitze im ruhigen Wasser still liegen bleibt. Damit gewinne ich oft genau die 5-10 Sekunden, die der Fisch braucht, um die Fliege zu entdecken, bevor sie von der Hauptströmung mitgerissen wird. Ich habe heute 2 schöne Äschen genau so gefangen. Axel aus München.
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